Lammersdorf bis zur Gebiets- und Verwaltungsreform
(1945 - 1971)

1940er Jahre

Für die während der Frontzeit im Heimatort Verbliebenen hatte das armselige Kampieren in Erdlöchern, Bunkern oder Stollen im nahegelegenen Wald, in den sie zuletzt geflüchtet waren, ein Ende. Sie durften wieder in ihre Häuser und Wirtschaften zurück. Ihr Erschrecken über das Ausmaß der Schäden an ihrem Hab und Gut, am Gotteshaus, am Schulgebäude an Straßen und Wegen, über den allenthalben herrschenden Mangel war groß.

Dennoch gingen sie mit neuer Motivation zielstrebig ans Werk, um wieder ihre Häuser ganz bewohnbar und ihre Höfe bewirtschaftungsfähig zu machen, aber auch die wichtigsten Lebensfunktionen der Gemeinde schnell in Gang zu setzen.

Dazu gehörten neben vielem anderen

  • das Ausbessern der Straßen, welche das durchfahrende Militär in schier grundlose Morastbahnen verwandelt hatte,
  • verschiedene Bemühungen, die ohnehin kärglich gewachsenen Kartoffeln von den Äckern und aus den Gärten zu bergen sowie
  • die Wiederherstellung der Wasserleitung in der Hauptstraße.

18.03.45: Wieder Messe in der katholischen Pfarrkapelle, nachdem seit 13 Wochen kein Gottesdienst mehr möglich gewesen war, weil die Soldaten den als Notkirche dienenden Keller für sich beanspruchten

31.03.45: Feierliches Glockenläuten. - Josef Heyen hatte die Turmuhr wieder in Gang gebracht.

01.04.45: Wieder Gottesdienst in der katholischen Kirche - allerdings bei zerstörten Fenstern, zerschossenem Dach und ohne Hauptaltar.

02.04.45: Hochamt in der katholischen Kirche, anschließend Einsegnung der Gräber der auf den Schlachtfeldern Gefallenen und der im Heimatort oder in der Fremde ums Leben gekommenen zivilen Bürgerinnen und Bürger

14.04.45: Die Firma Junker arbeitete wieder, wobei es sich hauptsächlich um bauliche Instandsetzungen und um Reparatur-Dienstleistungen für die Bevölkerung handelte.

19.05:45: Wieder katholischer Gottesdienst am Hauptaltar in der Kirche. - Letzterer war auf Initiative von Johann Radermacher von bei Junker untergebrachten deutschen Soldaten ausgebessert worden.

Mai 45: Beginn des Abzugs der amerikanischen Besatzungstruppen sowie der Einquartierung von Belgiern, die der nun in unserem Raum maßgebenden englischen Besatzungsmacht unterstanden. - Sie wurden als Minensucher und zum Holzeinschlag eingesetzt, hatten den Abtransport des Holzes zu gewährleisten und dazu Brücken und Wege instand zu setzen.

23.05.45: Der kommandierende General der 15. US-Armee erteilte die Erlaubnis zur Wiederaufnahme der Arbeit im Junker-Werk. Otto Junker durfte in sein Unternehmen zurückkehren und die Geschäftsführerfunktion wieder aufnehmen.

29.05.45: Otto Junker informierte sich vor Ort über den Zustand seines Stammbetriebes. Danach entwickelte er ein Konzept zur Wiederaufnahme der Produktion.

So zügig wie Otto Junker daranging, das Programm mit seinen Mitarbeitern umzusetzen, so jäh wurde dies am 16. Oktober durchkreuzt, als die Monschauer Militärregierung im Rahmen einer Entnazifizierungsmaßnahme den Firmengründer m.W.v. 1. November seines Amtes als Geschäftsführer enthob.

Diese Entscheidung der Militärregierng stieß auf den massiven Protest der Belegschaft. Auch führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sezten sich für Junker ein.

Dennoch sollte es nach einigen Turbulenhzen insgeamt fast sieben Monate dauern, ehe Otto Junker m.W.v. 24. Mai 1946 wieder in seinen Betrieb konnte und die Funktion des technischen Leiters übernehmen durfte. Beherzt und vor allem kontinuierlich ging er an die Arbeit und schon bald begann sich das Rad der Normalität im Betrieb wieder zu drehen.

Juni 45: Beginn der Rückkehr aus der Evakuierung.

Sept.45: Exhumierung gefallener Soldaten durch Angehörige der Feuerwehr auf Anordnung der alliierten Besatzungsmacht.

1945: Übernahme der Vennbahn in belgische Verwaltung

01.09.45 Wiederaufnahme des Unterrichts für das 1. - 4. Schuljahr im Cafè Prümmer mit behelfsmäßigem Inventar

Okt.45: Einquartierung von 170 deutschen Soldaten bei Junker, die als Minensucher eingesetzt wurden

1945: Ausbesserungsarbeiten am Schulgebäude

Dez 45: Lammersdorf war um diese Zeit verwaltungsmäßig dem Amt Simmerath zugeordnet, zu dem noch die Orte Simmerath (Amtssitz) und Vossenack gehörten.

03.01.46: Wiederbeginn des Schulunterrichts für das 5. - 8. Schuljahr in einem engen Behelfsraum

20.06.46: Erstes Fronleichnamsfest nach dem Krieg

Reparatur des Kirchturms
1946: Umfangreiche, mehrwöchige Reparatur- und Renovierungsarbeiten am Kirchturm und im Inneren des Gotteshauses von einem Team, zu dem gehörten: Sepp Bongard, Theodor Breidenbach, Jean Dreuw, Ludwig Förster, Josef Heyen, Wilhelm Wilden, Heinrich Neuß, Johann Radermacher, Adolf Sieberts und andere.

Pfarrer Schall erzählte in diesem Kreis, wie es ihm während der Frontzeit zweimal gelungen war, den Kirchturm vor der militärscherseits beabsichtigten Sprengung zu bewahren.

Nov.46: Einführung der Schulspeisung

Dez.46: Eintreffen der ersten Heimatvertriebenen aus dem Osten

31.12.46: Lammersdorf hatte 66 Einwohner evangelischen Glaubens

31.12.46: Mit 1029 Einwohnern überschritt Lammersdorf erstmals in der Statistik die 1000er-Marke

20.01.47: Wiedereinzug der Schüler in die Klassenräume der Schule

1947: Errichtung einer katholischen Grundschule, welche von der evangelischen Minderheit bei getrenntem Religionsunterrcht mitbesucht wurde

13.04.47: Erste Kinderkommunion nach dem Krieg

24.04.47: Brandkatastrophe in der Strohdachsiedlung in der Sonntagsstraße

Mai 47: Dr. Hugo Fraikin kam nach Lammersdorf und eröffnete hier eine Arztpraxis.

August 47: Offizielle Entlassung der 170 deutschen Minensucher, die bei Junker einquartiert waren

03.10.47: Errichtung des Eifelkreuzes als Friedenskreuz auf der Paustenbacher Höhe

Das Jahr 1947 war das Jahr des grausig schmeckenden Maisbrotes und des minderwertigen Büchsenfleisches. Der Mangel an Nahrungsmitteln hatte seinen Höhepunkt erreicht.

Rationierung der Lebensmittel

Rationierung der Lebensmittel

 

 

 


20.06.48: Währungsreform, am 21.06. Einrichung einer Bargeld-Umtauschstelle in der Sparkasse (für 60 RM pro Person 40 DM). Die Zeit des Kompensierens und Tauschens war vorbei, jetzt begann das Aufblühen der Wirtschaft, allererste Zeichen des Wirtschaftswunders wurden sichtbar: Über Nacht füllten sich die Läden und Schaufenster, die Bautätigkeit boomte.

20.06.48: Erste Kirmes nach dem Krieg

06.07.48: Erste Firmung nach dem Krieg

25.10.48: Gründung der evangelischen Frauenhilfe, Vorsitzende: Lina Kreitz

16.11.48: Lehrer Abel von der Gracht begann seinen Dienst an der Volksschule.

15.02.49 Großbrand bei der Firma Junker

1949: Wiederbeginn des karnevalistischen Lebens

09.10.49: Erster Erntedank-Festzug nach dem Krieg