1900er Jahre

 18.01.1901: Feier anlässlich des 200jährigen Bestehens des Königreiches Preußen und Kaisers Geburtstag. – Die Ansprache hielt Lehrer Böker. Andreas Lauscher wurde als "würdigstem Schüler" eine Auszeichnung in Form der von der Königlichen Regierung zu Aachen übersandten Festschrift zuteil.

17.03.1901: Letzter Schulgottesdienst im alten, bereits vor fast 200 Jahren erbauten Gotteshaus. – Danach erfolgte die Umsetzung des Hochaltars in den Saal des Wirtes und Postagenten Johann Frings (heute Roeffen), der während des Kirchenneubaues als Notkirche diente.

18.03.1901: Abbruch des alten Kirchengebäudes; Unterbringung der Orgel auf dem Speicher der Schule; Aufstellung des Beichtstuhles im Schulsaal der II. Klasse

25.04.1901: Legung des "ersten Steins" des neuen Gotteshauses

15.07.1901: Spende des heiligen Sakraments der Firmung durch Weihbischof Dr. Fischer in der Lammersdorfer Notkirche

21.07.1901: Grundsteinlegung für das neue Gotteshaus durch Weihbischof Dr. Fischer. – Der Grundstein stammt aus den Katakomben des heiligen Papstes und Märtyrers Callixtus in Rom. Am Nachmittag wartete am unteren Ende des Dorfes Weihbischof Dr. Fischer auf die Gemeinde, die kam, um den Grundstein abzuholen. Vier Jünglinge trugen ihn auf einer Bahre zur Kirche. Hier erfolgten die üblichen Hammerschläge. Der Herr Pastor gab die ersten Schläge mit dem gezierten Hammer auf den großen, schweren Stein und spendete ein Trinkgeld für die Arteiter. Auch Lehrer und Kinder stiegen in den Schacht und schlugen je dreimal auf den Stein und dankten mit einem Trinkgeld. Zuletzt kamen die Frauen und Jungfrauen an die Reihe.

Der Grundstein der neuen Kirche befindet sich in der Mauer hinter dem Hochaltar.

Pfarrer Jülich brachte in verhältnismäßig kurzer Zeit einen großen Teil der Mittel zum Neubau zusammen. Die Lammersdorfer hatten fleißig gespendet, soweit es in ihren Kräften stand. Das damalige Urteil über die Kirche fiel recht positiv aus: Sie sei eine recht hübsche und würdige Landkirche, die zu den schönsten der Gegend gehöre.

1901: Nun erfolgte auch der Ausbau des unteren Abschnitts der Bahnhofstraße.

1902: Versetzung des Lehrers Johann Böker auf eigenen Wunsch nach 22jähriger Tätigkeit in Lammersdorf

09.11.1902: Einsegnung des neuen Gotteshauses. - Nachdem morgens noch eine Heilige Messe in der Notkirche gefeiert und anschließend der Tabernakel in die neue Kirche getragen worden war, fand am Nachmittag der feierliche Einzug in das würdevolle Gotteshaus statt. Es gehört seitdem zu den schönsten des Monschauer Landes. – Mit der 1705 geweihten Kirche vergleichend, bezeichnete Dr. Ludwig Mathar die neue Kirche als einen in den Jahren 1901-02 rasch erstellten „frühgotischen“ Bau, allerdings als keine freie Gestaltung auf dem Boden altheimischer Überlieferung, für welche die Baukunst dieser Zeit noch nicht reif gewesen sei. Diese Auffassung belegend, führt Mathar aus: „Wenn das die Klosterather Mönche, der rastlos tätige Frühmessner Fedder, der fromme Eremit Bruder Franz, der in der Eremitage an der Nordseite der Kirche hauste, der Handlanger beim Kirchenbau, der Gehilfe des Küsters..., der gute Pfarrer Matthias Michael Bonn... sähen! Verschwunden, so würden sie jammern, ist die schöne alte Ausstattung! Wo ist der prächtige Hochaltar von 1748? Gott sei Dank, sein Tabernakel ist wenigstens noch da, mit reich verzierten Volutenwangen geschmückt, mit dem Strahlenkelch auf der Tür des Espositoriums. Und meine eigenhändig geschnitzte Orgelumrahmung, würde der vielgeschäftige Fedder jubeln, wenn auch die Orgel selbst etwas Neumodisches ist! Auch von der Messingkunst der Dinanterie ist gottlob noch einiges erhalten, würde der eifrige Bonn aufatmen: drei Paar barocker Leuchter, die Versehlaterne von 1744 seh‘ ich noch.“

Fünf Jahre nach der Einsegnung des Gotteshauses, am 6. Juli 1907, erfolgte seine feierliche Konsekration – die Weihe durch den Weihbischof von Köln, Joseph Müller.

22.08.1904: Generalkonferenz der Lehrer des Kreises Monschau in Lammesdorf

Sommer 1904: Vieleorts war das Wetter von einer sehr lange anhaltenden, außergewöhnlichen Hitze bestimmt, die auch Todesopfer forderte

1905: Fertigstellung des zweistöckigen massiven Anbaus des Lammersdorfer Bahnhofs an der Vennbahn. - In dessen Parterre befanden sich der Schalter-, Fahrkartenkontroll- und Warteraum; den ersten Stock nahm die Wohnung des Bahnhofsvorstehers ein. Der Erweiterungsbau resultierte aus dem deutlich angewachsenen Personen- und Güterverkehr. Außer dem stattlichen Bahnhofsgebäude gehörten noch zwei Stellwerke sowie mehrere Holzlagerplätze und Verladerampen zum Bahnhofsgelände.
Die Bahnlinie verfügte über zwei Gleise. In den 1920er Jahren war der Lammersdorfer Bahnhof als bedeutender Verkehrsknotenpunkt für Güter und Personen in der ganzen Nordeifel bekannt. Auf dem Höhepunkt fertigten die Bahnbeamten täglich 16 Züge ab. Der Personenverkehr hatte (besonders an Feiertagen) oft mehr als 1000 Reisende zu befördern, da mangels anderer Verkehrsmittel alle Reisenden aus den Dörfern um Lammersdorf auf die Zugverbindung nach Aachen angewiesen waren und auch die Anzahl der in der Eifel Erholung Suchenden aus Aachen und Umgebung stark zugenommen hatte.

1905: In diesem Jahre wurde der Saal des Burghofes erbaut. Wegen unzureichender sanitärer Anlagen wäre fast das erste Fest der Schützenbruderschaft ausgefallen: Nach langen Verhandlungen mit Bürgermeister Gerhards gelang jedoch eine Sondergenehmigung.

31.12.1905: Lammersdorf hatte 624 Einwohner.

27.02.1906: Schulfeier anlässlich der Silberhochzeit des Kaiserpaares.- Dem "würdigsten" Schüler wurde eine Festschrift überreicht. Alle Kinder erhielten Printen und Nüsse.

12.01.1907: Pfarrer Jülich wurde Dechant des Dekanates Monschau, nachdem er bereits etliche Jahre Dechant Goller aus Simmerath vertreten hatte.

01.06.1907: Konstituierung des Kriegervereins. - Erster Vorsitzender: J. Mertens; von 1918 - 1934 Michael Wilden, danach dessen Schwiegersohn Johann Prümmer. - Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung aller promilitärischen und vaterländischen Organisationen verlor der Verein seine Bedeutung und löste sich in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre auf.

06.07.1907: Weihe des neuen katholischen Gotteshauses und seines Hochaltars zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers durch den Kölner Weihbischof Joseph Müller

18.11.1907: Kreiskonferenz der Lehrer in Lammersdorf

1907: Als einer der ganz wenigen Kreise des Deutschen Reiches hatte der Kreis Monschau infolge der Auswanderungen sowie der Binnenwanderungen weniger Einwohner als 1882.

19.01.1909: Vernichtung des ersten Schulgebäudes am Treffpunkt dreier Straßen durch Feuer. - Zuletzt war das Haus bewohnt von dem Gastwirt, Ackerer und Schuster Albert Braun.

03.12.1910: Dechant Pfarrer Jülich verstarb.

31.12.1910: Lammersdorf hatte 640 Einwohner.