Wie entstanden die gesetzlichen Familiennamen?

 

Vor der uns heute vertrauten Zweinamigkeit waren die Menschen, wie auch heute noch in kleinen Gruppen, Familien, Vereinen, o.ä. ein-namig. Dort ist ein Franz Müller als Franz klar identifizierbar und wird auch so angesprochen.
Ein wesentlicher Grund, solchen Rufnamen umfassend Beinamen zuzuordnen, war, wie die Namensforscher darlegen, etwa ab dem 9.-10.Jh. das Anwachsen der europäischen Bevölkerung und damit verbunden Personen zu unterscheiden. Die zunehmende Bevölkerung, vor allem in den Städten, führte zur Verwendung von charakterisierenden Beinamen. Diese Gewohnheit breitete sich von Italien und Südfrankreich kommend im 12. Jh. Im deutschen Sprachraum aus und dort zuerst in den Städten. Aus mehreren Vertretern z.B. mit dem Namen Bert wurde Bert der Smit (Schmied) oder Bert der Küper (Böttcher, Faßbinder)1.
Mit den Erfordernissen verschiedene Personen eindeutig zu kennzeichnen ging nun nicht zwingend eine Verfestigung, d.h. eine Vererbung der Beinamen einher. Praktische Erfordernisse, so z.B. um Erbansprüche gelten zu machen, waren es, die diese Entwicklung förderte. Bis auf einige Ausnahmen hatte sich bis zum 16.Jh.der Prozeß des Übergangs von veränderlichen Beinamen zu erblichen Familiennamen im deutschen Sprachraum, ausgehend von den Städten, nachhinkend auf dem Lande, weitgehend durchgesetzt hatte.



1) Das Bedürfnis, bestimmte Gruppen  als solche zu kennzeichnen, entstand sicher nicht nur wegen verwaltungstechnischer Erfordenrnissen im Hochmittelalter, sondern hat historisch tieferreichende Wurzeln. So kennzeichnet best. Personen, die im altgermanischen Hildebandslied auftreten, die Endsilbe -brant, Hildebrant, Hadubrant,etc. Auch die fränkischen Merowingerkönige kennzeichnet der gleiche Anlaut im Namen, Childerich, Chilperich,etc (s.Gottschald, Deutsche, Namenskunde,&.Aufl. S.46)