Ein Elementarschullehrer im 18. Jahrhundert


Die Schulsituation im durch kleinere und größere Herrschaftsgebiete zersplitterten Raum der Eifel und angrenzender Gebiete zeigt im 18.Jh. Schulen mit gymnasialem Niveau, vor allem in Städten, und solche, die mitunter den Namen Schule kaum verdienten,  vor allem auf dem Land. Zwischen diesen Formen gab es gleitende Übergänge. Daneben gab es in nicht geringer Zahl Orte, in denen keine regelmäßige Schule abgehalten wurde.

Versetzen wir uns sich in Gedanken in ein ländlich geprägtes Eifeldorf zu Beginn dieses 18.Jh. In diesem für die Region typischen Dorf mit seiner seit Jahrhunderten fest gefügten bäuerlich-handwerklichen Sozialstruktur wäre man vielleicht Ackerer, Handwerker, Tagelöhner, Wollspinnerin, vielleicht ein durchreisender Kesselflicker oder ähnliches gewesen.
Die Lebensperspektiven wären von ihren Möglichkeiten im Dorf bestimmt und begrenzt. Alles was man als Kind zum Ausfüllen seiner Rolle hätten lernen müssen, wäre einem durch das Beispiel der Erwachsenen im täglichen Tun beigebracht worden.
Der Wunsch nach Schulbildung, nach einfachsten Kulturtechniken, wie Lesen, Schreiben, Rechnen war unter diesen sozial-ständischen Bedingungen gering entwickelt.
So war zum einen die gesellschaftliche Situation und die gesellschaftlichen Erwartungen ein relevanter Aspekt in der Schulentwicklung. Ein weiterer Aspekt resultierte aus der Entwicklung des niederen Schulwesens1), das sich seit der Reformation und Gegenreformation2) im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet hatte. Auf dem Lande lag es seit Beginn in den Händen der Kirche. Kirchliche und religiöse Ansprüche bestimmten daher die wesentlichen Anforderungen an den Lehrstoff.

 

Dies zeigt ein Bericht aus einem nicht näher benannten Eifeldorf aus der ersten Hälfte des 18.Jh. 


Der Schulmeister dieses Dorfes war gestorben.Die Dorfgemeinschaft hat sich in der Kirche versammelt, um aus 5 Interessenten den nächsten Lehrer auszuwählen. Unter den Prüflingen war Martin Ott, 30 Jahre alt, von Beruf Schuster, Jacob Maehl, 50 Jahre alt, von Beruf Weber, Philipp Hopp, 60 Jahre alt, von Beruf Schneider, Johann Schütt, 50 Jahre, von Beruf Kesselflicker und Friedrich Loth, 45 Jahre, ehemaliger Unteroffizier.
 
Das Urteil über die Prüfung des später gewählten Jacob Maehl lautete:

 "Jacob Maehl, Weber, hat die 50 Jahre hinter sich, hat gesungen: O Mensch beweine. Zeuch ein zu deinen Toren. Wer nur den lieben Gott läßt walten, - Melodie ging ab in viele anderen Lieder, Stimme sollte stärker sein, quieckte mehrmalen, so doch nit sein muß. Gelesen Jousua 18, 26-29 ohne Fehler. Dreierlei Handschriften gelesen, schwach und mit stocken. Drey Fragen aus dem verstand. Hierin gab er Genugthuungh. Aus dem Katechismo die 10 Gebote und die 41. Frage aufgesagt, ohne Fehler, dictando drey Reihen geschieben - 5 Fehler; des Rechnens ist er nit kundig.“

 Zum Ergebnis der Prüfung heißt es:

 "Es wurde nun einstimmig davon gehalten, daß Jacob Maehl wohl der capabelste. wogegen den anderen, namentlich dem Kesselflicker nit zu trauen seye, sintemalen er viel durch die Lande streiche, dagegen der Kriegsknecht wohl die Fuchtel gegent die armen Kindlein zu stark zu gebrauchen in Verdacht stehe...."3)

In der ersten Hälfte des 18.Jh. wirkte in Lammersdorf als geistlicher Rektor Franz Fedder (1708-1749), von dem der Chronist ca 100 Jahre später schrieb:

"Der Jugend widmete Fedder besondere Aufmerksamkeit; er erkannte die Wichtigkeit der Jugendbildung vor vielen seiner Amtsgenossen. .... Der Unterricht bestand im Lesen, Schreiben, Rechnen und Gesang; den größeren Kindern gab er in den Abendstunden Unterricht über Ackerwirthschaft."
 Er schreibt weiter:
"Es lag nicht im Geist der Zeit, und es fehlten besonders hier in der Zeit an Mittel , eine Schule mit einem besoldeten Schulmeister, Magister, einzurichten…“4)

Das Schulehalten war auf dem Lande, wenn es denn überhaupt stattfand, eine Nebentätigkeit der Pfarrer, Küster oder anderer Personen, die sich dadurch ein Zubrot sicherten. Lehrpläne gab es nicht. Die einzige Vorgabe, ohne jede methodische Reflexion, war Gesang, Lesen und Schreiben und keineswegs immer Rechnen.