Lammersdorf während der Zeit der Herrschaft der Territorialfürsten im ersten Deutschen Reich (1361 - 1794)

 

Vorbemerkungen

Die Feststellungen zu Lammersdorf im ersten Abschnitt dieses Chronikteils gehen über das Übliche nicht wesentlich hinaus und vermitteln kein geschlossenes ortsgeschichtliches Bild. Da wir davon ausgehen, dass übergeordnete Entwicklungen zur Schließung der Lücken beitragen können, fügen wir am Schluss eine Zusammenfassung der Geschehnisse im Monschauer Land ein. Das bietet zumindest die Möglichkeit, eine Reihe von Fragen aufzuwerfen, z.B.: Hat es auch in unserer Gemeinde religiöse Auseinandersetzungen bzw. Kämpfe gegeben? Wie haben sich die zahlreichen Kriege konkret ausgewirkt, waren der Ort und seine Bewohner ebenfalls Opfer der Machenschaften umherziehender militärischer Banden? Haben Blüte und Niedergang der eifeltypischen Industrien sich in den Lebensverhältnissen widergespiegelt? Wie sind die Menschen mit den Witterungsunbillen und mit den zwangsläufgen Missernten fertig geworden?

Im abschließenden allgemeinen Teil findet man Antworten auf die Fragen, und es gibt allen Grund anzunehmen, dass diese zu einem beachtlichen Teil auch auf Lammersdorf anwendbar sind.

Auf Lammersdorf bezogene Ereignisse

Zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts

1361

Lammersdorf wurde am 25. Juni mit dem damaligen Namen Lamberscheyt erstmals erwähnt, und zwar in einer Urkunde des Herzogs von Jülich, mittels derer er das zu seinem Machtbereich gehörende Monschauer Land an die Herren von Schönforst verpfändete. 1361 ist somit das Jahr der exakt nachgewiesenen schriftlichen Erstbezeugung unseres Heimatortes. Im Jahre 2011 sollten wir uns daran erinnern, dass dieses Ereignis vor 650 Jahren stattfand.

Von der Urkunde besitzen wir eine digitale Kopie. (siehe Beitrag: "Das Thema des Jahres 2011)

Ursprünglich nahm man an, Lammersdorf sei bereits im Jahe 1213 mit dem Namen "Lamberstorp" erstmals urkundlich erwähnt worden. Durch aktuellere Forschungsergebnisse wurde dies von Dr. Elmar Neuß mit stichhaltigen Argumenten widerlegt. (Siehe hierzu: Jahrbuch "Monschauer Land" 1984!)

Zuweilen wird die Entstehung des Namens unseres Ortes von der Legende um den Waldhüter Karls des Großen namens Lambertus hergeleitet. Als Dank für seine treuen Dienste soll ihm der Herrscher einen Teil des einstmaligen Waldgebietes einschließlich einer Reihe von Privilegien geschenkt haben.

Seiner geografischen Lage gemäß muss Lammersdorf in der zweiten Hälfte des 12. und während der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden sein. Es gehörte zu den ersten größeren Siedlungen auf der Eifelhochfläche zwischen Venn, Buhlert und Rur. (Siehe hierzu. Dr. Elmar Neuß, a.a.O.!)

Indessen gibt es weitere Erklärungen, z.B. diese zum Namensteil "Lammers-": Lammers bzw. Lammert seien der plattdeutsche Genitiv des alten deutschen Vornamens Lambert.

Mitte des 14. Jh.: Die eigenständige Pfarre mit der Mutterkirche Simmerath wurde gegründet. Damit gab es im Monschauer Land neben Konzen ein zweites Kirchspiel. Zu ihm gehörten mehrere Dörfer, so auch Lammersdorf. Sie alle liegen in einem Radius von maximal vier Kilometern Luftlinie um die Simmerather Kirche, sodass es die Gläubigen künftig um einiges leichter hatten, zu ihrer Mutterkirche zu gelangen. Die Bildung eines zweiten Kirchspiels war zweifellos den umfangreicheren Rodungen und der aktiveren Besiedlung in unserem Heimat-Territorium geschuldet.

 Während des 14. Jahrhunderts vollzog sich in der Eifel der Übergang von der Naturalwirtschaft zur Geldwirtschaft. Das war eine grundlegende Änderung der Lage in der Eifeler Wirtschaft: Die Naturalwirtschaft, bei der es den Menschen einerseits nicht schlecht ging, brachte andererseits jedoch nach der Sicherung der eigenen Ernährung und nach den Abgaben an den Fronherrn kaum weitere Überschüsse. Wenn man auch in den innerörtlichen und zum Teil regionalen Beziehungen nach wie vor mit Naturalien bezahlen konnte, kam man jedoch im überregionalen Handel ohne Geld nicht mehr aus. Es fehlten aber vielfach die Geldeinnahmequellen. Der Mangel an barer Münze führte zu folgenden Maßnahmen und Erscheinungen:

1. Die unmittelbar kein Geld einbringenden Rodungen wurden eingestellt.

2. Es setzte ein großer Bevölkerungsschwund ein. Frühere Ortschaften verschwanden bzw. blieben als Wüstungen liegen.

3. Um zu Geld zu kommen, blühte im 14. Jahrhundert die Wegelagerei; es war die Zeit des Raubritter-tums.

4. Man lieh sich Geld bei Juden und Lombarden und geriet in Abhängigkeit. Nicht selten wurden den Geldgebern, die natürlich kein Risiko eingehen wollten, ganze Dörfer verpfändet.

5. Um Geldquellen zu erschließen, begann man Handel und Gewerbe auszubauen.

Bei Einschränkung der Schweinehaltung gewann jetzt die Schafzucht an Bedeutung. Auf den weiten Ödlandflächen fanden die Tiere ausreichend Nahrung. Sie lieferten die Wolle, die in den Wollmanufakturen bzw. in der Tuchindustrie verarbeitet wurde.

Gleichzeitig wurde die Lederindustrie ausgebaut, z.B. in Malmedy.

Die Eifeler bemühten sich, die vorhandenen Bodenschätze stärker zu erschließen und zu verwenden. Vor allem die Eisenindustrie nahm, z.B. in Mulartshütte und Zweifallshammer, einen beachtlichen Aufschwung.