1910er Jahre

Sommer 1911: Vorherrschen einer außergewöhnlichen Hitze.Sie zog eine laganhaltende Dürre und einen verbreiteten Wassermangel nach sich. Einen unberechenbaren Schaden verursachten Waldbrände in Westdeuschland, Belgien und Holland in einer nie dagewesenen flächenmäßigen Ausdehnung.

06.09.1911: In der Umgebung trat ein heftiges Erdbeben auf.


1911: Fertigstellung der Wasserleitung in Lammersdorf. – Sie wurde aus Quellenschürfungen "Auf der Hardt" gespeist. Von dort führte eine Leitung zu dem 90 Kubikmeter fassenden Hochbehälter "Auf dem Wollerscheidt". Mit dem zufließenden Reservoir konnte, abgesehen von extremen Trockenzeiten, das gesamte Ortsnetz im Allgemeinen ausreichend mit Wasser versorgt werden.

1911: Johann Hubert Linzenich übernahm für kurze Zeit das Amt des Ortsvorstehers. Im Dorf nannte man ihn „Janneshuppert“ oder „Chrestendrügde“. Sein Vater hieß Christian. Die Mutter war Anna Gertrud Genter. Den Urgroßvater hatten bereits die Franzosen als Munizipalagenten bzw. Maire (Bürgermeister) eingesetzt, und zwar von 1799 – 1801. Unter den Preußen war er von 1827 – 1841 Bürgermeister. – Johann Hubert Linzenich amtierte als Ortsvorsteher nur bis 1913, da er erkrankte und in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen werden musste.

1911-1931: Fortsetzung der Rodungen im Lammersdorfer Umfeld. – Mit Unterbrechungen dauerten sie bis 1931 an und verwandelten insgesamt rund 380 Morgen ehemaliges Vennland in weidewirtschaftlich nutzbare Fläche. Nachfolgende Übersicht enthält darüber nähere Informationen.

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1912: Gründung des Musikvereins „Harmonie. – Er hat bis weit in die 1950er Jahre hinein für die Schützenbruderschaft gespielt. Seit den 1970er/80er Jahren etwa gibt es ihn nicht mehr, obgleich er sich offiziell nicht aufgelöst hat.

Juli 1912: Durchweg trocken und heiß, sodass die Heuernte gut ausfiel

Juli 1913: Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Lammersdorf. – Erster Brandmeister war der Holzhändler Karl Mertens. Als dessen Stellvertreter fungierte Michael Wilden, der mehrere Dampf-Straßenwalzen besaß.

1913: Joachim Jansen, genannt „Jachim“, wurde Ortsvorsteher und blieb bis 1916 im Amt. Er war ein „Chrestenangeniese“ aus der Nölen- (heute) Bergstraße Nr. 17 und der Vater von „Faltesch Annche“.

1913: Bau des heutigen Pastorates der katholischen Pfarrgemeinde auf dem Grundstück der ehemaligen Viccarie

Aug.1914: Ausbruch des Ersten Weltkrieges. – Unser Grenzland war Aufmarschgebiet dreier deutscher Armeen. Truppenbewegungen aller Waffengattungen durch das Monschauer Land brachten arge Belastungen mit sich. Eine Einquartierung löste die andere ab. Die Stadt Monschau wurde zur "Militärstadt Erster Ordnung" erklärt. Jedoch war die Bevölkerung – nicht zuletzt auch unter dem Eindruck des umlaufenden Gerüchtes, die Franzosen seien auf dem Vormarsch – von einem tiefen Patriotismus ergriffen. Weithin herrschte eine ernste, durch nichts übertriebene, ungekünstelte patriotische Stimmung, sodass sehr viele Menschen ohne Murren und im festen Vertrauen zur Politik des Herrscherhauses, zur Kriegskunst der militärischen Führung und zur Schlagkraft der deutschen Armeen die dem Krieg innewohnenden Lasten ertrugen. Erst mit zunehmend ungünstigem Kriegsverlauf, mit dem immer häufigeren Eintreffen von Nachrichten über Niederlagen, gefallene und verwundete Angehörige und Bekannte sowie mit dem rapiden Anwachsen auch der materiellen Nöte wurde die Volksstimmung allerdings zunehmend gedrückt, skeptisch und pessimistisch.

1916: Ortsvorsteher wurde Johann Mathar, genannt „Petisch-äreltje“ aus der Sippe „Kajspesch“. Er nahm dieses Amt bis 1922 wahr.

1916/17: "Steckrübenwinter". - Infolge der Missernte bei den Kartoffeln waren die Menschen gezwungen, sich lange Zeit hindurch hauptsächlich mit den mehr als kärglichen Möglichkeiten der fast ausschließlichen Ernährung von Steckrüben zu begnügen.

Okt.1918: Beendigung der Kampfhandlungen an der Westfront des Ersten Weltkrieges auf Ersuchen der von der deutschen Obersten Heeresleitung dazu gedrängten Reichsregierung

14.10.1918: Pfarrer Nicolaus Jansen übernahm die seelsorgerische Tätigkeit in der Pfarrgemeinde Lammersdorf.

15.10.1918: Umbenennung der Stadt Montjoie in Stadt Monschau

09.11.1918: Novemberrevolution in Deutschland: Ausrufung der Republik; Abdankung des Kaisers; Entthronung aller deutschen Fürstenhäuser

Nov./Dez.: Wiederum etliche militärische Belastungen infolge des Durchzuges der besiegten deutschen Truppen auf dem Rückmarsch. – Ihnen folgten alliierte Verbände, zunächst vorwiegend Engländer, später auch Inder, Schwarze und andere Kolonialsoldaten. Einzuquartieren waren in den Orten Lammersdorf und Simmerath insgesamt 3540 Offiziere und 31 560 Mannschaften. 10784 Pferde mussten eingestellt und versorgt werden.

31.12.1918: Lammersdorf hatte laut folgender Aufstellung 25 auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges Gefallene zu beklagen.

gefallene1wk

31.12.1918: Die Entwicklung der Einwohnerzahlen vor und nach der Jahrhundertwende einschließlich des Ersten Weltkrieges verdeutlicht untenstehendes Diagamm

bevoelkerung1895-1920

Die Einwohnerzahlen stiegen von 1895 bis 1920 um 20,3 Prozent.