Die regionale Situation der Primärschulen am Ende der Franzosenzeit - 1814

Nach dem Abzug der Franzosen wurden im August des Jahres 1814 von der preußischen Verwaltung ein Fragebogen zur Erhebung von Schuldaten im Generalgouvernement verschickt. Die folgende Auswahl aus den für den den Kanton Montjoie gemachten Angaben sind bemerkenswert 8):

Die Stadt Monschau - ein Beispiel für den häufig zu beobachtenden Unterschied zwischen katholischen und protestantischen Elementarschulen - zählte im Jahre 1814
3084 Einwohner (2669 Katholiken, 415 Protestanten)
Kinder 6-14 Jahren (425 Katholiken, 66 Protestanten)
Primärschulen:1. katholische , 1 protestantische
In die katholische gingen regelmäßig nur 60 Kinder (50 Jungen, 10 Mädchen)
Der katholische Lehrer, geprüft durch einen Lehrer der hiesigen Sekundärschule, hatte ein Einkommen von 180 Franken plus Schulgeld, welches unter der Summe von 180 Franken blieb.
Er unterrichtete Deutsch, Französisch und Rechnen.
Der protestantische Lehrer, geprüft von mehreren Behörden, unterrichtete Lesen, Schreiben, Tafel- und Kopfrechnen, Religion, Orthographie, Geographie, Zeichnen, Naturlehre.
Er verdiente 560 Franken plus Schulgeld, wofür die finanzkräftige monschauer Unternehmerschaft sorgte.
Die Besoldung des Lehrers an der Sekundärschule betrug ca.900 Franken.

In Dedenborn, Rauchenauel, Seifenauel und Pleushütte gab es weder Schule noch Unterricht.

In Eicherscheid unterrichtete der Bäcker und Küster 150 Kinder. Er war ohne jede Prüfung von der Gemeinde berufen worden. Gehalt 120 Franken.

In Höfen unterrichtete der oben erwähnte Johann Huppertz. Von den 150 Kindern besuchte nur die Hälfte im Winter die Schule. In Sommer sank die Zahl unter 20. Huppertz bekam von der Gemeinde kein festes Gehalt sondern nur das Schulgeld, das sich auf 160 Franken belief. Für den Kirchendienst erhielt er 150 Franken.
In Kalterherberg (200 schulfähige Kinder) unterrichtete seit über 50 Jahren Johann Zorn, hochgeschätzt, der „aber altershalber nicht sehr gefürchtet ist“.

In Imgenbroich unterrichtete ein Weber, in Konzen ein Küster und Schreiner, in Mützenich ein Ackerer und ein 14 jähriger.

In Kesternich (137 schulfähige Kinder) keine Schule. In den Wintermonaten Unterricht durch den Vikar.

In Lammersdorf, Zweifall Mulartshütte keine Primärschule. Man bediente sich „des gemeinen auf dem Land gebräuchlichen Unterrichts“, den der Küster erteilte. In Lammersdorf war das seit 1813 Johann Victor.

In Roetgen (150 schulfähige katholische und 111 protestantische Kinder) gab es keinen öffentlichen Unterricht für die katholischen Kinder, für die protestantischen gab es einen Lehrer.

In Simmerath gab es eine Privatschule des Küsters und eine öffentliche Primärschule. In den zu Simmerath gehörenden Ortschaften wurde der Unterricht im Winter von „befähig befundenen Dorfbewohnern erteilt.

 

Fazit:
Das war also die Lehrerschaft der Elementarschulen. Es gab keine verbindliche Ausbildung. Prüfungen der Qualifikation steckten in den Anfängen. Die wirtschaftliche Lage war nach wie vor unbefriedigend, so dass die Lehrer auf dem Lande i.d.R. auf ein Zuverdienst als Küster, Organist oder Gemeindesekretär angewiesen waren. Wegen der oftmals geringen Qualifikation und der Armut der Lehrer war ihr öffentliches Ansehen gering.  
Noch 1814 konnte J. Görres, damaliger Direktor des Schulwesens am Mittelrhein, sagen:

"In der Regel ist der Schweinehirt eine weit geehrtere Person im Dorf als der Schullehrer, und er wird für glücklich gehalten, wenn er beyde Stellen miteinander verbinden kann"9)


1) Harten, Hans-Christian; Das niedere Schulwesen in Frankreich am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert; s.41; aus: Das niedere Schulwesen im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert; Hg. Albrecht, Peter und Hinrichs, Ernst; Niemeyer
2) ebenda, S.43
3) Wynands, Dieter P.J.; Die Herausbildung des Lehrerstandes im Rheinland während des 19. Jh.;S.32
4) unbekannter Autor (1800), zitiert nach Wynands, ebenda, s.34
5) Wynands, ebenda S.35
6) Entwurf zu einem Curriculum vitae eines Elementarlehrers, Selbstbiographie des Lehrers Johannes Huppertz in:Der Eremit am Hohen Venn, Jg.2 S.101 f.
7) Wynands, ebenda S.36
8) Richter,A.; Das Schulwesen im Kanton Monschau Am Ende der französischen Herrschaft;Teil 1 und 2 in: Der Eremit am Hohen Venn, Jg.3, 1927/28
9) Ohlert, Konrad, Das Volksschulwesen S.2, in: "Die Rheinprovinz, 1815-1915" 100 Jahre preußische Herrschaft am Rhein; 
http://booksnow1.scholarsportal.info/ebooks/oca5/37/dierheinprovinz02hansuoft/dierheinprovinz02hansuoft.pdf