Auf die Gemeinde oder Mairie Lammersdorf  bezogene Ereignisse

1790er Jahre

Herbst 1794: Die ersten französischen Soldaten erschienen im Monschauer Land.

Als Bürgermeister setzten die Franzosen Peter Wilden ein. Er war Tabakhändler und wohnte in der Lammersdorfer Krämerstraße (aus Nr. 114, um 1930 Haus "Grietjes Titz"); der Vater hieß Christian Hubert und wohnte in Paustenbach.

Unser Ort zählte 558 Einwohner und 109 Häuser.

1795: Die Lebensverhältnisse verschlechterten sich rapide. Dies war eine Folge der mit der revolutionären Kriegsführung einhergehenden Kontributionen, Requirierungen und Aushebungen, hoher allgemeiner Steuerforderungen sowie des beginnenden Niedergangs der Tuchindustrie.

Die Tätigkeit der Maires (Bürgermeister) bestand vor allem darin, im Auftrage der französischen Eroberer die Ausplünderung der Stadt und des Kantons Montjoie sicherzustellen. Sofort nach ihrer Ernennung erhielten sie Volks-, Vieh-, Frucht- und Fouragetabellen, die schleunigst auszufüllen waren und als Unterlage für die Requisitionen dienten.

Letztere gingen zwei Jahre lang bis ins Ungeheure und umfassten alles, was eine Armee brauchte, die aus der Heimat nichts erhielt – brutal nach dem Motto „Der Krieg ernährt den Krieg“. Da die Fabrikanten in der Munizipalität dominierten, wurde die Hauptlast der Requisitionen und Kontributionen auf die Dörfer abgeschoben. Die Landbevölkerung traf es somit besonders hart, insbesondere auch durch die Requisition des Fuhrwesens, das im Monschauer Land in hoher Blüte stand. Die Bezahlung, meist auch die Verpflegung für Mann und Pferd, obgleich diese Dienste für die Franzosen leisteten, mussten von den Heimatgemeinden aufgebracht werden.

Dieses räuberische Vorgehen wirkte sich denn auch bald auf die Stimmung der Bevölkerung aus und ließ Unzufriedenheit aufkommen, und je ungehaltener man wurde, umso stärker belegten die Franzosen die Orte mit drohendem Militär. Die Hoffnungen, die in einigen Bevölkerungskreisen in die französische Besatzung gesetzt worden waren, begannen dahin zu schwinden.

1796: In der Folgezeit ging die Ausplünderung weiter, ohne jedoch wieder die Schärfe von 1794/95 anzunehmen. Es folgten Jahre einer relativ friedlichen Entwicklung, in denen die französische Verwaltung nicht schlecht arbeitete, sodass in Teilen der Bevölkerung die Stimmung umschlug und sich allmählich eine franzosenfreundliche Einstellung herausbildete. Es muss jedoch gesehen werden, dass dieser Umschwung in sehr hohem Maße aus der zunehmenden Verblendung vieler Menschen durch die meisterhafte und trügerische französische Freiheitsdemagogie herrührte und nicht selten von einer großen Bewunderung für Napoleon getragen war.

Schlimme Hungersnöte stellten die Menschen oft vor die bange Frage, wie sie ihr Leben erhalten, was sie überhaupt noch essen konnten. Manchenorts diktierte ihnen die äußerste Not, sich aus dem Laub von Kartoffeln Gemüse bereiten zu wollen, ohne zu wissen und zu bedenken, dass es giftig ist und tödlich wirken kann. Erst ernste Warnungen sachkundiger Stellen bewahrten die Menschen vor dem Unheil.

Eine verbreitete Viehseuche verschlimmerte die Notlage beträchtlich.

1798: Zu den ersten Maßnahmen der französischen Besatzer gehörte es, alle Privilegien des Adels und alsbald auch des Klerus zu beseitigen. Es kam zu schweren Repressalien gegen alles Religiöse und alle kirchlichen Einrichtungen, die sich über mehrere Jahre hinzogen.

25.04.: Die französische Munizipalverwaltung erließ eine Regelung des Polizeiwesens im Monschauer Land. In diesem grundlegenden Erlass wurden die Bürger unter anderem aufgefordert,

- für die Reinlichkeit der Straßen vor ihren Häusern zu sorgen,

- kein Wasser und andere Unreinlichkeiten aus den Fenstern auf die Straße zu schütten,

- keine glühende Asche über Straßen und Brücken auszuschütten,

- die an der Straße liegenden Misthaufen zu entfernen und

- alle offenen Brunnen mit Mauern einzufassen oder auf andere Art ungefährlich zu machen.

Nach dem Erlass musste sich jeder „ordentliche Bürger spätestens abends gegen 10 Uhr nach seiner Wohnung zurückziehen“. Den Wirten war es untersagt, nach dieser Stunde einheimische Gäste zu bewirten. Dass die Jugend und auch viele Bürger sich wohl längst nicht an diese Anordnung hielten, macht eine andere Vorschrift deutlich, in der es hieß:
„Alle nächtlichen Schwärmereien, alles ruhestörende Toben und Lärmen ist aufs Strengste verboten. Ohne Notwendigkeit darf weder bei Tage noch bei Nacht in der Stadt und auf den Dörfern mit Feuergewehr geschossen werden.“

Im Monschauer Land hoben die Fanzosen den Mahlzwang in den Bannmühlen an der Kall auf. Der Adelsbesitz wurde an private Betreiber verkauft. Die durch die Franzosen eingeführte Gewerbefreiheit bewirkte einen beachtlichen Anstieg von Mühlen-Neugründungen und –zulassungen. In den ehemaligen Bannmühlen konnte nun mahlen lassen, wer wollte. Die ohnehin beschwerlichen Wege zu den Mühlen waren durch die Aufhebung des Mahlzwangs und die Vermehrung der Mühlen kürzer geworden, die Abgaben, die nun an die französische Verwaltung gezahlt wurden, weniger drückend.

An der höchsten Stelle des Langschoss stellten die Franzosen eine Alarmstange als Signal in Gefahrensituationen auf, im Volksmund „Lärmstang“ genannt. Später wurde sie durch einen hölzernen Feuerwachtturm ersetzt. Heute hat dieser in einem stählernen Feuerwachtturm und in einer Fernseh-Relais-Station seine zeitgemäßen Nachfolger gefunden.

1799: Nachfolgendes Diagramm zeigt aus der Gesamtzahl der 26 Landgemeinden des Kantons Montjoie die neun größten Dörfer mit der Anzahl ihrer Einwohner und Häuser.

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Nach obiger Übersicht lag Lammersdorf nach seiner Einwohnerzahl (rote Säule) und nach der Anzahl seiner Häuser (gelbe Säule) auf dem neunten Platz.

 

Im Verlaufe des 17. und 18. Jahrhunderts – von 1624 bis 1799 – war die Anzahl der Einwohner Lammersdorfs von 130 auf 613 gestiegen, also um 483 Bewohner. In dieser Zahl manifestiert sich ein Bevölkerungswachstum von 371 Prozent bzw. um etwa das 3,7fache.

Das unten stehende Diagramm belegt, dass diese Aufwärtsentwicklung trotz der bewegten Zeiten, der Bedrängnisse, in denen das arbeitende Volk unter der Fürstenherrschaft lebte, recht gleichmäßig verlief. Diese These relativierend, muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass außer den im Diagramm enthaltenen z.Z. keine weiteren Jahreszahlen bekannt sind, sodass möglicherweise zwischenzeitliche Auf- oder Abstiege der Kurve verdeckt werden. – Und nun das Diagramm:

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 Da sich infolge des rasanten Anwachsens der Bevölkerung das vor fast 100 Jahren erbaute Gotteshaus längst als zu klein erwiesen hatte, beschloss man, den Bau zu erweitern. Auf Initiative des damaligen Gemeindevorstehers Anton Linzenich versammelten sich die Meistbeerbten zur Beratung über die Vergrößerung des Kirchengebäudes. Im Ergebnis beschloss man einstimmig, den Chor der Kirche nach Osten zu verlängern. 72 Bewohner vereinbarten, so lange Beiträge zu leisten, bis der neu zu bauende Teil der Kirche fertig sei. Beim auserkorenen Bauleiter Linzenich deponierten sie am selbigen Tage 80 Kronenthaler, 125 Thaler.

Linzenich ging sofort an die Arbeit. Das Gebäude wurde östlich aufgebrochen, das Fundament sollte gelegt werden ... Da zogen Streit und Zank in die Gemeinde ein, der Bau geriet ins Stocken. Der derzeitige Bürgermeister Bertram Lennarz vereitelte die Pläne Linzenichs. Letzterer und seine Mitkämpfer zogen daraufhin sich und ihr Geld zurück. Lennarz wollte zwar, aber konnte nicht bauen, weil die nötigen Gelder fehlten und die Bewohner unter den gegebenen Verhältnissen nicht bereit waren, Geld beizusteuern und unentgeltliche Arbeits- und Spanndienste zu leisten. Mittlerweile starb Linzenich. Schließlich erbarmte sich glücklicherweise der Kirchenmeister Heinrich Bürvenich des aufgebrochenen Gotteshauses, beruhigte die Gemüter, hielt mit drei anderen Kirchenmeistern sonntäglich Kollekte im Dorf, und so gelang es ihm, die bedeutenden Kosten für den Erweiterungsbau aufzubringen und denselben im Jahre 1804 so weit zu vollenden, dass der Gottesdienst wieder abgehalten werden konnte.

Als Bürgermeister wirkte in Lammersdorf zu dieser Zeit Hubertus Bartholomäus Christian Linzenich. Die Franzosen hatten ihn als Munizipalagent (Maire) eingesetzt. Christian Linzenich wurde 1763 in Lammersdorf geboren und wohnte im Zwickel zwischen Pohl und Kirchstraße im Haus Nr. 27, das heute nicht mehr vorhanden ist. Sein Amt übte er bis zum Jahre 1801 aus. Er gehörte zu den vermögendsten Bürgern des Ortes und starb 1841

Wende zum 19. Jh.: Die schwere Krise der Tuchindustrie, der Verfall der Eisenindustrie, die Rückgänge im Ackerbau, im Forstwesen und in der Fischerei verschlechterten die Lebensverhältnisse der Menschen beträchtlich. Diese missliche Lage vertiefend kamen hinzu die Vernachlässigung der Wohnverhältnisse, der Volksbildung, der Armenpflege und des Gesundheitswesens.

Im Monschauer Land wurden Tausende Menschen erwerbslos. Viele wanderten aus oder zogen in die neuen Industriezentren. Andere blieben in ihrer engeren Heimat und befriedigten ihren gesteigerten Bedarf an Neuland durch Rodungen und Drainagen. Diese erstreckten sich bis weit in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts und erfassten große Gebiete. Auf alten Flurübersichtskarten waren Letztere noch als Bruch, Venn oder Niederwald zwischen den bereits bebauten Flächen zu finden. Ihre Urbarmachung führte dazu, dass sich das Flurbild immer mehr schloss und gleichzeitig ausdehnte.

Die Rodungen haben zwar manchem Landwirt eine neue Existenzgrundlage gebracht, manchem die Existenzbasis erweitert und das Dasein vieler Arbeiter und kleiner Angestellter krisenfester gestaltet. Trotzdem barg das Roden auch Negatives in sich: Jede Urbarmachung bedeutete einen Eingriff in den Kreislauf der Natur. Die Gemeinden bekamen dies am deutlichsten im Wasserhaushalt zu spüren. Der Grundwasserspiegel sank, die regenaufsaugenden Pflanzen fehlten. Als Folge davon liefen die Niederschläge sehr schnell oberflächlich ab, und in niederschlagsarmen Zeiten war keine Feuchtigkeit mehr im Boden vorhanden. Die Flüsse verloren ihre natürliche Regulierung. Das musste man dann alles durch den Bau von Talsperren ausgleichen, was bekanntlich später auch in sehr umfänglicher Weise geschehen ist.

1800: Das Wetter verursachte in diesem Jahre eine große Dürre. Viele Waldungen und weite Heideflächen gerieten in Brand. Trockene Torfstücke verglimmten bis in die Erde hinein. Bei dieser Gelegenheit wurden sehr viele Baumstämme verschiedener Länge und Dicke im tieferen Erdreich erstmals entdeckt.