Kupfermeister , Kupferhöfe und Messing

 

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Bei dem damals üblichen und einzig möglichen Verfahren zur Herstellung von Messing, einer aus Kupfer und Zink bestehenden Legierung, blieb das Zink völlig unsichtbar und entzog sich jeglicher Anschauung. Wahrnehmbar war lediglich eine intensive, goldähnliche Verfärbung des Kupfers. Der als Zinkträger in diesem Prozess involvierte Galmei wurde auch nicht als Erz erkannt, sondern als eine Art Färbemittel angesehen. Da man also im Messinggewerbe nach damaliger Anschauung gefärbtes Kupfer herstellte und das Endprodukt Messing in der Umgangssprache ebenfalls schlicht und einfach als Kupfer (oder Gelbkupfer) bezeichnet wurde, nannte man die Messingproduzenten folgerichtig Kupfermeister und ihre Wohn- bzw. Betriebsstätten Kupferhöfe. Auch der für Stolberg übliche Beiname „Kupferstadt“ ist vor diesem Hintergrund zu sehen, denn in Stolberg und Umgebung ist nie Kupfererz gefördert oder Kupfer verhüttet worden. Das zur Messingherstellung erforderliche Kupfer musste aus anderen Regionen „importiert“ werden. Auf Grund der zur Messingherstellung erforderlichen Mengenverhältnisse der Einsatzstoffe (2 Teile Galmei, 1 Teil Kupfer) war das Messinggewerbe aus logistischen Gründen auf Regionen beschränkt, wo (wie in Stolberg) Galmei als natürliche Ressource zur Verfügung stand. Spätestens im 18. Jh. wurden die Messingmärkte von den Stolberger Kupfermeistern fast monopolartig beherrscht. Produktbezeichnungen und Handelsnamen wie Afrika-Pfanne, Guinea-Kessel, Lissabonner Pfanne etc. zeugen von der internationalen Ausrichtung der einstigen Handelsverbindungen. Insbesondere die um die Wende zum 18. Jh. erbauten, repräsentativen Kupferhöfe lassen auch heute noch das Selbstbewusstsein der wirtschaftlich äußerst erfolgreichen Kupfermeister erkennen.

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