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Frü/et

 
Ein fiktives Interview über drei Generationen hinweg.

Ak: Arbeitskreis
Ko: Ein Lammersdorfer mit Namen Kopp, von Beruf Bauer und Fuhrmann, aus der ersten Hälfte des 20.Jh.

Ak: Herr Kopp, wir begrüßen sie im Namen des Arbeitskreises. Wir möchten von ihnen gerne etwas über Getreide und den Getreideanbau in Lammersdorf erfahren. Wir wissen, dass der Sammelbegriff für Getreide Frü/et war.

Ko: Joa, tach zesamme! Frü/et, wie merr se he hott, dat wor Koar, Hafer on merr wönnisch Geesch.

   


Ak: Koar, Korn, das war Roggen und Geeesch war Gerste, nicht wahr?

Ko: Jo, jedder/ene, dä en Burereij hott, hott Koar jesi/nt - för sich oder öm ser jett dozo zo verdenne. Koar wur e janz Laimisch ajebout, merr net em Venn.Et joff mie Feilder wie Wejde. De mie/este Bure hotte jo merr e paar Köh. Dat Lang wur hoptsächlich för Frü/et on Erpel jebrucht. Jedder/ene mot jo förr sich selfs sorrje.
Koar wur em Hörres jesi/ent on em Juli oder Aujus jemiehnt on ejefahre.

 


Ak: Wie ging man dabei vor?

Ko:Op däm Beld he onge kann merr dat sehn. Wä wönnisch hott, mient mör Söss. Et jof evver och at Bure, die hotte en Miehmaschin. Wor dat Koar jemiehnt, wur öt afjelaat. Die Fraulött kresche sich dobeij ne Ärmel voll Koar on bonge dä mott Halme zo ner Jerve zesamme on föneff, sechs Jerve wure dann zo nem Männsche zesammegestald, wat mer op dem Beld sitt.

 

RoggenernteWannmühle

Dat drüsch Koar wurr ejfahre on err Schür jedreische. Die, die wönnisch hotte, dotte dat met nem Dreischflejel. Spi/eder maate Dreischmaschine dat Wörk li/eter. Wur dat Koar met nem Dreischflejel jedreische, mot die Kaaf us demm Koar jeblose were on dovör wur fröjer en Wigde-Wann jebrucht. Kaaf on Koar wure us derr Wann hoch jeworpe. Dr Wenk blees die Kaaf fott on dat Koar fehl weer en die Wann zoröck. Hött hant vell Bure ne Wolef. Dat ös en Kes, wo dr Wönk dörch Dri/ene an nem Schwengel jemaat wied.
Dat Koar wur dann norr Mölle braat un do jemalle. Dat Mähl, wat die Lött für sich bruchte, hollte se em Pöngel af on braaten et nomm Backes.
Ont er könnt merr jlöve, dat Laimischter Koar, merr konnt et koare.

Ak. Das Bild oben rechts zeigt die Arbeit mit einem "Wolef", einer Wannmühle. Die Spelzen (Kaaf) wurden in den Wannhof geblasen. Die beiden Personen vorne sammeln sie auf.
Herr Kopp, sie zeigten die interessante Übereinstimmung von Koar (Korn) und koare (schmecken) auf, die sicher nicht zufällig ist.

Ko: Dat ka merr wahl sare, wur doch us Koar oss täglich Bru/et, et Schwarzbru/et, jebacke. Evver die Bäcker jolte dat Mähl net merr er Mölle. Sie jolten et och vam Frü/etehandel on dat zeije ald Rechnunge.

 

Bäckerei Carl Giesen - Rechnung von 1870

Ak: Aus Roggen wurde Schwarzbrot gebacken. Gab es denn kein anderes Brot?

Ko. Jowahl, et joff Weck on op Bestellung Kuch, Riesflaam, Prumetaat oder Appeltaat. Kuch joff et selde, ejentlich merr op Körmes, Hochzedde oder wenn jedöft oder bejrave wur. För Kuch on Weck brucht merr Weesemähl.

 

Ak: Wurde Weizen - Wees - hier nicht angebau?

Ko: Wees ös he net jewaase. Dovör worr et he ze naas. Och de Bödden worre vel ze schle/et. Weesemähl komm us em Dürener on Jülicher Lang.
Wat he jood waase dot, wor Hafer. Hafer wur als Peerdsfoor jebrucht. Hä ös he e su joot jewaase, dat merr aaf on zo jett dovan verkoofe konnt.
Fröjer, wenn die Zedde sier schle/et worre, wur och at ens van Hafer Bru/et jebacke.

 


Ak: Gerste wird ja allgemein zum Bierbrauen benutzt. Wurde sie auch in Lammersdorf angebaut?

Ko:Geesch wur e Laimisch merr för dä ejen jebruch ajebout. Geeschtemähl wur onger et Förschesfoor jeröhrt.

 

Ak: Herr Kopp, vielen Dank für das Gespräch



Übersetzung:


Ak: Arbeitskreis
Ko: Ein Lammersdorfer, mit Namen Kopp, von Beruf Bauer und Fuhrmann aus der ersten Hälfte des 20.Jh.

Ak: Herr Kopp, wir begrüßen sie im Namen des Arbeitskreises. Wir möchten von ihnen gerne etwas über Getreide und den Getreideanbau in Lammersdorf erfahren. Wir wissen, dass der Sammelbegriff für Getreide Frü/et war.

Ko: Ja, guten Tag! Getreide, das hier angebaut wurde, war Roggen, Hafer und ein wenig Gerste.

Ak: Koar, Korn, das war Roggen und Geeesch war Gerste, nicht wahr?

Ko: Ja, jeder Bauer hat Roggen gesäht - für den Eigenbedarf und um zusätzlich etwas Geld zu verdienen. Roggen wurde in ganz Lammersdorf angebaut, nur nicht im Venn. Es gab mehr Felder als Wiesen. Die meisten Bauern hatten nur ein paar Kühe. Das Land wurde hauptsächlich mit Getreide und Kartoffeln bebaut. Jeder musste ja für sich selbst sorgen.
Roggen wurde im Herbst ausgesäht und im Juli oder August gemäht und eingefahren.

Ak: Wie ging man dabei vor?

Ko:Auf dem Bild unten kann man es sehen. Wer wenig hatte, mähte mit der Sense. Es gab aber auch schon Bauern, die hatten eine Mähmaschine. War das Korn gemäht, wurde "afjelaat" (abgelegt). Die Frauen nahmen dazu einen Arm voll Korn und banden ihn mit Halmen zu einer Garbe zusammen. Fünf, sechs Garben wurden dann zu einem Männchen zusammengestellt, wie man auf dem Bild sieht. Das trockene Korn wurde dann eingefahren und in der Scheune gedroschen. Diejenigen, die wenig hatten, droschen mit dem Dreschflegel. Später machten Dreschmaschinen die Arbeit leichter.
War das Korn mit dem Dreschflegel gedroschen worden, mußten die Spelze aus dem Korn geblasen werden. Dafür wurde früher eine Weiden-Wanne benutzt. Spelzen und Körner wurden aus der Wanne hoch geworfen. Der Wind blies die Spelzen fort und die Körner fielen wieder in die Wanne zurück.Heute haben viele Bauern eine Wannmühle (Wolef). Das ist ein Kasten, in dem der Wind durch Drehen eines Schwengels erzeugt wird.Das Korn wurde dann in die Mühle gebracht und dort gemahlen. Das Mehl, das die Leute für sich brauchten, holten sie im Sack ab und brachten es in die Bäckerei.Und sie können mir glauben, das Lammersdorfer Korn, man konnte es schmecken.

Ak. Das Bild oben rechts zeigt die Arbeit mit einem "Wolef", einer Wannmühle. Die Spelzen (Kaaf) wurden in den Hof geblasen. Die beiden Personen vorne sammeln sie auf.
Herr Kopp, sie zeigten die interessante Übereinstimmung von Koar (Korn) und koare (Schmecken) auf, die sicher nicht zufällig ist.

Ko:Das kann man wohl sagen, wurde doch aus Korn unser tägliches Brot, das Schwarzbrot, gebacken.

Aber die Bäcker bezogen das Mehl nicht nur aus der Mühle. Sie kauften es auch im Fruchthandel. Das zeigen alte Rechnungen.
Ak: Aus Roggen wurde Schwarzbrot gebacken. Gabe es denn kein anderes Brot?

Ko. Doch,es gab Weißbrot und auf Bestellung Kuchen, Reisfladen, Pflaumen- oder Appeltaat. Kuchen gab es selten, eigentlich nur auf Kirmes, Hochzeiten oder wenn getauft oder begraben wurde. Für Kuchen und Weißbrot brauchte man Weizenmehl.

Ak: Wurde Weizen - Wees - hier nicht angebau?

Ko:Weizen ist hier nicht gewachsen. Dazu war es hier zu nass. Auch die Böden sind zu schlecht. Weizenmehl kam aus dem Dürener und Jülicher Land.
Was hier gut wuchs, war Hafer. Hafer wurde als Pferdefutter benutzt. Er ist hier so gut gewachsen, dass man hin und wieder etwas davon verkaufen konnte.
Früher, wenn die Zeiten sehr schlecht waren, wurde auch schon mal aus Hafer Brot gebacken.

Ak: Gerste wird ja allgemein zum Bierbrauen benutzt. Wurde sie auch in Lammersdorf angebaut?

Ko: Gerste wurde in Lammersdorf nur zum eigenen Gebrauch angebaut. Gerstenmehl wurde unter das Schweinefutter gerührt.

Ak: Herr Kopp, vielen Dank für das Gespräch.

 

Ein bemerkenswerter Artikel zur Bedeutung des Roggens für die europäische Geschichte erschien in der FAZ unter dem Titel "Das dunkle Brot machte die menschen satt" 

http://www.faz.net/themenarchiv/wirtschaft/wie-wir-reich-wurden/wirtschaftsgeschichte-das-dunkle-brot-machte-die-menschen-satt-1595911.html