Wetter und Klima - zwei ungleiche Geschwister

 
wetter und klima


Klima und Wetter beruhen auf Vorgängen in der Atmosphäre.
Unter Wetter versteht man den momentanen Zustand der Atmosphäre, der von verschiedenen Faktoren (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wolkenbildung, Wind) abhängig ist. Das Wetter über einen etwas längeren Zeitraum betrachtet, wird unter dem Begriff der Witterung zusammengefasst.

Das Klima wird durch die Statistik von Wetterdaten beschrieben. In klimatischen Aussagen sind Beobachtungswerte längerer Zeiträume (z.B. >30 Jahre) gemittelt, so z.B. die Durchschnittswerte von Temperatur oder Niederschlag.

Das Klima ist weder räumlich noch zeitlich statisch. Die räumlich unterschiedlichen Klimata werden z.B. durch Klimazonen beschrieben, für die zeitliche Schwankungen ist der Begriff Klimaänderung heute in aller Munde.


zurück zum Abschnitt Klima
 
 
 


Rekonstruktion einer historischen Klimasituation
Methoden und Quellen

Thumbnail imageAbb.11

 

Die Klimatologie verfügt über eine Vielzahl von Methode und Quellen, um Aussagen über das Klima vergangener Epochen zu machen. Sie sind von unterschiedlicher Genauigkeit und Zuverlässigkeit.

Eine Auswahl:

Physikalische Methoden:

Die direkte Messung von Klimadaten begann 1611 mit der Erfindung des Flüssigkeitsthermometers durch Galilei.

Klimabestimmung mit Hilfe von Eisbohrkernen

Bestimmung des Isotopenverhältnisses von Sauerstoff in Eisbohrkernen aus arktischem oder/und Gletschereis (siehe Abb.1) OR: Römerzeitliches Optimum; PV: Pessimum der Völkerwanderungszeit; MO: Mittelalterliches Optimum; KE: Kleine Eiszeit

Prinzip: Der Sauerstoff der Luft besteht aus unterschiedlich schweren Atomen, die man als Sauerstoffisotope bezeichnet. Im Eis befindet sich gelöster Sauerstoff. In Kaltzeiten wird mehr Sauerstoff mit der Masse 16u in das Eis eingelagert als in Warmzeiten. In einem geeigneten Messgerät (Massenspektrometer) kann man das Verhältnis der unterschiedlich schweren Sauerstoffisotope - Sauerstoff mit der Masse 16u und Sauerstoff mit der Masse 18u - in einer Eisprobe bestimmen.

Man sieht, dass die Optima und Pessima im obigen Diagramm mit den im Klimadiagramm gezeigten übereinstimmen.

Beobachtungen:

Gemälde von Gletschern und geomorphologische Spuren der Gletscheraktivität (Kratzspuren, Findlinge, Moränen) geben Auskunft über die Ausdehnung des Gletschers. Gletscher dehnen sich in kalten niederschlagsreichen Epochen aus.

Spuren von Küstenlinien geben Auskunft über die Höhe des Meeresspiegels und dadurch indirekt über das Volumen des Landeises.

Dendrochronologie

Das Prinzip besteht darin, dass die Jahresringe von Bäumen in günstigen Jahren einen großen Zuwachs zeigen.

Auswertung alter Chroniken:

Häufung von Sturmfluten

Zufrieren von Seen und Flüssen, Pegelstände von Flüssen

z.B. Jahre, in denen der Bodensee (Seegefrön) zufror2

 

Jahr   Jahr
875; 895   1408; 1435; 1444; 1461; 1465;
1469; 1477; 14,91
928;   1514; 1527; 1551; 1563; 1565; 1571; 1573; 1583;
1074; 1076   1600; 1608; 1660; 1684; 1685; 1695;
1108   1709; 1718; 1740; 1755; 1763; 1789; 1799;
1217; 1277   1830; 1880; 1894;
1323; 1325; 1378    

 

Wetterbeobachtungen

Dazu ein Kuriosum: „Die Aufzeichnungen des Abtes Mauritius Knauer aus Mittelfranken aus den Jahren 1652 bis 1658 haben geschäftstüchtige Leute als Hundertjährigen Kalender missbraucht, mit der Unterstellung, dass der Witterungsablauf, der dort über sieben Jahre lang festgehalten wurde, sich genau in der gleichen Art über Jahrhunderte hinweg im Siebenjahresrythmus ständig wiederholen würde und dann noch für ganz Deutschland repräsentativ sei.“ 3 Trotz des Unsinns wird der Hundertjährige Kalender auch heute noch verbreitet und verkauft.

Aussagen zur Phänologie

(Blühbeginn bestimmter Arten, Fruchtreife, Laubverfärbung)

Angaben zum Weinbau

Die Rebe braucht warme Sommer und milde Winter. Sie reagiert äußerst empfindlich auf Frost. Am besten sind Jahresmitteltemperaturen zwischen 11 und 12 Grad bei einer Wachstumszeit von mindestens 230 Tagen.4

 

Reiseberichte

z.B.Sage von der Kolonisierung Grönland durch die Wikinger um 900 n.Ch.

 


 

zurück zum Kapitel Klima

 


1) W.Zäck, Schnee von gestern; S.132

2) R.Gläser; Klimageschichte Mitteleuropas; 1000 Jahre Wetter und Klima; Primusverlag 2001; S.49

3) Ch.-D.Schönwiese; Klima im Wandel; S.34

4) W.Zäck;Schnee von gestern; S.147


Das mittelalterliche Optimum

 

Etwa ab dem 800 Jh. mit Höhepunkten zwischen 1000 und 1100 n.Ch. läßt sich ein Erhöhung der Durchschnittstemperatur in Mitteleuropa nachweisen.9 Das 13. und 14.Jh. wird als eine Übergangszeit zur Kleinen Eiszeit, die vom 15. bis zur Mitte des 19. Jh. währte, beschrieben.

Jahresgang von Temperatur und Niederschlägen

Abb.510

Besonders aufschlußreich für die Bedeutung des mittelalterlichen Klimaoptimums sind Angaben zum Anbau von Wein. Der Weinstock benötigt zu seinem Wachstum bestimmte Temperaturbedingungen, will man auf Dauer einen Wein produzieren, der den Namen verdient. Als ideale Wachstumsbedingungen gelten Jahresmitteltemperaturen von 10 bis 12 Celsiusgraden, milde Winter und warme Sommer. Die Reben sind sehr empfindlich gegenüber Frost; sie benötigen mindesten 230 Tage über 5 Grad.11

Im 11. Jh. vergrößerte sich die Zahl der Regionen, in denen Weinbau betrieben wurde, erheblich. Weinbau wurde auch in Lagen betrieben, die nach heutigem Verständnis klimatisch ungünstig sind. So ist der Weinbau in Malmedy und St.Vith bezeugt, ebenso in der Gegend um Mayen und der westlichen Hocheifel.12 Selbst im Monschauer Land wurde Weinbau betrieben, was durch alte Flurnamen bezeugt ist, so an der Wingertsley und am Rahmenberg in Monschau.13 Selbst wenn man einwendet, dass die Ansprüche an die Qualität des Weins einerseits und die mangelhafte Infrastruktur andererseits Weinbau auch in weniger günstigen Lagen attraktive erscheinen ließ, so ist doch die auf die mittelalterliche Warmperiode beschränkte Anbaukultur in vielen Gegenden bemerkenswert.

In der Umgebung von Mayen (Pellenz) wurde in der Zeit des mittelalterlichen Optimums Weinbau betrieben. Zäck gibt für diese Zeit in diesem Gebiet eine Jahresmitteltemperatur von 10,1 Grad, soviel wie heute durchschnittlich für Bernkastel - Kues berechnet wird, während die Jahresmitteltemperatur für die Pellenz heute bei 8,9 Grad liegt.14

Übernimmt man den Differenzwert von etwa 1 Grad auch für unsere Region, deren Durchschnittstemperatur 1960 bei 7 Grad lagt, so lag die Jahresdurchschnittstemperatur zur Zeit des Mittelalterlichen Optimums mit 8 Grad bei einem Wert, der in den sechziger Jahren des letzten Jh. für Kleinhau und das Hürtgener Gebiet galt, indem eine Mischform von Ackerbau und Grünlandwirtschaft herrschte und herrscht.15


9) Ch.-D.Schönwiese; Klima im Wandel;S.69
Das mittelalterliche Optimum zeigt zeitlich regionale (Westeuropa,Mitteleuropa) Unterschiede. Der angegebene Wert beschreibt den Gesamtzeitraum.
10) Rüdiger Glaser; Klimageschichte Mitteleuropas, S.181
11) W. Zäck; Schnee von gestern; S.147
12) ebd. S.153
13) Pilgram; Der Landkreis Monschau; S.101
14) W.Zäck; Schnee von gestern; S.154
15) Die aktuellen Jahresmitteltemperaturen sind dem Werk von M.Schwickerath, Hohes Venn - Nordeifel - Ganzheitliches Erfassen der Landschaft; S.53 entnommen. Die Werte stammen aus den sechziger Jahren. Nach Angaben des DWD betrug die Jahresdurchschnittstemperatur für Rötgen (Meßstelle 440m hoch) für die Zeit von 1960 bis 1990 7,8 Grad. Hochgerechnet auf Lammersdorf (540m; Temperaturdifferenz ca.0,7 Grad/100m) läge dort die Durchschnittstemperatur bei 7,1 Grad. Die letzten 10 Jahre sind im Schnitt um 1 °C wärmer als die Periode 1961-1990. (DWD,persönliche Mitteilung) Berücksichtigt man die Temperaturerhöhung der letzten 10 Jahre, so läge z. Zt. die Durchschnittstemperatur in unserer Region heute über dem mittelalterlichen Optimum.


Fazit

Zwischen dem 11. und 13. Jh., mit Höhepunkten im 11. Jh. herrschte in Mitteleuropa ein günstiges Klima, sodass man von einer mittelalterlichen Warmzeit sprechen kann.
Die Folgen für unsere Region und für ganz Mitteleuropa waren verlängerte Vegetationszeiten, Verschiebung der ersten und letzten Fröste, weniger Mißernten, weniger Hungersnöte, bessere Ernährung, geringere Sterblichkeit und damit steigende Bevölkerungszahlen. Die Bevölkerungszunahme führte zuerst in den Altsiedlungsgebieten in der rheinischen Bucht zum verstärkten Landausbau, d.h. in der Umgebung von Orten wurden verbliebene Waldflächen gerodet und landwirtschaftlich genutzt. Darüber hinaus kam es zu Neugründungen von Orten und verstärkt zu Stadtgründungen. In dem Maße, wie die Lebensverhältnisse dort für eine zunehmende Zahl von Menschen ungünstiger wurden, drängten sie in nahezu unbesiedelte Regionen wie das Monschauer Land, um dort durch Rodung an geeigneten Stellen landwirtschaftlich nutzbare Flächen zu schaffen. 15

Kommen wir zum Schluss noch einmal auf die düstere Charakterisierung des Monschauer Landes durch Jonas zurück:
Unser Ergebnis zeigt, dass das Monschauer Land im 11. bis 13. Jh. klimatisch keineswegs ein für Landwirtschaft unwirtliches Gebiet war.18 Jonas´ Beschreibung passt eher zu einer Klimasituation aus der Kleinen Eiszeit, die auch von niederländischen Meistern des 16. und 17. Jh. in vielen Bildern eindrucksvoll belegt worden ist.



Thumbnail image

"Ijsvermaak", so ist das gezeigte Bild von Hendrik Avercamp, dem Maler vieler Winterszenen, benannt. Er lebte am Übergang des 16. zum 17.Jh. Zu dieser Zeit froren die holländichen Kanäle und Grachten wesentlich häufiger zu als in unserer Zeit. Die kleine Eiszeit endete im 19. Jahrhundert.

 

 


15) Dass bei dem dargestellten Bevölkerungsdruck eine Lenkung der Besiedlung auch durch Anreize der Landesherrschaft stattfand, sei dahingestellt. So weist E.Neuß in seinem Aufsatz „Zur Grundlage der 650-Jahrfeiern im Monschauer Land im Jahre 2011“ auf das 1549 dokumentierte alte Recht der Einwohner des Monschauer Landes hin, jederzeit an geeignet erscheinenden Stellen roden zu dürfen.
Abel (Geschichte der deutschen Landwirtschaft) spricht von „Rodung macht frei“ in Anlehnung an die Parole „Stadtluft macht frei“.
16) Blümel schreibt dazu: "Die Anbaugrenze in den deutschen Mittelgebirgen reichen ca.200m höher als gegenwärtig. Es begann damit eigentlich die Erschließung dieser Räume bzw. Höhenstufen."


Das Klima

Durch das Klima wird ein mittlerer Zustand der Atmosphäre über einen längeren Zeitraum beschrieben (Unterschied Wetter - Klima: hier).

Das Diagramm in Abb.4 8 ist ein Ergebnis der historische Klimatologie die ihre Aussagen auf eine Vielzahl von Beobachtungen und Messungen stützt. Die Temperaturangabe entspricht der Durchschnittstemperatur auf der Nordhalbkugel. (Methoden der historischen Klimaforschung: hier),

Wie man sieht, hat es zu unterschiedlichen Zeiten Warm- oder Kaltphasen gegeben, auf die die Menschen nach Maßgabe ihrer jeweiligen Möglichkeiten (s.Abb3 ) reagierten.

 

KlimageschichteAbb.4

 

Deutlich zeigt das Klimadiagramm (Abb.4), dass Perioden der Prosperität sich mit Warmphasen decken (Optimum zur Römerzeit, Mittelalterliches Optimum) und solche eher unruhiger Zeiten mit den Kaltphasen korrelieren (Pessimum zur Völkerwanderungszeit, Kleine Eiszeit), sodass man sich der HuntingtonschenThese nicht verschließen kann.


8) Ch.-D.Schönwiese; Klima im Wandel; S.66