Die Entwicklung zur heutigen Kirche


In diesen Wochen, wo wir uns anschicken, 100 Jahre Kirchweih festlich zu begehen, wollen wir im Folgenden Rückschau halten auf die Zeit, da unsere Kirche entstand, aber auch auf das, was unsere Vorfahren in den folgenden Jahrzehnten – oftmals trotz großer Not ! – leisteten, um den baulichen Wert ihres Gotteshauses zu erhalten und es stets von Neuem mit den Attributen einer ehrwürdigen Heimstatt des religiösen Lebens auszustatten.

Zugleich wollen wir uns aber auch auf den Beitrag besinnen, den unsere noch lebenden Generationen hinzugefügt haben, um unsere Kirche im genannten Sinne zu hegen und zu pflegen

Rechtzeitig – in den 1890er Jahren – traf der Kirchenvorstand unter dem Vorsitz von Pfarrer Jülich die für den Neubau einer größeren Kirche erforderlichen Vorbereitungen.

Gestützt auf eine negative Bauzustandsanalyse des alten Kirchengebäudes, holte er für dessen Abriss und für den Bau einer neuen Kirche die Genehmigung des „Hochwürdigsten Generalvikariats“ zu Köln ein. Zugleich erwirkte er die Erlaubnis, auf einem Kirchengrundstück auf der Ley die zum Kirchenneubau nötigen Mauersteine brechen zu dürfen.

Schon bald kümmerte sich der Kirchenvorstand um die für den größeren Neubau erforderliche Erweiterung des Platzes. In Frage kam dafür das an die damalige Schule (heute Sparkasse) im Nordosten angrenzende und zur öffentlichen Versteigerung anstehende Grundeigentum des Matthias Peter Jansen (mit dem Dorfnamen Beichenhüppertjes) und dessen Schwiegersohn Thomas Mathar. Der damalige Kirchenrendant Johann Cönzer erhielt die Befugnis, die Liegenschaften unter allen Umständen zu erwerben und ersteigerte sie schließlich für 5 181 Mark.[1]

Die Planung des neuen Bauwerkes wurde dem weithin bekannten Architekten Professor J. Kleesattel aus Düsseldorf übertragen. In seinem Erläuterungsbericht zum „Entwurf einer katholischen Pfarrkirche in Lammersdorf“ heißt es sinngemäß unter anderem:

Der Entwurf zeigt eine in den einfachen Formen des frühgotischen Stiles gehaltene dreischiffige Hallenkirche mit einem vieleckigen Hauptchor, zwei Seitenchören und einem Hauptturm auf der Westseite.

An das Chor schließen sich rechts die Sakristei, links die Paramentenkammer an.

Die Taufkapelle ist an der Nordseite, eine Maria-Hilf-Kapelle an der Südseite des Turmes angeordnet.

Das Mittelschiff ist 6,75 m breit; die Seitenschiffe haben eine Breite von 3,80 m. Die lichte Höhe des Mittelschiffes beträgt 10,50 m, die der Seitenschiffe je 8,80 m.

Die Länge des Mittelschiffes von der Turmwand bis zur Kommunionbank beträgt 21,20 m; die ganze Breite der Kirche 14,35 m. Die Turmhalle hat eine lichte Weite von 3,75 m. Dieselbe steht mit der Taufkapelle und dem Kirchenraum durch breite Öffnungen in unmittelbarer Verbindung. Die Orgelbühne, zu welcher aus der Turmhalle eine bequeme Treppe führt, ist in ausreichender Größe im ersten Schiffsjoch vor dem Turmraum angeordnet.

Die Kirche umfasst einen nutzbaren Laienraum von 300 m2; sie gewährt somit Raum für ca. 800 bis 900 Personen. Es führen 3 Portale mit nach außen aufgehenden Türen in die Kirche, und zwar 1 Turmportal mit 2,20 m lichte Weite und 2 Seitenportale mit je 1,80 m lichte Weite. Es gibt dies eine Gesamtbreite der Ausgänge von 5,80 m. Somit dürfte für eine rasche Entleerung der Kirche weitgehendst gesorgt sein.

Das Mauerwerk, einschließlich der äußeren Blendung, soll in Bruchsteinen mit Wasserkalkmörtel ausgeführt werden. Die Bruchsteine werden aus den in nächster Nähe der Baustelle befindlichen Brüchen gewonnen. Sämtliche Gesimse, Pfeilerabdeckungen, Tür- und Fenstereinfassungen, Pfosten und Maßwerke sollen aus bestem, wetterbeständigem Eifeler Sandstein hergestellt werden. Die Dachkonstruktion sämtlicher Dächer, einschließlich des Turmhelmes, sind in Holz auszuführen und mit bestem Moselschiefer auf Schalung einzudecken. Firste, Gräte und Kehlen werden aus Walzblei hergestellt. Die inneren Säulen werden aus bestem Eifeler Sandstein bestehen. Die Gewölbe sollen in Schwemmsteinen zwischen Hausteinrippen ausgeführt und die unteren Ansichtsflächen mit gutem Mörtelputz versehen werden. Auch die Innenwände erhalten Mörtelputz. Für die Fenster ist eine einfache Spitzenverglasung in Cathedralglas vorgesehen. Der Fußboden der Kirche wird mit Platten aus gebranntem Ton belegt.[2]

In seiner Sitzung am 21. August 1898 beschloß der Kirchenvorstand einstimmig, die neue Kirche nach diesem Plan zu bauen. Als das Gremium sich ein halbes Jahr später mit einigen doch noch vorgeschlagenen Änderungen und der daraus resultierenden Kostensteigerung zu befassen hatte, stimmte er auch diesen zu, weil – wie er fand – die Chorhalle durch die Erhöhung der Mauern und die eingefügten Halbfenster in jeder Seitenmauer „bedeutend an Schönheit gewinnen“ werde.

Die Nachricht vom beabsichtigten Kirchenneubau traf in der Pfarrgemeinde allenthalben auf große Sympathie. Von Anfang an wurden die vorbereitenden Maßnahmen von einer beeindruckenden Bewegung der Bereitschaft zur Mithilfe und der frommen Opferwilligkeit vieler Gläubiger flankiert – getragen von dem Wunsch, dass das Bauwerk schnell wachsen und gut gelingen möge.

Die Ausführung des Baues übernahm der sehr bewährte Unternehmer Anton Dohmen aus Heimbach. Er ging zügig ans Werk. Binnen weniger Wochen war die Baugrube ausgeschachtet, so dass bereits am 25. April 1901 der erste Stein gelegt werden konnte. Er fand seinen Platz in der westlichen Ecke der Baugrube.

Nach seiner Ansprache stieg Pfarrer Jülich in den Turmschacht und vollführte mit dem gezierten Hammer drei Schläge auf den ersten Stein. Ihm folgten der Kirchenvorstand und die übrigen anwesenden Männer, der Lehrer und die Schulkinder; zuletzt kamen die Frauen und Jungfrauen an die Reihe. Alle schlugen dreimal auf den Stein und gaben ein Trinkgeld für die Arbeiter.

In den folgenden Wochen setzte das Bauunternehmen seine Arbeit zügig fort. Als am 21. Juli 1901 die Grundsteinlegung erfolgte, stand das Mauerwerk schon bis unter den Fenstern. Zu dem festlichen Anlaß war Weihbischof Dr. Fischer nach Lammersdorf gekommen. Als Geschenk hatte er den Grundstein mitgebacht. Derselbe stammte aus den Katakomben des heiligen Papstes und Märtyrers Callixtus in Rom. Am unteren (südlichen) Eingang des Dorfes holte die Gemeinde den hohen Gast ab. In einer Prozession trugen vier Jünglinge den schweren Stein auf einer Bahre zur Kirche. Hier wurde er hinter dem Hochaltar in der Mauer platziert. Er ragt etwas aus der Mauer heraus und liegt ca. 30 cm über dem Kirchenboden. Auf seiner Kopfseite steht die Jahreszahl „1901“. Die eingemauerte Urkunde, von der sich im Pfarrarchiv eine Abschrift befindet, ist in lateinischer Sprache abgefasst und hat in Deutsch folgenden Wortlaut:

„Zu Ehren der hochheiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit.

Im Jahre des Herrn 1901, am 21. Tage des Monats Juli, unter dem höchst erhabenen Pontifikat von Papst Leo XIII. und unter der Regierung Wilhelm II., des Königs und Kaisers, als Hubert Simar Erzbischof von Köln war, Th. von Guérard Landrat dieser Region und Joseph Goller, Pfarrer in Simmerath, Dechant, Leonard Hubert Jülich Pfarrer in Lammersdorf und Michael Gerards Bürgermeister in Simmerath, legte diesen aus den Katakomben des hl. Papstes und Märtyrers Callixtus genommenen Grundstein zur größten Freude der Pfarrangehörigen zu Ehren des hl. Johannes des Täufers unter dem Titel der Enthauptung der hochwürdigste Herr Anton Fischer, Doktor der hl. Theologie, Bischof von Juliopolis (Galatien, Kleinasien) und Weihbischof in Köln in Anwesenheit aller Pfarrangehörigen und der Priester der benachbarten Gemeinden.

Der Plan dieser Kirche ist von dem weithin bekannten Architekten Prof. Kleesattel aus Düsseldorf entworfen worden, und die Ausführung des Baues hat man dem sehr bewährten Unternehmer Anton Dohmen aus Heimbach übertragen.

Das Bittgebet der ganzen Pfarre wie die Hoffnung und der Wunsch aller hier andächtig Anwesenden gehen dahin, dass die neue Kirche durch Gottes Gunst in kurzer Zeit vollendet werde, dass sie den Ruhm des allmächtigen Gottes mehre, dem Heil der unsterblichen Seelen diene und unter dem Schutz der seligen und unbefleckten Jungfrau Maria und unter der Fürsprache des hl. Johannes des Täufers und des hl. Hubert, der Patrone dieser Kirche, unbeschädigt eine ganz lange Zeit von Tagen überdauere.“[3]

Knapp anderthalb Jahre nach der Grundsteinlegung war die Kirche fertig und konnte am 9. November 1902 eingesegnet werden. Nachdem morgens noch eine heilige Messe in der Notkirche (im Saale Wirtz/heute Roeffen-Lüscher) gefeiert und danach das Tabernakel in die neue Kirche getragen worden war, fand am Nachmittag der feierliche Einzug in das würdevolle Gotteshaus statt.

Nun hatten die Lammersdorfer Katholiken eine ehrwürdige, stattliche und geräumige Kirche. „Sie ist zwar kein Dom, aber eine recht hübsche und würdige Landkirche“, wird in den Eifeler Nachrichten vom 21.7.2001 aus dem Montjoier Volksblatt zitiert. Dr. Peter Schönhofer schrieb: „Die jetzige Kirche gehört zu den schönsten Gotteshäusern im Kreise Montjoie.“[4]

Ganz anders dagegen das folgende Urteil: „Die neue Kirche... ist ein rasch erstellter, frühgotischer Bau... Das ist keine freie Gestaltung auf dem Boden altheimischer Überlieferung. Dafür war die Baukunst um 1900 noch nicht reif.“[5]

Wertungen wie die letzte waren jedoch eher selten; es überwog die Überzeugung, dass unsere Pfarrgemeinde mit dem neuen Gotteshaus eine würdevolle Heimstatt ihres religiösen Lebens erhalten hatte. Auch der Lammersdorfer Kirchenvorstand äußerte die Meinung, die neue Kirche sei zwar einfach in ihren Formen, mache aber dennoch einen sehr schönen und guten Eindruck.

 

Die neue Kirche

 

So wie das Gotteshaus jetzt – kurz nach seiner Fertigstellung – aussah, sollte es nicht bleiben. Bei allem Erreichten ging es während der kommenden Jahrzehnte darum, es so zweckmäßig und würdig wie nur irgend möglich zu gestalten. Die Pastoren und die Leitungsgremien der Pfarrgemeinde haben diese Zielstellung stets im Auge behalten und jeweils rechtzeitig die materiellen und finanziellen Ressourcen zu deren schrittweisen Verwirklichung bereitgestellt.

Wer hierzu Näheres erfahren möchte, findet genügend Fakten dort, wo die Leistungen der Pastoren beschrieben werden.

 

Inneres der neuen Kirche

 

Im Folgenden wollen wir noch die Anschaffung und Weihe des neuen Geläuts schildern:

Es ist nur zu verständlich, dass nach dem I. Weltkrieg, für den zwei Glocken zum Einschmelzen hergegeben werden mussten, die Sehnsucht nach neuen Glocken von sehr vielen Katholiken immer deutlicher artikuliert wurde.

Der damalige Pfarrer Nikolaus Jansen sprach mit Gläubigen und stellte die Angelegenheit dem Kirchenvorstand vor. Nach positivem Ergebnis der Diskussion bestellte er im Januar 1922 drei neue Glocken. Die Lieferfirma bestätigte den Auftrag. Der Kaufvertrag war somit perfekt. Opferbereitschaft und freudige Erwartung waren allenthalben spürbar.

So reibungslos wie bisher ging es allerdings leider nicht weiter. Ein gutes  halbes Jahr nach Abschluss des Kaufvertrages schrieb die Lieferfirma, sie sehe sich in Folge der drastischen Verteuerung der Löhne, Rohstoffe und Betriebsmaterialien gezwungen, den Kaufpreis um 100 % zu erhöhen; danach sollten die Glocken neuerlich sehr deutlich über 100 000 Mark kosten. Auch wenn man dies als Entgegenkommen bezeichnete, weil die reale Teuerung mehrere 100 % betrage, erwies sich schon die angekündigte 100 %ige Preiserhöhung für die Pfarrgemeinde als sehr harter Schlag. Sie stand vor der desaströsen Alternative: Geld oder keine Glocken.

In dieser zugespitzten Situation entschied man sich für die Glocken.

Alle Möglichkeiten, weitere Einnahmequellen zu erschließen, wurden diskutiert und Maßnahmen zu ihrer Realisierung getroffen: die Durchführung eines großen Gemeindefestes und von zahlreichen Kollekten, Appelle an potentielle Sponsoren u.a.m., die alle die gewünschten Früchte trugen: Zwei Monate nach Eingang  der negativen Information seitens der Lieferfirma konnte dieser die Zahlung der zusätzlichen 57460 Mark avisiert werden.
Dank des großen Engagements des Pastors und der Mitglieder des Kirchenvorstandes, des Beteiligungswillens und Opfersinns fast aller Pfarrangehörigen, der Bereitschaft verschiedener Wohltäter, größere Summen zu spenden, nicht zuletzt aber auch dank des hohen Sympathiewertes der Idee war es möglich, auch dieser wirklich komplizierten Problematik Herr zu werden. Mit nicht nennenswerter Verspätung stand das neue Geläut zur Weihe bereit.

 

Thumbnail image

 

So fand bereits am 7. Januar 1923 die Glockenweihe statt.

Die erste und größte Glocke erhielt den Namen „Michaelsglocke“ (Ton e). Ihre lateinische, hier ins Deutsche übersetzte Inschrift lautet:

Führe, die für uns gefallen

und fürs teure Vaterland,

herrlich in des Himmels Hallen,

Michael, mit starker Hand!

Führe auch uns in Gottesland

nach den dunklen Erdentagen,

Feldherr du von Gott gesandt,

deinen Namen will ich tragen.

Als Paten trugen sich in die Weiheurkunde ein: Frau Wwe. Eduard Läufer für die Krieger, Gefallenen und Kriegsversehrten; Carl Wilden für die Landwirte; Peter Giesen für die Arbeiter; Johann Josef Breuer für die Handwerker und Carl Mertens für die Gewerbetreibenden.

Die zweite Glocke (Ton g) ist dem Kirchenpatron gewidmet. Ihre lateinische, hier ins Deutsche übersetzte Inschrift lautet:

Johannes der Täufer

wie einst bin ich genannt,

rufend:

des Herrn Weg bereitet

zum

himmlischen Strand!

Als Paten trugen sich ein: Mathias Wilden für den Kirchenvorstand; Heinrich Läufer für die Gemeindevertretung, Mathias Peter Graf für die Zivilgemeinde und Arnold Graf für den Kirchenchor.

Die dritte Glocke (Ton b) trägt den Namen der Mutter Gottes. Ihre lateinische, hier ins Deutsche übersetzte Inschrift lautet:

Diesen Namen ich trage:

Maria.

Jesu Christi Mutter.

Ihr Lob ich verkünde,

Ihr jubelt der eherne Klang.

Als Paten trugen sich ein: Wwe. Mathar für den Frauen- und Mütterverein; Walburga Jansen für die Jungfrauenkongregation, Frau Gerard für die  belgischen Pfarrangehörigen und Paul Lethen für die Schule.

Das Gussstahlgeläut hat ein Gesamtgewicht von 2 970 kg . einschließlich 790 kg Läutezubehör.

Zur ersten Inbetriebnahme am 21. Januar 1923 ertönte am frühen Morgen ein einstündiges festliches Geläute mit Glockenbaiern. Die anschließenden Gottesdienste und anderen Veranstaltungen waren vornehmlich dem Dank an alle Beteiligten gewidmet.

Auch heute noch – nach 88 Jahren – bringen die Glocken tagtäglich ihren Wohlklang der Gemeinde zu Gehör.

Als vierter Tonträger befindet sich noch eine kleinere Glocke im Glockenstuhl, sie musste während des I. Weltkrieges nicht abgegeben werden und dient heute bei entsprechenden Gottesdiensten als Wandlungsglöckchen.

 


 

[1] Quelle: Journal „Rechnung über den Bau der neuen Pfarrkirche zu Lammersdorf...“, aufbewahrt im Pfarrarchiv, S. 4

[2] Josef Kreitz/bearbeitet und ergänzt von Herbert Arens: Katholische Pfarrgemeinde Lammersdorf einst und jetzt, Roetgen 1981, S. 98 f.

[3] Ebenda

[4] Jahrbuch „Das Monschauer Land...“ 1973, S. 99

[5] Dr. Ludwig Mathar in „Der Eremit am Hohen Venn...“ 25 [1953], S. 40