Die Sache mit dem Motorrad

Ja auch ich, Ludwig Förster, war ein Schmuggler in den schwierigen Zeiten nach dem Kriege. Aber ich habe keine Gewissenbisse, hatten wir doch eine Absolution durch den Kardinal aus Köln. Denn der Schmuggel, wie ich ihn betrieben habe, war "fringsen". also notwendig, das Überleben zu sichern - das vorweg.

Ich arbeitete damals als Schlosser bei der Firma Lutterbach. Diese Firma hatte den Auftrag bekommen, in die Fahrzeuge des Zolls, in Autos und Motorräder, Funkgeräte einzubauen.

Mit der Zeit lernte man die Beamten des Zolls, die die Fahrzeuge fuhren, näher kennen und mit dem ein und anderen freundete ich mich an, so auch mit Max, dem Fahrer des Zollmotorrades.

Eines Tages wollten einige meiner Schmugglerkameraden "aufrüsten" und sich Motorräder zulegen, um ihre "Produktivität" zu steigern. Ein Fahrlehrer aus Aachen, der in Lammersdorf Fahrunterricht gab - gegen Kaffee natürlich,  erklärte sich bereit, die Prüfung abzunehmen - gegen Kaffee natürlich. Aber ein Motorrad müßten wir schon selbst besorgen. Da schauten alle auf mich ... "Du kenns dä doch  ... Kaste net .... Koom, du maachs  dat...." und schon hatte ich den Auftrag, mit Max, meinem Zöllnerfreund, der das Zollmotorrad fuhrt zu reden - bei einem Kaffee natürlich.

 Max war einverstanden und erschien mit seinem Motorrad am vereinbarten Tag auf dem Marktplatz in Simmerath, wo die Prüfung stattfinden sollte.

Da fuhren nun meine Schmugglerfreunde auf einem Zollmotorrad fleißig achtförmigen Figuren, bekamen ihren mit Zollhilfe gemachten Führerschein und gingen nach Hause.

Ich als Max´ Freund mußte  bis zuletzt warten. Ich hatte mich gerade auf´s Motorrad gesetzt, da - da piepste das Funkgerät. Wie ein Blitz raste Max auf mich zu.  "Weg, weg, weg da, Alarm!" Er drängte  mich vom Motorrad und brauste davon.

Der Fahrlehrer und ich, wir warteten - wir warteten - wir standen uns die Beine in den Bauch - nichts, kein Max, kein Motorrad. Der Fahrlehrer erklärte schließlich, nun nicht länger bleiben zu können. Nicht ohne nochmals in seine Tasche mit dem Kaffee zu schauen, setzte er sich in seinen Wagen und fuhr nach Hause.

Da stand ich nun - ohne Führerschein.

Ich habe schließlich in meinem Leben gar manches Motorrad gefahren, große, kleine, mit und ohne Beiwagen. Einen Motorradführerschein habe ich heute noch nicht.

Ludwig Förster