Lammersdorf im zweiten deutschen Kaiserreich (1871 - 1918)

1870er Jahre

18.01.1871: Gründung des zweiten Deutschen Reiches im Schloss zu Versailles. – Zum deutschen Kaiser wurde daselbst der preußische König Wilhelm ausgerufen. – In der Chronik der Bürgermeisterei Kesternich heißt es dazu:

„Auf Wunsch der deutschen Fürsten und Völker nahm unser Heldenkönig Wilhelm am 18. Januar 1871 den Titel eines deutschen Kaisers an. Das deutsche Kaiserreich ist also wiederhergestellt, eine Verbindung aller Stämme unter einem allgemeinen Fürsten. Der Friede ist wieder blutig erkauft, die Einigkeit Deutschlands ist im fremden Lande zwischen allen Stämmen der deutschen Nation besiegelt worden. Möge diese Einigkeit bleiben und segensreiche Früchte bringen für uns und die kommenden Geschlechter.“ (zit. aus Mitteilungsblatt für die Gemeinde Simmerath, Nr. 31 / 01, S. 11)

Getragen von erwachtem Nationalbewusstsein und vertiefter patriotischer Gesinnung, wurde die Gründung des Deutschen Reiches in weiten Kreisen der Bevölkerung festlich gewürdigt.

1871: Einführung der Mark als Währungseinheit des Deutschen Reiches und damit des Dezimalsystems in die Währung.

31.12.1871: Lammersdorf hatte 609 Einwohner und 132 Häuser.

1872: Die Mehrzahl der Hausweber hatte ihre Arbeit verloren.

1873: Als Gemeindevorsteher fungierte Wilhelm Falter, Bruder des Peter Josef, der das elterliche Haus in der Sonntagstraße besaß.

1875: Gründung des Kirchenchores, erster Präses: Pfarrer Jülich. Mitbegründer waren Mathias Peter Lauscher und Küster Mathias Hubert Siebertz.

1875/76: Es herrschte ein harter Winter, bis in den April hinein lag Schnee.

Juli/Aug.1876: Sehr trockenes Wetter verursachte eine große Dürre. Der endich einsetzende Regen ging fast ununterbrochen nieder, sodass die Feldfrüchte verdarben.

1876: Als Gemeinde- und Polizeidiener wirkte Josef Braun.

1879: Wiederum suchte die Menschen eine Missernte heim.

1879/80: Drei Wintermonate lang herschte eine sibirische Kälte.

1870er Jahre: Ausbruch verschiedener Erdbeben. - Nach ihrem Hauptherd bezeichnete sie die Erdbebenforschung als "Herzogenrather Erdbeben".

 15.10.1880: Dienstantritt des Lehrers Johann Böker. – Er war zugleich Organist und Chorleiter. Sein Gehalt betrug zunächst jährlich 900 Mark. Es handelte sich um ein herabgesetztes Entgelt, weil die Behörde die Schule erst dann als zweiklassige Schule anerkannte, wenn sie in der II. Klasse einen „qualifizierten“ Lehrer beschäftigte. Auch die anderen Berechtigungen des Lehrers (Torf, Streusel und Brennholz) entfielen, lediglich freie Wohnung und Garten blieben. Ab 1883 erhielt Johann Böker 1050 Mark. Nach 22 Jahren erfolgte auf eigenen Wunsch seine Versetzung nach Bergrath bei Eschweiler.

1880: Gemeinde- und Polizeidiener war zu dieser Zeit Peter Joseph Peters.

März – Mai 1880: Infolge sehr trockenen Wetters herrschte „eine große Dürre, wie sie seit Menschengedenken nicht vorgekommen“ sei. Erst am 2. Juni kam der Regen zurück. Die Folge war eine Missernte mit den bekannten fatalen Folgen.