Namen - Ihre Bedeutung, Ihre Herkunft

 

Bedeutung von Namen Ruf- und Familiennamen sind individuelle Bezeichnungen, quasi Merkmale, die jeden von uns das ganze Leben begleiten. Gleichzeitig sind sie Personengruppenmerkmale. Der Name weist uns als Mitglied einer bestimmten Familie aus und nicht selten zeigt er auch den Platz in bestimmten gesellschaftlichen Gruppen.
Der Name ist in der Regel das älteste familienkundliche Dokument, auf das wir zurückgreifen können.
Vor der uns heute vertrauten Zweinamigkeit waren die Menschen, wie auch heute noch in kleinen Gruppen, Familien, Vereinen,o.ä. einnamig.  Dort ist ein Franz Müller als Franz klar identifizierbar und wird auch so angesprochen.
Ein wesentlicher Grund, den Rufnamen umfassend Beinamen zuzuordnen, war etwa ab dem 9.-10.Jh. das Anwachsen der europäischen Bevölkerung und damit verbunden zunehmende Verwaltungsaufgaben. Die zunehmende Bevölkerung, vor allem in den Städten, führte zur Verwendung von charakterisierenden Beinamen. Diese Gewohnheit breitete sich von Italien und Südfrankreich kommend im 12. Jh. Im deutschen Sprachraum, und dort zuerst in den Städten, aus. Aus mehreren Vertretern z.B. mit dem Namen Bert wurde Bert der Smit (Schmied) oder Bert der Küper (Böttcher, Faßbinder)1.
Mit den Erfordernissen verschiedene Personen eindeutig zu kennzeichnen ging nun nicht unbedingt ein Zwang zur Verfestigung, d.h. zur Vererbung der Beinamen einher. Praktische Erfordernisse, so z.B. um Erbansprüche gelten zu machen, waren es, die diese Entwicklung förderte. Bis auf einige Ausnahmen2 hatte sich bis zum 16.Jh.der Prozeß des Übergangs von veränderlichen Beinamen zu erblichen Familiennamen im deutschen Sprachraum, ausgehend von den Städten, nachhinkend auf dem Lande, weitgehend durchgesetzt hatte.
Einige Namen aus einer Abgabenliste aus den Jahren 1576/1577, Lammersdorf und Paustenbach betreffend, zeigen exemplarische Entwicklungen3

  • Pustenbach, Claiß
  • Witzer, Thieß Peter

  • Hickelen, Krein
  • Scheffer, Jan


  • Nelliß, Johan

  • Fränzgen
  • Bertrams, Frau
  • Agnes

  • Johann an der Heyden

Setzt man voraus, dass es sich bei den zweinamigen Personen der ersten Gruppen um echte Familiennamen4 handelt, so wären die ersten Personen nach Ortsnamen, Paustenbach und Witzerath5, benannt.
Hans Holbein 1538 Hausierer und TodHickelen6 (Kleinhändler) und Scheffer (Schäfer) sind nach Berufen benannt.
Nelliß Johans Name stammt wahrscheinlich von einem Vorfahren, Cornelius, im rheinischen Dialekt Nelles, ab.
Die nächste Gruppe zeigt, dass die Zweinamigkeit selbst im amtlichen Verkehr hier nicht vollständig durchgesetzt ist. Diese Art Einnamigkeit, Fränzgen, Agnes, ist im gesellschaftlichen Gebrauch bis in die Gegenwart bei Personen niederer sozialer Stellung erhalten geblieben, man denke an den berühmten Hausdiener Johann. Selbst in Kirchenbücher des 18.Jh. findet man in Heiratsvermerken als Namen der Braut häufig nur den Vornamen.
Bei Johann an der Heyden ist es ungewiß, ob es sich um einen Beinamen in Form einer Ortsbezeichnung oder um einen Familiennamen handelt


Die Bildung der Familiennamen

a) aus Rufnamen

Eine bis in germanische Zeiten zurückreichende Tradition ist es, Beinamen als Vatersnamen (patronymisch) oder nach Muttersnamen (metronymisch) zu bilden.
Die im Westen Deutschlands häufige Form patronymischer Namensbildung leitet sich nach folgendem Muster ab, z.B. aus Mathias, Serverins Sohn, wird Mathias Serverins. Die Familienzugehörigkeit wird durch die Genitivform (wessen Sohn?) des Vaternamens ausgedrückt.7 

Beispiele für diese Namensbildung aus Lammersdorfer Kirchenbüchern und der umliegenden Region sind zahlreich:
Heinrichs, Steffens (von Stefans), Mertens (von Martins), Krings (von Quirinus), Frings (von Serverins), Huppertz (von Huberts), Peters, Hermes (von Hermanns) Gerhards, Lennartz ( von Leonards), Johnen (von Johannes). Verbreitung des Namens Johnen
Verbreitung des Namens JansenAus dem Nordwesten und Norden stammen patronymische Bildungen auf -sen ,z. B. Jansen (von Jans Sohn), Dreesen (von Andreas Sohn), Clasen (von Nikolaus Sohn), Theisen (von Matthias Sohn). Eine metronymische Bildung ist Niesen (von Agnes Sohn).
Die beiden Karten zeigen die Häufigkeit der Namen Jansen und Johnen. Beide Namen sind vom Rufnamen  Johannes abgeleitete Familiennamen. Die Häufigkeitsverteilung von Namen kann, wie in diesem Beispiel, etwas  über die Herkunft der Namensträger aussagen.

b) nach Herkunftsorten und Wohnplätzen
Hier seien folgende Namen Beispiele: Strauch, Paustenbach, Harpers (nach Harperscheid, Ortsteil von Schleiden), Linzenich (nach Linzenich, Ortsteil von Zülpich), Maubach, Hürtgen, Breidenich8 (nach von Breinig bei Kornelimünster), Titz, Bürvenich, u.a.

Ein Beispiel für einen Wohnplatznamen wäre der in unserer Region häufig Namen Wollgarten, im 18.Jh. auch Wohlgarden (von guter Garten) geschrieben

c) nach Berufen oder Ämtern

Der Sensenschmied aus Ammans Buch der Stände 1568Berufe bilden die ergiebigste Quelle für die Namensbildung und umgekehrt bilden Namen einen musealen Schatz spätmittelalterlicher Berufsbezeichnungen.
Beispiele:
Schmitz, Schmidt, o.ä. ( vom Schmiedehandwerk abgeleitet) , Müller; Küpper ( rheinische Bezeichnung für einen Böttcher oder Faßbinder), Offermann ( = Küster). Breuer ( Brewer, abgeleitet vom Beruf des Brauers), Hamacher ( Hersteller von Hamen, Kummets, Pferdegeschirr) Förster, Graff, Leufer, Kremer, Kutscher, Radermacher, Stollenwerk, Leister, u.v.a.

 

d) aus Übernamen.

Übernamen sagen etwas über den Namensgeber aus, Beispiele sind Brun, Braun Schwarz, Klein, Groß, Jung, Stoltz, u.a.

Im Weiteren wird die Besprechung der Namen bei den Beispielen aus Lammersdorfer Familien fortgesetzt.


1) Das Bedürfnis, bestimmte Gruppen / Sippen als solche zu kennzeichnen, entstand sicher nicht nur wegen verwaltungstechnischer Erfordenrnissen, sondern hat historisch tieferreichende Wurzeln. So kennzeichnet best. Personen, die im altgermanischen Hildebandslied auftreten, die Endsilbe -brant, Hildebrant, Hadubrant,etc. Auch die fränkischen Merowingerkönige kennzeichnet der gleiche Anlaut im Namen, Childerich, Chilperich,etc (s.Gottschald, Deutsche, Namenskunde,&.Aufl. S.46)

2) z.B. Jüdische Familiennamen, Familiennamen in Friesland, die z.T. erst im 19.Jh. eingeführt wurden

3) aus Monschauer Land Jahrbuch 1984, S.50; Lammersdorfer 1576/1577, eingestellt von H.J.Siebertz

4)
Sicherer wäre man, wenn zu dem Namen z.B. eine Berufsbezeichnung oder eine Herkunftsbezeichnung stünde. Wenn der Witzer [Witzerath], Thieß Peter als aus Lammersdorf kommend bezeichnet wäre.

5) 
Die Familiennamen Paustenbach und Witzerath kommen seit den Anfängen in den hiesigen Kirchenbüchern vor. Im hiesigen Dialekt ist Wezert oder Wezer die Bezeichnung für Witzerath.

6)
 Von Hocke, Hucke mhd. Verkaufsstand der Kleinhändler, davon abgeleitet die Namen Hake, Hückler, Hickler, u.a. (s.Gottschald, Deutsche, Namenskunde,&.Aufl. S.253)

7) Die genitivische Kennzeichnung der Familienzugehörogkeit  findet man in hiesigen Kirchenbüchern des 18.Jh. häufig, z.B. Schiffers Nell, Junnens Tring, u.a. Im hiesigen Dialekt wird der Genitiv bei Familiennamen, die auf -er enden durch die Endsilbe - isch gebildet, z.B. Schiffisch, Nell, Crimisch, Tring, in den meisten anderen Fällen aber durch angehängtes -s, z.B. Wildens, Bäb, Kleins, Nett, Jungs, Johann

8) 
http://de.wikipedia.org/wiki/Breinig


Quellen:

Gottschald, Deutsche Namenskunde 6. Auflage, deGruyter
Duden, Lexikon der Familiennamen
LVR; Alltag im Rheinland; Aus der Werkstatt eines Historischen Rheinisch-Westfälischen Bei- und Familiennamenbuches
Die Angebote im Internet zur Namenskunde/Onomastik sind zahlreich. Eine kurze Zusammenfassung liefert folgende Seite:http://www.pomoc.chytrak.cz/onomastik.doc"

Kirchenbücher - Dörfer bei Simmerath; Vol 86 Edition Brühl, Patrimonium Transkriptum Verlag

Kirchenbücher -  Simmerath; Vol 179 Edition Brühl, Patrimonium Transkriptum Verlag

Zur Namenshäufigkeit und Verteilung: http://infolux.uni.lu/familiennamen/lfa/