1850er Jahre

1851: Das Wetter war in diesem Jahre wieder sehr ungünstig, sodass die Feldfrüchte im Allgemeinen wenig Ertrag lieferten. Außerdem herrschte wiederum die Kartoffelkrankheit. Zwangsläufig stellten sich erneut Teuerungen, Hunger und Futtermangel ein.

1852: Der Ort zählte um diese Zeit 744 Einwohner.

Erneut verursachte ein extremes Wetter eine Missernte. Lang anhaltende Niederschläge hatten zu einer das Wachstum der Früchte arg beeinträchtigenden Fäulnis geführt.

Die Röteln bereiteten sich aus.

Immer noch grassierte die Kartoffelkrankheit, die sich auf Ertrag und Qualität der Kartoffeln nach wie vor sehr nachteilig auswirkte.

1854: Das ungünstige Wetter (häufiger Schneefall und langanhaltende Kälte) beeinträchtigte in hohem Maße die Ernte. Es kam zu einer allgemeinen Teuerung der Lebensmittel, von der besonders die Tagelöhner sehr hart getroffen wurden und extremen Mangel erleiden mussten.

 1855: Der preußische Staat bildete den ersten Eifelfonds. Dessen finanzielle Mittel sollten insbesondere für Verbesserungen in der Forstwirtschaft eingesetzt werden. Zunächst ging es dabei darum, die entwaldeten Bergrücken und die kahlen, 400 bis 600 Meter über NN liegenden Hochflächen zum Schutze der Täler wieder mit einem Waldmantel zu versehen, um einerseits Klima und Boden günstiger zu beeinflussen und andererseits die Gemeindeeinnahmen zu mehren. Im gesamten Regierungsbezirk Aachen sind zu diesen Zwecken in den Jahren 1855 bis 1866 über 18 000 Morgen Fläche aus Staatsmitteln aufgeforstet worden. Resultierend aus ihrer Sorge um die Schafweiden, aber auch aus einer verbreiteten Abneigung gegen das Nadelgehölz ("Prussenholz" oder „Prusseboom“) setzten viele Bauern den Aufforstungen in der ersten Zeit heftigsten Widerstand entgegen. So steckte man beispielsweise die jungen Pflanzen vor dem Ausbringen in die heiße Backröhre, um ihre Keimfähigkeit zu vernichten, oder man riss ausgepflanzte Stecklinge wieder heraus und zerstörte Schonungen. Den Waldarbeitern und den Aufforstungsräumen musste gebietsweise sogar militärischer Schutz gegeben werden. Immer noch war nicht selten zu hören: „Freiheit, Gleichheit, Republik – wär mer doch de Preuße quitt !“. Erst später lernten die Menschen den Nadelwald als eine der wichtigsten Quellen der Hebung ihres Lebensstandards schätzen. Auch in diesem Jahre verursachte ungünstiges Wetter (häufiger Schneefall und langanhaltende Kälte) eine Missernte mit extrem niedrigen Erträgen bei fast allen Fruchtarten, und wiederum waren Mangel an Nahrung und Futter sowie Teuerungen die Folge. Das zweite Lammersdorfer Schulgebäude wurde in Betrieb genommen. – Die Gemeinde hatte für die Errichtung des neuen Schulhauses von dem Ackerer Mathias Hubert Jansen in der Nähe der Kirche ein Grundstück gekauft. Ein Chronist schreibt: "Ein schönes, stattliches Schulhaus steht jetzt an der Dorfstraße, aber auch ein ebenso kaltes und feuchtes. Viele tausend Thaler hat der Neubau gekostet und auch schon viele hundert Thaler an Reparatur." Die Ernte des Roggens fiel äußerst schlecht aus.

1857/58: Im Jahre 1957 standen in Lammersdorf 140 Häuser.

Das Wetter bescherte in beiden Jahren heiße und trockene Sommer. Dies hatte Wassermangel und Mangel an Weidemöglichkeiten, geringen Graswuchs, wenig Heu und kümmerliches Haferfutter zur Folge. Die Bauern sahen sich gezwungen, viel Hornvieh billig zu verkaufen oder abzuschlachten.

 1859: Häufiger Schnee mit starkem Frost in den Monaten März und April sowie nachfolgende Nachtfröste bis in den Mai hinein kennzeichneten das Wetter. Der Roggen lieferte demzufolge nicht die Hälfte eines gewöhnlichen Ertrages; auch die Haferernte fiel sehr gering aus.

Pfarrer Mathias Michael Bonn wurde nach 25-jähriger Tätigkeit in Lammersdorf mit Wirkung vom 2. November nach Düren versetzt. Josef Kreitz äußerte sich zu der Versetzung wie folgt: „Pfarrer Bonn... war kein Bürokrat, kein Mann der Schablone. Er erfüllte seine Akten mit Leben. So gibt er z.B. in den Sterbebüchern auch die Sterbeursachen an, er charakterisiert die Verstorbenen sowohl im guten als auch im schlechten Sinne, wenn es nötig war, in seitenlangen Zusätzen... Dadurch hat er sich wohl manchen Ärger, aber auch so manche Freude vom Herzen geschrieben. Sein Mut, die Schablone zu umgehen, hat ihm unheimliche Unannehmlichkeiten gebracht, sowohl bei den Lammersdorfern als auch bei der vorgesetzten Behörde, beim Generalvikariat in Köln... Das Verhältnis hatte sich schließlich so zugespitzt, dass er in der Gemeinde nicht mehr länger verweilen konnte. Die Angelegenheit endete mit der Versetzung Pfr. Bonns, zumal er sich von der vorgesetzten Behörde nicht hatte belehren lassen... Nach Aussagen der alten Leute soll Pfr. Bonn bei seinem Weggang... im Pohl von seinem Pfarrkindern mit Steinen beschmissen und sogar mit Gerten verprügelt worden sein. Dabei habe Pfr. Bonn den Fluch über L. ausgestoßen, dass nie mehr ein Sohn der Gemeinde den Weg zu einem geistlichen Beruf finden werde. – Dieser Fluch ist aber nicht in Erfüllung gegangen.

Für uns, die wir Heimatgeschichte betreiben, ist Pfr. Bonn ein hochinteressanter Mann gewesen. Seine Chronik können wir heute kaum ersetzen, da manche Quelle, die er benutzt hat, längst versiegt ist; dazu gehören schriftliche Quellen, die mündliche Überlieferung und seine eigenen Taten, Erlebnisse und Eindrücke.“

Infolge des vorherrschenden Nord-Ost-Windes fiel zeitweise im Frühjahr viel Schnee und fror es bis in den Mai hinein nachts stark. Während des Herbstes herrschte fast anhaltend kalte und nasse Witterung. Dieses Wetter führte dazu, dass der Hafer nicht reif wurde und nicht trocken eingescheunt werden konnte. Viele Bauern waren genötigt, ihn zum Trocknen wieder auszufahren. Eine beachtliche Menge vermoderte. An Saathafer für das folgende Jahr mangelte es erheblich. Dieses erbärmliche Resultat zeigte sich auch beim Roggen und bei den Kartoffeln. Schwere Einbrüche bei der Versorgung der Menschen und der Tiere waren unausweichlich.

 

1860er Jahre

1861: Da aus dem Jahre 1860 kein geeignetes Saatgut zur Verfügung stand, wurde mit Bewilligung der Gemeinderäte Saathafer angekauft und an bedürftige Bewohner gegen Bürgschaft verteilt. Letztere mussten ihn später geldmäßig incl. Zinsen wieder erstatten. Die Kartoffelkrankheit grassierte immer noch.

1862 – 1864: Das katholische Kirchengebäude wurde restauriert und um eine Eingangs- und Taufkapelle beiderseits des Turmes erweitert. – Die Kosten für die umfangreichen Arbeiten gingen sämtlich zu Lasten der Pfarrgemeinde. Sie wurden durch Spenden, zum Teil auch durch Verkäufe gedeckt. Über die Dimension des Aufwandes gibt die Tatsache Auskunft, dass für rund 830 Arbeitstage Löhne ausgezahlt worden sind, und zwar bei einem Tagessatz von 2 bis 15 Silbergroschen (1 Taler = 30 Silbergroschen, 1 Silbergroschen = 12 Pfennige). So erhielt z.B. der Schreiner Hubert Breuer aus Lammersdorf am 4. April 1863 für 5½ Tage den Lohn von 2 Talern, 7 Silbergroschen und 6 Pfennigen.

1864: Das Frühjahr brachte frostiges Wetter bis tief in den April hinein, jedoch mit wenig Schnee, weshalb das Gras in den Wiesen spät wuchs. Wegen des geringen Ertrages der Wiesen und des schlecht gediehenen Haferstrohs im Vorjahre stellte sich zeitig ein Mangel an Futter ein. Er hielt fast den ganzen Sommer an, da es meistens trocken blieb. – Der Winter begann sehr zeitig. Anfang Oktober hatte es bereits so hart gefroren , dass viele Kartoffeln im Felde unbrauchbar geworden waren.

Lammersdorf hatte 661 Einwohner.

1865: Die Verluste in der Ernte des Vorjahres hatten eine Minderung der Qualität des Saatgutes bei Hafer zur Folge, sodass bei dieser Frucht schlechte Erträge zu verzeichnen waren. Die anderen Früchte gediehen nur mittelmäßig.

1866: Wiederum gediehen die Kartoffeln auf den Feldern schlecht..

1867: Ungewöhnlich langes regnerisches und zeitweise kaltes Wetter führte dazu, dass das Korn des Roggens eine schlechte Blütezeit hatte. So gab es  beim Roggen zwar einen guten Strohertrag, aber einen schlechten Ertrag bei den Körnen, der nur etwa ein Drittel des normalen Ertrages ausmachte. Beim Hafer fiel die Ernte ähnlich aus, wobei der Körnerertrag allerdings bei etwa zwei Dritteln der üblichen Ausbeute lag. Die Kartoffeln gerieten auch in diesem Jahre quantitativ und qualitativ schlecht.

 Die Cholera brach aus und nahm einen schweren Verlauf, der auch Todesopfer forderte – ob auch in Lammersdorf, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Lammersdorf hatte um diese Zeit 601 Einwohner.

1869: Das Wetter brachte über weite Strecken eine große Hitze, in deren Folge die Früchte verdorrten und nur geringe Erträge eingefahren werden konnten.

1870: Am 19. Juli erklärte Frankreich dem Norddeutschen Bund den Krieg. Damit begann der Deutsch-Französische Krieg. Die Mobilmachung und die damit verbundenen Truppenbewegungen sowie die unmittelbaren Vorbereitungen der militärischen Operationen, die Einquartierungen und Fouragierungen brachten für die Bevölkerung hohe Belastungen und viel Unruhe mit sich, ganz zu schweigen von den Ungewissheiten und Ängsten, die viele Menschen angesichts des begonnenen Krieges, in den ihre Ehemänner, Söhne und Brüder nun ziehen mussten, zutiefst bewegten. Andererseits war die Stimmungslage aber auch mit glühendem Patriotismus, zuweilen auch nationalistisch anklingenden Gefühlsäußerungen durchsetzt.

 Das durchweg ungünstige Wetter des Jahres 1870 führte zu einer Missernte in allen Fruchtarten. Auch die Wiesen lieferten wenig Heu. Zum wiederholten Male mussten sich die Menschen mit den fatalen Folgen dieses Zustandes herumquälen.

Neben der regnerischen Erntezeit wirkte sich zusätzlich der Mangel an Pferden zur Einbringung der Ernte aus, die gerade im Grenzgebiet von den Bauern zahlreich für das aufmarschierende Militär bereitgestellt werden mussten.

Die schlechte Ernte führte wieder zu erhöhten Lebensmittelpreisen, zumal bei den teilweise andauernden ungünstigen Verkehrsverhältnissen Getreide, Kartoffeln und Schlachtvieh nicht in den notwendigen Mengen herangeführt werden konnten. Die gestiegenen Lebenshaltungskosten zogen wiederum Forderungen nach höheren Löhnen und Gehältern nach sich.

Lammersdorf hatte 712 Einwohner.