Lammersdorfer
Dorfnamen - Hausnamen1
i.M. Josef Kreitz

 

Ein fiktives Gespräch zweier Lammersdorfer Nachbarinnen, Catharina und Gertrud, um 1920

Tring: Nee, nee Drück haste jehuurt, em janze Dorp witt ett verzaalt - dat Börbescheele Sett hätt a Fisternellsche mott demm  Hermann. Nee nee, wä hätt dat jedaad, wo dä doch jrad i-esch ee Johr bestaat ös. 

Drück: Mett demm Mejsenarelds? Dat kann doch net sen.

Tring: Nee, met dem Mänesse Hermann - dat ärm Poulin. Do wäre die Bröer van demm Poulin demm Hermann ever Kadanx bejbrenge. Du wees jo wie kribizisch die Schlempe se konne.

Drück: Jowaal, du säs-et. Dat Poulin hatt jo och Horre op de Zänk. Wat witt Pastur dozo sarre?

Tring: Och, dä hat jenuch domet ze doon, Beischenhüppertjes Hof förr de Keerch ze krije, woa doch dat Beischje am hemmele ös.

Drück: Jösses nee, schwisch, du versöngist disch- Wat koochst du hött? 

Transkription:

Catharina: Nee,nee Drück hast du gehört, im ganzen Dorf wird erzählt, dass die Börbescheele Sett (Sett = Elisabeth) ein Verhältnis mit dem Hermann hat. Nee, nee, wer hätte das gedacht, wo der doch gerade mal ein Jahr verheiratet ist.
Gertrud: Mit dem Mejsenarelds? Das kann doch nicht sein.
Catharina: Nee, mit dem Mänesse Hermann - die arme Paulina (Hermanns Frau, aus der "Sippe" der Schlempe). Da werden die Brüder der Paulina dem Hermann aber Respekt beibringen. Du weißt ja wie jähzornig die Schlempe sein können.
Gertrud: Ja, du sagst es. Die Paulina hat ja auch Haare auf den Zähnen. Was wird Pastor dazu sagen?
Catharina: Och, der hat genug damit zu tun, die Wiese von Beischenhüppertjes für die Kirche zu bekommen, wo doch das Beischje im Sterben liegt.

Gertrud: Jösses nee, schweig, du versündigst dich. - Was kochst du heute?

 

Was sind Dorfnamen?

In diesem fiktiven Gespräch informieren sich die beiden Nachbarinnen über dörfliche Ereignisse. Die getroffenen personellen Zuordnungen erfolgen über Dorfnamen, wie Börbescheele, Beischenhüppertjes, Mänesse, Schlempe.

Dorfnamen stellen - merkwürdigerweise - eine Namensform dar, die neben dem gesetzlichen Namen existierte. So war z.B. der gesetzliche Name der oben erwähnten Börbescheele Sett, Elisabeth Strauch, der des Mänesse Hermann war Hermann Wilden.
Auch hier handelt es sich meist, wie bei der gesetzlichen Namensform,  um eine Zweinamigkeit.

Die Quellenlage zu den Dorfnamen ist spärlich. Von wenigen Ausnahmen abgesehen wurden die Dorfnamen nur mündlich weiter gegeben, so dass der erfasste Zeitraum  meist  200 Jahre und weniger umfasst.1
Um die Bedeutung der Dorfnamen zu verstehen, ist ein kleiner Exkurs in die Geschichte der Entstehung der gesetzlichen Familiennamen hilfreich.

 


1) Die wichtigste, etwa 50 Jahre alte Sammlung der Dorfnamen stammt aus dem Dorfinventar von Josef Kreitz "Lammersdorf und seine Bewohner - einst und jetzt". Von Josef Kreitz stammen auch die im Weiteren verwendeten Informationen zu den Änderungen in den Besitzverhältnissen alter Lammersdorfer Häuser, die er durch Auswertung alter Katasterunterlagen zusammengestellt hat. Ohne diese Informationen wäre dieser Beitrag nicht möglich gewesen.

Eine weitere, auf den Kreitzschen Informationen fußende Zusammenstellung wurde von J.Siebertz verfasst. 
Über die genannte Quellenlage hinausgehende, bestätigende und ergänzende Informationen stammen aus den Lammersdorfer Personenstandsbüchern und den Beiträgen alter Lammersdorfer (vor allem von Frau Anna Jansen, 2015-100jährig