1840er Jahre

1842: Während der gut vier Monate vom 18. April bis zum 25. August herrschte ein besonders trockenes Wetter vor. Es gab nur unbedeutende Gewitter. Die älteren Leute konnten sich an eine solche Hitze nicht erinnern. Im August zeigte das Thermometer 29 – 31 Grad im Schatten. 

1843: Im März brachen die Pocken aus. Sie befielen meist Mädchen im Alter von 18 bis 20 Jahren, aber auch Frauen im Alter von 26 bis 28 Jahren. Männer ereilte die Krankheit nicht. Ein Kind starb an der Krankheit.

Ein lang anhaltendes nasses Wetter führte dazu, dass die Früchte auf den Feldern zu zwei Dritteln verdarben. Das tragische Ergebnis dieser Missernte waren furchtbare Hungersnöte.

1844: Roggen und Kartoffeln gerieten sehr schlecht, weil das Wetter einen durchgängig nassen Sommer beschert hatte.

Man umfriedete den Cholera-Kirchhof mit einer neuen Mauer und stellte ein neues Kreuz auf.

1845: Während Lammersdorf im Jahre 1700 noch 360 Einwohner hatte, waren es im Jahre 1845 bereits 800 – sehr deutlich mehr als das Doppelte. Dementsprechend wuchs auch die Anzahl der Häuser von 60 im Jahre 1700 auf 132 im Jahre 1845.

Als Erwerbsquellen nutzten die Menschen nach wie vor insbesondere Ackerbau und Viehzucht. Angebaut wurden reichlich Hafer und Kartoffeln, aber auch Roggen, Gerste, Erbsen und Kleefutter. Neben der landwirtschaftlichen Arbeit, die sich zumeist in bäuerlichen Klein- und Kleinstbetrieben vollzog, dienten verschiedene Tagelohnarbeiten, das Fuhrwesen und das Handwerk, unter anderem das Wollspinnen und das Besenbinden, der Existenzsicherung der Familien.

1845: Das Wetter war von einem sehr langen Winter mit strenger Kälte gekennzeichnet. Demzufolge konnte nur eine Ernte eingebracht werden, die kaum die Aussaat zurückgab. Der Hafer, wovon der Ackersmann in gewöhnlichen Jahren zu verkaufen hatte, um aus dem Erlös die Steuern und häuslichen Bedürfnisse zu bestreiten, musste für den dringendsten Lebensunterhalt verbraucht werden. Eine ausgebrochene, hier nie gekannte Kartoffelkrankheit machte die Knollen für die Menschen (nicht für das Vieh) ungenießbar. Ihre Ausfuhr wurde verboten. Infolge der Missernte stiegen die Preise anderer Lebensmittel sehr an. Erneut griffen große Armut und Hungersnöte um sich. Die seit langem zum Bau veranlagte Strecke Weges unterhalb Lammersdorfs bis ins Dorf hinein wurde endlich chausseemäßig ausgebaut.
1846: Das erste Spritzenhaus zur Unterbringung der Löschspritze der Lammersdorfer Feuerwehr wurde an der Ecke Sonntags-, Krämer-, Kirchstraße erbaut.

Erneut plagten die Folgen einer Missernte die Menschen. Das Korn, der Hafer und die Kartoffeln gediehen schlecht. Letztere wurden wie im vergangenen Jahr von der Kartoffelkrankheit befallen, wodurch ein großer Teil im Felde verfaulte. Für einige fiel die Ernte so schlecht aus, dass sie zwei Monate später schon keine Kartoffeln mehr hatten. Bedingt durch den Ausfall eines großen Teiles der Nahrungsmittel, trat eine Teuerung ein, und es entstand große Not unter der „mittleren und geringen“ Volksklasse. Beispielsweise kostete das achtpfündige Roggenbrot auf dem Höhepunkt der Teuerung 8 Silbergroschen. Auch in diesem Jahre reichte die Haferernte nur für den unmittelbaren Lebensunterhalt der bäuerlichen Familien.

Wiederum fand ein Erdbeben statt.

1847: Wegen der überhand genommenen Felddiebstähle wies der Landrat am 13. August die Bürgermeister an, in den Gemarkungen ihrer Gemeinden außerordentliche Feldpatrouillen durchzuführen. Entdeckte Felddiebe sollten dem Bürgermeister oder dessen Vertreter zur Aufnahme eines Protokolls und zur Bestrafung vorgeführt werden. Das verstärkte Auftreten solcher Delikte war gewiss zu einem Teil dem eklatanten Mangel an Nahrungsmitteln infolge der seit Anfang der 1840er Jahre besonders oft aufgetretenen Missernten geschuldet.

Die Folgen der Missernte des Vorjahres waren auch im Jahr 1847 zu spüren. Das achtpfündige Roggenbrot kostete jetzt sogar 10 bis 13 Silbergroschen. Im August trat die Kartoffelkrankheit wieder auf, jedoch in abgeschwächter Form, sodass es eine ergiebigere Ernte gab als 1845/46. Aber endgültig gebannt war die Hungersnot noch nicht. Die Heuernte lieferte infolge des trockenen Wetters nur die Hälfte eines normalen Ertrages.

Das Jahr 1848, das die politischen Verhältnisse fast in ganz Europa verschob, schlug sich auch im Leben vieler Eifeldörfer nieder. In der Eifel verkamen allerdings die ernsten politischen Vorgänge oft zu verflachten Nachahmungen, die eines karikaturhaften Einschlages nicht immer entbehrten. Dennoch machte sich immer spürbarer eine tiefe Sehnsucht nach mehr bürgerlicher Freiheit breit, verlangte das Volk die Beseitigung der Rechte der Großherzöge, Herzöge und Fürsten, wollte es einen Staat mit moderner Verfassung.

Die Aufhebung der Pressezensur in Preußen am 17. März war für die Monschauer Zeitungsmacher das Signal zur Schaffung einer demokratischen Zeitung. Bereits am 30. März erschien die erste Ausgabe des Monschauer "Stadt- und Landboten“. - Er vertrat die politische Linie, die Menschen müssten mittels einer auf fester Grundlage stehenden konstitutionellen Monarchie vor dem Missbrauch der gewonnenen Freiheiten durch ultrarevolutionäre, kommunistische Zielsetzungen geschützt werden. Unterschiede der Stände seien für das Bestehen der menschlichen Gesellschaft unabdingbar. Zu fordern sei eine Verfassung, die dem Volke durch eine parlamentarische Vertretung ein Mitspracherecht gewähre.

Der „Stadt- und Landbote“ nutzte die neue Freiheit und äußerte sich zunehmend intensiver zu politischen Ereignissen. Bis zum Jahresende 1848 stieg der Anteil der politischen Artikel auf über 50 Prozent. So versteckte sich das Blatt auch nicht mit seiner Meinung zu den fatalen Vorfällen in Berlin, wo die Soldaten auf Befehl des Königs in die aufgebrachte Menge schießen mussten. Auch der „Stadt- und Landbote“ sei den in Berlin Verblichenen, betonte die Redaktion, zu doppeltem Dank verpflichtet, schließlich habe ihr Tod ihm das Leben gegeben.

Die Menschen im Monschauer Land stellten 1848 besonders folgende Forderungen:

  • Pressefreiheit und Mitspracherecht,
  • die Aufhebung des Schulzwanges,
  • die Beendigung der Aufforstungen mit der Rotfichte (dem „Prüßeboom"),
  • die Genehmigung der Urbarmachung bestimmter Waldflächen zur landwirtschaftlichen Nutzung sowie
  • Maßnahmen gegen die sich infolge des Niedergangs der Tuchindustrie rapide ausbreitende Arbeitslosigkeit.

Immer noch war um diese Zeit hier und da der von der französischen Revolutionslosung abgeleitete Ausspruch zu hören: „Freiheit, Gleichheit, Republik – wär mer doch de Preuße quitt !“.

Im Allgemeinen konnte die Eifelbevölkerung mit den Ideen der Revolution nicht viel anfangen, zumal die meisten Pfarrer diese als unchristlich verurteilten. Schnell fand man sich mit den Gegebenheiten ab. Zunehmend verfestigte sich das bereits aufgekeimte deutsche Nationalbewusstsein.

Pfarrer Mathias Michael Bonn veröffentlichte sein Gedenkbüchlein für Lammersdorf, das in origineller und sehr informativer Form die Geschichte der katholischen Pfarre und der Gemeinde Lammersdorf beschreibt.

Wiederum war eine Missernte zu beklagen. Erneut trat die Kartoffelkrankheit auf, und die Früchte gerieten schlecht.

1849: Aus dem folgenden Auszug aus der „Personalchronik des Kreises Monschau“ ist ersichtlich, welche Ämter von Lammersdorfer Bürgern in der Zeit von 1817 bis 1849 ausgeübt wurden.

personal

In diesem Jahre begann die reaktionäre Wende, eine Periode der Liquidierung aller Errungenschaften der 48er Märzrevolution. Allenthalben war das Wiederanziehen der Daumenschrauben gegenüber der Presse zu beobachten, sodass auch der erst im März 1848 erschienene, sich anfangs politisch sehr engagierende "Stadt- und Landbote" sich schon bald in ein weitgehend unpolitisches Blättchen verwandelte.

 

Eine furchtbare Krankheit zog ihre grausame Spur: Die Pocken grassierten im Lande wie nie zuvor.

Die Bevölkerungsstatistik sagt aus, dass Lammersdorf in diesem Jahre 737 Einwohner hatte. Die Anzahl der Häuser betrug 135.

Endlich schien die Kartoffelkrankheit abzuklingen, denn trotz ihres erneuten Auftretens gerieten die Früchte in zunehmendem Maße recht gut.

1840er Jahre: In diesem Jahrzehnt begannen die Abwanderungen von Menschen aus der Eifel – sowohl die Binnenwanderungen, also in andere Gebiete Deutschlands, als auch die Auswanderungen in andere Länder. Die Ursachen waren vor allem fehlende Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten und dadurch bedingte schlechte Lebensverhältnisse

In diese Zeit fiel die Errichtung eines neuen, dauerhaften und schönen Pfarrhauses als Ersatz für das alte, sich durch einen miserablen Zustand kennzeichnende Gebäude. Von Pfarrer Mathias Michael Bonn sind uns die zahlreichen Unannehmlichkeiten überliefert, welche die seit 1819 andauernden Anstrengungen um Abhilfe mit sich brachten. Erst infolge des Einschreitens der höheren Behörden konnte jetzt mit dem Neubau begonnen werden.

Die vielen Unliebsamkeiten und Verzögerungen bei der Erweiterung der Kirche, die zahlreichen Mängel beim Bau des Schulgebäudes und des Pfarrhauses veranlassten Pfarrer Bonn zu der folgenden Beschwörung: „Möge niemals mehr der böse Geist in dieser Gemeinde herrschen. Mögen Alle, was gut ist, mit freudigem Herzen helfen befördern! Das gebe Gott!“

Auch 1850 (und in den Jahren danach) zeigten die Benachteiligungen durch das Klima und den kargen Boden des Monschauer Landes, aber auch die wieder verstärkt aufgetretene Kartoffelkrankheit ihre fatalen Wirkungen: Missernten führten zur Steigerung der Brot- und Kartoffelpreise, nicht selten bis in wucherische Dimensionen, und hatten in leidvollem Maße Hungersnöte und Armut vieler Menschen zur Folge.

Hinzu kam noch die Mobilmachung der Armee im Rahmen eines drohenden Krieges mit Dänemark. Nicht genug damit, dass viele Männer einberufen wurden, mussten die Gemeinden auch noch bestimmte Mengen des ohnehin knappen Getreides und Heues für die Magazine in Koblenz, Köln, Wetzlar, Deutz, Andernach und St. Goar liefern. Später konnten diese Verpflichtungen auch mit Geld abgegolten werden, was allerdings immer noch hart genug war.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts flossen allmählich effizientere Produktionsmethoden in die Landwirtschaft ein: Rationalisierung und Mechanisierung erhöhten die Produktivität der bäuerlichen Arbeit. Erste Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung der Bauern unterstützten diesen Prozess.

Die meisten Straßen erhielten erstmals eine Packlage. Etwa um diese Zeit wurde die durch Lammersdorf führende Fernstraße von Düren nach Monschau und weiter nach Luxemburg (die heutige B 399) fertiggestellt.