Reinhard von Schönau versucht in den Besitz des Monschauer Landes zu kommen - und scheitert!

Reinhard von Schönau scheint 1354 seinem Ziel, ein eigenes Territorium zu besitzen, einen großen Schritt näher gekommen zu sein.

Ungeachtet dessen, dass er keineswegs alle Erbrechte in der Hand hat, unternimmt er weitere Schritte, rechtlich vollends in den Besitz des Monschauer Landes zu kommen. Er bemüht sich um die Bestätigung seines Besitzanspruchs.

Karl IVKaiser Karl IV. bestätigt Reinhards Belehnung durch Johann von Brabant.

Reinhard ist nun rechtlich Herr von Monschau.
Jedoch ist die Sache nicht in trockenen Tüchern. Er besitzt nicht die Rechte von Beatrix, Frau von Brederode. Auch von den Rechten der geistlichen Schwestern ist nicht die Rede.
Und zudem scheinen auch noch Schwierigkeiten bei der Zahlung an Heinrich und Philippa aufgetreten zu sein.

Nun die Sensation!

Heinrich von Flandern verkauft seinen Anteil nochmals, diesmal für 35000 alte Gulden an den Markgrafen Wilhelm V. von Jülich, den späteren Herzog Wilhelm I.!

Reinhard weiß, dass er seine Rechte gegen den mächtigen Jülicher Fürsten nicht durchsetzen kann - und verkauft seine Anteile am Monschauer Land (und Valkenburg) 1356 an Wilhelm von Jülich.


Dazu Gläser:
„Dieser Affront Heinrichs von Flandern gegenüber Reinhard von Schönau, der zudem die Ignorierung der kaiserlichen Belehnung  beinhaltet, ist in seiner Motivation nicht zu erklären.“


Ein Gesprächsrunde zur politische Situation im Umfeld des Vertrages von 1361

 

Die Personen der Runde:

Moderator
Wilhelm I., Herzog von Jülich - würdiger Herr mit Schlapphut, Umhang und Silberstock

Wilhelm II., sein Sohn - trockener Pragmatiker, farbloser Sanierer

Reinhard von Schönau, Herr zu Schönforst - nach Art eines englischen Bankers, Silberstock

 

 

Die Handlung:



Moderator:
Meine Damen und Herren, wir haben jetzt einen kurzen Überblick über die damaligen Ereignisse erhalten.
Lassen wir jetzt die betroffenen Personen zu Wort kommen.
Wir begrüßen Herzog Wilhelm I. von Jülich, seinen Sohn Herzog Wilhelm II. von Jülich und Chevalier Reinhard von Schönau, Herr zu Schönforst

(Die Personen kommen nacheinander in das beleuchtete Feld und nehmen Platz; ein Stuhl bleibt leer.)

Leider müssen wir auf die Anwesenheit des Herzogs von Brabant verzichten. Er ließ uns durch einen Boten ausrichten, er wäre gerne gekommen, jedoch ein höllisch brennendes Problem halte ihn zurück.

Moderator:

( wendet sich an Wilhelm II.)

Durchlaucht, wie geht es ihnen?

Wilhelm II.: (schaut etwas verdutzt - die anderen Gesprächsteilnehmer grinsen - er antwortet brüsk)
Was soll diese Frage an jemanden, der über 600 Jahre tot ist! - Kommen sie zur Sache, weshalb haben sie mich herbestellt?

Moderator: ( leicht pikiert, wegen der schroffen Reaktion)
Gnädigster Fürst, sie haben ihrerzeit mit Herrn Reinhard den Vertrag, der Anlaß zu diesem Treffen ist, abgeschlossen. In diesem Vertrag geht es auch um die horrende Summe von 56000 Goldschilden, die sie Reinhard schulden. Wie kam es zu dieser immensen Schuld?

Wilhelm II.: (sachlich, mit unterdrückter Empörung)
Diese Schulden habe nicht ich gemacht! - Wie allen bekannt ist, habe ich sie von meinem seligen Vater übernehmen müssen. Als Herr des Landes hatte er diesen Schuldenberg aufgehäuft und das ziemlich leichfertig. Na ja, sie kennen das ja auch aus ihrer heutigen Situation: Bezahlen müssen die nachfolgenden Generationen. Das Muster ist ihnen ja nicht fremd.

Moderator:
Inwiefern sprechen sie von leichtfertigen Schulden?

(Wilhelm I. hebt protestierend die Händ, der Moderator macht eine beschwichtigende Handbewegung.)

Wilhelm II.:
Bedenken sie die schweren Zeiten, die damals herrschten. 1342 gab es im ganzen Reich eine fürchterliche Hungersnot, es gab Unruhen, dann folgte die Pest.
Es trifft durchaus die Wahrheit, dass mein seliger Vater sich um das Ansehen des Herzogtums im Spiel der abendländichen Mächte mehr kümmerte als um eine effektive Verwaltung des Herzogtums.

Wilhelm I.: (fällt ihm aufgebracht ins Wort)
Und was hat mein Herr Sohn besonderes geleistet? Unter meiner Herrschaft hatte Jülich eine Stimme, der man im Reich und darüber hinaus Gehör schenkte. Ach, was soll ich mich echauffieren, es bekommt meiner Gesundheit nicht.

(wieder Grinsen in der Runde)

Wilhelm I.: (fährt fort)
Doch zuerst ein Wort an meine lieben Lamberscheyter Untertanen.
Ihr edlen Lamberscheyter, ich spüre, dass ihr mich nicht vergessen habt?

Wilhelm II.: ( beugt sich zu Reinhard hin und fragt flüsternd)
Wo sind wir hier?

Reinhard:
Lamberscheyt, heute heißt es Lammersdorf, wenn ich nicht irre.

Wilhelm I.: (läßt sich durch diese kurzen Zwischenbemerkungen nicht unterbrechen)
Was den Vorwurf der Verschwendung angeht, so ist es ja nicht dabei geblieben! Meine Söhne - ich rufe Gott zum Zeugen an - haben frevelnd die Hand gegen ihren eigenen Vater erhoben. Sie warfen mich mit dem Vorwurf der Schuldenmacherei ins Gefängnis. - Die damals übliche Form der Entmündigung - im günstigsten Fall.

Moderator:
Durchlaucht, nun ist aber offensichtlich, dass sie hohe Schulden aufgehäuft haben. Wir haben heute ähnliche Fälle, in denen man Ländern nahelegt, ein Insolvenzverfahren einzuleiten.

Wilhelm II.:
Papperlapapp! - Insol-was? -
Ich hatte stets den treuen Reinhard an meiner Seite, beschlagen in Finanzgeschäften (und etwas süffisant) und stets auf unseren Vorteil bedacht, nicht wahr? - Doch zurück zum Vorwurf, ich sei ein Verschwender gewesen!
 Als Mehrer Jülicher Macht stand ich in der Tradition meiner Vorgänger. Unter meiner Herrschaft erreichte Jülich den Höhepunkt seiner bisherigen Macht und seines Ansehens.


Moderator:
Was bedeutet das konkret?

Wilhelm I.: (mit Pathos)
Wie sie wissen, war ich mit Johanna von Holland verheiratet, deren Schwestern mit dem englischen König und mit Kaiser Ludwig vermählt waren. Ich war also der Schwager des englischen Königs und des Kaisers.

Wilhelm II.: (wirft etwas gehässig ein)
Ja, mit sehr kostspieligen Konsequenzen!

Wilhelm I.: (überhört das)

Moderator: (spricht Wilhelm II. an)
Durchlaucht, kommen wir zurück zu dem Vertrag. Dort sagen sie, der Abschluss sei zu ihrem und ihres Landes Nutzen geschehen. Können sie uns erklären, worin der Nutzen des Tausches von Kaster gegen Monschau bestand?

Wilhelm II.:
Nun, dazu müssen sie sich die politische Konstellation, die sich in der Monschau - Valkenburger Erbangelegenheit herausgebildet hat, betrachten. Wie sie wissen hatte mein Vater keineswegs alle Erbanteile in dieser causa in seine Hand bekommen - ein Schwachpunkt in der Jülicher Position. Machtpolitisch war der Zustand stabil, solange nicht jemand von ähnlichem Gewicht wie Jülich Ansprüche stellen würde. - Kaster hingegen konnte uns nicht streitig gemacht werden. Deswegen der Tausch.

Moderator: (spricht Reinhard an)

Chevalier, wo war ihr Nutzen?


Reinhard:
Zuerst wurden meine Finanzgeschäfte mit dem Haus Jülich etwas übersichtlicher - aber das war von nachrangiger Bedeutung. Wesentlich war, dass ich eine zweite Chance bekam, nahe meiner Herrschaft Schönforst ein Territorium zu gewinnen.

Wilhelm I.:(etwas aufgebracht)
Sie waren nur Pfandhalter, nur Pfandhalter! Nach Ablösung der Summe hätten sie Monschau räumen müssen.

Reinhard:(sehr höflich)
Mit Verlaub, gnädigster Fürst, an eine baldige Ablösung der Schuld glaubte weder ihr Sohn noch ich.

(Wilhelm II. nickt)

Reinhard: (zu Wilhelm I.)
Es ist ihnen wohl auch nicht verborgen geblieben, dass nach meinem mißglückten ersten Versuch, die Herrschaft Monschau zu erwerben, ich mich verstärkt Brabant zuwandte. Nachdem mir unerwartet nach ihrem irdischen Ableben nun diese zweite Chance zugefallen war, nutze ich jede Gelegenheit, meine Herrschaft in Monschau zu festigen. Ich unterstützte deshalb die Position der Herzöge von Limburg und Brabant, Wenzel und Johanna, die sich als die rechtmäßigen Erben der Monschauer Herrschaft sahen. Ich stellte ihnen 1364 die Gelder zur Verfügung, die Erbanteile der übrigen Schwestern Johanns zu erwerben.

Wilhelm I.:
Und?


Reinhard: (mit verhaltenem Triumph)
Nun war genau die Situation eingetreten, von der ihr erlauchter Sohn soeben gesprochen hat, Jetzt waren zwei gleichstarke Anwärter auf das Monschauer Erbe auf dem Plan, die sich quasi gegenseitig neutralisierten. Solange dieser Zustand andauerte, war meine Stellung in doppelter Weise gesichert, einmal durch diese politische Pattsituation, zum anderen durch die immensen Schulden beider, die ja erst getilgt werden mußten.

Moderatur: (verblüfft)
Das ist ja raffiniert!

Wilhelm I: (süffisant)
Ja, ja, der Schönforster, ein Schlitzohr - immer auf unseren Vorteil bedacht!

Wilhelm II. (an Wilhelm I.)
Ich habe sie ja immer gewarnt, ihn nicht zu unterschätzen.
Die Pattsituation blieb - Gott sei´s gedankt - nur bis zu unserem Sieg über Brabant im Jahre 1371 bestehen. Die Brabantsche Politik drückte uns schon seit geraumer Zeit mit ihrem Drang nach Osten. Durch unseren Sieg konnten wir Brabant nachhaltig schwächen. In der Folge blieben nur noch unsere großen Schulden als Grund für die Schönforster Herrschaft in Monschau.

Reinhard: (zufrieden)
Und das lange!

Moderator:
Meine Herren, ich danke ihnen für diese Auskünfte.
Im Übrigen blieb Monschau bis zum Tode des kinderlosen Johann II. 1434 im Besitz der Schönforster. Nach seinem Tode ging die Monschau - Valkenburger Erbauseinandersetzung in eine weitere Runde - aber das ist eine andere Geschichte.


 

 

Sollten sie, meine Damen und Herren, weitere Informationen zum Thema wünschen, so empfehle ich ihnen Florian Gläsers Schrift "Schönau-Schönforst..." die sie im Netz finden und den Aufsatz "Jülichs Vorstoß in den Eifelraum und die Bedeutung der Jülicher Eifel" von Heinz Renn.

 

 


Reinhards zweite Chance

Ruine SchönforstWilhelm I., Herzog von Jülich, war 1361 gestorben. Auch Johann III. von Brabant ist tot (+1355).
Johanns Nachfolger wurde sein Schwiegersohn Wenzel I., Herzog von Luxemburg und Brabant, Wilhelms Nachfolger war Wilhelm II., Herzog von Jülich.

Wilhelms II. Politik richtete sich auf die Bewältigung der vom Vater ererbten Schulden.
Diesem Zweck diente der Vertrag von 1361. Reinhard sah in diesem Vertrag eine neue Chance, seinen alten Plan zu verwirklichen, ein Territorium in der Nähe seiner Herrschaft Schönforst zu erwerben.

 

 


Die Herzöge von Jülich - Wilhelm II.
(1361 -1393)

 

fuerstWilhelm II. residierte wie sein Vater in Nideggen.

In seinen staatsmännischen Eigenschaften steht er  hinter seinem Vater zurück, dessen aufwendigen Herrschaftsstil er mißbilligte. Das führte dazu, dass er und sein älterer Bruder Gerhard 1349, in der Zeit als der schwarze Tod Europa heimsuchte, den Vater, Wilhelm I., zeitweise festsetzten. Wilhelm II. gelangte historisch zu einer gewissen Bedeutung durch den Sieg in der Schlacht bei Baesweiler (1371), den er, mit Hilfe seines Schwagers Eduard von Geldern, über Wenzel von Luxemburg - Brabant errang. Dadurch konnte Brabants „Ostexpansion“, sein Streben, die Kontrolle über bedeutende Wege zum Rhein zu erlangen, unterbunden werden.

 

 

 

Welche Motive hatte Wilhelm II. von Jülich für den Pfandtausch Kaster gegen Monschau?

Ein Zug in Wilhelms Politik war, die Schulden, die er von seinem Vater übernommen hatte, zu tilgen. Wilhelms Motiv, Kaster gegen Monschau zu tauschen, könnte in der nicht entschiedenen Rechtslage im Monschau - Valkenburger Erbfolgestreit liegen. Dieses Problem wird deutlich, als 1364 das Herzogspaar von Brabant die Erbrechte der Schwestern Beatrix, Frau von Brederode, und von der Äbtissin Maria, erwarb. Demgegenüber besaß Wilhelm die Rechte von Philippa und Margaretha.
Das Geld zum Erwerb der Erbrechte stammte in beiden Fällen von Reinhard von Schönau!


Die Herzöge von Jülich - Wilhelm I. (1328 - 1361)1

 

berry_augustWilhelm war eine überaus bemerkenswerte Persönlichkeit, ein „Fürst von hervorragenden Fähigkeiten“. In seiner Regierungszeit hatte Jülich den Höhepunkt seiner bisherigen Geschichte erreicht.
Wilhelm war verheiratet mit Johanna von Avesnes-Holland. Eine Schwester Johannas war mit  Kaiser Ludwig dem Baiern, eine andere mit König  Edward III. von England verheiratet. Somit war Wilhelm Schwager dieser Herrscher. Seiner Stellung entsprechend betätigte sich Wilhelm in der Reichspolitik und der europäischen Politik. Dem König von England stand er im Kampf gegen die Schotten und gegen Frankreich bei. Dieser ernannte ihn zum Grafen von Cambridge und zum „Pair of England“ - ein Titel, den nach Wilhelm kein Nichtengländer mehr erhielt. Für die Unterstützung der Kaiser wurde er zum Markgrafen und schließlich zum Herzog ernannt.

Mit zunehmender Macht und  Ehre wuchsen die Ansprüche. 

Nideggen wurde zu einer prächtigen Residenz ausgebaut und erreichte unter Wilhelms Herrschaft eine Blütezeit. - Die Größe der politschen Unternehmungen führte zu dauernder Geldnot. In Reinhard von Schönau, Herr zu Schönforst, fand Wilhelm den Partner, der in der Lage war, die benötigten Summen bereit zu stellen.

 

Welche Motive hatte Wilhelm I.  in den Monschau - Valkenburger Erbfolgestreit einzutreten?

Unter den Motiven wäre zum ersten die unmittelbare Nachbarschaft des Monschauer Landes zu Wilhelms Residenz Nideggen zu nennen. Zum zweiten ergibt sich ein Motiv aus der Rechtssituation im  Monschauer Land. Dort hatte  Jülich seit altersher Nutzungsrechte am Wald. Wilhelm war dort Waldgraf. Dieser Titel beinhaltete keine Territorialhoheit, mit ihm verbunden waren Nutzungsrechte. Den Waldrechten gegenüber standen Rechte am Feld, im gerodeten Bereich, die u.a. dem Territorialherren, zuletzt Johann von Monschau - Valkenburg zustanden. Wilhelm konnte beide Rechtspositionen durch den Erwerb des Monschauer Landes vereinigen.

Zu beachten ist, dass Wilhelm, wie auch Reinhard, nicht alle Rechte  am Monschau - Valkenburger Erbe erwerben konnte.

1) Die Titulatur von Wilhelm ist etwas verwirrend. Als Graf ist er Wilhelm V., 1336 wird er von Kaiser Ludwig dem Bayern zum Markgrafen erhoben, 1356 von Kaiser Karl IV. zum Herzog Wilhelm I. ernannt. Der Übersichtlichkeit halber wird er hier durchgehend als Wilhelm I. benannt.