Familiengeschichte als Einstieg in die Genealogie

Früher war alles besser…

 Familiengeschichte ist eine Geschichte von unten, eine „Graswurzelgeschichte“. Sie  beginnt mit der individuellen Geschichte dessen, der sich mit ihr auseinandersetzt. Die eigene Biographie ist in den nächsten Kreis, in die Geschichte der Kernfamilie, eingebettet. Die Geschichte der Kernfamilie ist verwoben mit der der Großfamilie, durch die schon die Generation der Großeltern und deren Kinder oder weiterer Generationen - und damit die klassische Genealogie -  ins Licht des Interesses tritt. 
Sowohl die Kern-, als auch die Großfamilie ist  Teil einer größeren sozialen Einheit, wobei vielfältige Wechselwirkungen aufzeigbar und wirkmächtig sind / waren. Diese Wechselwirkungen oder Einflüsse sind aktuell politischer und langfristig kulturhistorischer Natur. 

Wer hat nicht die Bedeutung der Tradition erfahren und darin die Bedeutung von ´Nachahmungen, die ihre Quellen von jenseits der Gräber hat´1 Wer hat nicht in seinem Umfeld  erlebt, dass das Alte, Bewährte - die Nachbarschaftshilfe, der Zusammenhalt -  verfiel und der Orientierung an aktuellen Moden (z.B. einer alles durchdringenden Ökonomisierung,b.m.) und unerwiesenen Mustern weichen mußte.2 

Dennoch: In diesem Spannungsverhältnis ist Tradition nach wie vor eine Erdung. Noch versteht man die Bedeutung der Aussagen: Ich bin Hadubrand, Hildebrants Sohn - ich bin ein Adenauer - ich bin ein Meysenarrelds, ein Scholls, etc. 

Familiengeschichte in diesem Sinne ist eine Insidergeschichte, in der  schon immer die Erinnerungen über die Generationen gepflegt wurden, um bestimmte Situationen oder Ereignisse vor dem Hintergrundes des großen oder kleinen Geschichtstheater  zu beschreiben und zu erklären.

In diesem Sinne war früher nicht alles besser, manches schon, aber vieles anders.


1) Sloterdyk; Die schrecklichen Kinder der Neuzeit
2) ebd.