Die Pastoren der vergangenen 100 Jahre


Dem Pastor obliegt es, außer seiner vielfältigen seelsorgerischen Tätigkeit als Vorsitzender des Kirchenvorstandes die ordnungsgemäße Verwaltung des Kirchenvermögens sowie dessen Entwicklung und Verwendung zum Wohle der Pfarrgemeinde zu gewährleisten.
Unsere Pastoren der vergangenen 100 Jahre sind dieser großen Verantwortung vollauf gerecht geworden.
Als einfühlsame Seelsorger waren sie darüber hinaus stets darauf bedacht, die Besitztümer der Kirche sorgsam zu wahren und für ihre Pfarrkinder sowie für die ganze Gemeinschaft des Ortes nutzbar zu machen.
Wir wollen ihrer in Ehren gedenken, in dem wir nachfolgend ihr Leben und Wirken würdigen.

(Die Zeit des Wirkens in Lammersdorf steht jeweils rechts vom Namen.)

Leonhard Hubert Jülich (1.9.1886 – 3.6.1910 / 24 Jahre)

 

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L.H. Jülich wurde am 19.10.1838 geboren, Am 1.9.1886 kam er als Pfarrverwalter nach Lammersdorf; zwei Jahre später ernannte ihn der Kölner Erzbischof zum hiesigen Pfarrer. Bedeutende Schwerpunkte waren neben seiner seelsorgerischen Arbeit der Abbruch der alten und der Bau der neuen Kirche, beginnend 1901. Pfarrer Jülich erwies sich als ein großer Wohltäter für die Kirche und das kirchliche Leben.
Seine Notizen vermitteln wertvolle Kenntnisse vom Kirchenneubau. Er stellte seine Bauherrenschaft ständig untadelig unter Beweis.
Pastor Jülich war streng in der Durchsetzung seiner Wertvorstellungen. Rügen von Verstößen von der Kanzel herunter – wenn es sein musste – mit Namensnennung scheute er nicht. Mit dem Läuten der Abendglocken hatten die Kinder von der Straße zu verschwinden – und das an jedem Tag!
J. agierte mehrere Jahre als umsichtiger und verantwortungsbewusster Ortsschulinspektor.
Selbst bereits in hohem Alter, übernahm er am 12.1.1907 als Dechant das Dekanat Monschau.
Am 3.12.1910 starb Dechant Jülich in Lammersdorf.
Da Dechant Jülich in der letzten Zeit seines Lebens fast erblindet und auch anderweitig krank war, hatte man ihm am 26.2,1910 den

Kaplan Bernhard Wilhelm Finnmann (* 1886 +1947)

Thumbnail image Grab Finnmann in Holzheim

als Stütze beigegeben. Nach dem Tode des Dechanten Jülich blieb Finnmann noch zwei Monate hier, um danach als Kaplan nach Königshoven versetzt zu werden.(nähreres siehe Brauchtum->Totenzettelsammlung)

Alphons Latzel (Febr. 1910 – Spätsommer 1918 / 8 ½ Jahre)

 

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Nikolaus Jansen (1918 – 1927 / 9 Jahre)

 

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N. Jansen wurde am 4.3.1880 in Eupen geboren. Nach seiner Ausbildung als Schuhmacher spürte er seine Berufung zum Priester und nahm 1900 das Studium auf.

Die feierliche Einführung als Pastor in Lammersdorf fand am 7.11.1918 statt.

An der Kank in der Hoscheiter Straße abgeholt, brachte ihn eine Kutsche zur Kirche. Mit Nikolaus Jansen erhielt unsere Pfarre einen vielseitig begabten und sehr regen Pastor, der in der Zeit seines Hierseins außerordentlich segensreich wirkte.
Mit horrendem Einsatz folgte er dem Ruf der Gläubigen nach einem neuen Geläut, das trotz inflationärer Hürden im Januar 1923 feierlich installiert werden konnte. – Um diese Zeit wurde auch die mittlere Kapelle mit dem Haupteingang im Turm als Kriegerkapelle gestaltet, die dem Gedenken an die während des I. Weltkrieges Gefallenen gewidmet ist. – Ordnung und Andacht in der Kirche lagen Pastor Jansen immer ganz besonders am Herzen. Da fortwährende Ermahnungen gegen das Zuspätkommen und gegen andere Störungen des Gottesdienstes nicht fruchteten, stellte die Kirche Nikolaus Läufer als Kirchenschweizer ein. Dieser vermochte es nun endlich, jene Atmosphäre in den heiligen Ort zu bringen, wie der Pastor sie sich wünschte. – Nicht zuletzt dem Einfluss Pastor Jansens ist es mit zu verdanken, dass sich Otto Junker für Lammersdorf entschied, als er einen geeigneten Platz als Sitz seiner künftigen Firma suchte. Schließlich hat diese Entscheidung wirtschaftlich und sozial einen Wandlungsprozess eingeleitet. Ob dieser Einschnitt dem Pastor bewusst gewesen ist? Der Chronist geht davon aus. – Die allgemeine Finanzlage – auch die der Pfarrgemeinde – war infolge der inflationären Entwicklung im Lande extrem prekär. Dennoch gelang es Pastor Jansen mit Ideenreichtum und Tatkraft, die verschiedenen Vorhaben zu gewährleisten. Viele freiwillige Beiträge, Verpachtungen u.Ä. halfen dabei entscheidend mit.

Im Jahre 1927 berief ihn die Kirche zu höheren Diensten: zunächst zum Stiftherrn am Aachener Münster, 1930 zum Domkapitular und Wirklich Geistlichen Rat, 1933 zum Kanonikus und 1946 zum Päpstlichen Hausprälaten.
Große Verdienste erwarb Pastor Jansen in einer ganzen Reihe von zivilen öffentlichen Ämtern: als Mitglied des Gemeinderates Lammersdorf und der Bürgermeistereiversammlung Simmerath. Darüber hinaus entfaltete er von 1913 bis 1933 sein Engagement bei der Lösung vieler kommunaler wie staatspolitischer Aufgaben auf Kreis-, Provinz- und Landesebene.

Seine unerschrockene Haltung gegen die Machthaber des Naziregimes veranlasste die Gestapo, ihn 1941 in Schutzhaft zu nehmen und bis zum Kriegsende ohne Strafverfahren im KZ Dachau festzuhalten.

Auch nach 1945 leistete Prälat Jansen eine überaus segensreiche Arbeit. Als kirchliche Auszeichnung wurde ihm die Würde eines Ritters des Ordens vom Heiligen Grab zugesprochen. Anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums im Jahre 1958 verlieh der Bundespräsident ihm das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Dank seiner allseits als sehr sympathisch empfundenen seelsorgerischen und politischen Aktivität gewann Pastor Jansen die tiefe Zuneigung der Bewohner unseres Ortes. Bei seinem Weggang 1927 erhielt er den Ehrenbürgerbrief. Im Kämpchen gibt es ihm zu Ehren die Nikolaus-Jansen-Straße. Oftmals kehrte er in seine ehemalige Pfarre zurück, um mit den Gefährten von einst feierliche Anlässe zu begehen.

Am 24.3.1965 erlöste Gott Prälat Jansen im 86.Lebensjahr von einem schweren Leiden.

 

Matthias Berg (22.11.1927 – 1930 / zwei Jahre)

Pfarrer Berg

M. Berg wurde im Jahre 1887 geboren. Aufgrund seiner Krankheit durfte er nach nur zweijährigem Dienst in Lammersdorf die ruhigere Pfarre Eicherscheid als Seelsorger übernehmen. In den Jahren 1928/29 unterzog er sich ein halbes

Jahr lang einer Heilkur. Währenddessen wurde er von Kaplan Flaam vertreten. Als Ruheständler verstarb Matthias Berg am 22.4.1962.

 

Peter Schall (24.11.1930 – 31.3.1953 / über 22 Jahre)

 

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P. Schall wurde am 8.8.1888 zu Köln geboren.

Seine außerordentlich lange Amtszeit in Lammersdorf war vor allem geprägt von

 

  1. der Nazidiktatur
  2. der Frontzeit
  3. und dem Wiederaufbau

Bereits in den 1930er Jahren beeinflusste Peter Schall das kulturelle in der Gemeinde maßgeblich. Dem ihm zutiefst unsympathischen, manchmal zügellosen der Jecken setzte er die geordnetere Form des rheinischen Karnevals entgegen, als er mit Erfolg den Jünglingsverein inspirierte, 1935 den Karnevalsverein Lammersdorf zu gründen.

Selbst begeisterter Harmonium- und Violinspieler, förderte er nach Kräften den Kirchenchor und den Musikverein. Er liebte sehr die Gesellligkeit. Unbeugsame Kameradschaftlichkeit war ein weiteres Kenneichen seiner Person.

Durch seine jederzeit gütige, beherzt zupackende und humorvolle Art, seine überzeugende christliche Gesinnung und durch sein einfühlsames seelsorgerisches Wirken gewann er sehr schnell die Herzen der Menschen.

So ist es nicht verwunderkch, dass ihm zu seinem 40jährigen Priesterjubiläum die ganze Gemeinde und deren Honoratioren ihre Aufwartung machten und ihre Dankbarkeit bekundeten. Pastor Schall war während seine gesamten Amtszeit nicht nur Priester, sondern zugleichFreund und Kamerad.

Am 29.6.1952 erlitt er einen schweren Schlaganfall. Fast ein Jahr lang wurde nun die Pfarre von den Patres des Michael-Klosters in Heimbach oder von Dechant Moritz betreut. Diakon Sommer fungierte zeitweise als Pfarrverwalter.

Da sich Pastor Schalls Gesundheit weiter verschlechterte, trat er am 1.4.1953 in den Ruhestand, blieb jedoch noch im Pastorat wohnen.

Sein Nachfolger berichtete, Pfarrer Schall habe an den Sonntagen am Altar sitzend immer noch das Messopfer dargebracht. Wenige Stunden vor seinem Tode am 15.2.1954 habe er sich noch einen Kelch mit Wein und Wasser reichen lassen und gesagt: „Ich will mein letztes Messopfer für meine Pfarrgemeinde feiern.“

In Würdigung seines Gesamtwerkes als kreativer Pastor und aktives Gemeindemitglied hat eine Straße im südlichen Teil des Ortes seinen Namen bekommen,

 

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Wilhelm Brandenburg (17.5.1953 – 14.5.1959 / sechs Jahre)

 

Pfarrer Brandenburg

 

W. Brandenburg wurde am 20.4.1914 geboren. Während der letzten sechs Jahre seines Lebens wirkte er unter ständigem vollen Einsatz seiner ganzen Priesterpersönlichkeit hier in Lammersdorf als Seelsorger, Verwalter und Organisator

In seinen Händen lagen die Beschaffung und der Einbau der neuen Orgel sowie der Kauf und die Installation einer neuen Heizung.

Pfarrer Brandenburgs Pastorat prägten vorbildliche Treue und Gewissenhaftigkeit. Er war ein unverdrossener Arbeiter, zugleich aber auch ein väterlicher Freund seiner Gemeinde. Zuweilen konnte er unerbittlich sein, besonders wenn es um die Durchsetzung seiner strengen Wertvorstellungen ging.

Die Verschönerung und Ausstattung der Pfarrkirche lagen ihm sehr am Herzen. So erstand er 1954 eine wertvolle Statue des Heiligen Johannes des Täufers, die ihren Platz links am Choransatz in erhöhter Position fand. Im gleichen Jahr veranlasste er die Erneuerung des Innenanstrichs des Gotteshauses und die Bemalung der Altäre sowie verschiedener Figuren.

Mit 45 Jahren – nach menschlichem Ermessen viel zu früh – verstarb er am 14.5.1959 nach einem Leber- und Gallenleiden an einem Herzinfarkt.

Pfarrer Dr. Koch

 

Dr. Koch

 

Im Jahre 1958 als Ruheständler nach Lammersdorf gekommen, war von Ruhe nicht viel zu spüren. Bedingt durch den plötzlichen Tod Pastor Brandenburgs half er bei den Gottesdiensten einige Zeit aus. Aber auch bei anderen Erfordernissen (Taufen, Trauungen, Beerdigungen u.a.m.) war er stets präsent. Er erfreute sich großer Beliebtheit.

 

Johannes Roderburg (2.8.1959 – 31.3.1972 / 12 ½ Jahre)

 

Pfarrer Roderburg

 

J. Roderburg wurde am 7.5.1911 geboren. Während seiner Amtszeit geschah viel für die Werterhaltung und Ausstattung des Gotteshauses sowie für die Gestaltung des kirchlichenLebens, z.B. die Installation einer neuen Läuteanlage, die Neueinrichtung der Priestersakristei, Reparaturen am Kirchturm, die Anschaffung einer neuen Turmuhr, die Polsterung aller Sitz- und Kniebänke u.a.m. – Hinzu kamen die Umstellung der Heizung des Pfarrhauses von Koks auf Öl, der Bau des Pfarrjugendheimes und des Pfarrkindergartens.

Eine außergewöhnliche Herausforderung für die seelsorgerische Arbeit stellten die zweieinhalb Monate vom 3.2. bis 12. April 1962 dar, als Lammersdorf und Umgebung von einer Pockenepidemie erfasst worden waren.

1972 beging Pastor Roderburg unter zahlreicher Beteiligung der Gläubigen und der Honoratioren des Ortes sein 25jähriges Priesterjubiläum.

M.W.v. 1.4.1972 ließ er sich aus gesundheitlichen Gründen pensionieren, nahm jedoch die Amtsgeschäfte noch bis nach dem „Weißen Sonntag“ wahr.

Die verwaiste Pfarre wurde zeitweise von den Franziskaner Patres aus Vossenack betreut. Taufen, Trauungen und Beerdigungen sowie die Pfarrverwaltung übernahm Dechant Moritz.

Bild einfügen: Bro., S. 58 rechts

Ab August 1973 übernahm Kaplan Herbert Arens aus Lammersdorf die Gottesdienste. Nachdem Pfarrer Schouten seit dem 1.9.1973 die Amtsgeschäfte führte, half Kaplan Arens bis Ende März 1974 noch an Sonn- und Feiertagen mit Gottesdiensten aus.

 

Cornelius Schouten (1.9.1973 – 3.2.1985 / 12 1/2 Jahre)

 

Pfarrer Schouten

 

Schouten stammte aus den Niederlanden und wurde dort am 23.8.1920 geboren. Seine Amtszeit war neben der üblichen seelsorgerischen Arbeit geprägt von vielerlei Maßnahmen zur Werterhaltung und Verschönerung des Gotteshauses sowie seiner Nebeneinrichtungen. So wurden am Kirchturm Reparaturen durchgeführt; es wurden das Kirchendach instandgesetzt, der Altarraum umgestaltet, Risse im Gewölbe ausgebessert, neue Stromleitungen verlegt, neue Beleuchtungskörper installiert und die Lautsprecheranlage erneuert. Außerdem initiierte Pastor Schouten den Beginn der Instandsetzung der Kirchenfenster. Das Pfarrjugendheim erfuhr mit dem Einbau einer neuen Teeküche eine deutliche Vervollkommnung. -

Etwa ein Jahr lang, bis zum Eintreffen des offiziellen Nachfolgers von C. Schouten, vertrat der aus Indien stammende Pfarrer Dr. Chirayat.

 

Karl-Heinz Graff /(April 1986 – Oktober 2000 / 13 1/2 Jahre)

 

K.H .Graff wurde 1952 geboren. Seine Tätigkeit erstreckte sich zunächst auf die Pfarrgemeinden Lammersdorf, Rollesbroich und zeitweise Strrauch.

Im Jahre 1994 wurde er zum Dechanten des Dekanats Simmerath gewählt; 1999 sprachen ihm die Geistlichen erneut das Vertrauen für dieses Amt aus. Sein Leitungsgebiet hatte sich damit beträchtlich erweitert.

Dechant K.H. Graff nahm am letzten Oktober-Wochenende des Jahres 2000 Abschied von den Gläubigen in Lammersdorf und Rollesbroich. Er verließ die beiden Pfarrgemeinden, um – dem Ruf des Bischofs folgend – als Pastor an seine frühere Wirkungsstätte in Mönchen-Gladbach zu gehen. In seinen Gottesdiensten und Abschiedsveranstaltungen dankte er allen, die ihm Vertrauen schenkten und ihn unterstützt haben. In großer Zahl waren Gläubige und Honoratioren aus beiden Orten erschienen, um sich von ihrem Pastor zu verabschieden. Er hinterlasse in beiden Gemeinden Spuren . nicht nur in den Pfarren, sondern auch in den Zivilgemeinden, an deren Leben er aktiv teilgenommen habe. Bürgermeister Hubert Breuer, Ortsvorsteher Manfred Offermann und Ortskartellvorsitzender Josef Läufer würdigten sein Wirken. Im Namen des Kirchenvorstandes wie auch des Pfarrgemeinderates dankte Marianne Stiel und hob einige Markenzeichen der Tätigkeit des scheidenden Dechanten Graff hervor: das erste Pfarrfest von 1987, die umfassende Restauration des Gotteshauses, die großzügige Erweiterung des Pfarrkindergartens und der generelle Umbau des Pfarrheimes

Mehr noch aber waren die Begegnungen mit den Menschen, die in Erinnerung blieben, die seelsorgerischen Handlungen sowie auch die Predigten, die häufig zu Gesprächen angeregt hätten,

Den Abschiedsgruß der evangelischen Kirchengemeinde überbrachte Pastor Carsten Adams. Für den festlichen Rahmen des Abschiedsempfangs sorgten in bewährter Weise der Kirchenchor und der Junge Chor.

Ganz besonders herzlich verabschiedeten sich in einer Sonderveranstaltung die 75 Kinder und die Mitarbeiterinnen des Pfarrkindergartens von ihrem Pastor. Umrahmt von Liedern und kleinen Vorführungen erhielt er zur Erinnerung eine handgefertigte Stola, eine Kerze aus Bienenwachs und einen rührenden Abschiedsbrief. Die Eltern spendeten eine Portokasse, aus der die regelmäßige Versendung des „Wochenspiegels“ an Pfarrer Graff bezahlt werden soll.

 

Hans Joachim Plattenteich (1.9.2000 – 30.6.2002 / fast 2 Jahre)

 

H.J. Plattenteich ist am 29.7.1939 geboren.

Eine seiner ersten größeren Aufgaben bestand darin, das über die weiteste Baustrecke noch von seinem Vorgänger – Pfarrer Karl-Heinz Graff geführte Projekt der erweiterten baulichen Umgestaltung und Modernisierung des Pfarrheimes zu Ende zu bringen.

Im September 2000 wurde Pastor Plattenteich die Würde eines Großarchimandriten der Griechisch-Melkitisch-Katholischen Kirche verliehen Den Festakt im Aachener Dom zelebrierte Erzbischof Isidore Battikha, Großprior des Patrischalischen Ordens vom Heiligen Kreuz zu Jerusalem.

Am 4.11.2000 erfolgte seine feierliche Einführung als neuer Seelsorger in Lammersdorf und Rollesbroich. Herzlich begrüßten sehr viele Gläubige ihren neuen Pastor. Der Musikverein Harmonie aus Rollesbroich und der Lammersdorfer Kirchenchor sorgten für den ihr gebührenden festlichen Rahmen der Veranstaltung. Schützen beider Bruderschaften standen mit ihren prächtigen Fahnen Spalier.

Den Gottesdienst zelebrierten Domkapitular Caspar Seeger aus Monschau, Großarchimandrit und Esarch Heribert Lennartz aus Eicherscheid, Pfarrer Alexandru Pop von der rumänisch-orthodoxen Ordensgemeinde Aachen, Ehrendechant Anton Moritz aus Simmerath, Diakon Friedhelm Grewe und der evangelische Pastor Carsten Adam aus Lammersdorf. Einige Ordensritter vom Heiligen Kreuz mit ihren weißen Gewändern waren ihrem Prior Heribert Lennartz gefolgt

Regionaldekan Hans-Joachim Hellwig überreichte H.J. Plattenteich die Ernennungsurkunde des Aachener Bischofs.

Anschließend wurde der neue Pfarrer in einem festlichen Umzug mit dem Rollesbroicher Spielmannszug an der Spitze zur Grundschule geleitet. Hier warteten die Vertreter der Gremien und Vereine bereits darauf, ihm zur Ernennung zu gratulieren und Erfolg zu wünschen. Der Kern seiner Dankesworte war das Versprechen, seinen seelsorgerischen Dienst für die ihm von Gott und dem Bischof anvertrauten Menschen stets mit viel Gemeindenähe zu verbinden.

Am 9.9.2001 konnte er das neue Schmuckstück – das generell umgebaute und erweiterte Pfarrheim - einsegnen und seiner Bestimmung übergeben. Freude über das gelungene Bauwerk war allgegenwärtig.

Ansonsten begleitete Pfarrer Plattenteich als Präses einige Aktivitäten der Schützenbruderschaft und des Kirchenchores. Er war präsent bei der Kirmes und beim Pfarrfest.

M.W:v. 30.6.2002 beendete er seine Tätigkeit in Lammersdorf und Rollesbroich aus gesundheitlichen Gründen.

Vertretungen: Zahlreiche seelsorgerische Aufgaben und die Administration in den Pfarrgemeinden Lammersdorf und Rollesbroich übernahm Dechant Dr. Hermann van Gorp.

Die pensionierten Pfarrer Niklas Dobbelstein, Peter Kreutzer, Winand Stollenwerk und Diakon Friedrich Wilhelm Grewe beteiligten sich im Rahmen des Möglichen an der seelsorgerischen Betreuung der Gläubigen. Aber auch in anderen Bereichen bewährten sie sich: Während Pfarrer i.R. Dobbelstein das Amt des Präses der St.-Johannes-Schützenbruderschaft innehatte, fühlte sich Diakon Grewe als Präses des Kirchenchores für die Belange dieses Gremiums verantwortlich. Die katholischen Gläubigen sind den genannten Herren Geistlichen für ihr zusätzliches Engagement außerordentlich dankbar.


Christliche Solidarität und kluge Leitung


Die Bedingungen für die Arbeit der Pastoren und des Kirchenvorstandes gestalteten sich im 20.Jahrhndert recht unterschiedlich.

So stellt die erste Hälfte dieses Jahrhunderts eine arg zerklüftete Zeit dar

I..Weltkrieg – Inflation – Weltwirtschaftskrise – Nazizeit – II. Weltkrieg - Nachkriegszeit.

Die Ereignisse selbst, aber auch ihre kurze Aufeinanderfolge bargen für die Menschen viele Unwägbarkeiten, unsagbare Not und großes Leid in sich.

In einer solchen historischen Zerrissenheit war eine auch nur annähernd kontinuierliche und gedeihliche Entwicklung der Pfarrgemeinde äußerst schwer. Das ganze Dilemma zeigt sich z.B. am Schicksal des angesparten, in 13 Sparbüchern ausgewiesenen Geldvermögens von rd. 118 800  M. Am Ende der Inflation  blieben davon übrig:  ein Sparbuch mit einem  Guthaben von rd. 8 M., also soviel wie nichts.

Da bedurfte es schon großer Umsicht und vor allem geschickter Geldpolitik, um so schnell wie möglich einen hinreichenden Geldbestand zu erwirtschaften. Die Vorausplanung kommender, nicht selten unvorhergesehener Ausgaben musste dabei immer mit im Kalkül sein

Hätten die Pastoren (besonders Nikolaus Jansen, Matthias Berg und Peter Schall) die Grundprinzipien kluger Geldpolitik nicht beachtet, wäre es beispielsweise wohl nicht  möglich gewesen, von den ebenfalls nötigen zahlreichen Spenden und freiwilligen Arbeitsleistungen hier einmal abgesehen, die empfindlichen Schäden am Gotteshaus aus der Frontzeit zu beseitigen und es baldmöglichst wieder nutzungsfähig zu machen.

Unter diesen Umständen waren Risikobereitschaft, feste Zuversicht, Vertrauen in die eigenen Kräfte und Möglichkeiten, Umsicht, Initiative und Solidarität gefragt. Den Pastoren und dem Kirchenvorstand sei  bestätigt, dass sie diese Fähigkeiten und Eigenschaften in den schweren Zeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stets unter Beweis gestellt haben. Nur so war es möglich, während der fünf Jahrzehnte fast eine Drittel-Million M bzw. RM aufzubringen, um die neue Kirche sowie das heutige Pfarrhaus zu bauen und sie mit dem  nötigsten Inventar zu versehen, eine neue Orgel anzuschaffen, die erheblichen Schäden am Kirchengebäude und am Turm zu beheben und auch noch die laufende Werterhaltung der Objekte sicherzustellen.

In den fünf Jahrzehnten von 1901 bis 1950 hatte sich eine beispiellose Opferwilligkeit in der Pfarrgemeinde entfaltet. Zeitweise – besonders im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhundert, der beginnenden Neubauphase unseres Gotteshauses – reichte sie sogar bis in die Regierungsbezirke Aachen, Köln und Düsseldorf hinein.

Unsere Rückschau auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts – von 195l bis 2007 – zeigt dagegen ein ganz anderes Bild: eine Periode durchgängig friedlicher und kontinuierlicher Aufwärtsentwicklung. Freilich war diese Zeit mit ihren Zielen in der Wahrnehmung vieler leidgeprüfter Menschen nur eine mit reichlich Skepsis durchsetzte Hoffnung, und die langen Jahre des kalten KrIeges mit ihren starken Worten und Bedrohungen waren nicht geeignet, die Zweifel bald auszuräumen. Später jedoch sah man, dass das, was einst nichts weiter als sehnlicher Wunsch war – Gott sei Dank! – zur schönen Realität geworden war:

Amerikanische Wirtschaftshilfe (Marshall-Plan) – Bildung der BRD – soziale Marktwirtschaft – Wirtschaftswunder – europäische Integration – neue Ostpolitik – Wiedervereinigung Deutschlands – das waren wichtige Meilensteine des Weges, der uns wegführte von den Nöten und Sorgen der Vergangenheit, hin zu Wohlstand und Frieden der Gegenwart.

Die Knappheit der finanziellen und materiellen Mittel und oftmals dadurch verursachte Improvisationen hatten bald ein Ende.. Immer öfter machten sie Platz der langfristigen Planung aufwändiger Werterhaltungsmaßnahmen und größerer Anschaffungen - einschließlich ihrer finanziellen Absicherung durch Schaffung emtsprechender Rücklagen.

Das trifft in hohem Maße auch für Pastor Karl-Heinz Graff zu, der im April 1986 die Lammersdorfer Pfarrstelle übernahm.

In Verinnerlichung der Erfahrungen seiner Vorgänger entwarf er ein Konzept, nach dem in 10 bis 15 Jahren eine Reihe von notwendigen Arbeiten zur Erhaltung und Erhöhung des Wertes der Kirche ausgeführt werden sollten. Einbezogen waren die generelle Renovierung – erforderlichenfalls auch Restauration – des gesamten Inneren und Äußeren des Kirchengebäudes und des Turms. Es gelang Pfarrer Graff, den Kirchenvorstand und eine überzeugende  Mehrheit der Katholiken für seinen Plan zu gewinnen.

Die Realisierung des Konzeptes ließ nicht lange auf sich warten: 1988 veranlasste er die Reparatur einer Glocke, 1991 die Instandsetzung vieler Kirchenbänke, 1995 folgten notwendige Arbeiten am Glockenstuhl und die Erneuerung der Stromverteilungsanlage für die Glocken mit den dazugehörigen Anschlagwerken, 1996 Erneuerung der Kirchenportale und bessere Ausleuchtung der Kirche.

Nach fast 13 Jahren konnte Dechant Graff auf dem Neujahrsempfang am 09.01.2000 feststellen, dass der große Kraftakt der umfassenden Renovierung und Sanierung des Kirchengebäudes erfolgreich bewältigt worden war. Nachdem bereits 1998 die Renovierung des Innenraumes vollendet werden konnte, bot sich nun auch der Kirchturm wieder in voller Pracht dar.

 

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Behördlicherseits wurde mitgeteilt, dass unsere Kirche m.W.v. 13.Juni 1988 als Baudenkmal in die Liste beim Rat der Gemeinde Simmerath aufgenommen wurde. Der Grund dafür und die sich daraus ergebenden Verpflichtungen sind in der Mitteilung enthalten. Einen Hinweis auf gewisse Absprachen zwischen der Behörde und dem Kirchenvorstand Lammersdorf gibt es in den Akten des Pfarrarchivs nicht. Dennoch sollte die Eintragung des Kirchengebäudes in die Denkmalliste in dieser Pfarrchronik nicht fehlen. Die Gleichzeitigkeit der Termine – Eintragung als Baudenkmal und Umsetzungsbeginn des langfristigen Konzepts von Pastor Graff – ist nach momentanem Kenntnisstand rein zufällig.

Letzteres verursachte Gesamtkosten von rd. 963 000 DM, die zu 55 % durch Spenden, , zu 38 % aus Sammlungen und Eigenmitteln der Pfarre und zu 7 % aus dem Denkmalförderungsfond finanziert wurden.

Erneut veranlasst uns der relativ hohe Anteil von etwa einem Drittel durch Spenden und Sammlungen der wie ein roter Faden 100 Jahre sichtbaren Symbiose von christlicher Solidarität und kluger Leitung unseren großen Respekt zu zollen.

Nach wie vor ist es unser erklärtes Streben, das Wirken in unserer katholischen Pfarrgemeinde mit dem Leben unseres Heimatortes aufs engste zu verbinden.  Genau diese Zweckbestimmung entspricht dem, was Kardinal Joseph Ratzinger, unser heutiger Papst Benedikt XVI., uns lehrte: Stets habe „die Kirche...eine Verantwortung für das Ganze.“

Wir sind glücklich, uns in Übereinstimmung zu befinden mit einem der tragenden Prinzipien unserer katholischen Kirche.


Der uralte Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus


Schon von alters her waren unsere Vorfahren bestrebt, sich an einem würdigen Ort in stiller Andacht mit ihrem Gebet an Gott wenden zu können.

Weite und beschwerliche Wege nahmen sie in Kauf, um am Gottesdienst teilzunehmen: zuerst über eine lange Zeit bis nach Konzen zur damals noch einzigen Mutterkirche des Monschauer Landes und seit der Mitte des 14. Jahrhunderts über mehr als 300 Jahre zur Mutterkirche nach Simmerath – bei Wind und Wetter, bei manchmal reißendem und über die Ufer getretenem Kallbach – und das mit Säuglingen zur Taufe, mit Kindern zur Kommunion und mit ihren Toten zur Beerdigung!

Angesichts dieser qualvollen Mühsale, die nicht selten den Kirchgang ganz und gar unmöglich machten, ist die Sehnsucht unserer Altvordern nach einem Gotteshaus am eigenen Wohnort  nur zu verständlich.

Nach einem Stiftungsbrief aus dem Jahre 1690 soll in Lammersdorf bereits um das Jahr 1600 eine Kapelle gestanden haben, die aus Holz gezimmert und sehr klein gewesen sei. Sogar ein Geistlicher sei hier seelsorgerisch tätig gewesen.[1] Wann genau die Kapelle errichtet worden ist und wo sie gestanden hat, wissen wir nicht.

Um die Wende zum 18. Jahrhundert zählte der Ort 360 Einwohner, die in 60 Häusern lebten. Die Lammersdorfer fühlten sich nun auch zahlenmäßig und in ihrem Gemeindebewußtsein stark genug, ein eigenes pfarrliches Leben zu beginnen. Längst reichte das kleine Holzkirchlein nicht mehr aus, um allen Gläubigen Platz zu bieten. Außerdem war es schon recht baufällig geworden. So beschloß man, eine Kirche aus Stein zu  bauen.

Die Bauarbeiten erstreckten sich – unterbrochen von einer Stockung – über den Zeitraum von 1705 bis 1709. Außerordentlich verdient um den Weiterbau und die Vollendung des Kirchenbaues machte sich Franz Heinrich Fedder, der im Jahre 1708 als geistlicher Rektor in Lammersdorf seine Tätigkeit aufnahm. Unter seiner Leitung ging die Arbeit  zügig weiter. Zur Aufbringung der Kosten steuerte jeder wohlhabende Bewohner des Ortes bis zur Vollendung des Baues jährlich einen Rheinthaler (Rthlr.) Clev. 23 Sg. und 1 Pfg. bei. Überdies führten die Lammersdorfer unter sich noch besondere Kollekten durch. Auf diese Weise vermochten sie ohne den Beistand anderer das Mauer- und Dachwerk der Kirche und den Turm zu errichten.

Im Jahre 1709 erfolgte ihre feierliche Einweihung durch Pastor Richartz von der Simmerather Mutterkirche. Als Patron wurde der Heilige Johannes der Täufer auserkoren. Kirchenrechtlich gesehen weist diese Entscheidung auf die weiterbestehende Bindung der Lammersdorfer Kirche an die Mutterkirche in Simmerath hin, die den gleichen Patron hatte.

So, wie das neue Kirchengebäude jetzt dastand, war sein einschiffiges Inneres bis zum Chor 15,8 Meter lang und 7,25 Meter breit. Im Bohlengewölbe erreichte es eine Höhe von 7,90 Metern. Das Mauerwerk war ca. 1 Meter dick und ca. 4,95 Meter hoch. Die Höhe des Turmes betrug im Mauerwerk gut 13 Meter und im Dachstuhl 10,5 Meter. Seine Seiten waren je 4,6 Meter lang. Insgesamt war das Gotteshaus bedeutend kleiner als das heutige.

Die alte Kirche von 1709

Zum Zeitpunkt ihrer Einweihung war die Kirche keineswegs komplett. Die finanziell zunächst erschöpfte Gemeinde konnte die noch vorhandenen baulichen Unzulänglichkeiten erst später nach und nach beheben und das noch fehlende Inventar nur schrittweise anschaffen.

Die Lammersdorfer blieben sich dieser Aufgabe bewußt, ihr Eifer für die Vervollkommnung und Verschönerung ihres Gotteshauses erlosch zu keiner Zeit. Lassen wir hierzu einen besonders kompetenten Zeitzeugen zu Wort kommen: Pfarrer Mathias Michael Bonn – hier tätig von 1835 bis 1860 – schrieb in seinem „Gedenkbüchlein für Lammersdorf...“:

Ich muß „bemerken, dass während meines Hierseins außerordentlich viel für die Instandsetzung und Verschönerung der Kirche geschehen ist und dass es nicht möglich gewesen wäre, dieselbe so umzubauen, wie sie jetzt erscheint, wenn nicht ein so guter Sinn im allgemeinen unter meinen Pfarrkindern rege geworden und rege geblieben wäre. Wir mögen abermals sehen, was eine Gemeinde von 166 Haushaltungen, worunter viele Dürftige und wenige Vermögende sind, vermag. In einem Zeitraum von neun Jahren (1836 bis 45) ist eine unglaublich große Summe aus lauter freiwilligen Beiträgen teils zur Verschönerung der Kirche, teils zur Anschaffung kirchlicher Gerätschaften (von)Paramenten und Möbel(n) aufgebracht worden... Freilich, unter den  Verhältnissen, die hier vorwalteten, hätte es mir nicht einfallen können, auch das Geringste zur Verschönerung der Kirche in Vorschlag zu bringen, wenn nicht von Seiten einiger meiner Pfarrkinder die Anregung so eindringlich geworden wäre. Bei all dieser Arbeit verdient der Kirchenrendant Josef Dressen von hier rühmliche Erwähnung, unermüdet und unverdrossen war er stets thätiger Mitsorger, außer dem, was er noch beisteuerte.“[2]

Pfarrer Bonn hat in seiner Chronik über 100 Frauen und Männer, Jugendliche und Kinder namhaft gemacht, die mit Geld- oder Sachspenden und mit vielerlei schönen Ideen zur Gestaltung ihres Gotteshauses beitrugen.

Dank dieser gemeinsamen Anstrengungen wurde die Kirche immer schöner und vertiefte mit Recht den Stolz der Lammersdorfer Katholiken.

Auch von anderer Seite zollte man dem Bauwerk hohe Anerkennung: Dr. Ludwig Mathar beschrieb die Kirche als ein „echtes Vennkirchlein ..., unverputzt, mit Fenstern und Türen aus Hausteinrahmen, mit einem vorgesetzten, fast quadratischen Westturm, der seinen achteckigen Helm trotzig zum Venn emporreckte, mit dem Glockentürmchen auf der Ostseite des beschieferten Satteldaches, das am Ende des 18. Jahrhunderts gen Osten um zwei Joche und den Anbau des neuen Chores verlängert wurde. Das (echte Vennkirchlein) blieb es auch, als es im Jahre 1804 von seiner Pfarre Simmerath unabhängig wurde und sich 1862 um eine Eingangs- und Taufkapelle erweiterte.“ An gleicher Stelle erwähnt Dr. Mathar den prächtigen Hochaltar von 1748, seinen mit reich gezierten Volutenwangen geschmückten Tabernakel, die von Franz Heinrich Fedder eigenhändig geschnitzte Orgelumrahmung, die in der Messingkunst der Dinanterie gefertigten drei Paar barocken Leuchter u.a.m.-[3]

Fast zwei Jahrhunderte hat die am Anfang des 18. Jahrhunderts erbaute Kirche den Gläubigen in Lammersdorf gute Dienste geleistet. Jedoch hatte sich nach zweihundert Jahren die Einwohnerzahl unseres Heimatortes mehr als verdoppelt und war auf rund 650 Einwohner angestiegen. Für die gewachsene Zahl von Gläubigen reichte der Platz in der Kirche bei weitem nicht mehr aus. Ein größeres Gotteshaus erwies sich somit als dringend notwendig.

Das Vorhaben hatte darüber hinaus eine große politische Bedeutung. Aus dem Kulturkampf zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche (1871 – 1887) war Letztere infolge ihres konsequenten Widerstandes als Sieger hervorgegangen. Sie hatte die Beibehaltung ihrer Rechte durchsetzen und ihren Rückhalt in der großen Mehrheit der Bevölkerung nicht nur behaupten, sondern wesentlich stärken können. Dieser historisch bedeutsame politische Erfolg fand auch in der Bautätigkeit der Kirche seinen Niederschlag. An vielen Orten wuchsen große, architektonisch schöne Kirchen aus dem Boden und reckten ihre Türme stolz gen Himmel.

Von Notizen des seinerzeitigen Lammersdorfer Pfarrers, Dechant Leonard Hubert Jülich, und aus der Schulchronik wissen wir, dass am 18. März 1901 in der alten Kirche das letzte heilige Meßopfer dargebracht wurde. Anschließend ist der Hochaltar abgebaut und im Saale Frings (heute Roeffen-Lüscher), der als Notkirche umgestaltet worden war, wiedererrichtet worden. Das Allerheiligste wurde in feierlicher Prozession unter außergewöhnlich hoher Beteiligung der Gläubigen dorthin getragen. Die Orgel kam auf den Schulspeicher. Einen Beichtstuhl stellte man in einem Klassenraum auf.

Notkirche im Saale Wirtz, heute Roeffen-Lüscher

Innerhalb von vier Wochen waren die Kirche und das Jansensche Haus Nr. 43 unmittelbar oberhalb der Kirche abgebrochen. Damit stand der Platz für das neue Gotteshaus zur Verfügung

 



[1] Vgl. Mathias Michael Bonn: Gedenkbüchlein für Lammersdorf... (erschienen 1848), Abdruck in Josef Kreitz, bearbeitet und ergänzt von Herbert Arens: Katholische Pfarrgemeinde Lammersdorf einst und jetzt, Roetgen 1981, S. 8

[2] Ebenda, S. 34

[3] Vgl. Ludwig Mathar: Die Kirchen des Kreises Monschau. Ein Geschichts- und Kulturbild. In: Eremit am Hohen Venn, 25. Jg. (1953), S. 39 f.


Die Entwicklung zur heutigen Kirche


In diesen Wochen, wo wir uns anschicken, 100 Jahre Kirchweih festlich zu begehen, wollen wir im Folgenden Rückschau halten auf die Zeit, da unsere Kirche entstand, aber auch auf das, was unsere Vorfahren in den folgenden Jahrzehnten – oftmals trotz großer Not ! – leisteten, um den baulichen Wert ihres Gotteshauses zu erhalten und es stets von Neuem mit den Attributen einer ehrwürdigen Heimstatt des religiösen Lebens auszustatten.

Zugleich wollen wir uns aber auch auf den Beitrag besinnen, den unsere noch lebenden Generationen hinzugefügt haben, um unsere Kirche im genannten Sinne zu hegen und zu pflegen

Rechtzeitig – in den 1890er Jahren – traf der Kirchenvorstand unter dem Vorsitz von Pfarrer Jülich die für den Neubau einer größeren Kirche erforderlichen Vorbereitungen.

Gestützt auf eine negative Bauzustandsanalyse des alten Kirchengebäudes, holte er für dessen Abriss und für den Bau einer neuen Kirche die Genehmigung des „Hochwürdigsten Generalvikariats“ zu Köln ein. Zugleich erwirkte er die Erlaubnis, auf einem Kirchengrundstück auf der Ley die zum Kirchenneubau nötigen Mauersteine brechen zu dürfen.

Schon bald kümmerte sich der Kirchenvorstand um die für den größeren Neubau erforderliche Erweiterung des Platzes. In Frage kam dafür das an die damalige Schule (heute Sparkasse) im Nordosten angrenzende und zur öffentlichen Versteigerung anstehende Grundeigentum des Matthias Peter Jansen (mit dem Dorfnamen Beichenhüppertjes) und dessen Schwiegersohn Thomas Mathar. Der damalige Kirchenrendant Johann Cönzer erhielt die Befugnis, die Liegenschaften unter allen Umständen zu erwerben und ersteigerte sie schließlich für 5 181 Mark.[1]

Die Planung des neuen Bauwerkes wurde dem weithin bekannten Architekten Professor J. Kleesattel aus Düsseldorf übertragen. In seinem Erläuterungsbericht zum „Entwurf einer katholischen Pfarrkirche in Lammersdorf“ heißt es sinngemäß unter anderem:

Der Entwurf zeigt eine in den einfachen Formen des frühgotischen Stiles gehaltene dreischiffige Hallenkirche mit einem vieleckigen Hauptchor, zwei Seitenchören und einem Hauptturm auf der Westseite.

An das Chor schließen sich rechts die Sakristei, links die Paramentenkammer an.

Die Taufkapelle ist an der Nordseite, eine Maria-Hilf-Kapelle an der Südseite des Turmes angeordnet.

Das Mittelschiff ist 6,75 m breit; die Seitenschiffe haben eine Breite von 3,80 m. Die lichte Höhe des Mittelschiffes beträgt 10,50 m, die der Seitenschiffe je 8,80 m.

Die Länge des Mittelschiffes von der Turmwand bis zur Kommunionbank beträgt 21,20 m; die ganze Breite der Kirche 14,35 m. Die Turmhalle hat eine lichte Weite von 3,75 m. Dieselbe steht mit der Taufkapelle und dem Kirchenraum durch breite Öffnungen in unmittelbarer Verbindung. Die Orgelbühne, zu welcher aus der Turmhalle eine bequeme Treppe führt, ist in ausreichender Größe im ersten Schiffsjoch vor dem Turmraum angeordnet.

Die Kirche umfasst einen nutzbaren Laienraum von 300 m2; sie gewährt somit Raum für ca. 800 bis 900 Personen. Es führen 3 Portale mit nach außen aufgehenden Türen in die Kirche, und zwar 1 Turmportal mit 2,20 m lichte Weite und 2 Seitenportale mit je 1,80 m lichte Weite. Es gibt dies eine Gesamtbreite der Ausgänge von 5,80 m. Somit dürfte für eine rasche Entleerung der Kirche weitgehendst gesorgt sein.

Das Mauerwerk, einschließlich der äußeren Blendung, soll in Bruchsteinen mit Wasserkalkmörtel ausgeführt werden. Die Bruchsteine werden aus den in nächster Nähe der Baustelle befindlichen Brüchen gewonnen. Sämtliche Gesimse, Pfeilerabdeckungen, Tür- und Fenstereinfassungen, Pfosten und Maßwerke sollen aus bestem, wetterbeständigem Eifeler Sandstein hergestellt werden. Die Dachkonstruktion sämtlicher Dächer, einschließlich des Turmhelmes, sind in Holz auszuführen und mit bestem Moselschiefer auf Schalung einzudecken. Firste, Gräte und Kehlen werden aus Walzblei hergestellt. Die inneren Säulen werden aus bestem Eifeler Sandstein bestehen. Die Gewölbe sollen in Schwemmsteinen zwischen Hausteinrippen ausgeführt und die unteren Ansichtsflächen mit gutem Mörtelputz versehen werden. Auch die Innenwände erhalten Mörtelputz. Für die Fenster ist eine einfache Spitzenverglasung in Cathedralglas vorgesehen. Der Fußboden der Kirche wird mit Platten aus gebranntem Ton belegt.[2]

In seiner Sitzung am 21. August 1898 beschloß der Kirchenvorstand einstimmig, die neue Kirche nach diesem Plan zu bauen. Als das Gremium sich ein halbes Jahr später mit einigen doch noch vorgeschlagenen Änderungen und der daraus resultierenden Kostensteigerung zu befassen hatte, stimmte er auch diesen zu, weil – wie er fand – die Chorhalle durch die Erhöhung der Mauern und die eingefügten Halbfenster in jeder Seitenmauer „bedeutend an Schönheit gewinnen“ werde.

Die Nachricht vom beabsichtigten Kirchenneubau traf in der Pfarrgemeinde allenthalben auf große Sympathie. Von Anfang an wurden die vorbereitenden Maßnahmen von einer beeindruckenden Bewegung der Bereitschaft zur Mithilfe und der frommen Opferwilligkeit vieler Gläubiger flankiert – getragen von dem Wunsch, dass das Bauwerk schnell wachsen und gut gelingen möge.

Die Ausführung des Baues übernahm der sehr bewährte Unternehmer Anton Dohmen aus Heimbach. Er ging zügig ans Werk. Binnen weniger Wochen war die Baugrube ausgeschachtet, so dass bereits am 25. April 1901 der erste Stein gelegt werden konnte. Er fand seinen Platz in der westlichen Ecke der Baugrube.

Nach seiner Ansprache stieg Pfarrer Jülich in den Turmschacht und vollführte mit dem gezierten Hammer drei Schläge auf den ersten Stein. Ihm folgten der Kirchenvorstand und die übrigen anwesenden Männer, der Lehrer und die Schulkinder; zuletzt kamen die Frauen und Jungfrauen an die Reihe. Alle schlugen dreimal auf den Stein und gaben ein Trinkgeld für die Arbeiter.

In den folgenden Wochen setzte das Bauunternehmen seine Arbeit zügig fort. Als am 21. Juli 1901 die Grundsteinlegung erfolgte, stand das Mauerwerk schon bis unter den Fenstern. Zu dem festlichen Anlaß war Weihbischof Dr. Fischer nach Lammersdorf gekommen. Als Geschenk hatte er den Grundstein mitgebacht. Derselbe stammte aus den Katakomben des heiligen Papstes und Märtyrers Callixtus in Rom. Am unteren (südlichen) Eingang des Dorfes holte die Gemeinde den hohen Gast ab. In einer Prozession trugen vier Jünglinge den schweren Stein auf einer Bahre zur Kirche. Hier wurde er hinter dem Hochaltar in der Mauer platziert. Er ragt etwas aus der Mauer heraus und liegt ca. 30 cm über dem Kirchenboden. Auf seiner Kopfseite steht die Jahreszahl „1901“. Die eingemauerte Urkunde, von der sich im Pfarrarchiv eine Abschrift befindet, ist in lateinischer Sprache abgefasst und hat in Deutsch folgenden Wortlaut:

„Zu Ehren der hochheiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit.

Im Jahre des Herrn 1901, am 21. Tage des Monats Juli, unter dem höchst erhabenen Pontifikat von Papst Leo XIII. und unter der Regierung Wilhelm II., des Königs und Kaisers, als Hubert Simar Erzbischof von Köln war, Th. von Guérard Landrat dieser Region und Joseph Goller, Pfarrer in Simmerath, Dechant, Leonard Hubert Jülich Pfarrer in Lammersdorf und Michael Gerards Bürgermeister in Simmerath, legte diesen aus den Katakomben des hl. Papstes und Märtyrers Callixtus genommenen Grundstein zur größten Freude der Pfarrangehörigen zu Ehren des hl. Johannes des Täufers unter dem Titel der Enthauptung der hochwürdigste Herr Anton Fischer, Doktor der hl. Theologie, Bischof von Juliopolis (Galatien, Kleinasien) und Weihbischof in Köln in Anwesenheit aller Pfarrangehörigen und der Priester der benachbarten Gemeinden.

Der Plan dieser Kirche ist von dem weithin bekannten Architekten Prof. Kleesattel aus Düsseldorf entworfen worden, und die Ausführung des Baues hat man dem sehr bewährten Unternehmer Anton Dohmen aus Heimbach übertragen.

Das Bittgebet der ganzen Pfarre wie die Hoffnung und der Wunsch aller hier andächtig Anwesenden gehen dahin, dass die neue Kirche durch Gottes Gunst in kurzer Zeit vollendet werde, dass sie den Ruhm des allmächtigen Gottes mehre, dem Heil der unsterblichen Seelen diene und unter dem Schutz der seligen und unbefleckten Jungfrau Maria und unter der Fürsprache des hl. Johannes des Täufers und des hl. Hubert, der Patrone dieser Kirche, unbeschädigt eine ganz lange Zeit von Tagen überdauere.“[3]

Knapp anderthalb Jahre nach der Grundsteinlegung war die Kirche fertig und konnte am 9. November 1902 eingesegnet werden. Nachdem morgens noch eine heilige Messe in der Notkirche (im Saale Wirtz/heute Roeffen-Lüscher) gefeiert und danach das Tabernakel in die neue Kirche getragen worden war, fand am Nachmittag der feierliche Einzug in das würdevolle Gotteshaus statt.

Nun hatten die Lammersdorfer Katholiken eine ehrwürdige, stattliche und geräumige Kirche. „Sie ist zwar kein Dom, aber eine recht hübsche und würdige Landkirche“, wird in den Eifeler Nachrichten vom 21.7.2001 aus dem Montjoier Volksblatt zitiert. Dr. Peter Schönhofer schrieb: „Die jetzige Kirche gehört zu den schönsten Gotteshäusern im Kreise Montjoie.“[4]

Ganz anders dagegen das folgende Urteil: „Die neue Kirche... ist ein rasch erstellter, frühgotischer Bau... Das ist keine freie Gestaltung auf dem Boden altheimischer Überlieferung. Dafür war die Baukunst um 1900 noch nicht reif.“[5]

Wertungen wie die letzte waren jedoch eher selten; es überwog die Überzeugung, dass unsere Pfarrgemeinde mit dem neuen Gotteshaus eine würdevolle Heimstatt ihres religiösen Lebens erhalten hatte. Auch der Lammersdorfer Kirchenvorstand äußerte die Meinung, die neue Kirche sei zwar einfach in ihren Formen, mache aber dennoch einen sehr schönen und guten Eindruck.

 

Die neue Kirche

 

So wie das Gotteshaus jetzt – kurz nach seiner Fertigstellung – aussah, sollte es nicht bleiben. Bei allem Erreichten ging es während der kommenden Jahrzehnte darum, es so zweckmäßig und würdig wie nur irgend möglich zu gestalten. Die Pastoren und die Leitungsgremien der Pfarrgemeinde haben diese Zielstellung stets im Auge behalten und jeweils rechtzeitig die materiellen und finanziellen Ressourcen zu deren schrittweisen Verwirklichung bereitgestellt.

Wer hierzu Näheres erfahren möchte, findet genügend Fakten dort, wo die Leistungen der Pastoren beschrieben werden.

 

Inneres der neuen Kirche

 

Im Folgenden wollen wir noch die Anschaffung und Weihe des neuen Geläuts schildern:

Es ist nur zu verständlich, dass nach dem I. Weltkrieg, für den zwei Glocken zum Einschmelzen hergegeben werden mussten, die Sehnsucht nach neuen Glocken von sehr vielen Katholiken immer deutlicher artikuliert wurde.

Der damalige Pfarrer Nikolaus Jansen sprach mit Gläubigen und stellte die Angelegenheit dem Kirchenvorstand vor. Nach positivem Ergebnis der Diskussion bestellte er im Januar 1922 drei neue Glocken. Die Lieferfirma bestätigte den Auftrag. Der Kaufvertrag war somit perfekt. Opferbereitschaft und freudige Erwartung waren allenthalben spürbar.

So reibungslos wie bisher ging es allerdings leider nicht weiter. Ein gutes  halbes Jahr nach Abschluss des Kaufvertrages schrieb die Lieferfirma, sie sehe sich in Folge der drastischen Verteuerung der Löhne, Rohstoffe und Betriebsmaterialien gezwungen, den Kaufpreis um 100 % zu erhöhen; danach sollten die Glocken neuerlich sehr deutlich über 100 000 Mark kosten. Auch wenn man dies als Entgegenkommen bezeichnete, weil die reale Teuerung mehrere 100 % betrage, erwies sich schon die angekündigte 100 %ige Preiserhöhung für die Pfarrgemeinde als sehr harter Schlag. Sie stand vor der desaströsen Alternative: Geld oder keine Glocken.

In dieser zugespitzten Situation entschied man sich für die Glocken.

Alle Möglichkeiten, weitere Einnahmequellen zu erschließen, wurden diskutiert und Maßnahmen zu ihrer Realisierung getroffen: die Durchführung eines großen Gemeindefestes und von zahlreichen Kollekten, Appelle an potentielle Sponsoren u.a.m., die alle die gewünschten Früchte trugen: Zwei Monate nach Eingang  der negativen Information seitens der Lieferfirma konnte dieser die Zahlung der zusätzlichen 57460 Mark avisiert werden.
Dank des großen Engagements des Pastors und der Mitglieder des Kirchenvorstandes, des Beteiligungswillens und Opfersinns fast aller Pfarrangehörigen, der Bereitschaft verschiedener Wohltäter, größere Summen zu spenden, nicht zuletzt aber auch dank des hohen Sympathiewertes der Idee war es möglich, auch dieser wirklich komplizierten Problematik Herr zu werden. Mit nicht nennenswerter Verspätung stand das neue Geläut zur Weihe bereit.

 

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So fand bereits am 7. Januar 1923 die Glockenweihe statt.

Die erste und größte Glocke erhielt den Namen „Michaelsglocke“ (Ton e). Ihre lateinische, hier ins Deutsche übersetzte Inschrift lautet:

Führe, die für uns gefallen

und fürs teure Vaterland,

herrlich in des Himmels Hallen,

Michael, mit starker Hand!

Führe auch uns in Gottesland

nach den dunklen Erdentagen,

Feldherr du von Gott gesandt,

deinen Namen will ich tragen.

Als Paten trugen sich in die Weiheurkunde ein: Frau Wwe. Eduard Läufer für die Krieger, Gefallenen und Kriegsversehrten; Carl Wilden für die Landwirte; Peter Giesen für die Arbeiter; Johann Josef Breuer für die Handwerker und Carl Mertens für die Gewerbetreibenden.

Die zweite Glocke (Ton g) ist dem Kirchenpatron gewidmet. Ihre lateinische, hier ins Deutsche übersetzte Inschrift lautet:

Johannes der Täufer

wie einst bin ich genannt,

rufend:

des Herrn Weg bereitet

zum

himmlischen Strand!

Als Paten trugen sich ein: Mathias Wilden für den Kirchenvorstand; Heinrich Läufer für die Gemeindevertretung, Mathias Peter Graf für die Zivilgemeinde und Arnold Graf für den Kirchenchor.

Die dritte Glocke (Ton b) trägt den Namen der Mutter Gottes. Ihre lateinische, hier ins Deutsche übersetzte Inschrift lautet:

Diesen Namen ich trage:

Maria.

Jesu Christi Mutter.

Ihr Lob ich verkünde,

Ihr jubelt der eherne Klang.

Als Paten trugen sich ein: Wwe. Mathar für den Frauen- und Mütterverein; Walburga Jansen für die Jungfrauenkongregation, Frau Gerard für die  belgischen Pfarrangehörigen und Paul Lethen für die Schule.

Das Gussstahlgeläut hat ein Gesamtgewicht von 2 970 kg . einschließlich 790 kg Läutezubehör.

Zur ersten Inbetriebnahme am 21. Januar 1923 ertönte am frühen Morgen ein einstündiges festliches Geläute mit Glockenbaiern. Die anschließenden Gottesdienste und anderen Veranstaltungen waren vornehmlich dem Dank an alle Beteiligten gewidmet.

Auch heute noch – nach 88 Jahren – bringen die Glocken tagtäglich ihren Wohlklang der Gemeinde zu Gehör.

Als vierter Tonträger befindet sich noch eine kleinere Glocke im Glockenstuhl, sie musste während des I. Weltkrieges nicht abgegeben werden und dient heute bei entsprechenden Gottesdiensten als Wandlungsglöckchen.

 


 

[1] Quelle: Journal „Rechnung über den Bau der neuen Pfarrkirche zu Lammersdorf...“, aufbewahrt im Pfarrarchiv, S. 4

[2] Josef Kreitz/bearbeitet und ergänzt von Herbert Arens: Katholische Pfarrgemeinde Lammersdorf einst und jetzt, Roetgen 1981, S. 98 f.

[3] Ebenda

[4] Jahrbuch „Das Monschauer Land...“ 1973, S. 99

[5] Dr. Ludwig Mathar in „Der Eremit am Hohen Venn...“ 25 [1953], S. 40

 


Vorwort zur Pfarrchronik


von Dr. Siegfried Wiehloch

Als die Vorbereitung des Kirchweihfestes begann, kam der Gedanke auf, die 100jährige Entwicklung der heutigen Pfarrkirche in einer Chronik zu erfassen. Durch Vermittlung von Lothar Berger, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte und Dorfkultur und Mitglied des Kirchenvorstandes, übernahm Dr. Siegfried Wieloch, Lammersdorf, Leiter des Arbeitskreises Heimatgeschichte im o.g. Verein, diese Aufgabe.

Nach mehrwöchigem Studium einschlägiger Akten des völlig ungeordneten Pfarrarchivs entstand Schritt für Schritt eine 82 Seiten umfassende; reich bebilderte Broschüre mit dem Titel

1907 – 2007

100jähriges Kirchweih-Jubiläum

in der Pfarrgemeinde

„St. Johannes der Täufer“

zu Lammersdorf

In der Darstellung geht es um eine sehr komplizierte Zeit, um Jahrzehnte, die die Welt und die Menschen mehr geprägt haben als viele Jahrhunderte zuvor. Auch die Kirche wurde von diesem Wandel arg berührt. So hatte der Kirchenvorstand ein Schiff zu steuern, das nicht selten zu kentern drohte, wenn die Ereignisse wie Wirbelstürme und Orkane - zwei Weltkriege, Inflation, Weltwirtschaftskrise,  Nazidiktatur – zu sehr an ihm herumzerrten.

Umso höher ist zu bewerten, dass der Kirchenvorstand, geleitet vom jeweiligen Geistlichen, in allen Lagen  Besonnenheit und Konsequenz bewies und die Gemeinschaft der Gläubigen zielstrebig zu den gesteckten Zielen führte.

Der Text der Chronik ist wie folgt gegliedert:1. Vorwort; 2. Der uralte Wunsch  nach einem eigenen Gotteshaus; 3. Zur Entstehung des heutigen Kirchenkomplexes; 4. Christliche Solidarität und kluge Leitung; 5. Unsere Pastoren  der vergangenen 100 Jahre; 6. Die Mitglieder des Kirchenvorstandes und Rendanten; 7. Allen sei Dank; 8. Johannes der Täufer – Wegbereiter Jesu: 9. Das Hohe Lied auf unser Gotteshaus; 10. Ein Wort zum Schluss.

Die eigentliche Pfarrchronik befindet sich unter den Teilüberschriften 2 bis 6 einschließlich. Da sich der Teil 6 textlich nicht darstellen lässt, ist dieser in die gekürzte Fassung nicht einbezogen, ebenso die Teile 7 bis 10. Wer also z.B. wissen möchte, welcher Vorfahr wann und wie lange im Kirchenvorstand mitgearbeitet hat, oder wer an noch mehr Wissen über den Namenspatron unserer Pfarrgemeinde interessiert ist, der sei gebeten, in die Originalbroschüre zu schauen. Letztere ist in wenigen Exemplaren noch im Pfarrbüro für 5 € käuflich zu erwerben.