Christliche Solidarität und kluge Leitung


Die Bedingungen für die Arbeit der Pastoren und des Kirchenvorstandes gestalteten sich im 20.Jahrhndert recht unterschiedlich.

So stellt die erste Hälfte dieses Jahrhunderts eine arg zerklüftete Zeit dar

I..Weltkrieg – Inflation – Weltwirtschaftskrise – Nazizeit – II. Weltkrieg - Nachkriegszeit.

Die Ereignisse selbst, aber auch ihre kurze Aufeinanderfolge bargen für die Menschen viele Unwägbarkeiten, unsagbare Not und großes Leid in sich.

In einer solchen historischen Zerrissenheit war eine auch nur annähernd kontinuierliche und gedeihliche Entwicklung der Pfarrgemeinde äußerst schwer. Das ganze Dilemma zeigt sich z.B. am Schicksal des angesparten, in 13 Sparbüchern ausgewiesenen Geldvermögens von rd. 118 800  M. Am Ende der Inflation  blieben davon übrig:  ein Sparbuch mit einem  Guthaben von rd. 8 M., also soviel wie nichts.

Da bedurfte es schon großer Umsicht und vor allem geschickter Geldpolitik, um so schnell wie möglich einen hinreichenden Geldbestand zu erwirtschaften. Die Vorausplanung kommender, nicht selten unvorhergesehener Ausgaben musste dabei immer mit im Kalkül sein

Hätten die Pastoren (besonders Nikolaus Jansen, Matthias Berg und Peter Schall) die Grundprinzipien kluger Geldpolitik nicht beachtet, wäre es beispielsweise wohl nicht  möglich gewesen, von den ebenfalls nötigen zahlreichen Spenden und freiwilligen Arbeitsleistungen hier einmal abgesehen, die empfindlichen Schäden am Gotteshaus aus der Frontzeit zu beseitigen und es baldmöglichst wieder nutzungsfähig zu machen.

Unter diesen Umständen waren Risikobereitschaft, feste Zuversicht, Vertrauen in die eigenen Kräfte und Möglichkeiten, Umsicht, Initiative und Solidarität gefragt. Den Pastoren und dem Kirchenvorstand sei  bestätigt, dass sie diese Fähigkeiten und Eigenschaften in den schweren Zeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stets unter Beweis gestellt haben. Nur so war es möglich, während der fünf Jahrzehnte fast eine Drittel-Million M bzw. RM aufzubringen, um die neue Kirche sowie das heutige Pfarrhaus zu bauen und sie mit dem  nötigsten Inventar zu versehen, eine neue Orgel anzuschaffen, die erheblichen Schäden am Kirchengebäude und am Turm zu beheben und auch noch die laufende Werterhaltung der Objekte sicherzustellen.

In den fünf Jahrzehnten von 1901 bis 1950 hatte sich eine beispiellose Opferwilligkeit in der Pfarrgemeinde entfaltet. Zeitweise – besonders im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhundert, der beginnenden Neubauphase unseres Gotteshauses – reichte sie sogar bis in die Regierungsbezirke Aachen, Köln und Düsseldorf hinein.

Unsere Rückschau auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts – von 195l bis 2007 – zeigt dagegen ein ganz anderes Bild: eine Periode durchgängig friedlicher und kontinuierlicher Aufwärtsentwicklung. Freilich war diese Zeit mit ihren Zielen in der Wahrnehmung vieler leidgeprüfter Menschen nur eine mit reichlich Skepsis durchsetzte Hoffnung, und die langen Jahre des kalten KrIeges mit ihren starken Worten und Bedrohungen waren nicht geeignet, die Zweifel bald auszuräumen. Später jedoch sah man, dass das, was einst nichts weiter als sehnlicher Wunsch war – Gott sei Dank! – zur schönen Realität geworden war:

Amerikanische Wirtschaftshilfe (Marshall-Plan) – Bildung der BRD – soziale Marktwirtschaft – Wirtschaftswunder – europäische Integration – neue Ostpolitik – Wiedervereinigung Deutschlands – das waren wichtige Meilensteine des Weges, der uns wegführte von den Nöten und Sorgen der Vergangenheit, hin zu Wohlstand und Frieden der Gegenwart.

Die Knappheit der finanziellen und materiellen Mittel und oftmals dadurch verursachte Improvisationen hatten bald ein Ende.. Immer öfter machten sie Platz der langfristigen Planung aufwändiger Werterhaltungsmaßnahmen und größerer Anschaffungen - einschließlich ihrer finanziellen Absicherung durch Schaffung emtsprechender Rücklagen.

Das trifft in hohem Maße auch für Pastor Karl-Heinz Graff zu, der im April 1986 die Lammersdorfer Pfarrstelle übernahm.

In Verinnerlichung der Erfahrungen seiner Vorgänger entwarf er ein Konzept, nach dem in 10 bis 15 Jahren eine Reihe von notwendigen Arbeiten zur Erhaltung und Erhöhung des Wertes der Kirche ausgeführt werden sollten. Einbezogen waren die generelle Renovierung – erforderlichenfalls auch Restauration – des gesamten Inneren und Äußeren des Kirchengebäudes und des Turms. Es gelang Pfarrer Graff, den Kirchenvorstand und eine überzeugende  Mehrheit der Katholiken für seinen Plan zu gewinnen.

Die Realisierung des Konzeptes ließ nicht lange auf sich warten: 1988 veranlasste er die Reparatur einer Glocke, 1991 die Instandsetzung vieler Kirchenbänke, 1995 folgten notwendige Arbeiten am Glockenstuhl und die Erneuerung der Stromverteilungsanlage für die Glocken mit den dazugehörigen Anschlagwerken, 1996 Erneuerung der Kirchenportale und bessere Ausleuchtung der Kirche.

Nach fast 13 Jahren konnte Dechant Graff auf dem Neujahrsempfang am 09.01.2000 feststellen, dass der große Kraftakt der umfassenden Renovierung und Sanierung des Kirchengebäudes erfolgreich bewältigt worden war. Nachdem bereits 1998 die Renovierung des Innenraumes vollendet werden konnte, bot sich nun auch der Kirchturm wieder in voller Pracht dar.

 

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Behördlicherseits wurde mitgeteilt, dass unsere Kirche m.W.v. 13.Juni 1988 als Baudenkmal in die Liste beim Rat der Gemeinde Simmerath aufgenommen wurde. Der Grund dafür und die sich daraus ergebenden Verpflichtungen sind in der Mitteilung enthalten. Einen Hinweis auf gewisse Absprachen zwischen der Behörde und dem Kirchenvorstand Lammersdorf gibt es in den Akten des Pfarrarchivs nicht. Dennoch sollte die Eintragung des Kirchengebäudes in die Denkmalliste in dieser Pfarrchronik nicht fehlen. Die Gleichzeitigkeit der Termine – Eintragung als Baudenkmal und Umsetzungsbeginn des langfristigen Konzepts von Pastor Graff – ist nach momentanem Kenntnisstand rein zufällig.

Letzteres verursachte Gesamtkosten von rd. 963 000 DM, die zu 55 % durch Spenden, , zu 38 % aus Sammlungen und Eigenmitteln der Pfarre und zu 7 % aus dem Denkmalförderungsfond finanziert wurden.

Erneut veranlasst uns der relativ hohe Anteil von etwa einem Drittel durch Spenden und Sammlungen der wie ein roter Faden 100 Jahre sichtbaren Symbiose von christlicher Solidarität und kluger Leitung unseren großen Respekt zu zollen.

Nach wie vor ist es unser erklärtes Streben, das Wirken in unserer katholischen Pfarrgemeinde mit dem Leben unseres Heimatortes aufs engste zu verbinden.  Genau diese Zweckbestimmung entspricht dem, was Kardinal Joseph Ratzinger, unser heutiger Papst Benedikt XVI., uns lehrte: Stets habe „die Kirche...eine Verantwortung für das Ganze.“

Wir sind glücklich, uns in Übereinstimmung zu befinden mit einem der tragenden Prinzipien unserer katholischen Kirche.