II. Weltkrieg

1938: Forcierung der Bauarbeiten am Westwall: Zusätzlich zum Reichsarbeitsdienst wurde eine Kompanie Infanteristen aus Münster eingesetzt, was weitere Einquartierungen nach sich zog. Vom 12. - 23. September belegten sie beide Klassenräume der Schule; die Folge war Unterrichtsausfall.

Schließlich wurden alle Säle des Dorfes für die Arbeitskräfte am Westwall beschlagnahmt.

1939: Das Eifeler Grenzland wurde Aufmarschgebiet für den II. Weltkrieg. Im Ort brach eine emsige Betriebsamket an, die Schlimmes ahnen ließ. Wie schon manchmal in der Geschichte mussten die Bewohner militärische Belastungen ertragen, die mit dem Aufmarsch von Ameen einhergingen

Vom 29.08. - 19.10.39 erfolgten wiederum Einquartierungen von Soldaten im Schulgebäude, was erneut zum Ausfall von Unterricht führte. Ab 20.10. stand ein Schulraum wieder zur Verfügung, in dem die Klassen nun abwechselnd unterrichtet wurden.

1940: Mit der sehr aufwändigen Errichtung der Befestigungsanlagen brach in das stille, abgeschiedene Eifeldorf erhebliche Unruhe ein. Darüber hinaus bürdete der Bau der Gemeinde beträchtliche materielle und organisatorische Belastungen auf.

10.05.40: In der Nacht zum 10. Mai liefen die letzten Vorbereitungen des völkerrechtswidrigen Angriffs gegen die westlichen Nachbarn. Unter eklatanter Verletzung der Souveränität der Beneluxstaaten überschritten deutsche Truppen im Morgengrauen deren Grenzen, um nach widerstandsschwachem, schnellem Durchmarsch Frankreich anzugreifen.

Deutsche Soldaten "eroberten" den Vennbahnhof zurück.

Aug./Sept. 40: Mehrwöchige Schließung der Schule wegen der erhöhten Fliegerangriffsgefahr. Danach war es nicht mehr statthaft, beide Klassen gleichzeitig zu unterrichten, da der Luftschutzraum nicht alle Kinder aufnehmen konnte. Schichtuntericht war angesagt

Ab Mitte 41: "Abrüstung" des Westwalls durch den Reichsarbeitsdienst. Die technische Ausstattung der Befestigungsanlagen wurden am "Atlantikwall" benötigt

Seit 1942 kreuzten immmer wieder riesige Flugverbände über unserer Heimat auf. Da sie in großer Höhe ihren Kurs ins Innere Deuschlands verfolgten, konnten sie die zahlreichen Flakgeschütze nicht mehr aufhalten. Deutsce Flugzeuge sah man immer seltener am Himmel.

Am 20.10.43 gab es unterhalb des Dorfes einen Bombenabwurf.

 

Frontzeit

Im Spätsommer war in den Grenzdörfern am Hohen Venn erstmals das ferne Grollen der Front zu hören. Die Menschen begannen zu erkennen, dass der Krieg sich direkt auf sie zu bewegte. Unsicherheit und Verzweiflung herrschten, wohin man schaute. In der Nordeifel stand eine Periode der unmittelbaren Konfrontation mit dem Kriegsgeschehen kurz bevor.

Für den Lammersdorfer Abschnitt des Westwalls wurden Schanzkommandos aufgeboten, die sich aus Einheiten der Hitler-Jugend und aus dienstverpflichteten älteren männlichen Jahrgängen, teilweise aus dem Siegtal, zusammensetzten..

Die Befestigungsanlagen des Westwalls befanden sich in einem desolaten Zustand: Die Bunker standen häufig unter Wasser und wurden zum Teil als Lagerräume für Gerät oder Erntegut genutzt; ihre Innenausstattung, insbesondere die Belüftungen und die Wasseranschlüsse, hatte man entwendet. Ncht selten.waren auch Plünderer am Werk.

Bereits Mitte 1941 waren die Panzerungen, Bewaffnungen, Drahthindernisse und Nachrichteneinrichtungen zum „Atlantikwall“ geschafft worden.

Die Schussfelder hatte das Unkraut überwuchert. Es fehlte ein verbundenes Grabensystem mit Bodenbefestigung, mittels dessen die Bunkerbesatzungen ihre Kampfmaßnahmen koordinieren konnten.

In diesen Tagen wurde, weil deutsche Soldaten das Schulgebäude belegten, der Unterricht abgebrochen.

Am 11.09. wurde der Zug- und Postverkehr eingestellt.

„Die Amis kommen“ war das Schlagwort in diesen Wochen. Mit gemischten Gefühlen erwarteten die Menschen die Amerikaner. Einerseits war man, als sie kommen sollten, froh, weil das Kriegsgeschehen nun hoffentlich bald zu Ende gehen könnte. Andererseits aber sah man dem Einzug der amerikanischen Truppen auch mit Angst entgegen, wusste doch niemand, wie sie sich verhalten würden, zumal die Nazis die amerikanischen Soldaten als Mörder und Frauenschänder hingestellt hatten.

Schon bald erging der Befehl zur Evakuierung der Zivilbevölkerung aus dem Westwallbereich und somit auch aus Lammersdorf.

Am 12.09. folgten, sich den harten Zwängen beugend, etwa zwei Drittel der damals rund 1000 Einwohner Lammersdorfs dem Räumungsbefehl. Zunächst zogen viele in Richtung Simonskall, um nach drei bis vier Wochen in die verschiedensten Richtungen weiterzuziehen. Fast überall waren sie Fliegerangriffen und Bombardements ausgesetzt. Nur wenige kamen in Gegenden unter, wo sie vom Krieg relativ unberührt leben konnten.

Draußen auf den Feldern stand in diesen warmen Septembertagen erntereif das Korn. Kartoffeln und Rüben waren gut geraten, die rotbunten Kühe grasten auf den Weiden wie jedes Jahr und befanden sich in ordentlichem Stand. Gepflegt und ertragreich zeigten sich die Familiengärten, und an den wenigen Obstbäumen reiften die Früchte. Angesichts dessen ist es allzu verständlich, wenn das Verlassen der Heimat für die Menschen etwas derart Ungeheuerliches war, dass sie es möglichst lange vor sich her zu schieben suchten. Heute kann wohl kaum noch jemand tief genug nachempfinden, was es damals für die Menschen geheißen hat, das Land und ihrer Hände Werk in eine ungewisse Zukunft zu verlassen.

Zurück blieb ein von vielen Bewohnern verlassenes Dorf, zahlreiche leere Häuser und Höfe – dem Schicksal preisgegeben, d.h. auch Plünderungen und Diebstählen von Einheimischen und Soldaten.

Etwa 300 Bewohner, unter ihnen Pfarrer Peter Schall, harrten im Ort aus. Hautnah erlebten sie nicht nur das fortwährende Rückfluten von Einheiten des besiegten deutschen Heeres, sondern auch die ersten Zerstörungen an Häusern, Gotteshaus und Schule durch Bombardements und Beschuss, sehr häufig auch aus deutschen Waffen, mit tödlichen Folgen und Verwundungen.

Am 14.09. trafen die ersten amerikanischen Soldaten in Lammersdorf ein. Gegen 14.00 Uhr nahmen sie den Ort ein. Das Leben gestaltete sich von hier an zunehmend bedrohlich und war vom direkten Kriegsgeschehen gekennzeichnet. Auch für Lammersdorf hatte die Fronteit begonnen.

Von September 1944 bis Februar 1945 versteiften sich aus verschiedenen Gründen hier die Frontan zu einem zermürbenden, die Frontverläufe auf engem Raum häufig verschiebenden Stellungskrieg. So bekam die Region alle leidvollen Auswirkungen eines Kriegsschauplatzes mit ganzer Wucht zu spüren.

Lammersdorf spielte während der Folgezeit in der strategisch-taktischen Planung der Amerikaner eine zentrale Rolle. Mehrfach war es Ausgangspunkt der Operationen des 39. US-Regiments, welches verzweifelt versuchte, durch den Wald zur Kalltalsperre vorzudringen, um den Staudamm zu erobern. Vom 9.1. bis zum 28.2.1945 befand sich hier der Gefechtsstand der 78. US-Infanterie-Division. Mehrfach geriet deshalb unser Ort unter Störfeuerattacken der deutschen Artillerie. In dieser Situation wurde auch der Bahnhof größtenteils zerstört.

Am 19.09. griff die 9.US-Infanteriedivision in breiter Front nach Osten und Südosten an. Ein Vorstoß erfolgte aus Lammersdorf in Richtung Paustenbach mit dem Ziel, die stark befestigte, das Gelände weithin sichtbar überragende Paustenbacher Höhe, die Höhe 554 (heute mit dem Friedenskreuz), zu nehmen und den Westwall zu durchbrechen. Der Angriff gestaltete sich für die Amerikaner wider Erwarten außerordentlich schwierig, denn das hier eingesetzte deutsche Infanteriebataillon leistete auf dem deckungslosen, karstigen Hang und in den Westwallbunkern 233 – 247 erbitterte Gegenwehr. Fünf-/sechsmal hintereinander mussten die Amerikaner die Höhe angreifen, ehe sie nach zehn Tagen in ihre Hände fiel. Hohe Verluste an Menschen und Material auf beiden Seiten waren die bittere Folge.

Im September setzten die Amerikaner den Lammersdorfer Josef Mertens, Besitzer des Bahnhofshotels Mertens (Mertens Männ), als Ortsvorsteher ein. Er besaß kaum Handlungsfreiheit, sondern hatte in erster Linie die Anordnungen der Besatzer an die Bevölkerung weiterzugeben und für deren Einhaltung zu sorgen. Ihm folgte Paul Läufer (Scheele Paul), der in der Bergstraße (Nölestrohs) Nr. 15 wohnte. Er nahm die Geschäfte bis 1947 wahr.

Ende Sept./Anf. Okt. 1944 stießen amerikanische Verbände vom Jägerhaus aus nach Süden in Richtung Kalltal vor und nahmen die leergelaufene Kalltalsperre ein.

 Weil die Schäden in der katholischen Pfarrkirche wesentlich gravierender waren, stellte die Evangelische Kirchengemeinde aus christlicher Solidarität und ökumenischem Streben ihre weniger betroffene Kapelle den Katholiken zeitweise zur Verfügung

12.02.:Letzter Schuss auf Lammersdorf

März: Mit der Eroberung der Talsperren durch die Amerikaner gingen die Kämpfe in unserem Raum zu Ende. Endgültig hatte sich der grauenvolle Moloch des Krieges über das Monschauer Land in Richtung Osten hinweggewälzt. Die Fontzeit war beendet.

Traurige Bilanz der Frontzeit: Unser westlich des Westwalls gelegenes Dorf war ein halbes Jahr lang in leidvoller Weise dem direkten Frontgeschehen ausgesetzt. Das verlangte, die außerordentlichen materiellen und psychischen Belastungen durchzustehen und zahlreiche tragische Opfer hinzunehnen: 25 Lammesdorfer wurden schwer oder leicht verwuncdet. Von 179 Häusern fielen neun der völligen Vernichtung anheim. 20 trugen schwere, 88 leichte Schäden davon. Der Zerstörungsgrad des Ortes lag bei 23 Prozent. Man zählte etwa 6.000 Einschläge - sehr viele aus deutschen Geschützen -, unter ihnen jene, die 10 Menschen das Leben kosteten.