Kupfermeister , Kupferhöfe und Messing

 

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Bei dem damals üblichen und einzig möglichen Verfahren zur Herstellung von Messing, einer aus Kupfer und Zink bestehenden Legierung, blieb das Zink völlig unsichtbar und entzog sich jeglicher Anschauung. Wahrnehmbar war lediglich eine intensive, goldähnliche Verfärbung des Kupfers. Der als Zinkträger in diesem Prozess involvierte Galmei wurde auch nicht als Erz erkannt, sondern als eine Art Färbemittel angesehen. Da man also im Messinggewerbe nach damaliger Anschauung gefärbtes Kupfer herstellte und das Endprodukt Messing in der Umgangssprache ebenfalls schlicht und einfach als Kupfer (oder Gelbkupfer) bezeichnet wurde, nannte man die Messingproduzenten folgerichtig Kupfermeister und ihre Wohn- bzw. Betriebsstätten Kupferhöfe. Auch der für Stolberg übliche Beiname „Kupferstadt“ ist vor diesem Hintergrund zu sehen, denn in Stolberg und Umgebung ist nie Kupfererz gefördert oder Kupfer verhüttet worden. Das zur Messingherstellung erforderliche Kupfer musste aus anderen Regionen „importiert“ werden. Auf Grund der zur Messingherstellung erforderlichen Mengenverhältnisse der Einsatzstoffe (2 Teile Galmei, 1 Teil Kupfer) war das Messinggewerbe aus logistischen Gründen auf Regionen beschränkt, wo (wie in Stolberg) Galmei als natürliche Ressource zur Verfügung stand. Spätestens im 18. Jh. wurden die Messingmärkte von den Stolberger Kupfermeistern fast monopolartig beherrscht. Produktbezeichnungen und Handelsnamen wie Afrika-Pfanne, Guinea-Kessel, Lissabonner Pfanne etc. zeugen von der internationalen Ausrichtung der einstigen Handelsverbindungen. Insbesondere die um die Wende zum 18. Jh. erbauten, repräsentativen Kupferhöfe lassen auch heute noch das Selbstbewusstsein der wirtschaftlich äußerst erfolgreichen Kupfermeister erkennen.

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Das niedere Schulwesen in Frankreich

 Bis zur Revolution (1789) war das Elementarschulwesen in Frankreich auf dem Lande  wie in Deutschland in den Händen der Kirche. In den Gemeinden führte der Pfarrer die Aufsicht über die Schulen. Wie in Deutschland hatte der Lehrer zusätzliche kirchliche Verpflichtungen.

Durch die Revolution änderte sich der Status von Schule und Lehrer. Die Schulen wurden dem Staat unterstellt und die Lehrer zu Funktionären des Staates. An die Stelle der religiösen Erziehung trat die Erziehung zum Citoyen.
Unter der Herrschaft des Direktoriums (1795) kam es zu einer Spaltung im Schulsystem. Zum einem bildete sich ein anspruchsvolles staatliches System für die Kinder der wohlhabenden "neuen Bourgeoisie und Bürokratie", während das öffentliche Elementarschulwesen mehr und mehr privaten und lokalen Initiativen überlassen wurde.1)
Mit Beginn des Konsulats (1799) zog sich der Staat endgültig aus der Finanzierung der Primarschulen, wie in Frankreich die Elementarschulen hießen, zurück. Wie zur Zeit vor der Revolution wurden wieder Ordensgesellschaften und Gemeinden für den Unterricht an den Primärschulen, die auch die Schulen der Armen waren, zuständig. Nach dem Konkordat (1801), das Napoleon mit dem Papst Pius VII. abschloss, wurde dort die katholische Religion wieder zum Hauptunterrichtsgegenstand.2)



Die Franzosenzeit im Rheinland (1794 - 1814)

In den ersten Jahren nach dem Einmarsch der Franzosen in die linksrheinischen Gebiete herrschte Stillstand auf schulischen Gebiet. Die Reformbemühungen aus der Endphase des Alten Reiches kamen zum Erliegen.
Ein neuer Aufbruch setzte 1798 ein. Eine Verordnung gliederte das Bildungssystem wie in Frankreich in Primär-, Sekundär- und Zentralschulen. Im gleichen Jahr wurde die Errichtung von Unterrichtsjurys beschlossen. Deren Hauptaufgabe war zu prüfen, ob die Lehrer u.a. ausreichend Französische lesen und schreiben konnten. An dieser Forderung scheiterten die meisten Kandidaten.
"Bei allen durchgeführten Prüfungen ging es letztlich um die Verbreitung der französischen Sprache, denn die Französisierung des linksrheinischen Gebietes  war vorrangiges Anliegen der französischen Regierung."3) 
1802 überließ der Staat die Primär- und Sekundärschulen der lokalen Verwaltung und privaten Initiativen. Die Lehrerwahl und die Festsetzung des Lehrergehaltes, das die Eltern durch das Schulgeld aufbringen mußten,  war Angelegenheit der Bürgermeister und Gemeinderäte. In der Folge sank vielerorts das Einkommen der Lehrer. Die Situation der landlehrer beschreibt folgendes Zitat:

"...Der schlechteste Bursche sieht sich als Wohltäter des Lehrers an, der von ihm durch 6 Stüber monatlich ein Gnadengeschenkt erhalte. Gesorgt sei für den Unterhalt des Nachtwächters, des Armenjägers und Viehhirten, nur nicht für den Lehrer."4)

Die in republikanischer Zeit angestrebte Trennung von Lehrertätigkeit und Küsteramt wurde wieder aufgegeben, um den Lehrern ein wenigstens lebenssicherndes Einkommen zu sichern.
Ebenso wurde die aus dieser Zeit stammende Religionsfeindlichkeit  durch Napoleon zurück genommen und die erzieherischen Möglichkeiten der Kirche wurden wieder genutzt.

"Das napoleonische Frankreich schuf auf dem Gebiet der Lehrerbildung nichts Vorbildliches. Deshalb lebte im Rheinland die Idee von Normalschule und Lehrerseminar weiter."5)

Exemplarisch für den Werdegang eines Landlehrers ist aus dieser Zeit ist die Biografie des Schulmeisters Johannes Huppertz (*1782, +1866) aus Konzen.
Huppertz besuchte vom 8. bis zum 16. Jahr im Winter die Dorfschule in Konzen, arbeitete zwischen dem 17. und 24. Jahr in der väterlichen Landwirtschaft.
Mit 24 Jahren wurde ihm der Unterricht in der Konzener Dorfschule übertragen (ca 1806). Er hatte sich bis dahin selbständig fortgebildet und konnte geläufig lesen, mit ganzen und gebrochenen Zahlen rechnen und dürftig schreiben. 1808 übernahm er die Schule in Imgenbroich.
Er nahm Unterricht in Latein und Französisch beim Vikar von Konzen und dem Pfarrer von Imgenbroich. Diese Unternehmungen gab er jedoch bald auf. Er hatte sich im Französischen soweit fortgebildet, dass der Schulkommissar, Abbe Ranc, aus Lüttich eine provisorische Anstellung in Höfen als Lehrer und Küster erlaubte (1811).6)
Wie man sieht, war auch zu dieser Zeit noch keine sonderliche Ausbildung für´s Schulehalten notwendig oder vorgeschrieben. 

In Summe:

"So stand das Schulwesen in französischer Zeit schlechter da als vorher. ... Es fehlte nicht nur an Geld, sondern auch am nötigen Interesse. ...Weiterhin brachte die Bevölkerung dem Beruf des Lehrers nur wenig Ansehen entgegen. Zwar hatte die Verstaatlichung des Schulwesens den Lehrer zu einem Bediensteten des Staates gemancht, doch blieb er in der Praxis Diener der Schul- und Kirchengemeinde."7)



Die regionale Situation der Primärschulen am Ende der Franzosenzeit - 1814

Nach dem Abzug der Franzosen wurden im August des Jahres 1814 von der preußischen Verwaltung ein Fragebogen zur Erhebung von Schuldaten im Generalgouvernement verschickt. Die folgende Auswahl aus den für den den Kanton Montjoie gemachten Angaben sind bemerkenswert 8):

Die Stadt Monschau - ein Beispiel für den häufig zu beobachtenden Unterschied zwischen katholischen und protestantischen Elementarschulen - zählte im Jahre 1814
3084 Einwohner (2669 Katholiken, 415 Protestanten)
Kinder 6-14 Jahren (425 Katholiken, 66 Protestanten)
Primärschulen:1. katholische , 1 protestantische
In die katholische gingen regelmäßig nur 60 Kinder (50 Jungen, 10 Mädchen)
Der katholische Lehrer, geprüft durch einen Lehrer der hiesigen Sekundärschule, hatte ein Einkommen von 180 Franken plus Schulgeld, welches unter der Summe von 180 Franken blieb.
Er unterrichtete Deutsch, Französisch und Rechnen.
Der protestantische Lehrer, geprüft von mehreren Behörden, unterrichtete Lesen, Schreiben, Tafel- und Kopfrechnen, Religion, Orthographie, Geographie, Zeichnen, Naturlehre.
Er verdiente 560 Franken plus Schulgeld, wofür die finanzkräftige monschauer Unternehmerschaft sorgte.
Die Besoldung des Lehrers an der Sekundärschule betrug ca.900 Franken.

In Dedenborn, Rauchenauel, Seifenauel und Pleushütte gab es weder Schule noch Unterricht.

In Eicherscheid unterrichtete der Bäcker und Küster 150 Kinder. Er war ohne jede Prüfung von der Gemeinde berufen worden. Gehalt 120 Franken.

In Höfen unterrichtete der oben erwähnte Johann Huppertz. Von den 150 Kindern besuchte nur die Hälfte im Winter die Schule. In Sommer sank die Zahl unter 20. Huppertz bekam von der Gemeinde kein festes Gehalt sondern nur das Schulgeld, das sich auf 160 Franken belief. Für den Kirchendienst erhielt er 150 Franken.
In Kalterherberg (200 schulfähige Kinder) unterrichtete seit über 50 Jahren Johann Zorn, hochgeschätzt, der „aber altershalber nicht sehr gefürchtet ist“.

In Imgenbroich unterrichtete ein Weber, in Konzen ein Küster und Schreiner, in Mützenich ein Ackerer und ein 14 jähriger.

In Kesternich (137 schulfähige Kinder) keine Schule. In den Wintermonaten Unterricht durch den Vikar.

In Lammersdorf, Zweifall Mulartshütte keine Primärschule. Man bediente sich „des gemeinen auf dem Land gebräuchlichen Unterrichts“, den der Küster erteilte. In Lammersdorf war das seit 1813 Johann Victor.

In Roetgen (150 schulfähige katholische und 111 protestantische Kinder) gab es keinen öffentlichen Unterricht für die katholischen Kinder, für die protestantischen gab es einen Lehrer.

In Simmerath gab es eine Privatschule des Küsters und eine öffentliche Primärschule. In den zu Simmerath gehörenden Ortschaften wurde der Unterricht im Winter von „befähig befundenen Dorfbewohnern erteilt.

 

Fazit:
Das war also die Lehrerschaft der Elementarschulen. Es gab keine verbindliche Ausbildung. Prüfungen der Qualifikation steckten in den Anfängen. Die wirtschaftliche Lage war nach wie vor unbefriedigend, so dass die Lehrer auf dem Lande i.d.R. auf ein Zuverdienst als Küster, Organist oder Gemeindesekretär angewiesen waren. Wegen der oftmals geringen Qualifikation und der Armut der Lehrer war ihr öffentliches Ansehen gering.  
Noch 1814 konnte J. Görres, damaliger Direktor des Schulwesens am Mittelrhein, sagen:

"In der Regel ist der Schweinehirt eine weit geehrtere Person im Dorf als der Schullehrer, und er wird für glücklich gehalten, wenn er beyde Stellen miteinander verbinden kann"9)


1) Harten, Hans-Christian; Das niedere Schulwesen in Frankreich am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert; s.41; aus: Das niedere Schulwesen im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert; Hg. Albrecht, Peter und Hinrichs, Ernst; Niemeyer
2) ebenda, S.43
3) Wynands, Dieter P.J.; Die Herausbildung des Lehrerstandes im Rheinland während des 19. Jh.;S.32
4) unbekannter Autor (1800), zitiert nach Wynands, ebenda, s.34
5) Wynands, ebenda S.35
6) Entwurf zu einem Curriculum vitae eines Elementarlehrers, Selbstbiographie des Lehrers Johannes Huppertz in:Der Eremit am Hohen Venn, Jg.2 S.101 f.
7) Wynands, ebenda S.36
8) Richter,A.; Das Schulwesen im Kanton Monschau Am Ende der französischen Herrschaft;Teil 1 und 2 in: Der Eremit am Hohen Venn, Jg.3, 1927/28
9) Ohlert, Konrad, Das Volksschulwesen S.2, in: "Die Rheinprovinz, 1815-1915" 100 Jahre preußische Herrschaft am Rhein; 
http://booksnow1.scholarsportal.info/ebooks/oca5/37/dierheinprovinz02hansuoft/dierheinprovinz02hansuoft.pdf


Anstellung und Arbeitsbedingungen des Lehrers Gottfried Krapp  an der 
Elementarschule in Lammersdorf 

 
Berufsbrief des Lehrers G. Krapp 1834Berufsbrief1) für den H. Gottfried Krapp zum Lehrer an der katholischen Elementarschule zu Lammersdorf im Kreise Montjoie

Wir geben hiermit zu erkennen, daß wir den Herrn Gottfried Krapp gebürtig aus Hambach Regierungsbezirk Aachen Kreis Düren zuletzt Lehrer an der katholischen Elementarschule zu Gey in demselben Regierungsbezirke und Kreise belegen, aus dem Grund seiner am 22.May 1834 in Brühl bestandenen Prüfung mit N⁰ 3 erhaltenen Prüfungs- und Wahlfähigkeitsattest zum Lehrer an der hiesigen katholischen Elementarschule, mit welcher Stelle die eines Küsters verbunden ist, für einen Zeitraum von drei Jahren unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, bei eintretenden schwerem Amtsvergehen oder Amtsvernachlässigungen den genannten Herrn Krapp nach Verlauf des ersten oder zweiten Jahres entlassen zu dürfen, erwählt haben.



Nach dem unbefriedigenden Zustand des Elementarschulwesens während des 18. Jahrhunderts und der Franzosenzeit (1794 - 1813),2)  bemühte sich die preußische Verwaltung ab 1813 intensiv um eine Steigerung der Qualität des Unterrichts durch Aus- und Fortbildung der Lehrer, desgleichen um eine finanzielle Sicherung des Lehrerberufs und um die Hebung seines Ansehens.

Eine wesentliche Weichenstellung war die Errichtung von Seminaren, den Vorläufern der späteren pädagogischen Hochschulen.  
Als Krapp das Brühler Seminar besuchte, hatte sich in der Preußischen Rheinprovinz3) die seminaristische Ausbildung als Voraussetzung für die Anstellung von Elementarschullehrern gegenüber anderen Qualifikationsmaßnahmen weitgehend durchgesetzt. 
Ziel der Ausbildung war die christlich-katholische Lehrerpersönlichkeit.  
Die zweijährige Seminarausbildung endete mit einer Abschlußprüfung, in welcher Anlage, Fleiß, Führung und die Fortschritte in Kriterien für das Abschlußzeugnisden einzelnen Fächern beurteilt wurde. Das Zeugnis schloß mit den Notenstufen I, II oder III ab,was soviel wie „vorzüglich“, „gut“ oder „hinreichend bestanden“ bedeutete. Absolventen mit den Noten II oder III mußten sich nach drei Jahren einer erneuten Prüfung unterziehen, um den Anspruch auf eine definitive Anstellung zu erreichen. Das Abschlußzeugnis war ein Prüfungsattest und  dokumentierte als Wahlfähigkeitsattest das Recht eine feste Anstellung im Schuldienst an zu treten.

Krapp war zum Zeitpunkt seiner Prüfung 37 Jahre alt. Es ist anzunehmen, dass die 1834 abgelegte Prüfung seine zweite war. Er hatte also in Gey eine provisorische Anstellung als Elementarschullehrer.
Wenn man eine reguläre Schulkarriere voraus setzt, so hat er 1830 seine erste Prüfung abgelegt, wahrscheinlich vor seiner Heirat mit Magdalena Ziliken, denn während der  Seminarausbildung war er "Zögling" im  Internat des Brühler Seminars.
Mit der von ihm erreichten Prüfungsnote III war ihm eine finanziell und gesellschaftlich attraktivere Stelle in größeren Städten versagt. Er wechselte in eine, im Vergleich zu Gey, nur wenig lukrativere, aber immerhin feste Anstellung nach Lammersdorf.

 


1) Der Berufsbrief  (abgeleitet von: berufen zum ...; in aktueller Sprechweise eine Art Arbeitsvertrag) stammt aus einem Akt zur Schulgelderhebung der Gemeinde Lammersdorf aus dem Jahre 1846, der sich im Privatbesitz befindet.
2) siehe Hintergrundinformation unter den Menüpunkten: Rekurse
3) Der Name Rheinprovinz wurde ab 1833 gebräuchlich


 

Anstellung und Arbeitsbedingungen des Lehrers G. Krapp - Fortsetzung
Seine Pflichten als Lehrer und als Küster

  

Berufsbrief der lehrers Gottfried Krapp 1834, die Pflichten als Lehrer

Die Pflichten, deren Erfüllung wir von demselben  
1. als Lehrer erwarten sind Folgende
[a] Er hat täglich vormittags  im Sommer von 8-11 im Winter von halb 9 – 12 und nachmittags von 1-4 Uhr öffentlichen Unterricht zu erteilen, doch mit Ausnahme der Mittwoch- und Samstag Nachmittage oder statt deren eines ganzen Wochentages.
b) Die Gegenstände des Unterrichts sind: Religionslehre in Verbindung mit dem Ortspfarrer, Lesen, Schreiben, Kopf- und Tafelrechnen, Gesang, Geographie und Aufsatzlehre.
c) Wir erwarten dabei, daß der Lehrer es sich werde angelegen sein lassen, seine Schüler nicht nur zu verständigen, sondern auch zu frommen und rechtschaffenen Menschen zu bilden, und sie zur treuen Anhänglichkeit an den Landesherren und an den Staat und zum Gehorsam gegen dessen Gesetze und Anordnungen anzuleiten, wobei besonders auch das eigene gute Beispiel vorausgesetzt wird.
2. als Küster hat derselbe bei dem öffentlichen Gottesdienste allen jenen Forderungen zu entsprechen, die diese Stellung auf dem Lande mit sich zu führen pflegt. In Sondernheit aber hat er für Reinlichkeit der Kirche zu sorgen, wie auch, daß zur bestimmten Zeit Morgens, Mittags und Abends das gewöhnliche Zeichen mit den Glocken gegeben wird.



Volksschulunterricht  1836Als Krapp 1834 seinen Dienst antrat, hatte Lammersdorf ein Schulhaus mit einem Schulzimmer, „aber nichts weiter darin als ein Paar alte halb zerbrochene ungehobelte Bänke und Tische (so noch im Jahre 1835), nicht einmal für die Wandfibel und Schultabellen war gesorgt. Es fehlte an Allem und die zeitlichen Pfarrer erlebten wegen der Schule, und Anschaffungen in derselben nur Verdrießlichkeiten; noch bis heute [Drucklegung des Gedenkbüchleins 1845] würden die Schulutensilien fehlen, wenn die Gemeinde dieselbe hätte beschaffen sollen“1)
Aus der letzten Bemerkung läßt sich schließen, dass die Zivilgemeinde, die  für die äußeren Schulangelegenheiten zuständig war, sei es aus Armut oder fehlender Achtsamkeit  nichts zur Behebung des Mangels unternahm. Schließlich hat der Pfarrer, der als örtliche Schulaufsicht eigentlich für die inneren Schulangelegenheiten verantwortlich war wie an anderer Stelle von Bonn bemerkt wird - durch eine über Jahre sich erstreckende Einsparung eines Teils der Schulgelder die nötigen Anschaffungen vornehmen können.
Nach der Schulgeldhebeliste von 1846 unterrichtete Krapp in diesem Jahr 121 Kinder. Das Schulzimmer in der Dorfschule hatte eine Größe von 598  Quadratfuß [preußisch]2). Das entspricht einer Größe von ca. 59 m2. Wären alle schulpflichtigen Kinder zur gleichen Zeit anwesend gewesen, so hätte jedes Kind weniger als 0,5 Quadratmeter Bewegungsfläche gehabt.
Eine Versäumnisliste aus dem Jahre 1846 weist im Monat August 29 fehlende Kinder, im Monat November 3 fehlende Kinder aus. Im August lagen  die Zahlen der versäumten Schultage zwischen 19 und 7, im Durchschnitt 16 Tage. Selbst im Sommer gingen also gut 90 Kinder im betrachteten Jahr regelmäßig zur Schule. 

Versäumnisliste August 1846 Volksschule LammersdorfAus der Liste geht auch hervor, dass Krapp, gemäß dem Arbeitsvertrag, jeden Wochentag unterrichtete.  Ferner wird deutlich, dass die Kinder sowohl vor- wie nachmittags in der Schule sein mußten.

Bemerkenswert ist, dass trotz der Notwendigkeit, die Kinder im Sommer zur Mithilfe im familiären Betrieb heran zu ziehen, die überwiegende Zahl der  Eltern die Schulpflicht ihrer Kinder auch zu dieser Jahreszeit beachteten. Dass 3/4 der Lammersdorfer Kinder regelmäßig zur Schule gingen, war wohl auch den üblichen staatlichen Zwangsmitteln, die in Geldbußen oder gar Arrest in der Kreisstadt bestand, geschuldet. Strafbefehl für Schulversäumnis
Diese nach unserem heutigen Verständnis drastische Maßnahme war ein Ursache, die Schulversäumnisse im Verlauf des 19. Jh. zu senken und die A
lphabetisierungsrate zu steigern.

 

 

 

 


1) Bonn, Mathias; Gedenkbüchlein für Lammersdorf im Kreise Monschau oder Sammlung geschichtlicher Notizen zunächst über die Kirche daselbst; in Katholische PfarrgemeindeLammersdorf einst und jetzt, Josef Kreitz und Herbert Arens; S.28
2) Bonn, ebenda S.27


 

Anstellung und Arbeitsbedingungen des Lehrers G. Krapp - Fortsetzung

 Einkünfte und Naturalentlohnung 

 

Berufsbrief des Lehrers G. Krapp 1834 Dagegen werden dem Erwählten für die Übernahme vorgenannter Pflichten folgende Vortheile zugesichert

1. Eine freie Wohnung mit Garten

2. Um den Lehrer zu ermuntern, den Kindern Lust zu der Obstbaumzucht beizubringen und denselben eine praktische Anleitung  in diesen Zweigen der Industrie zu geben, wird dem Lehrer der aus der Gemeinde Baumschule zu erzielende Erlös zuerkannt.

3. Der Lehrer erhält an Gehalt vom 1. November 1834 bis zum 1.November 1835 - 110 Thaler, für die folgenden Jahre aber 120 Thaler, für den  welchen Mehrbetrag er selbst die Feuerungsmaterialien zum Einheizen des Schulzimmers zu  beschaffen hat.

4. Was von dieser Summen auf den Grund der vom Schullehrer angefertigten und von dem Schulvorstande revidirten und beglaubigten halbjährigen Schulgeldhebelisten von dem Gemeinde Empfänger einschließlich der gewöhnlichen Prozent Hebegebühren nicht erhoben wird, muß bis zur obengenannter Summe von 110 und resp. ? 120 Thalern aus der Gemeindekasse zugesetzt werden.

5. Dabei kann der Berufene in Voraussetzung  treuer Pflichterfüllung sich unserer Liebe und Achtung so wie derjenigen Unterstützung versichert halten, welche zur Aufrechthaltung und Beförderung seiner Wirksamkeit erforderlich ist.

als Küster
4.erhält derselbe die im Budget bewilligten 12 Thaler jährlich.

5.von gestifteten Jahrmessen beiläufig 5 Taler

6. die Summen von den übrigen kirchlichen Gefällen kann nicht bestimmt angegeben werden.

7. ein Los Brandholz aus dem Gemeinde Walde

8. hat er von gestr.:[jedem]1. Nbr 1835 und respkt [=respektive] am 1. Nbr jeden Jahres von jedem Hauptbewohner eines Hauses zwei viertel Hafer und von jedem Bewohner ein viertel Hafer einzuziehen.


Krapp hatte in Gey für seine Lehrertätigkeit 100 Taler pro Jahr verdient. In Lammersdorf wurden ihm ersten Jahr 110 und  ab dem zweiten Jahr, bei zusätzlich zu erbringendem Aufwand, 120 Taler zugebilligt.

Besoldung der Volksschullehrer 1820 bis 1870Betrachtet man die linke Tabelle für den Zeitraum 1830-1840, so sieht man, dass die Einkünfte, die Krapp erzielte, selbst bei Berücksichtigung der Gelder aus der Küstertätigkeit, unterdurchschnittlich war. Die Lehrergehälter stiegen zwar in den dargestellten Zeitintervallen, doch insgesamt handelte es sich um einen Einkommensverlust, da die Lebensmittelpreise überproportional stiegen.1)
Schulgeldhebeliste ZusammenfassungAus der Zusammenfassung der Schulgeldhebelisten von 1846 geht hervor, dass Krapp zum Schulgeld von ca. 80 Talern noch ca. 40 Taler aus der Gemeindekasse erhielt, so dass sein Gehalt auch 1846 noch  dem 1834 vereinbarten Betrag  von 120 Talern entsprach und damit erheblich unter dem in der Tabelle angezeigten Durchschnitt lag.

Es gehörte zu den Vorgaben der preußischen Schulverwaltung2), dass jeder Lehrer eine Dienstwohnung  mit Garten zugewiesen bekam. Diese Bedingung war für die Krappsche Familie erfüllt, wenn auch, wie oben beschrieben, sich die Wohnung im Schulhaus in einem desolaten Zustand befand.
Der Hinweis auf die Obstbaumzucht in Punkt 2 des Vertrages hat seine Wurzeln in der aufklärerischen, physiokratischen Vorstellung von der Bedeutung der Landwirtschaft für die staatliche Prosperität. Obstbaumpflege, Gartenbau oder Bienenzucht waren die angemessenen Beiträge auf der Ebene der Elementarschule zu diesem Unternehmen. 
Die Gemeinde Lammersdorf hatte zu diesem Zweck schon 1821 einen Platz, (Flurbezeichnung: Boomscholl 3)) angelegt, der nach Auskunft des Pfarrers Bonn völlig ungeeignet war. Ein später neu ausgewiesener Ort war, so Bonn, ebenso wenig geeignet. Bei dem in der ersten Hälfte des 19. Jh. herrschenden Klima hielten sich die Gewinne aus den Baumschulerträgen wohl in überschaubaren Grenzen.

 

 


 
1) Herlitz, Hopf, Zitze, Cloer; Deutsche Schulgeschichte von 1800 bis zur Gegenwart; S.54
2) Ohlert, Konrad, Das Volksschulwesen S.7, in: "Die Rheinprovinz, 1815-1915" 100 Jahre preußische Herrschaft am Rhein;http://booksnow1.scholarsportal.info/ebooks/oca5/37/dierheinprovinz02hansuoft/dierheinprovinz02hansuoft.pdf
3) J. Kreitz; Die Lammersdorfer Flurnamen; bearbeitet von Bernd Läufer; S.46; Hg.Verein für Heimatgeschichte und Dorfkulture.V. Lammersdorf


 

Anstellung und Arbeitsbedingungen des Lehrers G. Krapp - Fortsetzung

 Verwaltungsorgane

 

Gemeinderat und Schulvorstand

Nachdem der Lehrer sich durch seine Unterschrift für die Annahme des Berufs erklärt hat, soll die Bestätigung bei der hochlöblichen Königlichen Regierung nachgesucht werden.
Lamersdorf am 1. Novbre 1834
Der Gemeinderath / gez./ Joh. Peters - Joh. Arnold Johnen - Christian Wilden – Hubertus Jansen – Johan Arnold Röntgen - Jakob Willems - Ketenis - Johann Mathias Kauffman - Wilhm Schweitzer

Der Kirchenvorstand / gez / Strunck Pfarrer - J Dressen - Math. Röntgen - Michael Strauch - Wilhelm Falter -P. Wilh. Simons

Der Schulvorstand /gez/ Strunck Pfarrer- Joh. Peters - Linzenich
Für die Annahme vorstehenden Berufs unterzeichnet
 Lammersdorf im Monat Novbr 1834 Der Schullehrer und Küster/gez./ Godfried Krapp

Die Richtigkeit der Abschrift
Mathar
Beigeordneter


 Die aus französischer Zeit stammende Verantwortung des Staates für das Schulwesen wurde von der preußischen Verwaltung übernommen. Der Staat delegierte die Schulaufsicht an den örtlichen Schulvorstand. Die örtlichen Institutionen,  Bürgermeister und Gemeinderat, Schulvorstand und die Vertretern der Kirchengemeinde hatten das Recht zur Besetzung einer freien Stelle drei fähige Kandidaten vor zu schlagen. Aus diesem Vorschlag wählte die Schulbehörde einen Kandidaten aus, mit dem schließlich der Berufsbrief verhandelt wurde.1)
Im Gegensatz zur französischen Epoche setzte die preußische Verwaltung ab 1815, vor allem auf dem Lande,  auf Mitwirkung des Ortsgeistlichen. Die Organisation des Volksschulwesen auf dem Lande gestaltete sich in der Folgezeit so, dass Bürgermeister und Gemeinderat für die äußeren Schulangelegenheiten, der Pfarrer für die inneren zuständige war.2)
Gegen diese Stellung der pädagogisch nicht ausgebildeten Pfarrer entstand  zunehmender Unmut in der Lehrerschaft. Kam es zu einem Zerwürfnis zwischen Pfarrer und Lehrer, zog i.d.R. der Letztere den Kürzeren und wurde versetzt.
Krapp war in einer doppelten Abhängigkeit vom Pfarrer, einmal als Küster zum andern als Lehrer. Im Jahre 1850 wurde er, vom ganzen Dorf geachtet,  wegen eines Streites mit dem Pfarrer Bonn versetzt.3) 


1) Wynands, Dieter P.J.; Die Herausbildung des Lehrerstandes im Rheinland während des 19. Jahrhunderts; S.41
2) Ohlert, Konrad, Das Volksschulwesen S.9, in: "Die Rheinprovinz, 1815-1915" 100 Jahre preußische Herrschaft am Rhein; 
http://booksnow1.scholarsportal.info/ebooks/oca5/37/dierheinprovinz02hansuoft/dierheinprovinz02hansuoft.pdf

3
) Graß,Alfons; Chronik der Schule  Lammersdorf; Monschauer Land Jahrbuch 1984, S.128



Zusammenfassung / Bewertung

Während des 19. Jahrhunderts gelang den Volksschullehrern sozialer Aufstige und gesellschaftliche Anerkennung.
Ausgangspunkt war, den Unterricht als Nebentätigkeit ohne besondere Qualifikationsmerkmale zu betrachten. Wenn man sich die Charakterisierung von Görres ins Gedächtnis ruft, so war die Lehrtätigkeit mit den Leistungen von Schweinehirten und Tagelöhnern vergleichbar. Das bedeutete
"Viele Lehrer lebten mit ihren Angehörigen in Not und Elend, von den Mitmenschen wenig geachtet und sich selbst nicht viel wert."1)
Sie besaßen kaum ein Zusammengehörigkeitsgefühl und bildeten keine einheitliche Berufsgruppe

Am Übergang vom 19. zum 20 Jahrhundert bildeten die Volksschullehrer eine einheitliche Berufsgruppe mit eigenen Verbänden, geregelter Ausbildung und gesichertem Einkommen. 1909 erhielten sie den Beamtenstatus und die damit verbundene Absicherung bei Krankheit und Dienstunfähigkeit, die die vorher bestehenden beruflichen Selbsthilfeeinrichtungen ablöste. 

Gottfried Krapp steht als Lehrer in dieser Entwicklung. Im Gegensatz zu älteren Lehrergenerationen hatte er  eine Seminarausbildung und ein qualifizierendes Abschlußzeugnis. Seine erzielte Abschlußnote im Seminar eröffnete ihm jedoch als Wirkunskreis lediglich wenig attraktive und eher kapitalschwache Landgemeinden wie z.B. Lammersdorf. 
Die Wohnbedingungen  im Schulhaus von Lammersdorf waren, laut Pfarrer Strunk, eine Zumutung, die Arbeitsbedingungen als Lehrer ebenfalls. Es ist heute kaum zu glauben, dass Krapp als einziger Lehrer über 100 Schülerinnen und Schüler in einem relativ kleinen Raum "beschulte". Vor diesem Hintergrund ist der berüchtigte Rutenstock wohl eher als Notwehrinstrument ein zu stufen.
Sein Lehrereinkommen war zwar noch recht dürftig, jedoch war es ein durch die Gemeinde garantiertes fixes Einkommen, das nicht mehr, wie bei früheren Lehrergenerationen mit der Zahl der am Unterricht teilnehmenden Schüler und Schülerinnen schwankte.
Krapp war, im Gegensatz zu späteren Lehrergenerationen, noch auf eine Nebentätigkeit (u.a. Putzen der Kirche) als Küster angewiesen.
Die dadurch bedingte Abhängigkeit, verstärkt durch die in den Landschulen vom Pfarrer dominierte Schulaufsicht 2)belastete das Krappsche Arbeitsverhältnis. 
Als er 1850 wegen eines Zerwürfnis mit dem Pfarrer Bonn Lammersdorf verließ, war er laut Schulchronik ein von allen geachteter Lehrer und damit weg vom Image eines Schweinehirten oder Tagelöhners. 


1) Wynands, Dieter P.J.; Die Herausbildung des Lehrerstandes im Rheinland während des 19. Jahrhunderts; S.161
2) Die von vielen Lehrer als beengend empfundene kirchliche Schulaufsicht endete 1872 im Rahmen des sogenannten Kulturkampfes.


Ein Elementarschullehrer im 18. Jahrhundert


Die Schulsituation im durch kleinere und größere Herrschaftsgebiete zersplitterten Raum der Eifel und angrenzender Gebiete zeigt im 18.Jh. Schulen mit gymnasialem Niveau, vor allem in Städten, und solche, die mitunter den Namen Schule kaum verdienten,  vor allem auf dem Land. Zwischen diesen Formen gab es gleitende Übergänge. Daneben gab es in nicht geringer Zahl Orte, in denen keine regelmäßige Schule abgehalten wurde.

Versetzen wir uns sich in Gedanken in ein ländlich geprägtes Eifeldorf zu Beginn dieses 18.Jh. In diesem für die Region typischen Dorf mit seiner seit Jahrhunderten fest gefügten bäuerlich-handwerklichen Sozialstruktur wäre man vielleicht Ackerer, Handwerker, Tagelöhner, Wollspinnerin, vielleicht ein durchreisender Kesselflicker oder ähnliches gewesen.
Die Lebensperspektiven wären von ihren Möglichkeiten im Dorf bestimmt und begrenzt. Alles was man als Kind zum Ausfüllen seiner Rolle hätten lernen müssen, wäre einem durch das Beispiel der Erwachsenen im täglichen Tun beigebracht worden.
Der Wunsch nach Schulbildung, nach einfachsten Kulturtechniken, wie Lesen, Schreiben, Rechnen war unter diesen sozial-ständischen Bedingungen gering entwickelt.
So war zum einen die gesellschaftliche Situation und die gesellschaftlichen Erwartungen ein relevanter Aspekt in der Schulentwicklung. Ein weiterer Aspekt resultierte aus der Entwicklung des niederen Schulwesens1), das sich seit der Reformation und Gegenreformation2) im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet hatte. Auf dem Lande lag es seit Beginn in den Händen der Kirche. Kirchliche und religiöse Ansprüche bestimmten daher die wesentlichen Anforderungen an den Lehrstoff.

 

Dies zeigt ein Bericht aus einem nicht näher benannten Eifeldorf aus der ersten Hälfte des 18.Jh. 


Der Schulmeister dieses Dorfes war gestorben.Die Dorfgemeinschaft hat sich in der Kirche versammelt, um aus 5 Interessenten den nächsten Lehrer auszuwählen. Unter den Prüflingen war Martin Ott, 30 Jahre alt, von Beruf Schuster, Jacob Maehl, 50 Jahre alt, von Beruf Weber, Philipp Hopp, 60 Jahre alt, von Beruf Schneider, Johann Schütt, 50 Jahre, von Beruf Kesselflicker und Friedrich Loth, 45 Jahre, ehemaliger Unteroffizier.
 
Das Urteil über die Prüfung des später gewählten Jacob Maehl lautete:

 "Jacob Maehl, Weber, hat die 50 Jahre hinter sich, hat gesungen: O Mensch beweine. Zeuch ein zu deinen Toren. Wer nur den lieben Gott läßt walten, - Melodie ging ab in viele anderen Lieder, Stimme sollte stärker sein, quieckte mehrmalen, so doch nit sein muß. Gelesen Jousua 18, 26-29 ohne Fehler. Dreierlei Handschriften gelesen, schwach und mit stocken. Drey Fragen aus dem verstand. Hierin gab er Genugthuungh. Aus dem Katechismo die 10 Gebote und die 41. Frage aufgesagt, ohne Fehler, dictando drey Reihen geschieben - 5 Fehler; des Rechnens ist er nit kundig.“

 Zum Ergebnis der Prüfung heißt es:

 "Es wurde nun einstimmig davon gehalten, daß Jacob Maehl wohl der capabelste. wogegen den anderen, namentlich dem Kesselflicker nit zu trauen seye, sintemalen er viel durch die Lande streiche, dagegen der Kriegsknecht wohl die Fuchtel gegent die armen Kindlein zu stark zu gebrauchen in Verdacht stehe...."3)

 

In der ersten Hälfte des 18.Jh. wirkte in Lammersdorf als geistlicher Rektor Franz Fedder (1708-1749), von dem der Chronist ca 100 Jahre später schrieb:

"Der Jugend widmete Fedder besondere Aufmerksamkeit; er erkannte die Wichtigkeit der Jugendbildung vor vielen seiner Amtsgenossen. .... Der Unterricht bestand im Lesen, Schreiben, Rechnen und Gesang; den größeren Kindern gab er in den Abendstunden Unterricht über Ackerwirthschaft."
 Er schreibt weiter:
"Es lag nicht im Geist der Zeit, und es fehlten besonders hier in der Zeit an Mittel , eine Schule mit einem besoldeten Schulmeister, Magister, einzurichten…“4)

Das Schulehalten war auf dem Lande, wenn es denn überhaupt stattfand, eine Nebentätigkeit der Pfarrer, Küster oder anderer Personen, die sich dadurch ein Zubrot sicherten. Lehrpläne gab es nicht. Die einzige Vorgabe, ohne jede methodische Reflexion, war Gesang, Lesen und Schreiben und keineswegs immer Rechnen.

 


Die Lehrerschaft

Zu Ende des 18.Jh. stellt sich die Lehrerschaft im Wesentlichen wie folgt dar.

An Stadtschulen im kath. Rheinland unterrichteten i.d.R. Schulvikare.  Das waren Kleriker, die über eine gewisse, wenn auch nicht pädagogische, Ausbildung verfügten.

Die Lehrerschaft der Elementarschulen rekrutierte sich
a) aus Absolventen von Gymnasien oder Lateinschulen, 
b) aus der Handwerkerschaft und weiteren pädagogischen Autodidakten, ja es sollen sogar Hirten und Landstreicher dieser Tätigkeit nachgegangen sein.
c) Daneben gab es unter den Schulmeistern die Lese- und Rechenmeister. Diese waren eine gewisse Zeit bei einem erfahrenen Lehrer in die "Lehre" gegangen und verfügten somit über eine gewisse Fachausbildung.5) 


 

Die wirtschaftliche Situation der Elementarlehrer

Die wirtschaftliche Situation der Lehrer, insbesondere derer auf dem Land, war völlig unbefriedigend.
Im Kurkölnischen erhielt ein Lehrer, der regelmäßig 27 - 55 Schüler unterrichtete 70 bis 100 Reichstaler, davon lediglich 40 als garantiertes Fixum. Nach einer Bonner Landmeisterrechnung von 1788/1789 erhielten Beamte, die überwiegend Schreibarbeit ausführten, etwa Hof- und Hofkammersekretäre, zwischen 204 und 209 Reichstaler. Der Jagdschreiber des Oberjägermeister erhielt 153 Reichstaler, ein Violonist der Hofkapelle zwischen 97 und 260 Reichstaler.6) 
In dem niedrigen Einkommen der Lehrer drückt sich auch die Wertschätzung der damaligen ländlichen Gesellschaft für diesen Beruf aus.
Ein Schneider als LehrerEs war der Regelfall, dass der Schulmeister  einen weiteren Beruf ausüben mußte, um ein Einkommen zu erzielen, das existenzsichernd war. Die Eltern, deren wirtschaftliche Lage  häufig ebenfalls prekär war, mussten den Lehrer durch das Schulgeld bezahlen, das der Lehrer mit ihnen frei aushandelte und das er selbst einziehen mußte. Der Schulbesuch war i.d.R. recht unregelmäßig. Die meisten Eltern auf dem Lande schickten ihre Kinder  sporadisch oder nur im Winter zur Schule, so dass das monatliche Einkommen der Lehrer schwankte. Nicht zuletzt dadurch entstanden Zerwürfnisse und die gelegentlich  entwürdigende Situation, in der der Lehrer als Bittsteller auftreten mußte, um sein Geld zu bekommen.

Teil der Entlohnung waren häufig freie Wohnung und Naturalien, wie ein Stück Land oder ein Garten oder der sogenannte Wandeltisch. Bei letzterem wurde der Lehrer reihum in den Familien, aus denen seine Schüler kamen, beköstigt - und mancher Lehrer wird wohl aus manchem Dorf weg gekocht worden sein. 
Viele Eltern, insbesondere wenn die Dörfer fernab aufkommender Industriezentren lagen, fehlte die Einsicht in die Bedeutung einer schulischen Ausbildung, so dass sie ihre Kinder gar nicht in die Schule schickten.


Reformbemühungen

Zu Ende des Alten Reichs setzten unter dem Einfluß der Aufklärung und der zunehmenden Industrialisierung erste Reformbewegungen ein. Ausgangspunkt dieser Bewegung war einmal die philanthropische Idee, dass der aufgeklärte Staat zum Schulträger werden müsse, um den Menschen zu einem "gemeinnützigen, patriotischen und glückseligen" Leben zu führen.7) Das Konzept zielte auf einen Ablösung kirchlicher Zuständigkeit und einer Etablierung staatlicher Schulaufsicht8) durch Schulkommisionen und Schulinspektoren. Eine weitere Motivlinie geht auf die aufklärerische physiokratische Vorstellung zurück, nach der die Landwirtschaft und die arbeitende Schicht die Basis für staatliche -wirtschaftliche Prosperität darstellt.9) Dieser Gedanke wird bei der Betonung der gartenbaulichen Verpflichtung (Obstbaumzucht) der künftigen Volksschullehrer konkret.
Ein weiterer Motor für eine Modernisierung des Elementarschulwesens erwuchs aus der beginnenden Industrialisierung, an der häufig eine reformierte Unternehmerschaft beteiligt war. So wuchs in Städten, aber auch im ländlichen Umfeld  der Anspruch an die Schule. 
Im Hinblick auf das Elementarschulwesen war es vor allem das Bemühen die pädagogische Qualifikation und die soziale Lage der Lehrer zu verbessern. Für Ersteres war die Einrichtung von Normalschulen, einer Art Musterschulen, die der Fortbildung und Ausbildung der Lehrer dienten, wegweisend. Inhaltlich änderte sich am religiösen Schwerpunkt der Lehrertätigkeit und damit auch der Ausbildung kaum etwas, was auch durch den Stellenwert des Religiösen im Prüfungskatalog von 1887 der Normalschule Koblenz deutlich wird.

Prüfungsanforderungen Normalschule Koblenz 1787 Prüfungskataloge der Normalschule Kpoblenz 1787 Prüfungskatalog der Normalschule Koblenz 1787

 

Die Reformbemühungen endeten im linksrheinischen abrupt nach dem Einmarsch französischer Revolutionstruppen und der folgenden Etablierung der französischen Verwaltung.

 1) andere Bezeichnungen: Deutsche Schule im Gegensatz zur Lateinschule, Elementarschule, Trivialschule, Volksschule

2) Reformation: ab 1517; Gegenreformation: ab Konzil von Trient 1545
3) nach Hubert Jenniges; Mönche, Frühmesser, Wanderlehrer, Die Entwicklung des Eifeler Schulwesens bis 1825; aus Tafel, Griffel, Rutenstock, 150 Jahre Eifeler Volksschulen; Herausgeber: Arbeitskreis Eifeler Museen; S.20f
4) Math. Mich. Bonn; Gedenkbüchlein für Lammersdorf im Kreise Montjoie oder Sammlung geschichtler Notizen zunächst über die Kirche daselbst; aus "Katholische Pfarrgemeinde Lammersdorf einst und jetzt" Kreitz, Josef und Arens, Herbert, S.14
5) Wynands, Dieter P.J.; Die Herausbildung des Lehrerstandes im Rheinland während des 19. Jh.;S.23
6) Wynands, ebenda S.24f
7) Keck, Rudolph W. Die Armeleutebildung in den Bildungsvorstellungen und Schulplänen der Philanthropen, S.55 erschienen in: Hg. Albrecht, P., Hinrichs, E. Das niedere Schulwesen im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert
8) Rochow 1775; von diesem wurde der Begriff Volksschule geprägt
9) Keck, ebenda S.55

 


Aus dem Leben des Gottfried Krapp, Lehrer in Lammersdorf

1834 - 1850

Erste Schule von Lammersdorf 1826

Acht Jahre nach Eröffnung des ersten Schulhauses in Lammersdorf trat Gottfried Krapp 1834 dort eine Stelle als Lehrer an.
Als Lehrer stand Krapp in einer langen schulischen und berufständischen Entwicklung. Seine Arbeitsbedingungen und Lebensumstände  sind eine exemplarische Momentaufnahmen eines Lehrerlebens in einer nicht begüterten Landgemeinde in damaliger Zeit. 

Gottfried Krapp war ein Sohn des Försters Josef Wilhelm Krapp und der Petronilla Heymich. Er wurde 1797 in Hambach geboren.1) 1830 heiratete er die Magdalena Ziliken aus Gey, wo er bis 1834 eine Lehrerstelle inne hatte.2) 
In Straß bei Gey wurden dem Ehepaar zwei Söhne, in Lammersdorf  drei weitere Kinder geboren. 

Die Familie wohnte mit diesen fünf Kindern im Lammersdorfer Schulhaus, das im oberen Bild zu sehen ist. Dieses Schulhaus war 1826 zur eher allgemeinen Unzufriedenheit fertiggestellt worden. Im Jahre 1845 berichtete der Lammersdorfer Pfarrer Bonn von einem Brief, den sein Vorgänger Strunk im Jahre 1834 geschrieben hat:
„Bekanntlich ist das Schulhaus in Lammersdorf in so traurigem Zustand, daß ... der Einsturz drohet. Die Wohnung der Lehrers ist [auch jetzt noch 1845, Pfr. Bonn] durch starke Regengüsse so verdorben, daß auch die festeste Gesundheit zugrunde gehen muß.“ 3)

Es war von alters her üblich, dass dem Lehrer, wenn er nicht ortsansäßig war, eine Wohnung zur Verfügung gestellt wurde. Krapp und seine Familie hatte in Lammersdorf eine eignen, wenn auch kaum zumutbare Wohnung. Vergleicht man diese Situation mit der eines Lehrers Keuper in Monschau aus dem Jahre 1732, der im Bürgerhaus seine Wohnung partiell mit dem Stadtrat teilen mußte4), so hatte Krapp aus heutiger Sicht vielleicht etwas mehr Privatsphäre aber kaum mehr.

Darüber hinaus ist in Lammersdorf kein Mitglied der Krappfamilie gestorben. Sie mußten wohl, glaubt man dem Urteil des Chronisten, über eine außergewöhnliche Widerstandskraft verfügt haben.

 


1) https://familysearch.org/
2
) Schulchronik Gey
3) Bonn, Mathias; Gedenkbüchlein für Lammersdorf im Kreise Monschau oder Sammlung geschichtlicher Notizen zunächst über die Kirche daselbst; in Katholische PfarrgemeindeLammersdorf einst und jetzt, Josef Kreitz und Herbert Arens; S.27
4) Neuß, E.,Die Anfänge des Elementarschulwesens in Stadt und Land Monschau;Das Monschauer Land Jahrbuch 21.Jg. 1993; S.94