Vorwort zur Chronik von Lammersdorf

von Dr.Siegfried Wieloch

Diese Chronik ist ein Auszug der größeren, dreiteiligen, auch die Geschehnisse im Monschauer Land und darüber hinaus beschreibenden unveröffentlichten Arbeit  "Auskünfte zur Geschichte Lammersdorfs und des Monschauer Landes..." von Dr. Siegfried Wieloch, Lammersdorf.

Die folgende chronologische Darstellung kann, das liegt in der Natur des Mediums, nicht den gesamten Umfang der schriftlichen Vorlage wiedergeben. Sie beschränkt sich streng auf ausgewählte wichtige Begebenheiten des politischen, kulturellen und Gemeinschaftslebens in unserem Heimatort, zumeist auf Eckpunkte der Entwicklung. So gesehen, erhebt sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit. (1)
Die Chronik ist eine zeitlich fortlaufende Beschreibung von Geschehnissen. Sie enthält bewußt keine zusammenfassende Betrachtung bestimmter Ereignisse, z.B. Vereinsgeschichten o.ä.

Ich habe mich für diese Form der Darstellung entschieden, weil mit Hilfe der Suchfunktion  der Website sich jederzeit bestimmte Sachverhalte exzerpieren lassen. Geben Sie z.B. in das Suchfeld der Website das Stichwort "Missernte" ein, so erhalten Sie fünf Hinweise zu Missernten aus der gesamten Chronik.

   

(1) Sollten Sie wesentliche Fakten in der Chronik vermissen, sind Sie Zeitzeuge, haben Sie wichtige Texte oder Bilder, so können  Sie mich über das Kontaktformular benachrichtigen. Ich bitte sehr darum!

 

Lammersdorf als Ort der Gemeinde Simmerath (1972 - 2000)

1972

Im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform entstand m. W. v. 01.01.72 der Kreis Aachen. Als eine seiner Untereinheiten konstituierte sich die Gemeinde Simmerath. Ihr Territorium umfasst rund 112 Quadratkilometer. Zu ihr gehören 17 Ortschaften mit damals insgesamt 11 386 Einwohnern. Lammersdorf mit seinen zu diesem Zeitpunkt 1 739 Menschen ist (und blieb) nach dem Hauptort Simmerath der zweitgrößte Ort der neuen Gemeinde. Es hatte aufgehört, eine eigenständige Gemeinde mit eigenem gewählten Gemeinderat und einem von diesem Gremium gewählten Bürgemeister zu sein. Es wurde zu einem gemeindeangehörigen Ort. An die Stelle des Bürgermeisters trat der Ortsvorsteher, den der neue Rat der Gemeinde Simmerath zu bestätgen hatte.

30.01.72: Einweihung des neuen Gerätehauses der Feuerwehr an der Hoscheiter Straße

03.04.72: Kommunalwahl: Aus Lammersdorf zogen für die Legislaturperiode 1972 - 1975 in den Gemeinderat ein: für die CDU: Heinz-Peter Ersfeld, Peter Esser und Alois Mertens; für die SPD: Johann Mohr;

Zum Bürgermeister wählte der Gemeinderat Heinrich Karbig, Rurberg (CDU); Lammersdorfer Ratsherren übernahmen folgende Funktionen:

- Heinz-Peter Ersfeld: 1.stellvertretender Bürgermeister,
- Johann Mohr: Fraktionsvorsitzender der SPD,
- Alois Mertens: Ortsvorsteher in Lammersdorf.
In den Kreistag Aachen wurde gewählt: Johann Mohr (SPD)

1973

17 04.73: Gründung der Freiwilligen Jugendfeuerwehr, Leiter: Otto Steffny

1975

Febr. 75: Auszeichnung des verdienten CDU-Kommunalpolitikers Alois Mertens mit dem Bundesverdienstkreuz

Mai 75: Kommunalwahl: Aus Lammersdorf zogen für die Legislaturperiode 1975 -1979 in den Rat der Gemeinde ein: für die CDU: Heinz-Peter Ersfeld, Alfons Jansen und Claus Windolf, für die SPD: Johann Mohr und Heinz-Günther Schreiber.

Zum Bürgermeister wählte der Gemeinderat erneut Heinrich Karbig, Rurberg (CDU).

Lammersdorfer Ratsherren übernahmen folgende Funktionen:
- Heinz-Peter Ersfeld: 2. stellv. Bürgermeister u. Vors. des Tiefbauausschusses,
- Johann Mohr: Vorsitzender der SPD-Fraktion,
- Alfons Jansen: Vors. des Planungsausschusses u. Ortsvorsteher in Lammersdorf.
Zum Abgeordnete des Kreistages Aachen wurde gewählt: Johann Mohr (SPD).

1976

Aug. 76: Bundesschützenfest in Lammersdorf

Okt. 76: Abriss des repräsentativen Hauses von Michael Wilden ("Walzen-Michel")

28.11.76: Einweihung des evangelischen Gemeindehauses

1977

06.03.77: Josef Kreitz, Oberstudienrat i.R. u. erfolgreicher Heimatforscher, mit fast 75 Jahren verstorben

01.08.77: Dienstantritt von Alfons Graß, Dedenborn, als Rektor unserer Grundschule

1978

April 78: Inangriffnahme langfristiger Pflegemaßnahmen von Mitgliedern der Ortsgruppe des Eifelvereins im Wollerscheider Venn, dem letzten Stück ursprünglicher Vennlandschaft auf deutschem Boden, unter Leitung von Hubert Schmitz

16./7.09.78: XIII. Internationales Schützenfest in Lammersdorf. Internationaler Schützenkönig: Manfred Moosmayer, Lammersdorf

1979

Febr. 79: Auszeichnung des verdienten CDU-Kommunalpolitikers Peter Esser mit dem Bundesverdienstkreuz

Juni 79: Eröffnung der "Naturkundlichen Bildungsstätte Nordeifel"

Herbst 79: Kommunalwahl: Aus Lammersdorf zogen für die Wahlperiode 1979 - 1984 in den Rat der Gemeinde Simmerath ein:
für die CDU: Heinz-Peter Ersfeld und Alfons Jansen,
für die SPD: Henz-Günther Schreiber und Ernst Schütt,
für die FDP: Roswitha Oberthür.

Zum Bürgermeister wählte der Gemeinderat wiederum Heinrich Karbig, Rurberg (CDU).

Es fungierten aus Lammersdorf: Heinz-Peter Ersfeld als 2. stellv. Bürgermeister, Alfons Jansen als Vors. des Planungsausschusses und Ortsvorsteher in Lammersdorf, Heinz-Günther Schreiber als Vors. des Forst- und Agrarausschusses



1980er Jahre

1980er Jahre: Im Zuge des weiteren Siedlungsausbaus wurden während der 1980er Jahre folgende Neubaugebiete erschlossen: Ortskern (Johannesweg und In Lammersdorf), Hofstraße und Auf dem Dreesch.

Weiterhin erfolgte die Neugestaltung des Dorfplatzes. Zur Einweihung im April 198... (?) hoben Bürgermeister Heinrich Karbig, Gemeindedirektor Leo Jansen und Ortsvorsteher Alfons Jansen die Einigkeit aller Parteien, die Eigeninitiative aller an den Arbeiten beteiligten Gruppen, insbesondere des THW, und die enge Zusammenarbeit von Zivil- und Kirchengemeinde hervor. Die katholische Kirche habe für die Erweiterung des Platzes ein Grundstück zur Verfügung gestellt. Insgesamt seien für das Projekt 200 000 DM aufgewendet worden, davon 169 000 DM für die Grünanlagen, die neuen Parkplätze sowie den neu geschaffenen Brunnen und 31 000 DM für die Restaurierung der Kapelle. Dem Kreis Aachen wurde für den Zuschuß von 80 000 DM gedankt.

1980

16.06.80: Alfons Graß, Dedenborn, Rektor der Grundschule, trat in den Ruhestand.

Aug. 80: Auszeichnung des Bürgers Roland Diebel, Jägerhausstraße 36, mit dem Bundesverdienstkreuz für seine zahlreichen engagierten und gefahrvollen Einsätze zur Beseitigung von Kampfmitteln aus dem II. Weltkrieg

1981

Okt. 81: Fertigstellung der Grillhüttedes Eifelvereins mit den notwendigen Anbauten. Der ehemalige Feuer- und Trimmplatz hatte dank der fleißigen ehrenamtlichen Arbeit vieler Mitglieder der Ortsgruppe des Eifelvereins eine bedeutende Komplettierung erfahren. Er erfreut sich seitdem als Stätte von Grillfesten und verschiedener anderer Veranstaltungen großer Beliebtheit - sowohl bei der Ortsgruppe des Eifelvereins als auch bei anderen Lammersdorfer Vereinen und bei auswärtigen Gruppen. Zu einer schönen Tradition entwickelte sich das von der Ortsgruppe des Eifelvereins alljährlich im Mai durchgeführte Hüttenfest, zu dem alle Lammersdorfer Bürger und Kinder eingeladen werden und die vielfältigen Angebote nützlichen Zeitvertreibs zahlreich nutzen. Immer wieder ist zu spüren, wie sehr sich die Ortsgruppe des Eifelvereins darum bemüht, bei all ihren Aktivitäten dem schönen, über dem Hütteneingang befestigten Spruch Rechnung zu tragen, der da lautet: „Friede dem, der da kommt - Freude dem, der hier weilt - Gottes Segen dem, der weiterzieht." - Nicht vergessen sollte man, dass Mitglieder der Ortsgruppe Jahr für Jahr viel Zeit für die Erhaltung und Pflege des Objektes und des Grundstückes aufwenden.

1981: Erscheinen des Buches "Katholische Pfarrgemeinde Lammersdorf einst und jetzt", Verfasser: Josef Kreitz; bearbeitet und ergänzt von Herbert Arens. - Es handelt sich um ein hervorragendes Werk über die Geschichte der Pfarrgemeinde, das zugleich einen allgemeinen Überblick über die Entwicklung des Ortes vermittelt.

1982

Febr. 82: Bildung des „Heimatgeschichtlichen Arbeitskreises Lammersdorf" auf Initiative von Hans Jürgen Siebertz; zu dem Gremium gehörten: Herbert Arens, Rudolf Dittrich, Alfons Jansen, Alois Mertens, H.W. Mertens, Karl Schiffer und Hans Jürgen Siebertz. Wenig später kamen hinzu: Eduard Kistermann, Annemarie Kreitz, Werner Kreitz, Hubert Schmitz und Karl Wilden.

Juni 82: Feierlichkeiten zum 100jährigen Jubiläum der St.-Johannes-Schützenbruderschaft. - Das Jubiläum wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gebührend gefeiert. - Peter Hülsbeck, zweimaliger Schützenkönig des Ortes, wurde Bezirks-Schützenkönig.

Okt. 82: Auszeichnung des Bürgers Karl-Heinz Marbach, seit September 1982 in Lammersdorf (Privatweg 4) wohnhaft, mit dem Verdienstkreuz I. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für seinen diplomatischen Einsatz als Militärattachè in Südamerika

Okt 82.: Otto Junker im Alter von 82 Jahren verstorben..

08.10.82: Die von Otto Junker 1970 gegründete Stiftung, die seit seinem Tod als alleinige Eigentümerin der Otto Junker GmbH fungiert, hat die Förderung von Wissenschaft und Technik sowie des Ingenieurnachwuchses an der RWTH Aachen als Stiftungszweck. Sie beschäftigte zu diesem Zeitpunkt 900 Mitarbeiter.

1982: 25jähriges Bestehen des Fanfarencorps

1983

03.06.83: Gründung des Vereins für Heimatgeschichte und Dorfkultur Lammersdorf e.V. (Heimatverein genannt), Initiator und erster Vorsitzender: Hans Jürgen Siebertz

1984

23.09.84: Feierliche Eröffnung des Bauernmuseums auf Initiative seines Trägers, des Heimatvereins. Damit war im Monschauer Land erstmals eine museale Stätte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden, die sich der bäuerlichen Arbeitswelt und Kultur widmet. Leiter des Museums: Hans Jürgen Siebertz

30.09.84: Kommunalwahl: Bei der Gemeinderatswahl war die bisher niedrigste Wahlbeteiligung zu verzeichnen - 16 Prozent weniger als 1975! Die CDU bekam - allerdings bei Erhalt der absoluten Mehrheit - den seit 1972 niedrigsten Stimmenanteil.Die Sozialdemokraten gerieten mit ihrem Stimmenanteil ebenfalls auf einen Tiefpunkt. FDP und Grüne lagen deutlich über der 5-Prozent-Grenze. Letztere nahmen erstmals an den Kommunalwahlen teil.

Während in Lammersdorf-Süd die CDU die absolute Mehrheit behielt, verlor sie diese, wenn auch nur knapp, in Lammersdorf Nord. Die SPD büßte in beiden Wahlbezirken unseres Ortes gegenüber 1979 Stimmen ein. Die eigentlichen Gewinner der Wahl waren hier die Liberalen und die Grünen. In Lammersdorf Nord gewannen Letztere sogar fast 15 Prozent der Stimmen.

Die 33 Sitze des neugewählten Gemeinderates verteilten sich wie folgt: CDU wieder 23, SPD 6 (- 1), Grüne 2 (erstmalig im Rat), FDP 2 (-2).

Als Mitglieder des Gemeinderates wurden aus Lammersdorf gewählt: Alfons Jansen und Peter Krings (beide CDU) sowie Angelika Eickhoff (Grüne).

Zum Bürgermeister ist erneut Heinrich Karbig (CDU) aus Rurberg gewählt worden.

In der Wahlperiode von 1984 - 89 fungierten aus Lammersdorf

- Alfons Jansen (CDU) als 2. Stellv. Bürgermeister, Vorsitzender des Planungsausschusses u. Ortsvorsteher in Lammersdorf,

- Angelika Eickhoff als Fraktionsvorsitzende der Grünen (bis September 1986).

Das folgende Diagramm veranschaulicht die Relationen der Stimmenanteile der Parteien (Stimmenanteile in %):

grafik1

1985

Sept. 85: Alois Mertens bei einem tragischen Autounfall während seines Urlaubs in Marabella/Spanien im Alter von 75 Jahren ums Leben gekommen.

1986

April 86: Feierliche Einführung des Pfarrers Karl-Heinz Graff

 

Nov. 86: Die 40 jugendliche Musikanten umfassende Flötengruppe, später Jugendmusikgruppe, bisher Formation der Evangelischen Kirchengegemeinde Monschau, wurde in die Ortsgruppe des Eifelvereins eingegliedert; Initiator und Leiter: Friedrich Ostler

1988

Febr. 88: Feierliche Verabschiedung der seit 20 Jahren als erfolgeiche Leiterin des Pfarrkindergartens tätigen Frau Hedwig Kremer in den wohlverdienten Ruhestand

März 88: In die St.-Johannes-Schützenbruderschaft wurden erstmals in der über 100jährigen Vereinsgeschichte und fortan weiterhin auch Frauen als vollwertige Mitglieder mit allen Rechten und Pflichen aufgenommen.

 

28.08.: 75jähriges Jubiläum der Feuerwehrlöschgruppe und 15jähriges Bestehen der Jugendfeuerwehr. Seit ihrem Bestehen vollbringt die Feuerwehrlöschgruppe eine ausgezeichnete Arbeit bei der Beseitigung von Schäden durch Feuer, Unwetter ujnd Unfälle. Da die sehr positive Bilanz in hohem Maße von den Führungskräften abhängt, seien sie nachfolgend genannt:

Führungskräfte der Feuerwehr

Name, Vorname

von

bis

Mertens, Carl

11.07.1913

04.02.1926

Dicks, Heinrich

04.02.1926

03.03.1927

Braun, Johann

03.04.1927

12.06.1927

Völl, Hubert

01.09.1927

Juli 1930

Radermacher, Johann

Juli 1930

Juni 1952

Strauch, Josef

Juni 1952

14.01.1964

Mathar, Horst

14.01.1964

29.03.1984

Läufer, Josef

seit 29.03.1984

 

Langjähriger Leiter der Lammersdorfer Jugendfeuerwehr war Otto Steffny

Die Funktion des Wehrführers des Amtes Simmerath versah vom 15.11.1963 bis zu seinem Tode am 2.9.1968 Oberbrandmeister Josef Strauch aus Lammersdorf

1989

01.10.89: Kommunnalwahl: Für die Legislaturperiode 1989 - 1994 wurden aus Lammersdorf in den Gemeinderat gewählt: Alfons Jansen, Peter Krings und Marianne Stiel (alle CDU) ; Heinz-Günther Schreiber und Edgar Titz (beide SPD) sowie Renate Krickel (Grüne).

Zum Bürgermeister wählte der Gemeinderat wiederum Heinrich Karbig, Rurberg (CDU).

Aus Lammersdorf fungierten im Gemeinderat:
- Alfons Jansen als Vorsitzender des Planungsausschusses u. Ortsvorsteher in Lammersdorf,
- Renate Krickel als Fraktionsvorsitzende der Grünen,
- Heinz-Günther Schreiber (SPD) als Vorsitzender des Wirtschafts-, Struktur- u. Fremdenverkehrsausschusses.

Nov. 89: Johann Mohr, langjähriger erfolgreicher SPD-Kommunalpolitiker, verstorben


 

1990er Jahre (bis einschl. 2000)

1991

01.12.91: Einweihung des Glockenturms am evangelischen Gemeindehaus

1992

Sept. 92: Feierliche Einführung des evangelischen Pastors Carsten Adams

Okt. 92: Heinz-Günther Schreiber, erfolgreicher SPD-Kommunalpolitiker, im Alter von 60 Jahren verstorben.

1993

Mai 93: Einweihung des Lammersdorfer Bahnhofs der touristischen Vennbahn

1993: Gründung des Kunstmalerkreises unter Leitung von Hans Jürgen Siebertz

1994

1994 Kommunalwahl: Die 33 Sitze im Gemeindefrat verteilten sich wie folgt (vorherige Anzahl in Klammern): CDU 20 (-2), SPD 7 (7), Grüne 2 (2), FDP 2 (2), UWG 2 (0). Nachfolgendes Diagramm veranschaulicht die Situation in der Legislaturperiode 1999 - 2004:

grafik2

Das Amt des Bürgermeisters wurde erneut Heinrich Karbig (CDU), Rurberg, anvertraut.

In den Rat der Gemeinde wurden aus Lammersdorf Alfons Jansen und Marianne Stiel (beide CDU) gewählt, weiterhin Franz Josef Hammelsein und Edgar Titz (beide SPD).

Aus Lammersdorf fungierten
- Edgar Titz als 2. stellv. Bürgermeister, als Fraktionsvorsitzender seiner Partei u. als Vorsitzender des Tiefbauausschusses,
- Alfons Jansen als Vorsitzender des Planungsausschusses, des Wahlprüfungsausschusses und Ortsvorsteher in Lammersdorf,
- Franz Josef Hammelstein als Vorsitzender des Rechnugsprüfungsausschusses.

April 94: Übernahme des Amtes der Schulleiterin durch Marianne Stiel

1995

Febr. 95: Offizielle Inbetriebnahme der Erdgasversorgung Lammersdorfs

1996

Apr. 96: Verabschiedung des Forstbeamten Jürgen Müller von seiner Funktion als außerordentlich verdienter ehrenamtlicher Leiter der Naturkundlichen Bldungsstätte Nordeifel

1997

18.03.97: Heinrich Karbig (CDU) gibt nach 25jähriger Tätigkeit als Bürgermeister der Gemeinde Simmerath das Amt an Hubert Breuer (CDU) weiter.

19.04.97: Heinrich Karbig wird in Würdigung seiner herausragenden Leistungen zum Ehrenbürgermeister der Gemeinde Simmerath ernannt.

20.12.97: Der Leiter der Geschäftsführung der Firma Junker, Herr Arne Nils Knudsen, zog eine sehr positive Bilanz der Entwicklung des Unternehmens

1998

Febr. 98: Offizieller Abschluss der 1963 eingeleiteten Flurbereinigung

24.08.98: Auszeichnung des verdienten Ortsvorstehers und CDU-Kommunalpolitikers Alfons Jansen mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande

1999

Juli 99: Die Anzahl der Schüler unserer Grundschule stieg rasant an: von 127 im Jahre 1990 auf 211 Schüler im Jahre1999 bzw. um rund 66 %. Von ihrer Schülerzahl her rangierte die Lammersdorfer Schule im Südkreis auf dem 2. Platz, hinsichtlich der Dynamik des Wachstums ihrer Schülerzahl aber belegte sie den 1 Platz.

12.09.99: Kommunalwahl: Als erstmals direkt gewählter und hauptamticher Bürgermeister erhielt Hubert Breuer (CDU) aus Strauch das Vertrauen von 66,65 % der Wähler. Das war von den drei Nordeifel-Kommunen das mit Abstand beste Vertrauensvotum.

Zu ehrenamtlichen stellvertretenden Bürgermeistern wählte der Gemeinderat Hans-Josef Hilsenbeck aus Dedenborn und Marianne Stiel aus Lamnersdorf (beide CDU).

Aus Lammersdorf zogen nach dem Wählervotum in den neuen Gemeinderat ein:
Marianne Stiel und Manfred Offermnn (beide CDU). Edgar Titz und Franz Joseff Hammelstein (beide SPD).

Der Korrektheit wegen muss man darauf hinweisen, dass das Wahlergebnis auf einem im Vergleich mit den Vorjahren sehr schwachen Wählerpotential beruhte. Nachfolgene Grafik gibt darüber Auskunft.

grafik3

Sept. 99: Wasser-Notstand in der Nordeifel: Infolge eines heißen Sommers ohne Regen stand der Perlenbach-Stausee kurz vor dem Trockenfall, was zu einer akuten Gefährdung der Wasserversorgung von 50 000 Bürgern führte. Maßnahmen:

  • Erlass des Trinkwasser-Sparaufrufs,
  • Bekräftigung der Abkochempfehlung,
  • Verlegen einer fliegenden Notleitung zur Beförderung von Wasser aus dem Olefsee in das Gewässernetz der Perlenbachtalsperre,
  • Bau einer dauerhaften Wassernotversorgungsleitung vom Filterwerk Roetgen zur Perlenbachtalsperre.

Die Mitglieder der Löschgruppe Lammersdorf leisteten im Wahlerscheider Wald zwischen Olef- und Perlenbachtalsperre im Zusammenwirken mit vielen anderen Wehren, dem Technischen Hilfswerk und der Bundeswehr von den insgesamt 21.053 Einsatzstunden allein 651. Darin nicht eingerechnet ist die Zeit, die im Anschluss für die Reinigung, Prüfung und Reparatur der 100 B-Schläuche sowie der übrigen Geräte aufgewendet werden musste.

28.09.99: Die 400 Jahre alte Linde vor dem Haus Bergstraße 23 bestand den offiziellen Gesundheitsscheck der Unteren Landschaftsbehörde mit Bravour.

01.10.99: Wahl des neuen Ortsvorstehers Manfred Offermann (CDU) im Gemeinderat, feierliche Verpflichtung am 8. November

28.10.99: Einweihung des neu gestalteten und erweiterten Pfarrkindergartens

Nov. 99: Wiederwahl des Lammersdorfer Pfarrers Karl-Heinz Graff für weitere fünf Jahre als Dechant des Dekanates Simmerath

02.12.99: Auszeichnung der Bürgerin Clementine Louven mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere für ihr außergewöhnliches Engagement in der stationären Altenbetreuung seit 1966

Dez. 99: Nachdem sie sich im Gemeinderat vom Oktober 1999 bereits eindrucksvoll zu ihrem Verständnis von aktiver Demokratie geäußert hatte, hielt Marianne Stiel, Lammersdorf, 2. stellvertretende Bürgermeisterin, im genannten Gremium nun ein leidenschaftliches Plädoyer für die Leistungen der Frauen in Vergangenheit und Gegenwart.

31.12.99: Lammersdorf hatte 2244 Einwohner.

2000

14.01.00: Führungswechsel beim THW: neuer Orsbeauftragter: Guido Meder als Nachfolger von Werner Kirch - unter Letzterem habe sich dank seines herausragenden Engagements eine für Nordrhein-Westfalen mustergültige THW-Stelle entwickelt.

 

Febr. 00: Überlegungen zur Einrichtung eines Einzelhandelsmarktes in Lammersdorf: In einem Brief an den Bürgermeister machte der Vorstand des VdK auf die Probleme der älteren und behinderten Bürger aufmerksam, die sich für sie aus dem Fehlen eines Lebensmittelgeschäftes am Ort ergeben. Der Bürgermeister informierte darüber den Strukturausschuss des Gemeinderates und erklärte, er sehe einige Ansätze zur Abhilfe. Interesse und Bewegung gebe es hinsichtlich der Errichtung eines Einzelhandelsmarktes auf einem freien Grundstück nahe der Firma Junker in Richtung Jägerhaus. Das Areal sei im Flächennutzungsplan als Gewerbefläche ausgewiesen. Es gehöre teils der Firma Junker und teils Privatleuten. Darüber hinaus kündigte der Bürgermeister an, er werde das Thema demnächst mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Aachen erörtern.

01.04.00: Aufhebung der Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung. - Geleitet von dem Anliegen, Haushaltsmittel für andere Zwecke freizusetzen, blieben auf Beschluss des Gemeinderates ab Juli 1982 die Straßenlampen in der Nacht von 1 - 5 Uhr aus. Dadurch konnten jährlich 42 000 Mark eingespart werden.
In den seitdem vergangenen fast 18 Jahren entflammten immer wieder heftige kontroverse Diskussionen über das Für und Wider dieser Entscheidung. In den letzten Monaten organisierten Hans-Jochen Genter, Kurt Poschen und der Aktionskreis „Simmerather Land" eine Unterschriftenaktion. 872 Bürger forderten mit ihrer Unterschrift den Gemeinderat auf, die Straßenlampen nachts wieder angeschaltet zu lassen.

In Steckenborn hatte ein Gastwirt sich bereiterklärt, die Kosten für die ununterbrochene Nachtbeleuchtung zu übernehmen, woraufhin der Ortsvorsteher die Nachtabschaltung für Steckenborn kurzerhand aufhob.

Nach nur kurzem Fortgang der Diskusson entschied der Hauptausschuss am 14. März einstimmig, ab dem 1.April die Straßenlampen wieder die ganze Nacht an zu lassen.

April 00: Wechsel in der Leitung der Naturkundlichen Bildungsstätte Nordeifel: Nachfolger von Diplom-Forstingenieur Elmar Falkenberg, der das Amt des Leiters seit 1996 innehatte und nun wegen einer beruflichen Veränderung aufgeben musste, wurde sein Kollege Forstoberinspektor Jörg Melchior.

April 00: 125jähriges Jubiläum des Kirchenchores: Heute besteht der Chor aus 26 Frauen und 10 Männern. Chorleiterin ist Gabriele Scheidweiler. Den Vorsitz hat Hans Roßkamp inne. Eine kleine Festschrift gibt einen Überblick über die Aktivitäten des Chores und über seine musikalischen Leiter. In der jüngeren Vergangenheit waren es:

Willi Bongard Juni 52 - Nov. 76 (gleichz. Organist u.Küster)
Klaus Windolf Novemer 76 - Januar 97
Kaus Löhn Januar 97 - Sepember 98
Gabriele Scheidweiler-Pleines seit September 98 (gleichz.Organistin)

Aug. 00: Führungswechsel bei den Karnevalsfreunden: neuer Vorsitzender: Klaus Genter (Vorgänger: Dietmar Heeren); neuer Geschäftsführer: Karl-Heiz Kuckelkorn (Vorgängerin: Stefanie Strauch), Jugendleiterin: Marita Johnen

Sept. 00: Bericht über die „Bewegte Schule" in Lammersdorf: Schon seit fast drei Jahren werden an der Grundschule Lammersdorf Formen des offenen Unterrichts wie Stations- und Werkstattarbeiten, freies Arbeiten, vernetztes oder fächerübergreifendes Lernen mit großem Erfolg praktiziert. Bewegungsfreudige Schule - das ist kein neumodisches Experiment, sondern in den Richtlinien und Lehrplänen des Landes NRW verankert, betonte Lehrerin und Fachleiterin Renate Scheidt. Die Idee sei einleuchtend: Lernen mit allen Sinnen - mit Kopf, Herz und Hand. Es kämen Kinder zur Schule, deren Lebensraum zunehmend eingeengt werde, deren Medienkonsum steige, die dafür aber weniger sinnliche und körperliche Erfahrungen machen, weniger laufen, klettern und toben würden. Darauf müsse sich die Schule einstellen.

Im Unterricht solle deshalb die Harmonie der Entwicklung von Geist, Körper und Seele gefördert werden, um Defizite aufzufangen und solchen vorzubeugen. In der Bewegung werde das Gehirn so aktiviert, dass die Kinder sich besser konzentrieren und erfolgreicher lernen könnten. Durch die offenen Unterrichtsformen komme mehr an in den Köpfen der Schüler, und die Schüler würden gerne so arbeiten. Außerdem fände im Team ganz nebenbei eine Menge an sozialem Lernen statt. Soweit die begrenzten Geldmittel es erlaubten, seien die Klassenräume der Schule umgestaltet worden in Lebensräume, in denen die Kinder sich wohlfühlen sollen.

Die von Skepsis geleitete Frage mancher Eltern, ob denn ihre Kinder in dem offenen Unterricht überhaupt etwas Richtiges lernen, kann Renate Scheidt entschieden bejahen: „Die Kinder, die die Grundschule verlassen, haben die fachlichen Standards gelernt. Sie haben gelernt, andere zu akzeptieren und verantwortlich miteinander umzugehen. Und sie haben gelernt, wie man lernen muss."

Sept. 00: Pilotanlage zur Hygienisierung der Gülle auf dem Bauernhof der Familie Hilgers in Lammersdorf in Betrieb genommen: Ein Großteil der Flächen, die dieser Betrieb bewirtschaftet, würde nach dem Schutzzonen-Entwurf künftig in der Zone II liegen, in der keine unbehandelte Gülle ausgebracht werden dürfte. Von den 25.000 Kubikmetern Gülle, die pro Jahr auf dem Hof anfallen, wird daher ein Drittel zur Abtötung von Keimen in der Pilotanlage bis auf rund 55 Grad erhitzt. Der Anlage muss keine weitere Energie zugeführt werden, da sie mit einer Wärmerückgewinnung betrieben wird. Sie durchläuft eine zweijährige Testphase, während der mehrere Experten die Praxistauglichkeit dieser innovativen Technik in einem landwirtschaftlichen Betrieb untersuchen. Erbaut wurde die Anlage von der Wassergewinnungs- und Aufbereitungsgesellschaft (WAG) Nordeifel mit einem Kostenaufwand von rund 400 000 DM. Zu 50 Prozent wird das Projekt vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium gefördert. Die Anlage zur Güllebehandlung ist ein weiterer Mosaikstein im Schutzkonzept für die Talsperren.

Okt. 00: Pfarrer Karl-Heinz Graff nahm am letzten Oktober-Wochenende Abschied von Lammersdorf und Rollesbroich: Nach mehr als 14 Jahren verließ der Seelsorger die beiden Pfarrgemeinden, um - dem Ruf des Bischofs folgend - als Pfarrer an seine frühere Wirkungsstätte in Mönchengladbach-Lürrip zurückzukehren. Im April 1986 war Karl-Heinz Graff in die Eifel gekommen; seit 1994 wirkte er als Dechant des Dekanates Simmerath.

Nov. 00: Pfarrer Joachim Plattenteich wurde als neuer katholischer Seelsorger in Lammersdorf und Rollesbroich eingeführt. Herzlich begrüßten die Lammersdorfer und Rollesbroicher ihren neuen Pfarrer. Das Lammersdorfer Gotteshaus war beim Einführungsgottesdienst bis auf den letzten Platz gefüllt, selbst Stehplätze waren schwer zu bekommen. Der Musikverein Harmonie Rollesbroich und der Lammersdorfer Kirchenchor gaben dem Gottesdienst einen besonders feierlichen Rahmen. Schützen der Bruderschaften beider Orte standen während der eineinhalbstündigen Messe mit ihren prächtigen Fahnen Spalier. Mehrere Kirchenvertreter zelebrierten den Gottesdienst: Domkapitular Caspar Seeger aus Monschau, Großarchimandrit und Exarch Heribert Lennartz aus Eicherscheid und Pfarrer Alexandru Pop von der rumänisch-orthodoxen Ordensgemeinde Aachen, Ehrendechant Anton Moritz, der evangelische Pfarrer Carsten Adams und Diakon Friedhelm Grewe. Einige Ordensritter vom Heiligen Kreuz mit ihren weißen Gewändern waren ihrem Prior Heribert Lennartz gefolgt. Eifeldekan Hans-Joachim Hellwig überreichte Joachim Plattenteich im Auftrage des Aachener Bischofs Mussinghoff die Ernennungsurkunde. Anschließend wurde Pfarrer Plattenteich in einem festlichen Umzug unter Mitwirkung des Rollesbroicher Spielmannszuges zur Grundschule geleitet, wo ihm Vertreter vieler Gremien und der Ortsvereine zu seiner Ernennung gratulierten.

Dez. 00: Der Haushalt der Gemeinde Simmerath wurde im Gemeinderat mit den Stimmen der Fraktionen der CDU und der FDP verabschiedet. 17,8 Millionen Mark will die Gemeinde im Jahr 2001 investieren, das meiste Geld soll in den Kanal- und Straßenbau fließen. Zu den 17,8 Millionen im Vermögenshaushalt kommen noch 47,6 Millionen im Verwaltungshaushalt, sodass der Gesamtetat der Gemeinde im Jahr 2001 ein Volumen von 65,4 Millionen Mark hat. Die Fraktionen der SPD, der UWG und der Grünen lehnten den Haushalt ab. Während der SPD-Sprecher Gregor Harzheim die höheren Gebühren, die steigende Neuverschuldung und die vorgesehene Erhöhung der Gemeindesteuern kritisierte, behauptete der UWG-Sprecher Klaus Brust, die Bezüge der Beamten würden ungehemmt steigen und beim Haushaltsentwurf sei allzu sichtbar, dass die Eigeninteressen der Mehrheitsfraktion bzw. handfeste wirtschaftliche Interessen der einzelnen CDU-Mitglieder wichtiger seien als das Gemeinwohl. Gegen diese „Frechheit" wehrte sich der CDU-Sprecher Bruno Löhrer energisch und forderte ganz konkrete Belege. Könne er diese nicht beibringen, müsse man prüfen, ob so etwas gesagt werden dürfe und ob Ordnungsmaßnahmen möglich seien. In seiner Argumentation zur Verteidigung des Haushaltes verwies er auf einige positive Seiten, so auf die vorgesehenen 50 000 Mark als Beitrag zur Sicherung des Gymnasiums in Vossenack sowie auf die höheren Zuschüsse für die Vereine und für die Feuerwehr , womit die Gemeinde das ehrenamtliche Engagement der Bürger für die Orte und für die Jugend anerkenne. Die Entnahme von 1,3 Millionen Mark aus der angesparten Rücklage sei die einzige Möglichkeit, den Haushalt auszugleichen. Dies könne jedoch keinesfalls eine Dauerlösung sein; deshalb seien Rat und Gemeinde zu äußerster Haushaltsdisziplin und zu strenger Sparsamkeit gezwungen.

Dez. 00: Erinnerung an zehn Jahre Friedensgebet in der Paustenbacher Kapelle Anna Maria Jansen aus Lammmersdorf war von Anfang an dabei und erinnert sich: Es begann mit einem Dank- und Bittgottesdienst in der Paustenbacher Kapelle und einem eindrucksvollen Gang von 150 Frauen aus Paustenbach, Lammersdorf und anderen Orten zum Friedenskreuz auf der Paustenbacher Höhe - der „Kopp". Anlass war der Golfkrieg, der vielen Menschen Angst und Schrecken einjagte. Über all die seitdem vergangenen zehn Jahre wurde in keinem einzigen Monat versäumt, sich für eine halbe Stunde aufzumachen, um für den Frieden, in dem wir leben dürfen, zu danken und ihn für andere zu erbitten. Dieses Erbitten schließt ein, darüber nachzudenken, wo und wie wir selbst verwickelt sind in den Unfrieden und wo und wie wir selbst gefordert sind, Frieden zu schaffen. Viele Teilnehmer kommen mit großer Treue, und oft wird versichert, dass es ein Kraft-Tanken, ein Moment des Trostes und der Besinnung sei. Gründe, das hoffende Gebet für den Frieden nicht einzustellen, gibt es leider genug - sowohl hier bei uns als auch weltweit, denn Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg, nicht endgültiger Besitz, sondern eine immer wieder neu zu erfüllende Aufgabe - so sagt das II. Vatikanum.

Dez. 00: Junker trennte sich von Geschäftsführer Arne Nils Knudsen

Lammersdorf hatte am Stichtag 31.12.2000 2 294 Einwohner mit Hauptwohnsitz plus 106 Einwohner mit Zweitwohnsitz. Die folgende Grafik verdeutlicht die Entwicklung im Berichtszeitraum 1972 - 2000.

grafik4


Zusammenfassung:

Im Berichtszeitraum hat Lammersdorf seinen Charakter des aufstrebenden Industrieortes weiter ausgeprägt und vertieft. Die kluge, wohlwollende Siedlungspolitik des Gemeinderates und der -verwaltung sowie der rasante Zuzug neuer Bürger haben das Anliegen sehr gefördert. So schufen die Behörden zügig die rechtlichen, planerischen, plebiszitären, finanziellen und materiellen Voraussetzungen für den Bau von insgeamt rund 200 neuen Häusern im Ortskern (Johannesweg, In Lammersdorf), in der Hofstraße, Auf dem Dresch, Im Pohl und Im Mittelvenn. Das Neubaugebiet Im Mittelvenn war mit 85 Parzellen, auf denen 100 Wohneinheien entstanden, das größte in der ganzen Gemeinde. Nach Fertigstellung der Häuser ließ der Zuzug der neuen Familien nicht lange auf sich warten. Das erklärt, dass die Anzahl der Einwohner von 1972 bis 2000 um 32 Prozent stieg;und blicken wir fünf Jahre voraus (bis 2005), fällt sogar eine Steigerungsrate von rund 46 Prozent an. Hier zeigt sich eine Anstiegs-Dynamik, die es in der Geschichte der Einwohnerzählung in Lammersdorf bisher nur ganz selten gab. Trotzdem taten Gemeinderat und -verwaltung alles, um diesem hohen Tempo des Neubürgerzuganges Rechnung zu tragen, insbesondere auch auf infrastrukturellem Gebiet, denkt man nur an die materialintensive und kostenaufwändige Anpassung der Kläranlagen, den Straßen- und Wegebau sowie die Schaffung des Dorfplatzes. - Seit Jahren favorisiert die SPD die sogenannte "Neue Mitte" Lammersdorfs und meint damit die Bebauung des Geländes zwischen Skaterbahn bzw Weg "Em Schürebruch" und der Straße "Im Pohl" mit Wohnhäusern und Gemeinschaftseinrichtungen. Es wäre interessant zu erfahren, wie der Gemeinderat diese Vorschläge bewertet. Sollte hierzu nicht gegebenenfalls eine breite Diskussion in der Bevölkerung initiiert werden?

 

Lammersdorf während der nationalsozialistischen Diktatur

(1933 - 1945)

Dieser Abschnitt ist, was die Lammesdorfer Vorgänge angeht, kaum erforscht. Das sollte nachgeholt werden. Der folgende Text ist als ein kleiner, bescheidener Beitrag zu verstehen, diesen geschichtlichen Zeitabschnitt aufzuhellen. Bei seiner Abfassung habe ich mich vor allem auf eine Dokumentation gestützt, die Toni Offermann als Schüler des Leistungskurses Geschichte am St.-Michael-Gymnasium in Monschau in den Jahren 1987/88 zum Thema "Die nationalsozialistische Machtergreifung in Monschau 1933" angefertigt hat. Obgleich dies eine hervorragende Arbeit ist, reichen die aus ihr hergeleiteten Inhalte bei weitem nicht aus, um einen möglichst vollständigen und konkreten Abriss der Ereignisse sowie des Lebens während der nazistischen Diktatur in unserem Heimatort darzustellen. Folgende Aspekte sollten bei weiteren Recherchen gründlich untersucht werden: Stärke und Einflussnahme der NSDAP in der Verwaltung, auf das Vereinsleben, die Jugend, die Geschäftsführung sowie die Belegschaft der Firma Junker und die Bauernschaft. Schließlich müsste man das Femdarbeiterdasein, die zunehmende Bedrängnis der schulischen Arbeit und des kirchlichen Lebens durch die Nazis sowie die wachsende Opposition der katholischen Kirche und anderer gegen die Machenschaften des Naziregimes widerspiegeln. Selbstverständlch sind der Auswahl der Aspekte keinerlei Grenzen gesetzt; auch Berichte zu hier nicht angeführten Gesichtspunkten sind durchaus erwünscht. Bei allem sind wir der festen Überzeugung, dass der Grad der Konkretheit, der Wahrhaftigkeit und Authenzität der Aussagen in dem Maße wächst, wie es gelingt, Zeitzeugen oder Verwandte von Zeitzeugen zum Mitmachen zu gewinnen und weitere schriftliche Quellen zu erschließen.

Der besseren Übersicht wegen haben wir diesen Teil der Chronik in folgende drei Abschnitte gegliedert: Durchsetzung und Nutzung der nationalsozialistischen Machtverhältnisse, zivile Daten, II. Weltkrieg, Frontzeit.

Durchsetzung und Nutzung der nationalsozialistischen Machtverhältnisse

Vier Gründe waren es, die dazu führten, dass sich die Machtergreifung durch d, ie Nationalsozialisten im Monschauer Land wesentlich undramatischer vollzog als in anderen Regionen:

  1. Die Wurzeln lagen in den desolaten politischen Verhältnissen der Weimarer Republik. Ihr Parlament, der Reichstag, hatte 1931/32 infolge der vielfältigen politischen Interessenkollisionen zwischen den Fraktionen seine Fähigkeit zur Mehrheitsbildung nahezu eingebüßt, sodass die Republik nur noch mittels Notverordnungen regierbar war. Das bot den Nährboden für die Nazipropaganda. Sie fand immer mehr Sympathisanten, indem sie versprach, Deutschland von Versailles unabhängig zu machen, den Aufschwung der Wirtschaft zu bewerkstelligen, die Massenarbeitslosigkeit zu beseitigen und Deutschland zu dem ihm gebührenden Platz sowie zu Autorität in der Welt zu verhelfen. Mit dieser Demagogie baute die NSDAP, die politische Partei der Nazis, ihre Position im Parlament immer mehr aus und ging schließlich ab Mitte 1932 als mit Abstand stärkste Kraft aus den Reichstagswahlen hervor. Die nachfolgende tabellarische Übersicht belegt diese Einschätzung:
    reichstagswahlen
    Wie sich die Parteien-Konstellation seit 1928 im Kreis Monschau veränderte, wie auch hier die Stimmenanteile des Zentrums zurückgingen, dagegen jedoch die NSDAP immer mehr an Macht gewann, zeigt folgendes Säulendiagamm:
    stimmenanteile
  2. Bis auf den Roetgener Bereich exsistierten im Kreis Monschau so gut wie keine KPD-Gruppen; Kommunisten waren die politischen Hauptfeinde der Nazis.
  3. Es gab keine besonders einflussreichen gewerkschaftlichen Organisationen.
  4. Mit Ausnahme einer Familie in Eicherscheid lebten im Kreis keine Juden

Die Ernennung Adolf Hitlers, des Führers der stärksten Partei, zum Reichskanzler durch Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 war der Todesstoß gegen die Weimarer Republik und der Start in die nationalsozialistische Diktatur

Januar 33: In Monschau feierte man die Machtübernahme durch Hitler mit einem Fackelzug.

Febr. 33: Auf der Grundlage der in der Einleitung beschriebenen Konstellation vermochten die Nationalsozialisten ihr diktatorisches Regime in unserer Heimat ziemlich rasch und fast widerstandslos zu etablieren. Dies geschah vor allem durch

  • den Ausbau und die Festigung der Vormachtstellung der NSDAP, die mit der Zerschlagung der nicht nationalsozialistischen Parteien und der Gewerkschaften einhergingen,
  • die Demoralisierung und nationalsozialistische Durchdringung des Beamtenapparates sowie der kommunalen Führungsorgane, verbunden mit der zügigen Durchsetzung des Führerprinzips und der radikalen Entwertung der demokratischen Selbstverwaltung,
  • die Gleichschaltung des Vereins- und Verbandswesens sowie der Presse und des Rundfunks,
  • die Behinderung des kirchlichen Lebens und
  • durch die gezielte und systematische ideologische und politische Beeinflussung breiter Teile der Bevölkerung, besonders in demagogisch angelegten Versammlungen, Feiern und Kundgebungen

05.03.33: Reichstagswahl: Wie in der oben geeigten Grafik nachgewiesen, ging die NSDAP im Gesamtmaßstab des Landes aus diesen Wahlen erneut als stärkste Kraft hervor. In Lammersdorf konnte sie mit 32,4 Prozent fast ein Drittel der Stimmen, das Votum von sage und schreibe 141 Wählern ergattern.

12.03.33: Kreistagswahl: Bei dieser Wahl votierte rund ein Viertel der Wahlberechtigten Lammersdorfs für die Kandidaten der NSDAP. Dass dies weniger war als bei der Märzwahl des Reichstages, weist wohl auf darauf hin, dass aus örtlicher Sicht die größere Transparenz der nazistischen Machenschaften und persönliche Ressentimens gegen den einen oder anderen Kandidaten die Wahlentscheidung beeinflussten.

In der amtlichen Veröffentlichung der Wahlvorschläge für die Kreistagswahl tauchte mit der Nummer 28 eine sogen. "Arbeiterliste" auf. Möglicherweise handelte es sich um eine von Lammersdorf ausgehende Wählerinitiative, da auf der Liste ausschließlich vier Lammersdorfer Fabrikarbeiter kandidieren. - Auf der Liste 1 "NSDAP" kandidiert ein Lammersdorfer, auf der Liste 4 "Zentrumspartei" zwei und auf der Liste 30 "Christlich-Nationale Arbeitsgemeinschaft" ebenfalls zwei.

Alle Wahlentscheidungen - auf welcher Ebene auch immer - dokumentieren, dass der schädiche Bazillus der nazistischen Idelogie und Propaganda sich in den Köpfen von immer mehr Menschen festsetzte und zusehends ausbreitete.

28.03.33: Ein das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und NS-Regime charakterisierendes Dokument ist der Aufruf der deutschen Bischöe an die Christen zur Teue gegenüber der "rechtmäßigen Obrigkeit" und zur "gewissenhaften Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten unter grundsätzlicher Ablehnung alles rechtswidrigen und umstürzlerischen Verhaltens".

01.04.33: Beginn des Boykotts jüdischer Geschäfte. - Da im Kreis Monschau, und zwar in Eichescheid, nur eine einzige jüdische Familie lebte, richteten sich die Angriffe vornehmlich gegen den geschäftlichen Verkehr mit jüdischen Krämern und Händlern in den Nachbarkreisen sowie gegen den Einkauf in jüdisch geführten Warenhäusern

Es verweist auf die bereits weit fortgeschrittene Gleichschaltung der gesamten Presse, dass die Monschauer Zeitungen den Boykottplan für den 1.4.1933 ausführlich propagierten, über alle antijüdischen Aktionen der NSDAP und des Staates eingehend berichteten und in der Folgezeit des Öfteren Bürger anprangerten, die noch bei Juden kauften.

19.04.33: Feierliche Einführung der am 12.3.1933 neu gewählten Gemeindevertretung von Lammersdorf im Saale Wirtz. - Die Veranstaltung vermittelt einen Einblick in die Methoden der Nazis bei ihrer Machtergreifung. Der Saal stand im Festschmuck. Umrahmt von Tannengrün, Hakenkreuz- und schwarzweißroten Fahnen, waren die Bilder des Reichspräsidenten von Hindenburg und des Reichskanzlers Adolf Hitler angebracht. Der Gemeindevorsteher eröffnete die Sitzung und begrüßte den im Auftrage des Kreisleiters der NSDAP anwesenden Vertreter, die SA-Leute, den Amtsbürgermeister und alle sonstigen Erschienenen. Er richtete dann eine Aufforderung an die neu gewählten Gemeinderatsmitglieder, sich hinter die Reichsregierung zu stellen und mitzuarbeiten im Interesse der Gemeinde und zum Segen des gesamten Vaterlandes.

Daraufhin nahm der Amtsbürgermeister das Wort zu einer größeren nationalen Ansprache, in der er den Werdegang der Erhebung des Reiches unter der Führung Adolf Hitlers würdigte. Er hob besonders die großen Verdienste Hitlers für das Deutsche Reich hervor und wies darauf hin, dass es nur ihm mit seiner großen Bewegung möglich gewesen sei, die Gefahren, die von links drohten, abzuwenden. Alle, so führte der Redner aus, seien dem Herrn Reichskanzler zu großem Dank verpflichtet und es sei eine heilige Pflicht eines jeden Deutschen, sich hinter die Regierung zu stellen und mit ihr an dem Aufbau des Vaterlandes zu arbeiten. Namens der Beamten und Angestellten gab der Redner die Versicherung ab, dass sie geschlossen hinter der Regierung stünden und bereit seien, in Treue mitzuarbeiten. Er erbat auch die Mitarbeit der Gemeindevertretung und aller Anwesenden im Sinne der Regierung. Die Ausführungen schlossen mit einem dreifachen Hoch auf den Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg, den Herrn Reichskanzler Adolf Hitler sowie auf das gesamte deutsche Vaterland. Hierauf wurde von allen Anwesenden stehend das Deutschlandlied gesungen. Nachdem der Amtsbürgermeister noch den ausgeschiedenen Gemeinderatsmitgliedern den Dank der Gemeinde für ihre treue Mitarbeit ausgesprochen hatte, wurden unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers die sechs gewählten Gemeindeverordneten durch Handschlag an Eides statt in ihr Amt eingeführt und verpflichtet. Daraufhin erfolgte einstimmig die Gültigkeitserklärung der am 12. März 1933 durchgeführten Gemeinderatswahl.

Bevor man in die Verhandlung über die Wahl des Gemeindevorstehers eintrat, ergriff der Vertreter des Kreisleiters der NSDAP das Wort. Er teilte mit, dass nach Anweisung der Parteileitung der neu zu wählende Gemeindevorsteher eingeschriebenes Mitglied der NSDAP sein müsse, da sonst seine Bestätigung nicht erfolgen könne. Dabei verwies er auf das Gleichschaltungsgesetz.

Nachdem die Gemeindeverordneten sich einstimmig für die Wahl im Wege des Zurufes ausgesprochen hatten, erhielt der bisherige Gemeindevorsteher vier Stimmen. Für den vom Fraktionsführer der NSDAP vorgeschlagenen Kandidaten wurden zwei Stimmen abgegeben. Der Vertreter des NSDAP-Kreisleiters legte namens der NSDAP Protest gegen die Wahl ein. Als stellvertretender Gemeindevorsteher wurde einstimmig ein Landwirt gewählt. Auf gemeinsamen Wunsch der Gemeindevertreter wurden die übrigen Punkte der Tagesordnung - Wahl des Schulvorstandes und der Kommissionen - vertagt.

Hierauf ergriff der Vertreter des NSDAP - Kreisleiters nochmals das Wort zu einer Ansprache, in welcher er die Verdienste des Herrn Reichskanzlers und sein Schaffen im Interesse des Volkes hervorhob und zur Mitarbeit aufforderte. Er gedachte weiter der gefallenen Helden des Ersten Weltkrieges und der Helden der nationalen Bewegung, welche im Befreiungskampf für die Nation ihr Leben gelassen hätten. Die Gefallenen wurden durch Erheben der Anwesenden von ihren Plätzen geehrt. Ferner gedachte der Redner des Geburtstages des Herrn Reichskanzlers am folgenden Tage und sprach ihm die herzlichsten Wünsche aus. Seine Ausführungen schlossen mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Herrn Reichspräsidenten und den Herrn Reichskanzler. Die Versammlung sang daraufhin zum Schluss stehend das Horst-Wessel-Lied.

April 33: Nach der Kreistagswahl forcierten die Nazis ihre Machtergreifung in den Kommunen. Sie degradierten, versetzten oder entließen unerwünschte Kommunalpolitiker. Nicht selten verleumdeten man die in Ungnaden befindlichen Beamten oder diskreditierte sie mit schikanösen Machenschaften derart, dass sie "freiwillig" resignierten. Im Kreis Monschau z.B. setzten die Nazis den verdienten, weithin anerkannten und geachteten Landrat Dr. Schwenzer ab und tauschten ihn gegen den ihnen genehmeren Dr. Laumen aus.

Sehr bald auch wurde der politische Druck auf die soeben gewählten Kommunalparlamente so stark, dass nur noch den Nazis ins Konzept passende Beschlüsse gefasst und ebensolche Personalentscheidungen getroffen werden konnten.

19.04.33: Verleihung der Ehrenbürgerrechte der Stadt Monschau an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg

21.04.33: Verleihung der Ehrenbürgerrechte der Stadt Monschau an den Reichskanzler Adolf Hitler

Weder die Initiatoren noch die Motive der Monschauer Stadtväter sind dem Autor dieser Chronik bekannt.

20.07.33: Abschluss des Reichskonkordates zwischen dem Deutschen Reich und dem Heiligen Stuhl. - Es fixierte die Rechtsstellung der katholischen Kirche und Garantien zur Wahrung ihrer Freiheit.

24.07.33: Öffentlicher Dank des Episkopates anlässlich des Abschusses des Reichskonkordates:

„Hochzuverehrender Herr Reichskanzler!

Anerkennung und Dank aus Anlaß des Abschlusses des Reichskonkordats im Namen der in der Fuldaer Bischofskonferenz vereinigten Oberhirten auszusprechen, ist der Zweck dieser Zeilen.

Der Episkopat aller Diözesen Deutschlands hat, wie die öffentlichen Kundgebungen erweisen, soweit es nach der Neugestaltung der politischen Verhältnisse durch Eurer Exzellenz Erklärungen ermöglicht wurde, sogleich die aufrichtige und freudige Bereitwilligkeit ausgesprochen, nach bestem Können zusammenzuarbeiten mit der jetzt waltenden Regierung, die die Gewährleistung von christlicher Volkserziehung, die Abwehr von Gottlosigkeit und Unsittlichkeit, den Opfersinn für das Gemeinwohl und den Schutz der Rechte der Kirche als Leitsterne ihres Wirkens aufgestellt hat. Dass die harmonische Zusammenarbeit von Kirche und Staat zur Erreichung dieses hohen Ziels im Reichskonkordat einen feierlichen Ausdruck und feste, klare Grundlinien gefunden hat, ist insbesondere, nächst der Weisheit des Heiligen Stuhls, dem staatsmännischen Weitblick und der Tatkraft der Reichsregierung zu verdanken. Mit dem tiefen und herzlichen Dank für die rasche Verwirklichung dieser Vereinigung der höchsten Gewalten verbindet der Episkopat den dringenden Wunsch, dass auch in der Ausführung und Auswirkung ein herzliches und aufrichtiges Entgegenkommen herrschen möge, damit es der Kirche um so leichter werde, die hohen Kräfte unserer heiligen Religion in Förderung von Gottesglauben, Sittlichkeit und treuem Gehorsam gegen die leitenden Autoritäten siegreich zum Wohl von Volk und Vaterland zu entfalten.

In tiefer Verehrung Eurer Exzellenz

ganz ergebener

A. Kardinal Bertram"

Juli 33: Beginn der Umgestaltung des Feuerlöschwesens im Sinne der von den Nationalsozialisten betriebenen Gleichschaltung aller Organisationen, Vereine und Verbände. Die Führungskräfte auf der Kreisebene wechselte man aus. Die alte, bewährte Devise der Feuerwehr „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" musste der neuen, demagogischen Ideologie weichen und ersetzt werden durch die Wahlsprüche „Alle für einen, einer für alle" und „Gemeinnutz geht vor Eigennutz".

19.08.33: Im Kirchlichen Anzeiger für die Diözese Aachen empfahl das bischöfliche Generalvikariat den Gläubigen, im amtlichen Verkehr mit den Behörden den Hitlergruß stets anzuwenden sowie gegebenenfalls allgemein diesen Gruß, so oft er jemandem entgegengebracht werde, in gleicher Weise zu erwidern.

09.11.33: Aufruf des Bischofs Josef Vogt von Aachen zur Wahl am 12.11.1933:

„Die deutsche Regierung hat den Völkerbund verlassen, weil er unserem Volke die Gleichberechtigung versagte. Sie wendet sich nunmehr an das gesamte deutsche Volk, damit es am 12. November sein eigenes Urteil über diesen bedeutsamen Schritt seiner Regierung fälle. Die Volksstimme will aber noch weit mehr sein als eine Deckung des Regierungsbeschlusses. Das deutsche Volk soll damit als Ganzes zu den übrigen Völkern eindrucksvoll reden und Gleichberechtigung, Frieden und Arbeit in machtvoller Geschlossenheit fordern. Es erstrebt damit drei Ziele, die sowohl der nationalen Ehre als dem christlichen Sittengesetz und Völkerrecht entsprechen. Es erscheint uns deswegen als vaterländische Pflicht, dem deutschen Vaterland und Volk wie bisher, so auch in der gegenwärtigen Schicksalsstunde die Liebe und Treue zu wahren und am 12. November die Einmütigkeit mit den übrigen Volksgenossen zu beweisen. Dabei vertrauen wir auf des Herrn Reichskanzlers Wort, dass nun endgültig unter die für so viele treue Staatsbürger schmerzliche Vergangenheit ein Strich gezogen ist und uns Katholiken das Friedenswerk des Konkordats unter Ausschluss von Abstrichen, Umdeutungen und Übergriffen gesichert bleibt.

† Josef, Bischof von Aachen"

11.11.: Aufruf der katholischen Geistlichkeit des Monschauer Landes an die Bewohner der Region zur Reichstagswahl am 12. November 1933:

„Wir Unterzeichner haben erkannt, dass wir am 12. November geschlossen eintreten müssen für den Frieden, die Ehre und Gleichberechtigung der deutschen Nation. Es gibt hierfür nur einen Weg: Mit Adolf Hitler für ein neues Deutschland! Erfüllt am 12. November Eure Pflicht, stimmt alle mit ‘Ja' und wählt Adolf Hitler und seine Getreuen."

Unterzeichnet war der Appell vom Bürgermeister i.R. Vogt, von einem Dechanten und sechs Pfarrern.

12.11.: Reichstagswahl und Volksabstimmung: Kann man bereits die im März stattgefundenen Wahlen infolge der einschneidenden Wahlkampfbeschränkungen für die nicht nationalsozialistischen Parteien sowie zahlreicher Verbote und Verhaftungen schon nicht mehr als frei, demokratisch und allgemein bezeichnen, so gilt dies erst recht für die Reichstagswahl und Volksabstimmung vom 12. November. Sie war die erste plebiszitär-akklamatorische Abstimmung unter dem Hitler-Regime. Zur „Wahl" standen eine Einheitsliste und zur Volksabstimmung ein suggestiv formulierter Text über Hitlers Regierungspolitik. Die Vorbereitung der Wahl bzw. des Volksentscheides war begleitet von einem kaum verhüllten antidemokratischen Vorgehen bei der Besetzung der Wahlvorstände, von einer lückenlosen manipulativen Beeinflussung der Wählerschaft seitens der NSDAP und der von ihr dominierten Staatsorgane. Hinzu kamen zahlreiche rigorose administrative Eingriffe in den Abstimmungsvorgang. Die Ergebnisse der Wahl bzw. Abstimmung waren dementsprechend eindeutig.

Im nachfolgend zitierten Wahlaufruf tritt die eklatante Bevormundung der Wähler klar zutage:

„So wählst Du am 12. November !

Bei dieser Wahl erhält jeder Wahlberechtigte einen grünen und einen weißen Stimmzettel.

Der grüne Wahlzettel ist für die Volksabstimmung und der weiße für die Reichstagswahl bestimmt.

Der Wähler hat bei der Volksabstimmung auf dem grünen Stimmzettel in dem Kreis unter dem vorgedruckten ‘Ja' sein Kreuz einzusetzen. Der Kreis unter ‘Nein' bleibt frei.

Auf dem Stimmzettel für die Reichstagswahl wird in den Kreis hinter dem Namen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei ein Kreuz eingezeichnet.

stimmzettel

So sehen die Stimmzettel aus, wenn Du richtig gewählt hast!"

15.12.33: Beseitigung des letzten Restes kommunaler Mitbestimmung per Gesetz durch die Nazi-Regierung: Auf der Grundlage des Gesetzes über das Feuerlöschwesen entzog die Regierung die Freiwillige Feuerwehr der Aufsicht durch die Gemeinden und wandelte sie um in eine Polizeiexekutive besonderer Art. In der Folgezeit verstärkten sich auch in der Feuerwehrgesetzgebung die Elemente der radikalen und rassistischen Ideologie.

19.09.34: Veröffentlichung eines Aufrufes im „Stadt- und Landboten", wonach in der Aufklärung zum vorbeugenden Brandschutz fortan die Volkswirtschaft als vorrangiges Maß ... bei Schadenfeuern angesehen werden sollte, wohingegen die geschädigten Einzelpersonen in ihrer Bedeutung zurücktraten.

10.04.38: Reichstagswahl: Lammersdorf hatte 604 Wahlberechtigte, von diesen stimmten 603 (= 99,8 %) mit „Ja", und einer votierte mit „Nein".

23.11.38: Verabschiedung des Feuerlöschgesetzes für das Deutsche Reich. - In der Einführung zu diesem Gesetz heißt es: „Die wachsende Bedeutung des Feuerlöschwesens vor allem für den Luftschutz erfordert, dass schon seine friedensmäßige Organisation hierauf abgestellt wird. Hierzu ist nötig die Schaffung einer straff organisierten, vom Führerprinzip geleiteten, rechtseinheitlich gestalteten, von geschulten Kräften geführte Polizeitruppe unter staatlicher Aufsicht." - Die 3. Durchführungsbestimmung zu obigem Gesetz legte fest: „Die Freiwillige Feuerwehr ist eine technische Hilfspolizeitruppe für Hilfeleistungen bei öffentlichen Notständen aller Art. Sie hat... im Auftrage der Ortspolizeiverwaltung die Gefahren abzuwenden, die der Allgemeinheit oder dem Einzelnen durch Schadenfeuer drohen, und die Aufgaben zu erfüllen, die ihr zur Durchführung des Luftschutzes gestellt werden."

Bei der Aufnahme in die Feuerwehr war in feierlicher Form vor versammelter Wehr folgender Eid zu leisten: „Ich schwöre: Ich will dem Führer des deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, die Treue wahren, ihm und meinen von ihm bestellten Vorgesetzten Gehorsam leisten und meine Dienstpflichten pünktlich und gewissenhaft erfüllen."

Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnung wurden die von den Freiwilligen Feuerwehren gebildeten Vereine und Verbände (z.B. die Kreis-, Provinzial- und Landesfeuerwehrverbände...) aufgelöst.


 

Zivile Daten

April 34: Beginn des regelmäßigen schulplanmäßigen Religionsunterrichts der evangelischen Kinder neben dem Konfirmandenunterricht. - Es war für die evangelischen Eltern inzwischen untragbar geworden, dass ihre Kinder, die in katholische Volksschulen eingeschult werden mussten, bis zum Konfirmandenalter überhaupt keinen Religionsunterricht bekamen.

1935: Entstehung eines akuten Wassermangels in Lammersdorf. - Die Gemeinde veranlasste Neuschürfungen zwecks Erschließung eines größeren Reservoirs. In der Folgezeit erwog man verschiedene Varianten zur Überwindung des entstandenen Engpasses: Anschluss an das Kreiswassernetz, Neuschürfungen auf der Vennhöhe bei Fringshaus in den 1940er Jahren.

1935: Dienstantritt der Lehrerin Frl. Klara Thoma

1935: Gründung der "Karnevalsgesellschaft Lammersdorf" (später "Karnevalsfreunde"). - Als geistiger Vater der organisierten Karnevalsbewegung im Ort gilt Pfarrer Peter Schall. Da es gelegentlch zu Auswüchsen kam, die zu dem schönen Brauch überhaupt nicht passten und in der Bevölkerung Missfallen erregten, regte er den Jünglingsverein an, die Sache in die Hand zu nehmen und wieder in vernünftige Bahnen zu lenken. Dies geschah denn auch. Der damals 25 Jahre alte Alois Mertens schwang sich zum Initiator auf, gewann als Partner Willi Bücken, Hubert Schmitz, Willi Schmitz und Joachim Wilden und hob mit ihnen die organisiete Karnevalsbewegung aus der Taufe. In der Folgezeit erlebte sie einen zügigen Aufschwung. Da der Karneval hier am ausgeprägtesten war und viele Jecken der Umgebung inspirierte, darf mit Fug und Recht gesagt werden, dass in Lammersdorf die Wiege des Karnevals in der Region stand.

06.03.36: Veränderungen in der Vewaltungsstruktur des Kreises Monschau: Zusammenlegung mehrerer, kommunalpolitisch jedoch weiterhin selbständig bleibender Gemeinden zur gemeinsamen Verwaltung in "Ämter". In diesem Rahmen entstand das Amt Simmerath, das außer für den Amtssitz auch für Lammersdorf und Vossenack zuständg war. 

erste evang. Kirche in lammersdorf25.4.1937 Einweihung der evangelischen Kapelle. - Sie wurde vom Erlös des Abbruchs des Imgenbroicher evangelischen Gotteshauses erbaut und für die protestantischen Arbeiter und Angestellten der Firma Junker sowie für die Zollbeamten gleicher Konfession benötigt. Dr. Ludwig Mathar bezeichnete die Kapelle als „ein echtes Dorfkirchlein in neuzeitlichen Formen... mit tief herabhängendem Schieferdach, vorspringendem Eingang (und) fest aufsitzendem Dachreiter, (als) ein wuchtiges und doch anmutiges Gebilde...".

 

 

01.05.37: Lehrer Paul Lethen trat nach 42jähriger erfolgreicher pädagogischer Tätigkeit an der Lammersdorfer Schule in den Ruhestand.

1940: Die Probleme der Wasserversorgung des Kreises Monschau hatten sich in den vergangenen Jahren weiter erheblich zugespitzt: Nicht allein, dass die geschürften und gefassten Quellen in ihrer Ergiebigkeit zurückgegangen waren und das Pumpwerk im Perlbachal nicht mehr ausreichte; hinzu kam, dass die Überschwemmung des Versorgungsgebietes mit Arbeitskräften und Soldaten und die wasserverbrauchsintensiven Bauarbeiten am Westwall in der Zeit von 1937 bis 1939 den Wasserverbrauch ohne jeglichen Ausgleich verdoppelten.

Auf diesem Hintergrund brachte der Kreis Monschau im Jahre 1940 das im Entwurf bereits vorliegende Projekt der Perlenbachtalsperre wieder ins Gespräch. Die Militärbehörden lehnten es jedoch mit der Begründung ab, dass schwerwiegende militärische Bedenken dem Bau der Talsperre im westlichen Vorgelände der Hauptkampflinie entgegenstünden, weil sie vor den Befestigungsanlagen des Westwalls nicht verteidigt werden könne und deshalb für die Versorgung der Bevölkerung sowie der Truppen und militärischen Anlagen im Kriegszustand bald ausfiele.Der Kreis Monschau gab sein Projekt daraufhin auf und versuchte im Zusammenwirken mit dem Militär die Rurtalsperren-Lösung zu beschleunigen.


 

Zusamenfassung:

Ein großer und in den Jahren nach 1933 rapide anwachsender Teil der Bevölkerung des Monschauer Landes entschied sich für die Nationalsozialisten. Ihr durch eine zutiefst demagogische Propaganda erzeugter Glaube, dass nur sie Deutschland aus der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Krise herausführen könnten, hatte eine große politische Mobilisierungskraft. Angesichts der bald einsetzenden Konsolidierung der Wirtschaft, der Wiedereingliederung der Millionen von Erwerbslosen in den Arbeitsprozess und des seitens der Nationalsozialisten demonstrierten Selbstbewusstseins auf dem internationalen Parkett schlug die Stimmung der Volksmassen zugunsten des Naziregimes rapide um. In die gleiche Richtung wirkten die nazistische Ideologie von der "Volksgemeinschaft" durch Überwindung der Klassen- und Standesunterschiede sowie die ebenso scheinheilige These "Gemeinnutz geht vor Eigennutz". So ist zu erklären, warum breite Bevölkerungskreise sich eine lange Zeit hindurch, faktisch bis in den Zweiten Weltkrieg hinein, für den nationalsozialistischen Staat mehr oder weniger engagierten. Erst in einem langwierigen Erkenntnisprozess, der von den der Nazi-Propaganda widersprechenden Realitäten des politischen Alltags gefördert wurde, lernten immer mehr Menschen den wahren Charakter, die verbrecherischen, volksfeindlichen und menschenverachtenden Ziele der Nationalsozialisten richtig einschätzen.

Schließlich wurden die Schrecken des Krieges auch in unseren Dörfern zunehmend spürbar. Ein Blick in die Zeitungen machte jedem von Tag zu Tag mehr klar, wie furchtbar der Tod seine Ernte besonders auch unter den Männern der Eifel hielt. Immer mehr Menschen sahen die Kriegsopfer als vermeidbar und sinnlos an. Unter der Landbevölkerung stieg allmählich die Verbitterung. Als an der Jahreswende 1942/43 in und um Stalingrad eine ganze deutsche Armee unterging, waren gerade auch dort zahlreiche junge Leute des Eifellandes unter den Opfern.

Spätestens also, als der Zweite Weltkrieg immer mehr die dramatischen Konturen der bis dahin größten militärischen, politischen, wirtschaftlichen und moralischen Katastrophe in der deutschen Geschichte annahm, machten sich Enttäuschung, Resignation und Empörung breit, wuchs der Wille vieler Menschen, dieses historische Desaster zu beenden und einem wirklich demokratischen, auf das Wohl des Volkes orientierten Staatswesen zum Durchbruch zu verhelfen.

Die Entwicklung der Einwohnerzahlen zeigt die folgende Grafik:

bevoelkerung33-46

Die Steigerungsquote der Anzahl der Einwohner betrug 28,6 Prozent


 

II. Weltkrieg

1938: Forcierung der Bauarbeiten am Westwall: Zusätzlich zum Reichsarbeitsdienst wurde eine Kompanie Infanteristen aus Münster eingesetzt, was weitere Einquartierungen nach sich zog. Vom 12. - 23. September belegten sie beide Klassenräume der Schule; die Folge war Unterrichtsausfall.

Schließlich wurden alle Säle des Dorfes für die Arbeitskräfte am Westwall beschlagnahmt.

1939: Das Eifeler Grenzland wurde Aufmarschgebiet für den II. Weltkrieg. Im Ort brach eine emsige Betriebsamket an, die Schlimmes ahnen ließ. Wie schon manchmal in der Geschichte mussten die Bewohner militärische Belastungen ertragen, die mit dem Aufmarsch von Ameen einhergingen

Vom 29.08. - 19.10.39 erfolgten wiederum Einquartierungen von Soldaten im Schulgebäude, was erneut zum Ausfall von Unterricht führte. Ab 20.10. stand ein Schulraum wieder zur Verfügung, in dem die Klassen nun abwechselnd unterrichtet wurden.

1940: Mit der sehr aufwändigen Errichtung der Befestigungsanlagen brach in das stille, abgeschiedene Eifeldorf erhebliche Unruhe ein. Darüber hinaus bürdete der Bau der Gemeinde beträchtliche materielle und organisatorische Belastungen auf.

10.05.40: In der Nacht zum 10. Mai liefen die letzten Vorbereitungen des völkerrechtswidrigen Angriffs gegen die westlichen Nachbarn. Unter eklatanter Verletzung der Souveränität der Beneluxstaaten überschritten deutsche Truppen im Morgengrauen deren Grenzen, um nach widerstandsschwachem, schnellem Durchmarsch Frankreich anzugreifen.

Deutsche Soldaten "eroberten" den Vennbahnhof zurück.

Aug./Sept. 40: Mehrwöchige Schließung der Schule wegen der erhöhten Fliegerangriffsgefahr. Danach war es nicht mehr statthaft, beide Klassen gleichzeitig zu unterrichten, da der Luftschutzraum nicht alle Kinder aufnehmen konnte. Schichtuntericht war angesagt

Ab Mitte 41: "Abrüstung" des Westwalls durch den Reichsarbeitsdienst. Die technische Ausstattung der Befestigungsanlagen wurden am "Atlantikwall" benötigt

Seit 1942 kreuzten immmer wieder riesige Flugverbände über unserer Heimat auf. Da sie in großer Höhe ihren Kurs ins Innere Deuschlands verfolgten, konnten sie die zahlreichen Flakgeschütze nicht mehr aufhalten. Deutsce Flugzeuge sah man immer seltener am Himmel.

Am 20.10.43 gab es unterhalb des Dorfes einen Bombenabwurf.

 

Frontzeit

Im Spätsommer war in den Grenzdörfern am Hohen Venn erstmals das ferne Grollen der Front zu hören. Die Menschen begannen zu erkennen, dass der Krieg sich direkt auf sie zu bewegte. Unsicherheit und Verzweiflung herrschten, wohin man schaute. In der Nordeifel stand eine Periode der unmittelbaren Konfrontation mit dem Kriegsgeschehen kurz bevor.

Für den Lammersdorfer Abschnitt des Westwalls wurden Schanzkommandos aufgeboten, die sich aus Einheiten der Hitler-Jugend und aus dienstverpflichteten älteren männlichen Jahrgängen, teilweise aus dem Siegtal, zusammensetzten..

Die Befestigungsanlagen des Westwalls befanden sich in einem desolaten Zustand: Die Bunker standen häufig unter Wasser und wurden zum Teil als Lagerräume für Gerät oder Erntegut genutzt; ihre Innenausstattung, insbesondere die Belüftungen und die Wasseranschlüsse, hatte man entwendet. Ncht selten.waren auch Plünderer am Werk.

Bereits Mitte 1941 waren die Panzerungen, Bewaffnungen, Drahthindernisse und Nachrichteneinrichtungen zum „Atlantikwall“ geschafft worden.

Die Schussfelder hatte das Unkraut überwuchert. Es fehlte ein verbundenes Grabensystem mit Bodenbefestigung, mittels dessen die Bunkerbesatzungen ihre Kampfmaßnahmen koordinieren konnten.

In diesen Tagen wurde, weil deutsche Soldaten das Schulgebäude belegten, der Unterricht abgebrochen.

Am 11.09. wurde der Zug- und Postverkehr eingestellt.

„Die Amis kommen“ war das Schlagwort in diesen Wochen. Mit gemischten Gefühlen erwarteten die Menschen die Amerikaner. Einerseits war man, als sie kommen sollten, froh, weil das Kriegsgeschehen nun hoffentlich bald zu Ende gehen könnte. Andererseits aber sah man dem Einzug der amerikanischen Truppen auch mit Angst entgegen, wusste doch niemand, wie sie sich verhalten würden, zumal die Nazis die amerikanischen Soldaten als Mörder und Frauenschänder hingestellt hatten.

Schon bald erging der Befehl zur Evakuierung der Zivilbevölkerung aus dem Westwallbereich und somit auch aus Lammersdorf.

Am 12.09. folgten, sich den harten Zwängen beugend, etwa zwei Drittel der damals rund 1000 Einwohner Lammersdorfs dem Räumungsbefehl. Zunächst zogen viele in Richtung Simonskall, um nach drei bis vier Wochen in die verschiedensten Richtungen weiterzuziehen. Fast überall waren sie Fliegerangriffen und Bombardements ausgesetzt. Nur wenige kamen in Gegenden unter, wo sie vom Krieg relativ unberührt leben konnten.

Draußen auf den Feldern stand in diesen warmen Septembertagen erntereif das Korn. Kartoffeln und Rüben waren gut geraten, die rotbunten Kühe grasten auf den Weiden wie jedes Jahr und befanden sich in ordentlichem Stand. Gepflegt und ertragreich zeigten sich die Familiengärten, und an den wenigen Obstbäumen reiften die Früchte. Angesichts dessen ist es allzu verständlich, wenn das Verlassen der Heimat für die Menschen etwas derart Ungeheuerliches war, dass sie es möglichst lange vor sich her zu schieben suchten. Heute kann wohl kaum noch jemand tief genug nachempfinden, was es damals für die Menschen geheißen hat, das Land und ihrer Hände Werk in eine ungewisse Zukunft zu verlassen.

Zurück blieb ein von vielen Bewohnern verlassenes Dorf, zahlreiche leere Häuser und Höfe – dem Schicksal preisgegeben, d.h. auch Plünderungen und Diebstählen von Einheimischen und Soldaten.

Etwa 300 Bewohner, unter ihnen Pfarrer Peter Schall, harrten im Ort aus. Hautnah erlebten sie nicht nur das fortwährende Rückfluten von Einheiten des besiegten deutschen Heeres, sondern auch die ersten Zerstörungen an Häusern, Gotteshaus und Schule durch Bombardements und Beschuss, sehr häufig auch aus deutschen Waffen, mit tödlichen Folgen und Verwundungen.

Am 14.09. trafen die ersten amerikanischen Soldaten in Lammersdorf ein. Gegen 14.00 Uhr nahmen sie den Ort ein. Das Leben gestaltete sich von hier an zunehmend bedrohlich und war vom direkten Kriegsgeschehen gekennzeichnet. Auch für Lammersdorf hatte die Fronteit begonnen.

Von September 1944 bis Februar 1945 versteiften sich aus verschiedenen Gründen hier die Frontan zu einem zermürbenden, die Frontverläufe auf engem Raum häufig verschiebenden Stellungskrieg. So bekam die Region alle leidvollen Auswirkungen eines Kriegsschauplatzes mit ganzer Wucht zu spüren.

Lammersdorf spielte während der Folgezeit in der strategisch-taktischen Planung der Amerikaner eine zentrale Rolle. Mehrfach war es Ausgangspunkt der Operationen des 39. US-Regiments, welches verzweifelt versuchte, durch den Wald zur Kalltalsperre vorzudringen, um den Staudamm zu erobern. Vom 9.1. bis zum 28.2.1945 befand sich hier der Gefechtsstand der 78. US-Infanterie-Division. Mehrfach geriet deshalb unser Ort unter Störfeuerattacken der deutschen Artillerie. In dieser Situation wurde auch der Bahnhof größtenteils zerstört.

Am 19.09. griff die 9.US-Infanteriedivision in breiter Front nach Osten und Südosten an. Ein Vorstoß erfolgte aus Lammersdorf in Richtung Paustenbach mit dem Ziel, die stark befestigte, das Gelände weithin sichtbar überragende Paustenbacher Höhe, die Höhe 554 (heute mit dem Friedenskreuz), zu nehmen und den Westwall zu durchbrechen. Der Angriff gestaltete sich für die Amerikaner wider Erwarten außerordentlich schwierig, denn das hier eingesetzte deutsche Infanteriebataillon leistete auf dem deckungslosen, karstigen Hang und in den Westwallbunkern 233 – 247 erbitterte Gegenwehr. Fünf-/sechsmal hintereinander mussten die Amerikaner die Höhe angreifen, ehe sie nach zehn Tagen in ihre Hände fiel. Hohe Verluste an Menschen und Material auf beiden Seiten waren die bittere Folge.

Im September setzten die Amerikaner den Lammersdorfer Josef Mertens, Besitzer des Bahnhofshotels Mertens (Mertens Männ), als Ortsvorsteher ein. Er besaß kaum Handlungsfreiheit, sondern hatte in erster Linie die Anordnungen der Besatzer an die Bevölkerung weiterzugeben und für deren Einhaltung zu sorgen. Ihm folgte Paul Läufer (Scheele Paul), der in der Bergstraße (Nölestrohs) Nr. 15 wohnte. Er nahm die Geschäfte bis 1947 wahr.

Ende Sept./Anf. Okt. 1944 stießen amerikanische Verbände vom Jägerhaus aus nach Süden in Richtung Kalltal vor und nahmen die leergelaufene Kalltalsperre ein.

 Weil die Schäden in der katholischen Pfarrkirche wesentlich gravierender waren, stellte die Evangelische Kirchengemeinde aus christlicher Solidarität und ökumenischem Streben ihre weniger betroffene Kapelle den Katholiken zeitweise zur Verfügung

12.02.:Letzter Schuss auf Lammersdorf

März: Mit der Eroberung der Talsperren durch die Amerikaner gingen die Kämpfe in unserem Raum zu Ende. Endgültig hatte sich der grauenvolle Moloch des Krieges über das Monschauer Land in Richtung Osten hinweggewälzt. Die Fontzeit war beendet.

Traurige Bilanz der Frontzeit: Unser westlich des Westwalls gelegenes Dorf war ein halbes Jahr lang in leidvoller Weise dem direkten Frontgeschehen ausgesetzt. Das verlangte, die außerordentlichen materiellen und psychischen Belastungen durchzustehen und zahlreiche tragische Opfer hinzunehnen: 25 Lammesdorfer wurden schwer oder leicht verwuncdet. Von 179 Häusern fielen neun der völligen Vernichtung anheim. 20 trugen schwere, 88 leichte Schäden davon. Der Zerstörungsgrad des Ortes lag bei 23 Prozent. Man zählte etwa 6.000 Einschläge - sehr viele aus deutschen Geschützen -, unter ihnen jene, die 10 Menschen das Leben kosteten.

 

Lammersdorf bis zur Gebiets- und Verwaltungsreform
(1945 - 1971)

1940er Jahre

Für die während der Frontzeit im Heimatort Verbliebenen hatte das armselige Kampieren in Erdlöchern, Bunkern oder Stollen im nahegelegenen Wald, in den sie zuletzt geflüchtet waren, ein Ende. Sie durften wieder in ihre Häuser und Wirtschaften zurück. Ihr Erschrecken über das Ausmaß der Schäden an ihrem Hab und Gut, am Gotteshaus, am Schulgebäude an Straßen und Wegen, über den allenthalben herrschenden Mangel war groß.

Dennoch gingen sie mit neuer Motivation zielstrebig ans Werk, um wieder ihre Häuser ganz bewohnbar und ihre Höfe bewirtschaftungsfähig zu machen, aber auch die wichtigsten Lebensfunktionen der Gemeinde schnell in Gang zu setzen.

Dazu gehörten neben vielem anderen

  • das Ausbessern der Straßen, welche das durchfahrende Militär in schier grundlose Morastbahnen verwandelt hatte,
  • verschiedene Bemühungen, die ohnehin kärglich gewachsenen Kartoffeln von den Äckern und aus den Gärten zu bergen sowie
  • die Wiederherstellung der Wasserleitung in der Hauptstraße.

18.03.45: Wieder Messe in der katholischen Pfarrkapelle, nachdem seit 13 Wochen kein Gottesdienst mehr möglich gewesen war, weil die Soldaten den als Notkirche dienenden Keller für sich beanspruchten

31.03.45: Feierliches Glockenläuten. - Josef Heyen hatte die Turmuhr wieder in Gang gebracht.

01.04.45: Wieder Gottesdienst in der katholischen Kirche - allerdings bei zerstörten Fenstern, zerschossenem Dach und ohne Hauptaltar.

02.04.45: Hochamt in der katholischen Kirche, anschließend Einsegnung der Gräber der auf den Schlachtfeldern Gefallenen und der im Heimatort oder in der Fremde ums Leben gekommenen zivilen Bürgerinnen und Bürger

14.04.45: Die Firma Junker arbeitete wieder, wobei es sich hauptsächlich um bauliche Instandsetzungen und um Reparatur-Dienstleistungen für die Bevölkerung handelte.

19.05:45: Wieder katholischer Gottesdienst am Hauptaltar in der Kirche. - Letzterer war auf Initiative von Johann Radermacher von bei Junker untergebrachten deutschen Soldaten ausgebessert worden.

Mai 45: Beginn des Abzugs der amerikanischen Besatzungstruppen sowie der Einquartierung von Belgiern, die der nun in unserem Raum maßgebenden englischen Besatzungsmacht unterstanden. - Sie wurden als Minensucher und zum Holzeinschlag eingesetzt, hatten den Abtransport des Holzes zu gewährleisten und dazu Brücken und Wege instand zu setzen.

23.05.45: Der kommandierende General der 15. US-Armee erteilte die Erlaubnis zur Wiederaufnahme der Arbeit im Junker-Werk. Otto Junker durfte in sein Unternehmen zurückkehren und die Geschäftsführerfunktion wieder aufnehmen.

29.05.45: Otto Junker informierte sich vor Ort über den Zustand seines Stammbetriebes. Danach entwickelte er ein Konzept zur Wiederaufnahme der Produktion.

So zügig wie Otto Junker daranging, das Programm mit seinen Mitarbeitern umzusetzen, so jäh wurde dies am 16. Oktober durchkreuzt, als die Monschauer Militärregierung im Rahmen einer Entnazifizierungsmaßnahme den Firmengründer m.W.v. 1. November seines Amtes als Geschäftsführer enthob.

Diese Entscheidung der Militärregierng stieß auf den massiven Protest der Belegschaft. Auch führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sezten sich für Junker ein.

Dennoch sollte es nach einigen Turbulenhzen insgeamt fast sieben Monate dauern, ehe Otto Junker m.W.v. 24. Mai 1946 wieder in seinen Betrieb konnte und die Funktion des technischen Leiters übernehmen durfte. Beherzt und vor allem kontinuierlich ging er an die Arbeit und schon bald begann sich das Rad der Normalität im Betrieb wieder zu drehen.

Juni 45: Beginn der Rückkehr aus der Evakuierung.

Sept.45: Exhumierung gefallener Soldaten durch Angehörige der Feuerwehr auf Anordnung der alliierten Besatzungsmacht.

1945: Übernahme der Vennbahn in belgische Verwaltung

01.09.45 Wiederaufnahme des Unterrichts für das 1. - 4. Schuljahr im Cafè Prümmer mit behelfsmäßigem Inventar

Okt.45: Einquartierung von 170 deutschen Soldaten bei Junker, die als Minensucher eingesetzt wurden

1945: Ausbesserungsarbeiten am Schulgebäude

Dez 45: Lammersdorf war um diese Zeit verwaltungsmäßig dem Amt Simmerath zugeordnet, zu dem noch die Orte Simmerath (Amtssitz) und Vossenack gehörten.

03.01.46: Wiederbeginn des Schulunterrichts für das 5. - 8. Schuljahr in einem engen Behelfsraum

20.06.46: Erstes Fronleichnamsfest nach dem Krieg

Reparatur des Kirchturms
1946: Umfangreiche, mehrwöchige Reparatur- und Renovierungsarbeiten am Kirchturm und im Inneren des Gotteshauses von einem Team, zu dem gehörten: Sepp Bongard, Theodor Breidenbach, Jean Dreuw, Ludwig Förster, Josef Heyen, Wilhelm Wilden, Heinrich Neuß, Johann Radermacher, Adolf Sieberts und andere.

Pfarrer Schall erzählte in diesem Kreis, wie es ihm während der Frontzeit zweimal gelungen war, den Kirchturm vor der militärscherseits beabsichtigten Sprengung zu bewahren.

Nov.46: Einführung der Schulspeisung

Dez.46: Eintreffen der ersten Heimatvertriebenen aus dem Osten

31.12.46: Lammersdorf hatte 66 Einwohner evangelischen Glaubens

31.12.46: Mit 1029 Einwohnern überschritt Lammersdorf erstmals in der Statistik die 1000er-Marke

20.01.47: Wiedereinzug der Schüler in die Klassenräume der Schule

1947: Errichtung einer katholischen Grundschule, welche von der evangelischen Minderheit bei getrenntem Religionsunterrcht mitbesucht wurde

13.04.47: Erste Kinderkommunion nach dem Krieg

24.04.47: Brandkatastrophe in der Strohdachsiedlung in der Sonntagsstraße

Mai 47: Dr. Hugo Fraikin kam nach Lammersdorf und eröffnete hier eine Arztpraxis.

August 47: Offizielle Entlassung der 170 deutschen Minensucher, die bei Junker einquartiert waren

03.10.47: Errichtung des Eifelkreuzes als Friedenskreuz auf der Paustenbacher Höhe

Das Jahr 1947 war das Jahr des grausig schmeckenden Maisbrotes und des minderwertigen Büchsenfleisches. Der Mangel an Nahrungsmitteln hatte seinen Höhepunkt erreicht.

Rationierung der Lebensmittel

Rationierung der Lebensmittel

 

 

 


20.06.48: Währungsreform, am 21.06. Einrichung einer Bargeld-Umtauschstelle in der Sparkasse (für 60 RM pro Person 40 DM). Die Zeit des Kompensierens und Tauschens war vorbei, jetzt begann das Aufblühen der Wirtschaft, allererste Zeichen des Wirtschaftswunders wurden sichtbar: Über Nacht füllten sich die Läden und Schaufenster, die Bautätigkeit boomte.

20.06.48: Erste Kirmes nach dem Krieg

06.07.48: Erste Firmung nach dem Krieg

25.10.48: Gründung der evangelischen Frauenhilfe, Vorsitzende: Lina Kreitz

16.11.48: Lehrer Abel von der Gracht begann seinen Dienst an der Volksschule.

15.02.49 Großbrand bei der Firma Junker

1949: Wiederbeginn des karnevalistischen Lebens

09.10.49: Erster Erntedank-Festzug nach dem Krieg



1950er Jahre


Beginn des Baus der Waldsiedlung

Enwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe, besonders auf der Domäne, zu Musterwirschaften der Rinderzucht mit Rekorden in der Milchleistung und in anderen Zuchtparametern

Beginn des Strukturwandels in der Landwirtschaft in Gestalt des Übergangs vom Ackerbau zur Grünlandwirtschaft, speziell zur Rinderaufzucht. Lediglich noch 11 Prohzent der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LNF) nutzten die Bauern ackerbaulich.

Nach wie vor übte die Gießerei und Maschinenfabrik Otto Junker ihren industriellen Einfluss auf die Veränderung der Beschäftigtenstruktur der Bevölkerung Lammersdorfs aus und beförderte seine Wandlung zum Standort einer bedeutenden Industrie.

Sehr deutlich wuchs der Ansturm von Wochenendausflüglern im eigenen PKW. Einerseits war dies Ausdruck der Zunahme des Fremdenverkehrs, der Entstehung eines neuen Erwerbszweiges. Andererseits ergab sich eine die Menschen sehr belästigende Situation. Abgesehen von dem zugenommenen, sehr störenden Verkehrslärm, verunreinigten die Abgase und der aufgewirbelte Staub die gesunde Eifelluft. Zudem war es schon damals zeitweise ein echtes Problem, unbeschadet die Straße zu überqueren

1950. Die Einwohnerzahl stieg gegenüber 1900 um 67,5 %, von 652 auf 1092. Ganz sicher hatte dieser Auwärtstrend seinen Ursprung in der sehr positiven Entwicklung des Industrieunternehmens Junker.

1950: Einrichtung einer einklassigen evangelischen Volksschule

Erntedankfest

1950: Wiederum suchte ein Erdbeben die Region heim.

1950: Der Ort hatte 190 Häuser

14.03.51: Um 10.47 Uhr hat man ein ziemlich heftiges Erdbeben bemerkt.

22.05.51: Josef Strauch, langjähriger bewährter Leiter des Kirchenchores, verstorben

10.08 51: 40jähriges Priesterjubiläum von Pfarrer Peter Schall

26.08.51: Einweihung des neuen Sportplatzes

03.09.51: Grundsteinlegung für das heutige Schulgebäude

1951: 35.000 DM wandte die Gemeinde für die Erweiterung der Wasserleitung auf, insbesondere für den Anschluss der Waldsiedlung und des bebauten Teils der Dürener Straße

01.06.52: Willi Bongard, Rollesbroich, übernahm die Aufgaben des Kirchenchorleiters, Organisten und Küsters.

29.06.52: Pfarrer Peter Schall erlitt einen schweren Schlaganfall.

 01.04 53: Pfarrer Peter Schall trat in den Ruhestand.

05.06 53: Einweihung der heutigen Grundschule

15.02.54: Pfarrer Peter Schall verstorben.

28.03.54: Einweihung einer neuen Orgel in der katholischen Kirche

08.05 54: Kreisverbandsfest der Feuerwehr in Lammersdorf

1955: Abriss des Bahnhofs durch die Belgier

01.09.57: Feier zum 50jährigen Kirchweihjubiläum; Auszeichnung von Johann Radermacher mit einem hohen päpstlichen Orden für seine Verdienste als Förderer des Kirchenchores, Mitglied des Kirchenvorstandes und stellvertretender Bundesbrudermeister

03.11.57: Einweihung des Gerätehauses der Feuerwehr "Im Pohl"

1957: Gründung des "Fanfarencorps Lammersdorf 1957 e.V."

31.12.57: Die Anzahl der Einwohner des Ortes betrug 1302, die der Häuser 251.

1958: Innenanstrich des katholischen Gotteshauses.

07.02.59: Einweihung der neuen Turnhalle und des Lehrschwimmbeckens im Komplex der Grundschule

31.12.59. Lammersdorf zählte etwa 1375 Einwohner


 

1960er Jahre

1960er Jahre: Erweiterung der Waldsiedlung; Beginn der Wegeerschließung und des Siedlungsausbaus im Kämpchen; Bebauung der Parzellen an der neu angelegten Peter-Schall-Straße einschließlich Mareienhoff, weiterer Ausbau der Junkersiedlung, verschiedene Wegeerschließungen und -sanierugen im Ort

25.06 60.: Auszeichnung von Johann Radermacher mit dem "St.-Sebastianus-Ehrenkeuz" der Deutschen Schützenbruderschaften für seine Verdenste um die St.-Johannes-Schützenbruderschaft Lammersdorf

19.03.61: Wahl von Alois Mertens (CDU) zum Bürgermeister

30.04.61: Kirchliche Segnung der neuen Sportanlage in der Schießgasse

02.08.61: Einsegnung der neuen Kirchhofskapelle

Aug.61: Gründung des Technischen Hilfswerkes (THW), Ortsgruppe Lammersdorf, Initiator: Günter Preus

31.01.62: Erkrankung der Tochter eines Junker-Monteurs nach seiner Rückkehr aus Indien an den Pocken, Ausbreitung der Krankheit zu einer Epidemie im Kreis Monschau, sofortige Einleitung aller notwedigen Schutzmaßnahmen: Krankenhauseinweisungen, Schutzimpfungen (Lammersdorf am 1.Februar 2000 Personen), Quarantänen, Schulschließungen (Lammersdorf: 1. - 17.2.; 8. - 24.3.)

07.06.62: Die RWTH Aachen verlieh Otto Junker in Anerkennjung seiner richtungweisenden Entwicklungen auf den Gebieten der industriellen Elektrowärme und der Metallurgie, die den weltweit guten Ruf seines Unternehmens begründeten, den Grad und die Würde eines "Doktor-Ingenieurs ehrenhalber"

31.12.62: Lammersdorf hatte 1330 Einwohner

08.01.63: Gründung der Ortsgruppe Lammersdorf des Eifelvereins

15.11.63: Wahl des Oberbrandmeisters Josef Strauch zum Wehrführer der Feuerwehr des Amtes Simmerath

1963: Eröffnung einer Geschäftsstelle der Sparkasse Aachen

11.08.64: Der Rat der Gemeinde Lammersdorf verlieh Dr. Ing. eh. Otto Junker in Würdigung seiner Verdienste um die Gemeinde die Ehrenbürgerrechte

14.06.65: Gründung des Ortskartells

Sept./Okt. 65: Auseinandersetzungen

  • mit dem Antrag der Gemeinde Lammersdorf, das neue Verwaltungsgebäude in Lammersdorf zu bauen und den Ort zum Verwaltungsmittelpunkt zu machen.
  • mit dem Antrag der Firma Junker, die Gewerbeschule in ihrem Komplex zu errichten.

Nach sehr ausgiebiger Diskussion und gründlichen Erwägungen in sachkundigen Gremien wurde beiden Anträgen nicht entsprochen.

07.11.65: Gründung einer Mandolinenspielschar mit 27 Mitgliedern. Unter Leitung von Musiklehrer Brand aus Aachen erreichte die Gruppe einen hohen Stand. Deutlich länger als ein halbes Jahrzehnt gestaltete die Vereinigung das kulturelle Leben in der Gemeinde, im Kreis Monschau und darüber hinaus aktiv und in hervorragender Quaität mit

16.02.66: Einsegnung einer neuen Postagentur "Im Pohl" nach 55 Jahren

30.11.66: Auszeichnung der Lehrerin Klara Thoma mit dem päpstlichen Orden "Pro Ecclesia et Pontifice" für ihre Verdienste um die christliche Erziehung der Kinder und für ihr Engagement im Gemeindeleben

1966: Prälat Nikolaus Jansen, 1918 - 1927 Lammersdorfer Pfarrer, im Aler von 86 Jahren verstorben

09.04.67: Einweihung des neuen Pfarrkindergartens

10.10.67: Priesterweihe des gebürtigen Lammersdorfers Herbert Arens in Rom

16.12.67: Festlicher Empfang des Neupriesters Herbert Arens im Pfarrheim

1967: Frl. Klara Thoma beendete ihre Tätigkeit als Lehrerin

01.08.68: Inkraftsetzung der Reform im Schulwesen: Die bisherige Volksschule wurde in Grund- und Hauptschule aufgegliedert. Lammersdorf wurde Standort einer Gemeinschaftsgrundschule für das 1. bis 4. Schuljahr, die Schüler aus Lammersdorf, Rollesbroich, Strauch und Paustenbach unterrichtete. Die bisherige katholische und evangelische Volksschule gab es nicht mehr.

1970: Gründung der Otto-Junker-Stiftung, die der Förderung der technischen Forschung und des Ingenieur-Nachwuchses dient. Seit dem Tode von Dr. Ing. eh. Otto Junker im Oktober 1982 befindet sich das Lammersdorfer Industrieunternehmen im Besitz der Stiftung.

Frühjahr 71: Beginn der Aktivitäten der Ortsgruppe des Eifelvereins zur Schaffung eines Vereinsplatzes zwischen "Auf dem Dresch" und der Ley

Das Areal, das durch Zuschüttung der gesprengten Bunker entstanden war, wurde mit ca. 50 verschiedenen Gehölzen bepflanzt sowie über Jahre hinweg gehegt und gepflegt. Heute ist es zu einem idealen Sicht- und Windschutz für den Vereinsplatz und die Grillhütte herangewachsen. Da sich hier Hubert Schmitz besonders verdient gemacht hat, spricht man hier und da anerkennend und liebevoll immer noch von "Huberts Wäldchen"

31.12.71: Im Zuge der kommunalen Gebietsreform des Aachener Raumes gingen die Geschichte des 1816 gebildeten Kreises Monschau und das 144jährige Bestehen des Kreistages Monschau zu Ende. Der erste Abgeordnete der Bürgermeisterei Lammersdorf im 1828 konstituierten Kreistag war Bürgermeister Christian Linzenich, Eigentümer und Ackerer. 1834 schied er durch Losentscheid aus dem Gremium aus und kehrte 1839 in das Kreisparlament zurück.

Lammersdorfer Abgeordnete des Kreistages Monschau 1945 - 1971

Name
geb. Abgeordneter
von
bis
Genter, Emil 07.12.1902 19.12.1945 16.10.1948

Rütters, Josef 04.06.1909 19.12.1945 16.10.1948

Radermacher, Fritz

04.05.1897 13.10.1946

07.04.1949
Mertens, Alois 04.02.1910 19.03.1961 26.09.1964
Breuer, Helmut 04.06.1910 27.09.1964 08.11.1969

Mohr, Johann 18.12.1916 27.09.1964 31.12.1971

Schiffer Karl 07.01.1915 27.09.1964 08.11.1969

Fraikin, Dr. Hugo 09.07.1915 09.11.1969 3112.1971


 

Zusammenfassung: 

Das markanteste Entwicklungsmerkmal Lammersdorfs von 1944 bis 1971 ist seine Wandlung von einem Ort mit bislang vorwiegend landwrtschaftlichem Charakter zu einem Gemeinwesen, in dem immer mehr Bewohner ihre Existenzgrundlage in Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistungen fanden, zu einem aufstrebenden Industrieort. Drei wichtige Ursachen haben diesen Prozess in Gang gesetzt und begleitet:

  1. die mit der Inbetriebnahme der Vennbahn und mit dem Anwachse des Kraftverkehrs entstandene Möglichkeit für jenen Teil der Bevölkerung, der zuhause keinen ausreichenden Erwerb fand, nun zwischen seinem Heimatort und den Industriegebieen am Nordrand der Eifel pendeln und sich einer anderen beruflichen Entwicklung zuwenden konnte;
  2. die Ansiedlung des Inustrieunternehmens Junker 1924, welche Lammersdorf zum Sitz einer sehr bedeutenden eisenverarbeitenden und Elektromaschinenindustrie werden ließ. Bereits 1966 bechäftigte das Unternehmen deutlich über 1200 Arbeiter, Ingenieure, Angestellte und Lehrlinge, von denen 25 bis 30 Prozent in unserem Heimatort und in unmittelbar benachbarten Gemeinden ansässig waren. Rund 50 Prozent seiner Erzeugnisse gingen in den Export;
  3. der immer stärkere Übergang vom Ackerbau zur Viehzucht in unserer Höhenlage, der mit dem zunehmenden Einsatz moderner Technik und der intensiveren Schulung der Bauern einherging und Arbeitskräfte für andere Produktionszweige und verschiedene Dienstleistungsbereiche freisetzte.

Diese Prozesse förderten das rasante Ansteigen der Einwohnerzahl: von 1946 mit 1029 auf 1739 im Jahre 1971 - um fast 69 Prozent. Die oben genannten Faktoren bewirkten darüber hinaus gravierende Veränderungen in der beruflichen und sozialen Strukur der Bevölkerung; so arbeiteten bereits 1961 lediglich noch 9,2 Prozent der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft, hingegen jedoch 68,2 Prozent im Produktionsgewerbe sowie 22,6 Prozent in sonstigen Berufszweigen.

Zudem forcierten die oben beschriebenen drei Ursachen den Siedlungsausbau sowie die Vervollkommnung der Infrastruktur des Ortes. In den beiden Satelliten-Wohnplätzen Waldsiedlung und Kämpchen ging es zügig voran. Südlich des Junker-Betriebsgeländes entstand die Junkersiedlung und auch im Ortskern gab es nicht wenige Bauplätze. Außer den Wegeerschließungen in den angeführten Siedlungen wurden im Ort z.B. die Peter-Schall-Straße neu angelegt sowie die Schießgasse im unteren Abschnitt aufgefüllt und - vom Bauerngehöft Jansen aus - "Im Buschfeld" heißend - bis zum Häckeltchesweg als schöne Teerstraße weitergeführt.

Die Erweiterung der Wohnmöglichkeiten zog aufwändige und kostenintensive Bau- und Installationsmaßnahmen für die Versorgung mit Trinkwasser und die Abwasserentsorgung nach sich.

Dem wachsenden Bedarf an Kleinkindbetreuung und schulischer Bildung entsprach die Gemeinde mit der Bereitstellung weiterer Kindergartenplätze und mit dem Bau einer größeren Grundschule einschließlich Turnhalle und Lehrschwimmbecken. Für Sport und Spiel stellte sie Mittel für eine großzügig angelegte Sportanlage an der unteren Schießgasse zur Verfügung.

 

Lammersdorf in der Weimarer Republik (1919 - 1932)

Mai 1919: Beschlagnahmung der Vennbahn durch die belgische Besatzungsmacht. In der Folgezeit entstand eine wirtschaftliche Notlage, denn über die einzige Eisenbahnlinie, welche die Monschauer Region mit dem Mutterlande verband, konnten die Deutschen nun nicht mehr verfügen. Eklatante, Industrie und Landwirtschaft, Handel und Gewerbe sowie den beginnenden Toursmus arg schädigende Verspätungen im Personen- und Güterverkehr traten auf. Negative Auswirkungen auf die Erwerbssituation der Menschen dieses Raumes kamen hinzu; viele veloren ihren Job, manche wanderten aus.

 Sommer 1919: Das Wetter kennzeichnete eine solche Trockenheit, "dass die Mühlen stillstanden". (aus Walter Scheiblers "Wetterbüchlen")

1920: Gründung des "Kameradschaflichen Vereins Lammersdorfs". - Er bestand aus 16 fröhlichen Jungmännern, die sich mit der "Treckharmonika" auf Wanderschaft begaben.

1920: Gründung des Spielmannszuges, der unter Leitung des Tambourmajors Josef Läufer die Dorfbewohner häufig mit zünftiger Marschmsik erfreute

1920: Lammersdorf hatte 800 Einwohner, die in 132 Häusern lebten.


1920er Jahre

1921: Der Rat der Gemeinde beschloss, das Dorf in das im Aufbau befindliche System der Elektrifizierung des Kreises einzubeziehen und das Ortsnetz auszubauen. Die Kosten in Höhe von ca. 250.000 Mark musste die Gemeinde mit 130.000 Mark durch Holzverkäufe und mit 120.000 Mark mittels Anleihen selbst finanzieren.

Am 16.12. war es dann soweit: Der elektrische Strom floss und erleuchtete zum ersten Male die Häuser.

21.09.1921: Neugründung des Kreisverbandes der Feuerwehr. - Spätestens während der großen Brandkatastrophe im Hohen Venn im August dieses Jahres hatte sich das Fehlen eines überörtlich organisierten Feuerlöschwesens als sehr nacheilig erwiesen. Angesichts der daraus abzuleitenden höheren Verantwortung der Gemeinde erhöhte sie die Mittel für die Freiwillige Feuerwehr für das Jahr 1921 um 9.000 Mark auf insgeamt 10.000 Mark

1921: Gründung des ersten Fußballclubs (FC). Thumbnail image
Trotz des großen Engagements löste er sich auf dem Höhepunkt der Inflation auf. Kurz darauf entstand der "Fußballverein Teutonia Lammersdorf", der jedoch im Jahre 1925 auch zerbrach. Ihm folgte 1926 der heutige TuS.

 

 

Sommer 1921: Das Wetter war von einer Trockenheit geprägt, die alles diesbezüglich bisher Erlebte übertraf. An Niederschlag wurden gegenüber dem normalen Mittel von 1100 - 1200 mm lediglich 583 mm gemessen. Bis zum Herbst waren die Brunnen bereits ausgetrocknet .Nur eine außerordentlich dürftige Missernte brachten die Bauern ein. Gewaltige Brände vernichteten ausgedehnte Forstkulturen. Um die entstandene Notsituation zu bekämpfen, setzten verzweifelte Bemühungen ein.

In der Umgebung fand ein Erdbeben statt.

13.01.1922: Der Kirchenvorstand beschloss, dem Ort für seine Elektrifizierung 42.000 Mark zu einem Zinssaz von vier Prozent p.a. zu leihen. Jährlich sollten 10.000 Mark zurückgezahlt werden.

1922: Einstellung des Mahlbetriebes der Haas-Mühle, die seit 1769 arbeitete

1923: Pfarrer Nikolaus Jansen und der Kirchenvorstand reagierten auf die Inflation, die der Pfarrgemeinde finanzielle Probleme bereitete,

  • mit der meistbietenden Verpachtung der Plätze auf der Orgelbühne,
  • mit der Einräumung der Möglichkeit, fällige Pachten auch in Naturalien, belgischen Franken oder Papiemark zum Börsenpreis am Tage der Zahlung zu entrichten.

03.06.1923: Firmung von 72 Kindern in Lammersdorf durch Kardinal Schulte

Januar 1924: Einsegnung eines neuen Glockengeläutes für das katholische Gotteshaus Thumbnail imageWie fast alle katholischen Pfarrgemeinden hatte auch die Lammersdorfer während des Ersten Weltkrieges ihr Bronzegeläute - bis auf die kleine Glocke - zum Umschmelzen in Kanonen und Granaten abliefern müssen. Das neue Geläut bestand aus drei Glocken. Sie wurden von einer Bochumer Firma gegossen und läuten noch heute in den Tönen e, g und b. Ihr Gesamtgewicht betrug 62 Zentner. In selbstloser, fast vierzehntägiger Arbeit hatten hiesige Handwerker kostenlos den Glocken­stuhl hergerichtet, die Glocken unter besonders schwierigen Verhältnissen hochgezogen und in die Glockenlager gebracht. Die Männer der Freiwilligen Feuerwehr leisteten hier­bei tatkräftige Hilfe.

Die erste Glocke wurde als Michael-Krieger-Glocke getauft; die zweite ist dem Kirchenpa­tron, dem heiligen Johannes dem Täufer, geweiht worden, und die dritte erhielt den Namen Mutter-Gottes-Glocke. Die kleine Glocke aus Bronze läutet gegenwärtig während des Rituals der Wandlung in der Heiligen Messe.

1924: Zu den militärischen Belastungen der alliierten Rheinlandbesetzung, die auch den Eifel-Kommunen erwuchsen, gehörten auch die sich mehrfach wiederholenden Einquartierungen von Offizieren und Mannschaften sowie die Unterbringung von Pferden. So hatte die Bürgermeisterei Simmerath, die für die Orte Simmerath und Lammersdorf zuständig war, in den Jahren 1924 bis 1928 an jeweils 14 Tagen jährlich insgesamt annähernd 600 Offiziere, rund 11.000 Mannschaften und über 1.500 Pferde unterzubringen.

1924: Bau des Gemeindehauses

1925: Beginn der Wandlung Lammersdorfs von einem ursprünglich vorwiegend landwirtschaftlich orientierten Ort zu einer Gemeinde, deren Bewohner zu einem beachtlichen Teil in Industrie und Verkehr sowie im öffentlichen Dienst und im Dienstleistungsgewerbe beschäftigt waren.

Bauliche Erweiterung des Industrieunternehmens Junker nordöstlich des Bahnhofes an der jetzigen Bahnhofstraße bis über die derzeitige B 399 hinweg

Anfänge der Erbauung eines Wohnkomplexes (der schön gelegenen heutigen Junkersiedlung) und Anlage eines Wegenetzes (z.B. der Junkerstraße).

Beginn der Veränderungen in der Beschäftigtenstruktur der Dorfbewohner; die in Ansätzen bereits erkennbare Entwicklung des neuen Industriestandortes Lammersdorf und dessen weiterer Siedlungsausbau erstreckten sich bis in die folgenden Jahrzehnte hinein.

24.05.1925: Kirchliche Segnung der Fahnen des Musikvereins, der Schützenbruderschaft und des Kirchenchores. - Anlässlich des „Drei-Fahnen-Weihfestes" fand ein feierliches Hochamt statt, währenddessen der Pfarrer die Fahnen segnete. In seiner Predigt hob er die symbolische Bedeutung der Fahnen hervor und ermahnte dazu, Einigkeit zu pflegen und den Fahnen die Treue zu halten. Der Nachmittag des Tages gestaltete sich zu einem freudigen Volksfest auf dem Sportplatz. An ihm beteiligten sich zahlreiche Chöre, Musikvereine und Schützenbruderschaften aus Orten der Umgebung mit Gesangs- und Musikvorträgen.

22.11.1925: Goldenes Stiftungsfest des Kirchenchores anlässlich seines 50-jährigen Bestehens. - Am Vorabend hatte auf dem mit Fackeln beleuchteten Schulhof eine kleine Feier mit Gesangsvorträgen stattgefunden. In der Predigt des festlichen Hochamtes am Tage selbst wurde allen Anwesenden die Bedeutung des Kirchengesanges bewusstgemacht. Den Abschluss des Jubiläumstages bildete eine abendliche Saalfeier. Der Bezirkspräses, Pfarrer Hahn, hielt die Ansprache und überbrachte die Glückwünsche des Cäcilienverbandes. Anschließend gelangte das Oratorium „Die heilige Cäcilia" von Wiltberger zur Aufführung. Die Jungfrauen stifteten dem Chor eine prachtvolle Fahnenschleife.

Das Wetter des Sommers brachte eine lange Regenzeit. - Lediglich ein Drittel der erwarteten Roggen- und Haferernte wurde erzielt. Infolge dieser Missernte sahen sich die Bauern unter anderem wiederum zum Verkauf ihres Viehs um jeden Preis gezwungen, da ihnen sonst die dringendsten Mittel zur Erhaltung ihrer Existenz gefehlt hätten.

Erst seit gut einem Jahr Sitz der Firma Junker, hatte sich Lammersdorfs Einwohnerzahl, bezogen auf das 651 Einwohner betragende Mittel der vergangenen 100 Jahre, bereits um 17,2 % auf 763 Einwohner erhöht.

16.05.1926: Auf Initiative der Aachener Jägerschaft wurde eine Gedenktafel für den großen Heimatdichter und Naturfreund Hermann Löns, dem auch die Eifel- und Vennlandschaft sehr ans Herz gewachsen war, am Leykopf im Kalltal bei Lammersdorf angebracht. Zur Einweihung waren zahlreiche Teilnehmer erschienen, unter ihnen auch die Schützen, der Musikverein und der katholische Pfarrer Jansen aus Lammersdorf. Nach einigen Ansprachen nahm Amtsbürgermeister Mehlkopp das Denkmal in die Obhut der Gemeinde. - Das aus fränkischem Muschelkalk gemeißelte Reliefbild des Dichters mit der Inschrift „Hermann Löns" und darunter dem Kopf seines Lieblingsvogels - der Eule - schuf der Aachener Bildhauer Josef Meurisse. Gestiftet hat es ein Dr. Heinrich Oellers aus Aachen.

20.05.1926: Abschlussveranstaltung des ersten Kurses in der weiblichen Jugendpflege im Kreis Monschau. NähkursSie war mit einer Ausstellung verbunden, die von den Nähschülerinnen angefertigte Handarbeiten, Wäschestücke usw. zeigte. In mehreren Reden fanden die Leistungen im Rahmen der Jugendpflege hohe Anerkennung. Ganz besonders dankte man dem Kreisjugendpfleger, Herrn Pfarrer Nicolaus Jansen aus Lammersdorf, auf dessen Veranlassung hin die Kurse eingerichtet worden waren. Der Jungfrauenchor Lammersdorf unter der bewährten Leitung von Frau Röthgen umrahmte die Veranstaltung musikalisch.

10.06.1926: Anlässlich einer Veranstaltung des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen besuchten die Teilnehmer, unter ihnen der Regierungspräsident von Aachen, die Provinzialdomäne in Lammersdorf, wo sie die Stallungen und Versuchsfelder besichtigten und eine Information zum Stand und zu den Bedingungen einer erfolgreichen Schweinezucht erhielten. - Der Verwalter der Domäne, Herr Heinrich Dicks, berichtete, in den vergangenen Jahren seien auf der Domäne ca. 400 Morgen Land von Strafgefangenen urbar gemacht worden. Je 50 bis 70 Morgen habe man an drei Pächter abgegeben, während die übrigen Flächen noch unter der Verwaltung der Domäne stünden.
12.12.1926: Aus Anlass der Silberhochzeit des Brandmeisters der Orts-Feuerwehr, Herrn Heinrich Dicks, hatten sich die Wehrleute, eine Abordnung der benachbarten Simmerather Wehr sowie zahlreiche Ehrengäste im Saale Wirts versammelt, um dem allseits geachteten und geschätzten Chef der Lammersdorfer Wehr zu seinem Jubelfest herzlichst zu gratulieren. Bürgermeister Mehlkopp, Kreisbrandmeister Karl Müller und ein Vertreter der katholischen Kirchengemeinde überbrachten dem Jubilar die Glückwünsche der Öffentlichkeit und zollten seinen Leistungen eine hohe Anerkennung. Der Vorsitzende überreichte dem Jubilar das Ehrenbeil der Feuerwehr. Nach verschiedenen Darbietungen der Musikkapelle unseres Ortes dankte Heinrich Dicks mit bewegten Worten für die ihm erwiesenen Ehren. Gleichzeitig forderte er aber auch seine Untergebenen auf, im Dienste der Allgemeinheit so weiter zu arbeiten wie bisher - getreu dem Wahlspruch: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr". Mit einem geselligen Teil, bestehend aus einer Abfolge von Musikstücken und komischen Vorträgen, schloss die Veranstaltung.

1926: Wiederum machte ein Erdbeben von sich reden.

11.11.1927 Erster St.-Martins-Zug in Lammersdorf

1927: Beginn der Rodungen auf dem Wollerscheid, die 25 Morgen Vennland, z.T. Hochmoor, in weidewirtschaftlich nutzbare Fläche verwandelten

1927: Der Bischof berief Pfarrer Nicolaus Jansen als Domkapitular nach Aachen. – Dank seiner regen, schöpferischen und einfühlsamen seelsorgerischen Tätigkeit und seines vielfältigen, erfolgreichen politischen Engagements erwarb Pfarrer Jansen sich in den neun Jahren seines Wirkens am Ort die tiefe Zuneigung der Bewohner. 1927 erhielt er den Ehrenbürgerbrief der Gemeinde Lammersdorf. Im Kämpchen wurde in Würdigung seiner Leistungen eine Straße nach ihm benannt: der Nicolaus-Jansen-Weg. Manches Mal kehrte er in seine geliebte ehemalige Pfarrgemeinde zurück, um mit ihr festliche Anlässe zu begehen – zuletzt zu seinem 80. Geburtstag, den er hier in Lammersdorf im Kreise seiner Gefährten von einst feierte. – Ab 1933 wirkte er als Canonicus. – Am 24.8.1965 wurde er im 86. Lebensjahr von einem schweren Leiden erlöst.

1927: Es herrschte ein sehr strenges winterliches Wetter, nicht selten bis zu - 20° C.

1928: Erneut verunsicherte ein Erdbeben die Menschen.

1929: Der internationale Güterverkehr auf der Vennbahn wurde wetgehend eingesellt. Die Zeiten, in denen schwere Kohle- und Kokszüge nach Luxemburg und Elsass-Lothringen dampften, waren vorbei.

27.07.1930: Kreisverbandsfest der Feuerwehr in Lammersdorf


1930ger Jahre 

14.09.1930: Reichstagswahlen:

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Die Tabelle offenbart das weitere Schrumpfen der Stimmenanteile der Zentrumspartei. Das Bedenkliche daran ist, dass dies zugunsten der Nazipartei geschah, die im Vergleich miit den Reichstagswahlen von 1928 sehr deutlich zulegte und sogar in Lammersdorf 5,3 Prozent der Stimmen erlangte.

1931: Infolge einer Missernte entwickelte sich das Jahr 1931 wieder zu einem Notjahr für das Eifelvolk. Die ganze Ernte war verdorben. Grauenvoll waren die Schäden, die sich in der Eifel dem Auge zeigten. Es brach eine regelrechte Erntekatastrophe über die Menschen herein. Hunger, wirtschaftliche Not und Existenzsorgen der Eifelbauern nahmen verheerende Ausmaße an. In der zeitgenössischen Lokalpresse hieß es:
„Hier sind noch nicht 10 v.H. des Getreides unter Dach. Das auf den Kasten stehende Getreide ist schwarz und am auswachsen. Die Gerste liegt gemäht am Boden und fault bereits. Der zum großen Teil noch ungemähte Hafer liegt flach auf der Erde, und üppig wächst das Unkraut durch. In vielen Gegenden des Höhengebiets ist die Getreideernte bis zu 60 v.H. vernichtet. In den Betrieben... wird in diesem Herbst verkaufsfähiges Getreide kaum vorhanden sein. Zahllosen klein- und mittelbäuerlichen Wirtschaften fehlt das notwendige Brot- und Saatgetreide... Infolge des nassen Wetters zeigen auch bereits die Kartoffeln bedenkliche Fäulnisschäden.“
(zit. aus „Stadtanzeiger...“ v. 28.8.1931)

06.11.1932: Reichstagswahlen:

reichstagswahlen32

Laut obiger Tabelle ging die Nazipartei - wie bereits im Juli 1932 - mit 33 Prozent der Stimmen als deutlich stärkste Kraft aus den Wahlen hervor. In Lammersdorf erzielte sie - bereits drei Monate vor der Machtergreifung! - einen Stimmenanteil von 14,3 Prozent. Immer mehr Menschen verfielen der Demagogie der Nazis.

Zusammenfassung:

Die Weimarer Republik, die als parlamentarische Demokratie ins Leben trat, schien vielen Bürgern die positive Antwort auf ihre Frage nach der Zukunft des Landes zu sein. Sehr bald wurde ein verfassunggebendes Organ - die Nationalversammlung - gewählt. Wenige Monate später verabschiedete es eine fortschrittliche Verfassung, die den demokratisch-parlamentarischen Charakter des neuen Staates staatsrechtlich besiegelte.

Die Hoffnungen, welche an diese ersten Schritte geknüpft wurden, erfüllten sich allerdings in der Folgezeit bei weitem nicht in gewünschtem Maße. Es waren vor allem die Belastungen des Versailler Vertrages, die Inflation und die Weltwirtschaftskrise - drei das gesellschaftliche Leben einschneidend beeinträchtigende Komplexe im Verlaufe von nur knapp 15 Jahren ! -, die mit ihren sehr nachteiligen Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse der Bevölkerung den eingeleiteten gesellschaftlichen Fortschritt empfindlich behinderten.

Statt Kontinuität und Progression im Gesellschaftsprozess durchzusetzen, glitt die Politik in das Dilemma eines für die Menschen nur schwer durchschaubaren, vielschichtigen Positionskampfes zwischen den Parteien ab.

Wohlgemeinte, fortschrittliche und verfassungsrechtlich sanktionierte Zielsetzungen stießen auf Gegenkräfte, insbesoners die Nationalsozialisten, die unter Anwendung demagogischer Tricks vorgaben, die Probleme besser lösen und dem deutschen Volke wieder Unabhängigkeit, Macht und Einfluss in der Welt verschaffen zu können.

So verkam das gewählte Parlament zunehmend zur Tribüne hitzigen, letztendlich uneffektiven Streitens über ein Konglomerat von politischen Ambitionen. Gegen Ende der Weimarer Republik hatte es seine Fähigkeit zur Mehrheitsbildung weitgehend eingebüßt, so dass die Republik fast nur noch mittels Notverordnungen regierbar geworden war.

Diese Einschätzung mit dem vergleichend, was in den Jahren der Weimarar Republik (1919 - 1932) hier über Lammersdorf geschrieben wurde, entdeckt man einen Widerspruch: Es entsteht der Eindruck, als wäre der Ort unberührt von der großen Politik - trotz ihrer ganzen Brisanz! - seinen Weg gegangen Das war aber, wie auch die Wahlergebnisse zeigen, gewiss nicht so!

Gern hätten wir in diesem Chronikteil ausgeführt, wie die Menschen unseres Heimatortes mit den Problemen der Inflation, der Weltwirtschaftskrise und der anwachsenden Arbeitslosigkeit umgegangen sind, wie sich diese wirtschaftlichen Einbrüche auf ihre Lebensverhältnisse ausgewirkt haben und wie die Geschäftswelt reagiert hat. Konkreter und genauer wäre zu zeigen, warum die Nazis relativ schnell die Sympathien eines beachtlichen Teils der Bevölkerung gewinnen konnten und wie sich die Jugend verhalten hat.