1880er Jahre

1881: Erneut mussten die Menschen auf dem Lande die Folgen einer Missernte erleiden.

1881: Wiederum verunsicherte ein Erdbeben diie Menschen.

1882: Beginn des Baues des Lammersdorfer Bahnhofs der Vennbahn. – Es handelte sich um ein eingeschossiges Fachwerkhaus der Königlich-Preußischen Eisenbahnverwaltung mit Schalter- und Warteraum sowie einem Gepäckabfertigungsraum. Daneben entstand eine Baracke mit einem Raum für das Brandlöschgerät, einer Toilette und einem Petroleumlager. Außerdem errichtete man einen Stall für das Kleinvieh des Bahnhofsvorstehers. Fertiggestellt wurde der Komplex 1883.

1882: Gründung der Lammersdorfer „St.-Johannes-Schützenbruderschaft“

1882: Wie in den vorausgegangenen Jahren bereits mehrfach leidvoll erlebt, mussten die Menschen auch in diesem Jahre mit gravierenden Notständen fertig werden. Vorbereitet durch manche Missernte in der Vergangenheit und verstärkt durch den totalen Misswuchs 1882, klopfte ärgste Not an die Türen der Eifelhäuser. Gebietsweise stand die Bevölkerung bereits ab Mitte November fast ohne die elementarsten Mittel ihrer Erhaltung da. Es entwickelte sich eine Katastrophe, die jener der Hungerkrise von 1816/17 gleichkam.

Viele Menschen wanderten aus, weil hier in der Eifel die Not am größten war. In den 80er Jahren des
19. Jahrhunderts erreichte die Auswanderung im Zusammenhang mit dem Niedergang der Eifeler Landwirtschaft sogar den Höchststand von jährlich 18 000 Menschen. Große Hilfsaktionen wurden organisiert und insbesondere für die Beschaffung von Saatgut Staatsmittel in beträchtlichem Umfang bewilligt. Hinzu kam, dass überall Arbeitslosigkeit herrschte. Man hoffte, der anstehende Bau der Vennbahn werde Arbeit und Verdienst bringen.

 1883: Anlage des Gleiskörpers der Vennbahn. – Wirtschaftlich gesehen, war das Projekt längst überfällig. Aus innenpolitischen und finanziellen Gründen nahm der preußische Staat der Eisenbahn gegenüber lange Zeit eine abwartende Haltung ein und überließ in den ersten Jahrzehnten seiner Herrschaft den Bau der Bahnprojekte Privatunternehmen. Diese aber mieden aus Kosten- und Rentabilitätserwägungen die schwer zugänglichen Gebirgsgegenden. Bessere Zeiten setzten erst ein, als der Staat sich auch in diesem Bereich auf die Wahrnehmung seiner landeskulturellen Verantwortung besann und die Eisenbahnverwaltung in die öffentliche Hand überführte. Von nun an bemühte er sich, im Ausgleich mit gewinnbringenden Strecken die verkehrsarmen Gebirgsregionen mittels Nebenbahnen besser zu erschließen. Lammersdorf musste mit 4 500 Mark zum Bau der Vennbahn beitragen.

30.06.1885: Eröffnung der Strecke der Vennbahn zwischen Aachen/Rothe Erde und Monschau. – Damit begann auch im Monschauer Land das Eisenbahnzeitalter. Als nach zweijähriger Bauzeit der erste Personenzug die Steigungen der 47,8 km langen Strecke von Aachen nach Monschau erklomm, war der Jubel in den Ortschaften an der Bahnlinie groß – so auch in Lammersdorf. Hier begrüßten den Zug die Schuljugend der gesamten Bürgermeisterei Simmerath, ferner Ortsschulinspektor und Pfarrer Feßel, Bürgermeister Küpper aus Simmerath, der Lammersdorfer Schützenverein und eine große Menschenmenge aus der Umgebung.

Das neue Verkehrsmittel hatte in mancher Hinsicht eine enorme Bedeutung für die Entwicklung in der Region. Die abgelegenen Gebiete der Nordeifel hatten endlich Anschluss an die Industrieregionen des Aachener Raumes. Viele Güter, unter anderem Saatgut, Düngemittel und landwirtschaftliche Maschinen, konnten nun per Bahn transportiert werden. Die Viehmärkte belebten sich, weil der jetzt mögliche Versand in die Städte die Nachfrage hob. Eifelbutter fand gar über die Eisenbahn den Weg an den Kaiserhof in Berlin. Auch in der Forstwirtschaft entstanden günstigere Bedingungen, da die Holztransporte per Bahn sich spürbar verbilligten.

Zu wesentlichen Veränderungen führte die Vennbahn in der Beschäftigtenstruktur der Eifelgemeinden, so auch Lammersdorfs. Zum einen bot die Eisenbahn an sich neue Beschäftigung. Viele Männer fanden Arbeit bei den Baufirmen, die die Strecken anlegten und die Bahnhöfe errichteten. Die Bahn selbst benötigte für ihren Betrieb Rottenarbeiter, Bahnwärter, Streckenläufer, Stellwerks- und Bahnhofsbeamte, Lokführer, Heizer, Bremser und Schaffner. Mancher Bauernsohn ohne Zukunft im elterlichen Betrieb ging „op de Bahn“, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg einer der größten Arbeitgeber in der Region blieb.

Zum anderen war es besonders wichtig, dass der Überschuss an Arbeitskräften nun in die Industriegebiete am Nordrand der Eifel täglich oder wöchentlich einpendeln konnte, um dort in der Eisenindustrie, z.B. im Eisenhüttenwerk Rothe Erde, oder in der Stolberger Messingindustrie zu arbeiten.

Vennbahn-Fahrplan Zunächst wurde der Verkehr mit drei Zugpaaren aufgenommen. Nachdem je­doch die Strecke bis St. Vith ausgebaut worden war, nahm der Bahnbetrieb von Jahr zu Jahr zu, so dass schon bald abschnittsweise mit der Verlegung eines zweiten Gleises begonnen werden musste. Im Jahre 1893 wurde die Teilstrecke Walheim – Lammersdorf zweigleisig, sieben Jahre später die Strecke Lammersdorf – Monschau. Ab 1913 befuhren sieben Personenzüge die Strecke in beiden Richtungen. Bis zur Jahrtausendwende stieg der Personen- und Güterverkehr derart an, dass bis zu 16 Zügen am Tag verkehrten und letztendlich ein Erweiterungsbau notwendig wurde. Zur Bewältigung des rapide anwachsenden Ausflugsverkehrs mussten in den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg an den Sonntagen zwei Sonderzüge eingesetzt werden.

So begann allmählich die Wandlung Lammersdorfs: Neben den ursprünglich dominierenden Klein- und Kleinstbauern mit einem Nebenerwerb als Weber, Fuhrwerker, Steinbrecher oder Besenbinder entstand nun ein Stamm von Männern, die eine sachkundige und arbeitsethische Beziehung zur metallverarbeitenden Industrie hatten. Langsam begann sich auch der Fremdenverkehr zu entwickeln, mit dem sich für die Eifelbewohner Schritt für Schritt ein ganz neuer Erwerbszweig erschloss.

Eine der vielen Hoffnungen, die sich an die Vennbahn knüpften, konnte sie nicht mehr erfüllen: die Wiederbelebung der Tuchindustrie. Deren Niedergang, der nicht zuletzt ihrer Abgelegenheit von Verkehr und Markt geschuldet war, hatte sich inzwischen als unumkehrbar erwiesen.

1885: Das Amt des Bürgermeisters übernahm Baron von Korff. Er stammte aus dem Inneren des Landes und benutzte die Stelle wahrscheinlich als Sprungbrett für seine weitere Karriere; wurde 1892 Landrat in Eupen

1885: Von diesem Jahre an übte Michael Paustenbach die Funktion des Gemeindevorstehers aus. Er wirkte als solcher bis zu seinem Tode im Jahre 1899. Michael Paustenbach wohnte in der Sonntagstraße im Haus Nr. 106, das später an Josef Huppertz überging.

31.12.1885: Lammersdorf hatte 686 Einwohner und 133 Häuser.

01.09.1886: Als katholischer Pfarrer wirkte seit diesem Tage Leonhard Hubert Jülich.

10.11.1887: Eröffnuung der Postagentur bei Joh. Frings (heute Roeffen)

1887: Anhaltende Frühjahrsfröste und außergewöhnliche sommerliche Trockenheit waren negative Erscheinungen des Wetters in diesem Jahr.. - Da deswegen insbesondere beim Hafer und beim Heu lediglich eine Missernte eingefahren werden konnte, mussten die Bauern ihr Vieh zu Spottpreisen verkaufen und gerieten in erhebliche Schwierigkeiten.

 1889: Der Ort erhielt die erste Telefonleitung.