18. Jahrhundert

1705: In Lammersdorf begann der Bau des ersten massiven Kirchengebäudes. – Die Initiative zu diesem Bauvorhaben ist als Ausdruck dafür zu werten, dass sich die Lammersdorfer um die Wende zum 18. Jahrhundert stark genug einschätzten, im Dorf ein eigenes pfarrliches Leben zu gestalten. – Die alte Kapelle war infolge der auf 360 angewachsenen Anzahl der Einwohner längst zu klein und außerdem schon ganz baufällig geworden.

Den Aufzeichnungen von Pfarrer Bonn ist zu entnehmen, dass aus der Mitte der Gemeinde drei Baumeister eingesetzt worden seien, die für das Material sorgen, Beiträge sammeln und den Bau leiten sollten. Allerdings geriet später, so Bonn weiter, der projektierte und bereits begonnene Bau ins Stocken, „wahrscheinlich, weil... die Baumeister gestorben waren..; aufgegeben hatten die Bewohner ihr Unternehmen jedoch nicht...“. Eines Tages gingen die Bauarbeiten weiter. Als Vollender und Initiator der Vervollkommnung und Ausstattung des Kirchenbaus bewährte sich schließlich der Geistliche Franz Fedder, der im Jahre 1708 nach Lammersdorf kam.

Alte Kirche

1707: Von diesem Jahre an wurde in Lammersdorf ein Taufbuch geführt.

Mehr als 300 Jahre waren die Lammersdorfer Gläubigen Angehörige der Pfarre Simmerath und gingen nach dort zum Gottesdienst. Nun aber begann sich das Dorf, inzwischen etwa 400 Einwohner zählend, zunehmend bewußter als eigenständiges Gemeinwesen zu verstehen. Die räumliche Entfernung von Simmerath, die Mühsal der Wege bei Wind und Wetter (nicht selten mit Säuglingen zur Taufe oder Toten zur Beerdigung) haben dieses Selbständigkeitsstreben naturgemäß maßgeblich gefördert. – Diesen Umständen und den damit verbundenen Nöten Rechnung tragend, erteilte Pfarrer Richartz von der Mutterkirche Simmerath den Lammersdorfern die Erlaubnis, eigene Personenstandsbücher zu führen.

An drei Tagen im Juli herrschte ein solch trockenes Wetter und „so eine erschröckliche Hitze, dass viele Menschen verschmachtet und gleich dodts verbleicht und gestorben seint“.

1708: Am 12. Dezember kam Franz Fedder nach Lammersdorf. Er begann seine Tätigkeit als Vikar und geistlicher Rektor der Pfarrgemeinde. Nach seiner Priesterweihe am 22.12.1708 wurde er für Simmerath und Lammersdorf accreditiert. Der Geistliche wirkte gut 40 Jahre in der Gemeinde. Nicht allein als hochbefähigter Leiter der Vollendung des Baues des neuen Kirchengebäudes in dessen Endphase sowie in den folgenden Jahrzehnten als nimmermüder Initiator und Helfer bei der weiteren Vervollkommnung des Bauwerkes und seiner Ausstattung ging er in die Ortsgeschichte ein.

Darüber hinaus wurden auf seine Veranlassung viele Häuser allhier neu und umgebaut. Er betrieb selbst – nicht selten persönlich Hand anlegend – eine Muster-Landwirtschaft mit 30 Rindern und 100 Schafen. Wege ließ er anlegen und viele öde Ländereien urbar machen, wobei er wiederum selbst aktiv mitwirkte. Insbesondere betraf dies das Terrain östlich der heutigen Straße „Im Pohl“, welches früher ein Moor war und sich von der Pohlecke bis zur Stüttgesgasse erstreckte. Noch lange nannten die Lammersdorfer dieses Gelände „Pastors Land“.

Da ihm auch die Sorgen und Nöte der Armen sehr am Herzen lagen, gründete er für sie einen Unterstützungsfonds. Große Aufmerksamkeit schenkte Fedder der Jugend. Selbst gab er Unterricht im Lesen, Schreiben, Rechnen und Gesang. Die größeren Kinder unterwies er im Ackerbau. Aus seinem Privatvermögen stellte er der Pfarrgemeinde eine großzügige Summe Geldes als freiwillige Spende zur Verfügung. All dies trug ihm bei den Pfarrangehörigen den schönen Ruf eines allseits beliebten Seelsorgers und Wohltäters ein.

In Würdigung seiner vielseitigen und segensreichen gemeinnützigen Arbeit trägt heute eine Straße in der Junker-Siedlung seinen Namen.

Zu Zeiten Fedders betrug das Schulgeld monatlich 10, auch 12 Albus (2 Silbergroschen 8 Pfennige bzw. 3 Silbergroschen 8 Pfennige). Manche Leute meinten, die Mädchen sollten nicht schreiben lernen, weshalb für sie auch nur das halbe Schulgeld zu zahlen wäre.

1709: In diesem Jahre erfolgte die feierliche Einweihung des Gotteshauses durch Pastor Richartz von der Simmerather Mutterkirche. Als Patron wurde der Heilige Johannes der Täufer auserkoren. Kirchenrechtlich gesehen weist diese Entscheidung auf die weiterbestehende Bindung der Lammersdorfer Kirche als sogenannte Filialkirche an die Mutterkirche in Simmerath hin, die den gleichen Patron hatte.

Von der Gemeinde war der geistliche Rektor zu wählen und dem Pfarrer der Mutterkirche zur Bestätigung vorzustellen. Zu den Pflichten des Rektors gehörte es unter anderem, die Gläubigen alljährlich einmal in feierlicher Prozession zum Hauptfest der Mutterkirche nach Simmerath zu führen.

Das Einkommen des geistlichen Rektors kam durch bestimmte Geldleistungen der Kommunikanten, für Begräbnisse und besondere Messen zustande. Von der Gemeinde genoss er „freien Brand“ (Holz und Torf) sowie die Nutzung von Wald und Venn. Zu der Zeit, in welcher die Gemeinde das Entgelt für den Unterhalt des Geistlichen bestimmte, belasteten die Einwohner für sich und ihre Nachkommen ihre Häuser mit einer jährlichen Haferrente für den Küster, die alljährlich zu St. Martini fällig wurde.

So, wie das neue Kirchengebäude jetzt dastand, war sein einschiffiges Inneres bis zum Chor 15,8 Meter lang und 7,25 Meter breit. Im Bohlengewölbe erreichte es eine Höhe von 7,90 Metern. Das Mauerwerk war ca. 1 Meter dick und ca. 4,95 Meter hoch. Die Höhe des Turmes betrug im Mauerwerk gut 13 Meter und im Dachstuhl 10,5 Meter. Seine Seiten waren je 4,6 Meter lang. Platz bot das Gotteshaus für rund 300 Personen.

Freilich war das Gotteshaus zum Zeitpunkt seiner Einweihung – sowohl im Bauwerk als auch in ihrer inneren Ausstattung – keineswegs komplett. Die finanziell zunächst erschöpfte Gemeinde konnte die noch vorhandenen baulichen Unzulänglichkeiten bzw. Unterlassungen erst später nach und nach beheben und die noch fehlenden kirchlichen Gerätschaften und liturgischen Gegenstände nur schrittweise anschaffen. Noch jahrzehntelang musste für diese Vorhaben die Opferwilligkeit der Gläubigen stark in Anspruch genommen werden.

Und die Lammersdorfer blieben sich dieser Aufgabe bewusst, ihr Eifer für die Vervollkommnung und Verschönerung ihres Gotteshauses erlosch zu keiner Zeit. Lassen wir hierzu einen besonders kompetenten Zeitzeugen zu Wort kommen: Pfarrer Mathias Michael Bonn schrieb in seinem Gedenkbüchlein für Lammersdorf: Ich muss „bemerken, dass während meines Hierseins außerordentlich viel für die Instandsetzung und Verschönerung der Kirche geschehen ist und dass es nicht möglich gewesen wäre, dieselbe so umzubauen, wie sie jetzt erscheint, wenn nicht ein so guter Sinn im allgemeinen unter meinen Pfarrkindern rege geworden und rege geblieben wäre. Wir mögen abermals sehen, was eine Gemeinde von 166 Haushaltungen, worunter viele Dürftige und wenige Vermögende sind, vermag. In einem Zeitraum von neun Jahren (1836 bis 45) ist eine unglaublich große Summe aus lauter freiwilligen Beiträgen teils zur Verschönerung des Gotteshauses, teils zur Anschaffung kirchlicher Gerätschaften, Paramenten und Möbel aufgebacht worden... Freilich, unter den Verhältnissen, die hier vorwalteten, hätte es mir nicht einfallen können, auch das Geringste zur Verschönerung der Kirche in Vorschlag zu bringen, wenn nicht von Seiten einiger meiner Pfarrkinder die Anregung so eindringlich geworden wäre. Bei all dieser Arbeit verdient der Kirchenrendant Josef Dressen von hier rühmliche Erwähnung, unermüdet und unverdrossen war er stets thätiger Mitsorger, außer dem, was er noch beisteuerte.“

Über 100 Frauen und Männer, Jugendliche und Kinder, die mit Geld- oder Sachspenden und mit vielerlei schönen Ideen zur Gestaltung ihres Gotteshauses beitrugen, hat Pfarrer Bonn im Gedenkbüchlein genannt – abgesehen von den vielen Kollekten und sonstigen Sammlungen, die außerdem noch durchgeführt wurden und unzählige namenlose Spender mobilisierten, um die finanziellen Mittel für ihr Gotteshaus aufzubessern. Dank dieser gemeinsamen Anstrengungen wurde das Gotteshaus immer schöner und weckte mit Recht den Stolz der Lammersdorfer Katholiken.

Auch Außenstehende zollten dem Bauwerk hohe Anerkennung: Dr. Ludwig Mathar z.B. beschrieb dass etwa 200 Jahre nach seiner Fertigstellung mit folgenden Worten: „Ein echtes Vennkirchlein war es, unverputzt, mit Fenstern und Türen aus Hausteinrahmen, mit einem vorgesetzten, fast quadratischen Westturm, der seinen achteckigen Helm trotzig zum Venn emporreckte, mit dem Glockentürmchen auf der Ostseite des beschieferten Satteldaches, das am Ende des 18. Jahrhunderts gen Osten um zwei Joche und den Anbau des neuen Chores verlängert wurde. Das (echte Vennkirchlein) blieb es auch, als es im Jahre 1804 von seiner Pfarre Simmerath unabhängig wurde und sich 1862 um eine Eingangs- und Taufkapelle erweiterte.“ An gleicher Stelle erwähnt Dr. Mathar den prächtigen Hochaltar von 1748, seinen mit reichen Volutenwangen gezierten Tabernakel, die von Franz Fedder eigenhändig geschnitzte Orgelumrahmung, die in der Messingkunst der Dinanterie gefertigten drei Paar barocken Leuchter u.a.m.-

1714: Von diesem Jahre an wurde in der Lammesdorfer Pfarrgemeinde ein Totenbuch geführt.

1715: Am 29.06. weihte Pastor Richartz von der Mutterkirche Simmerath das 1705/08 erbaute Gotteshaus unter dem Titel „Johannes Enthauptung“

Am Kirchengebäude legte die Gemeinde einen Friedhof an. – Er wurde von einer knapp zwei Meter hohen Mauer umgeben, die für Friedhof und Gotteshaus ein ca. 800 m2 großes Gelände einfriedete. Das leidige Problem des mühseligen Transportes der Verstorbenen nach Simmerath war damit aus der Welt geschafft.

1721: Der Generalvikar führte eine kirchliche Visitation durch.. – Im Bericht darüber wird ausgeführt: „Die Jugend dieses Ortes (Lammersdorf), der ebenfalls Filiale von Simmerath war, wurde am Morgen des 23. Juni in der Simmerather Kirche geprüft, aber hinsichtlich ihrer Kenntnisse – es ist das bekannte Leid – nur mittelmäßig befunden. Noch an demselben Tage begibt sich der Generalvikar zu Fuß, nicht wie sonst zu Pferde, nach Lam-mersdorf, um an Ort und Stelle weiter zu visitieren. Die Kirche ist von Pastor Richartz in Simmerath am 29. Juni 1715 geweiht worden unter dem Titel ‘Johannes Enthauptung’. Wie es in einer lateinischen Notiz im Lammers-dorfer Taufbuch gleich am Anfang heißt, war diese Kirche im Jahre 1705 erbaut worden mit Genehmigung des genannten Pastors, teils wegen der weiten Entfernung, teils wegen des im Jahre manchmal reißenden Kallbaches ..., zur Hebung des religiösen Lebens und für die Bequemlichkeit der Bewohner. Diese Notiz ist verfaßt von dem zur Zeit der Visitation in Lammersdorf wirkenden Rektor Franz Fedder, geweiht am 22.12.1708...“

1728: Lammersdorfs Kirche wurde „ausgepfarrt“, was wohl heißen mag, dass eine gewisse Loslösung von der Mutter-kirche Simmerath und die Erhebung in den Status einer weitgehend eigenständigen Pfarrei erfolgte (?).

1730/31: Der kinderlose Pfalzgraf Karl-Philipp aus der pfälzischen Linie Neuburg ließ seine Untertanen (Haushaltungsvorstände und selbständigen Steuerzahler) zu Gunsten seines Bruders Franz Ludwig, s.Z. Erzbischof von Mainz, einen Erbhuldigungseid leisten. Folgende 46 Bürger von Lammersdorf leisteten diesen Eid:

 

Becker, Cirst

Johnen, Peter Thomas

Schmit, Theis

Braun, Driess

Johnen, Peter Michels

Schmit, Cirst Niessen

Braun, Matheis

Jung, Jan

Strauch, Peter

Braun, Gehl

Jung, Michel

Titz, Joannes

Clossen, Hubert

Lauterbach, Lucas

Voell, Dirrich

Crins, Gerhart

Lauterbach, Matheis

Voell, Niclass

Forster, Peter

Merder, Johann

Wilden, Mertz

Gerharts, Jan

Oberlender, Lenz

Wilden, Petergens

Hermans, Matheis

Pesch, Paulus

Wilden, Gehl

Hermans, Hubert

Reinharts, Matheis

Wilden, Cirst

Hermans, Peter

Rongen, Peter

Wilden, Hubert Thomas

Hermes, Hubert

Scheit, Jan

Wilden, Peter

Hermes, Hermann

Schieffer, Jan

Wilden, Matheis

Huberts, Johan

Schieffer, Peter

Wilden, Peter Theißen

Jansen, Thomas

Schmit, Frin

Wilden, Hubert

Jansen, Jan

   

Auch der Geistliche Franziskus Fedder leistete diesen Eid.

1737: Etwa in diesem Jahre begann in der Eifeler Landwirschaft der Kartoffelanbau.

1744: In diesem Jahre baute ein Eremit namens Bruder Franz an der Nordseite des Gotteshauses eine Einsiedelei.

1749: Am 7 April starb Franz Fedder. - Tief betrauert von seinen Pfarrkindern, wurde sein Leichnam im Gotteshaus vor den Stufen des Hochaltars der Erde anvertraut. Wegen notwendiger Bodenarbeiten erfolgte später seine Umlegung.

Zu dieser Zeit erteilte ein  Eremit (Einsiedler) den Kindern Unterricht. Er stammte aus Rollesbroich und gehörte dem Karmeliter-Orden an.

1755: Am 26. Dezember erschütterte ein schweres Erdbeben Teile des Monschauer Landes. Man meinte damals, sämtliche Häuser würden zusammenfallen, die Kirchenbesucher verließen fluchtartig die Gotteshäuser. – In den Jahren 1755/56 gab es hier eine regelrechte Erdbebenperiode, die fast ein ganzes Jahr andauerte, sich in das folgen-de Jahr hineinzog und auch mehrere Todesopfer forderte.

1762: Zu diesem Zeitpunkt waren in der Monschauer Tuchindustrie 6 000 Menschen in Arbeit: In fast jedem Haus der umliegenden Dörfer wurde in Heimarbeit gesponnen und gewebt. – Der Tuchfabrikant Scheibler erwarb Parzellen im Hohen Venn und stellte dort zum Torfstechen Arbeitskräfte ein. – Durch den Transport der Rohstoffe, des Heizmaterials und der Tuche gedieh das Fuhrwesen. – Die Schafzucht als Wolllieferant erfuhr eine beträchtliche Ausweitung.

1763: Eine Kirchenglocke, die geborsten war, wurde umgegossen. – Die neue Glocke hieß „Die Große“. Sie hatte ein Gewicht von 407 Pfund und trug die lateinische (hier ins Deutsche übersetzte) Umschrift: „Zur Ehre des heiligen Johannes des Täufers, Donati, Josephi und Antonii. Martin Legros hat mich gegossen im Jahre 1763.“ Die Kosten wurden durch freiwillige Beiträge der Bewohner gedeckt.

1767: Wiederum trat im Monschauer Land ein Erdbeben auf.

1769: Im oberen Kalltal wurde eine zweite Mühle in Betrieb genommen. Nach ihrem letzten Besitzer wird sie im Volksmund heute vielfach noch Haasmühle genannt oder, weil sie gegenüber der bereits 1516 errichteten Lammersdorfer die neue Mühle war, oftmals auch als Neumühle bezeichnet. - Sie befand sich an der Straße von Lammersdorf nach Witzerath, etwa einen Kilometer oberhalb der alten Mühle.

1771: In der Pfarre Lammersdorf begann man mit der Führung eines Kopulations- oder Trauungsbuches.

 

1779: Es wurde mit dem Bau der durch Lammersdorf führenden Fernstraße mit befestigtem Unterbau begonnen. Sie führte von Düren nach Monschau und weiter nach Luxemburg und ist abschnittsweise identisch mit der heutigen B 399.

1785: Die Pfarre Lammersdorf erhielt ein Amts- und Wohngebäude des Vikars, auch als Viccarie bezeichnet.

1792: Es begann eine Periode anhaltender bewaffneter Auseinandersetzungen in sieben Koalitionskriegen der europäischen Großmächte gegen das revolutiomäre und napoleonische Frankreich. Während dieses Zeitraumes hatten die Franzosen  von 1794 bis 1814 ihre Herrschaft über die Rheinlande einschließlich der Eifel errichtet.